Auswahl geeigneter Schutzhandschuhe nach EN 388. Schutz vor nechanischen Gefährdungen der Hände -
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Schutz vor nechanischen Gefährdungen der Hände

Auswahl geeig­ne­ter Schutz­hand­schuhe nach EN 388

Auswahl geeigneter Schutzhandschuhe nach EN 388
Die Auswahl des geeigneten Schutzhandschuhs für Arbeiten mit spitzen Gegenständen ist nach wie vor ein heikles Thema. Foto: © W+R INDUSTRY GmbH, Seiz Industriehandschuhe GmbH
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Die Hände des Menschen sind wich­tige Werk­zeuge und Sinnes­or­gane. Da beson­ders expo­niert, sind sie gleich­zei­tig auch beson­ders mecha­ni­schen Gefähr­dun­gen ausge­setzt. Lesen Sie im Folgen­den, wie Sie den passen­den Hand­schutz finden. Dieser Beitrag setzt sich kritisch mit den vorge­schrie­be­nen Hilfe­stel­lun­gen bezie­hungs­weise Infor­ma­tio­nen, resul­tie­rend aus der alten und der neuen EN 388, ausein­an­der, die Hand­schutz­su­chen­den an die Hand gege­ben werden. Anschlie­ßend gibt es Tipps zur Bewer­tung der Schnitt­ge­fähr­dung im Arbeits­all­tag.

Unfall­sta­tis­ti­ken der meis­ten Berufs­ge­nos­sen­schaf­ten bele­gen, dass die Hände die am häufigs­ten betrof­fe­nen Körper­teile bei Arbeits­un­fäl­len sind. Für das Jahr 2014 weist beispiels­weise die Statis­tik der Berufs­ge­nos­sen­schaft Ener­gie Textil Elek­tro Medi­en­er­zeug­nisse (BG ETEM) 22 705 Hand­ver­let­zun­gen aus. Das entspricht in etwa 40 Prozent aller erfass­ten 57 000 melde­pflich­ti­gen Arbeits­un­fälle dieses Jahres.1 Diese Zahlen zeigen: Der Schutz der Hände muss verbes­sert werden.

Schutz­hand­schuhe decken brei­tes Spek­trum ab

Neben den tech­ni­schen und orga­ni­sa­to­ri­schen Maßnah­men kommen zum Schutz der Hände häufig Schutz­hand­schuhe als persön­lich wirk­same Schutz­maß­nahme zum Einsatz. Diese decken das Spekrum vom Schutz gegen chemi­sche Gefähr­dun­gen (EN 374) und Hitze (EN 407) über den Schutz vor elek­tri­schen Körper­strö­men (unter ande­rem EN 60903) bis hin zum Schutz vor mecha­ni­schen Gefähr­dun­gen (EN 388) und vielem mehr ab. Auch Hand­schuhe mit beson­de­ren Aufga­ben wie dem Schutz Drit­ter vor Konta­mi­na­tio­nen (Medi­zin­pro­dukte nach EN 344, oder Hand­schuhe mit der Eignung zur Zube­rei­tung von Lebens­mit­teln), aber auch Hand­schuhe, die Schutz vor mehre­ren Gefähr­dun­gen bieten (zum Beispiel Schwei­ß­er­schutz­hand­schuh nach EN 12477 oder Feuer­wehr­schutz­hand­schuhe nach EN 649) sind verfüg­bar. Für manche Gefähr­dun­gen exis­tiert hinge­gen kein wirk­sa­mer Schutz durch Hand­schuhe. So ist beispiels­weise ein Schutz vor Quetsch­ver­let­zun­gen konstruk­ti­ons­be­dingt mit herkömm­li­chen Hand­schu­hen nicht darstell­bar.

Zur Herstel­lung von Schutz­hand­schu­hen kommen heute nahezu alle denk­ba­ren Mate­ria­lien in Frage, vom klas­si­schen Leder (Schweine-, Rinder-, Ziegen- und Pfer­de­le­der, aber auch Elch­le­der und andere) über Baum­wolle, Kunst­stoffa­sern wie Nylon oder Aramid, Latex, Vinyl, Nitril, Neopren bis hin zu Fluor-Kautschuk wie Viton, oder sogar rost­freier Stahl.

Die Auswahl geeig­ne­ter Hand­schuhe

Entschei­dend bei der Auswahl des rich­ti­gen Schutz­hand­schuhs ist, wie bei allen Maßnah­men des Arbeits­schut­zes, die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung, auf die später noch ausführ­lich einge­gan­gen wird.

Als Persön­li­che Schutz­aus­rüs­tung (PSA) in Verkehr gebracht werden dürfen nur Hand­schuhe, die die grund­sätz­lich in der euro­päi­schen PSA Richt­li­nie (bezie­hungs­weise in deren Vorgän­ger­richt­li­nie und deren natio­na­ler Entspre­chung wie der PSA Verord­nung) fest­ge­leg­ten Anfor­de­run­gen erfül­len. Dies wird in der Regel nach­ge­wie­sen, indem der Herstel­ler bei der Ausfüh­rung der Hand­schuhe auf harmo­ni­sierte Normen zurück­greift.

Einer der häufigs­ten Einsatz­zwe­cke von Schutz­hand­schu­hen ist der Schutz vor mecha­ni­scher Gefähr­dung, wofür regu­lär Schutz­hand­schuhe nach EN 388 einge­setzt werden können. Diese Hand­schuhe erfül­len die Grund­norm EN 420. Darüber hinaus ist vorge­se­hen, dass der zuzu­las­sende Hand­schuh in den Krite­rien „Stich­fes­tig­keit“, „Schnitt­fes­tig­keit“, „Weiter­reiß­be­stän­dig­keit“ und „Abrieb­fes­tig­keit“ weite­ren Prüfun­gen unter­zo­gen wird. Die Güte der Erfül­lung dieser Krite­rien wird mittels eines Zahlen­codes unter dem Pikto­gramm ange­ge­ben (siehe Abbil­dung 1). Inter­es­sant hier­bei ist einer­seits, welche Infor­ma­tio­nen dem Anwen­der zur rich­ti­gen Auswahl des Hand­schuhs zur Verfü­gung gestellt werden müssen, aber auch welche Krite­rien für die Auswahl und welche entschei­dende Infor­ma­tio­nen gar nicht erho­ben werden.

Praxis­re­le­vante Anga­ben fehlen

Fehlend sind beispiels­weise Anga­ben zur Halt­bar­keit, Lager­bar­keit, Wasch­bar­keit, verblei­ben­der Greif­fä­hig­keit und zur Rutsch­fes­tig­keit bezie­hungs­weise Grif­fig­keit der even­tu­ell verwen­de­ten Beschich­tun­gen, obwohl diese Infor­ma­tio­nen sicher­lich für die Auswahl eines geeig­ne­ten Hand­schuhs nicht ohne Inter­esse sind. Statt­des­sen wird die Bestän­dig­keit gegen Abrieb ange­ge­ben, die in gewis­ser Hinsicht ein Maß für die Lang­zeit­sta­bi­li­tät eines Hand­schuhs sein kann. Eine schüt­zende Eigen­schaft verbirgt sich hinter diesem Kenn­wert also nicht.

Dies gilt eben­falls für die stets ange­ge­bene Weiter­reiß­be­stän­dig­keit, die als Infor­ma­tion auch für den Fach­mann in der Regel ohne Wert bleibt. Allen­falls inter­es­sant kann dieser Wert dann sein, wenn aus sicher­heits­tech­ni­schen Grün­den eine höhere Gefähr­dung durch eine hohe Reiß­fes­tig­keit des Hand­schuhs resul­tie­ren kann.2

Blei­ben als sicher­heits­tech­nisch inter­es­sante Kenn­werte also die Stich­fes­tig­keit und die Schnitt­fes­tig­keit. Erstere wird in der zu Grunde geleg­ten Prüfung mittels eines Prüf­dorns von 4,5 mm Durch­mes­ser mit einer auf 1mm abge­run­de­ten Spitze ermit­telt und stellt somit auch keinen in der Praxis verwert­ba­ren Wert dar, der beispiels­weise über einen echten Schutz vor beispiels­weise Kanü­len­sti­chen Auskunft gibt.

Die Schnitt­fes­tig­keit, kodiert in den Stufen X (nicht geprüft) bis 5 ist damit tatsäch­lich der einzige ange­ge­bene sicher­heits­tech­nisch rele­vante Kenn­wert, da ja der Schutz vor Schnitt­ver­let­zun­gen eine der Kern­auf­ga­ben von Schutz­hand­schu­hen nach
EN 388 darstellt.

Prüfung der Schnitt­fes­tig­keit von Hand­schu­hen

Die Schnitt­fes­tig­keit eines Mate­ri­als ist seine Fähig­keit, dem Durch­schnei­den durch eine Klinge oder einer schar­fen Kante Wider­stand zu leis­ten. Für die Bestim­mung der Schnitt­fes­tig­keit nach EN 388 werden ausschließ­lich Prüf­mus­ter aus der Hand-schuhinnenfläche verwen­det. Für die in der Praxis oft erfor­der­li­che und daher bedeu­tende Schnitt­fes­tig­keit im Bereich des Hand­rü­ckens oder der Finger kann der Wert allen­falls nähe­rungs­weise heran­ge­zo­gen werden.

Erstaun­lich auch, dass zur Ermitt­lung der Schnitt­fes­tig­keit die Prüf­mus­ter bei der Prüfung wenig praxis­ge­recht mit einer kreis­för­mig rotie­ren­den Klinge (Rund­klinge) geschnit­ten werden. Dabei bewegt sich die Rund­klinge bei diesem soge­nann­ten „Coup-Test“ unter fest­ge­leg­ter Belas­tung auf dem Prüf­ling hin- und her und dreht sich gleich­zei­tig entge­gen dieser Bewe­gung – simu­liert wird dabei ein soge­nann­ter „ziehen­der Schnitt“. Jeder, der schon einmal mit einem nicht ausrei­chend schar­fen Messer versucht hat ein Stück Wurst zu schnei­den, wird den Effekt kennen, dass durch Hin- und Herbe­we­gen des Messers die Schnitt­leis­tung verbes­sert wird. Dem zugrunde liegt das physi­ka­lisch einleuch­tende Prin­zip, dass sich der effek­tive Schnei­de­win­kel und damit die Schärfe einer Klinge durch die Rela­tiv­be­we­gung zur eigent­li­chen Schnitt­rich­tung erhö­hen. Tech­nisch macht man sich den Effekt des ziehen­den Schnitts auch bei Schnei­de­ma­schi­nen (Aufschnitt­ma­schine, Brot­schnei­de­ma­schine etc.) zunutze.

Bei der Prüfung der Schnitt­fes­tig­keit wird die Prüfung been­det, wenn das Prüf­mus­ter von der Klinge zerschnit­ten wird. Der erreichte Schnitt­schutz­le­vel wird dann basie­rend auf der Anzahl der Zyklen, die für das Zerschnei­den des Prüf­lings notwen­dig waren, errech­net.

Prüfen die Prüf­me­tho­den rich­tig?

Da eine hohe erreichte Anzahl von Zyklen für eine hohe Schnitt­fes­tig­keit spricht, versu­chen Herstel­ler, die Bestän­dig­keit der Gewebe gegen­über Schnit­ten der Rund­klinge im Test zu verbes­sern. Dies errei­chen sie beispiels­weise, in dem sie den verwen­de­ten Fasern Glas­fa­sern oder Kera­mik­fa­sern beimi­schen. Dadurch wird die Schärfe der Rund­klinge bereits bei den ersten Zyklen deut­lich herab­ge­setzt und somit eine höhere Anzahl an Test­zy­klen erreicht. Damit Herstel­ler diesen abstump­fen­den Effekt nicht gren­zen­los ausrei­zen können, sieht die Norm EN 388:20033 vor, dass im Anschluss an die Schnitt­prü­fung ein Kontroll­schnitt an einer genau spezi­fi­zier­ten Baumwoll-Gewebeprobe (Canvas Gewebe) durch­ge­führt wird.

An dieser Stelle erge­ben sich jedoch große Unsi­cher­hei­ten, denn es ist frag­lich, ob tatsäch­lich alle Prüf­in­sti­tute eine von der Leis­tung glei­che Refe­renz­probe benut­zen.4 Eine weitere Unsi­cher­heit der gesam­ten Methode liegt auch in den verwen­de­ten Prüf­ap­pa­ra­tu­ren begrün­det, die in der Regel Einzel­an­fer­ti­gun­gen mit nicht 100 Prozent einheit­li­chen Eigen­schaf­ten sind. Diese nicht einheit­li­chen Anfor­de­run­gen erstre­cken sich auch auf das wich­tigste Prüf­mit­tel, die Rund­klinge aus Wolf­ram­stahl mit einer Vickers­härte von 740 bis 800. Hier sind Tole­ran­zen beim Durch­mes­ser von 45 ± 0,5 mm, bei der Klin­gen­stärke von 3 ± 0,3 mm und dem Schnei­den­win­kel von 30° bis 35° zuläs­sig.

Im Sicher­heits­in­ge­nieur 6/2011 schreibt Frank Zuther dazu: „Die Prüfung der Schnit­tre­sis­tenz von Hand­schu­hen nach der in der EN 388 beschrie­be­nen Methode ist mit der Verwen­dung von Hybrid­gar­nen, die anor­ga­ni­sche Beimi­schun­gen oder Bestand­teile enthal­ten, an ihre Gren­zen gesto­ßen. Mit diesen Bauar­ten werden entspre­chend der Prüf­me­thode nach EN 388 zu hohe Schnitt­schutz­le­vel ermit­telt – und das bei einer unak­zep­ta­blen Repro­du­zier­bar­keit!“

Dennoch bleibt die Schnitt­fes­tig­keit für die meis­ten Anwen­der das entschei­dende Krite­rium bei der Auswahl der Schutz­hand­schuhe, auch wenn der Preis eines Schutz­hand­schuhs mit hoher Schnitt­be­stän­dig­keit ansteigt.

Die neue Norm EN 388:2017–015

Die Probleme des beschrie­be­nen Prüf­ver­fah­rens aus der Norm DIN EN 388:2003 sind seit länge­rem bekannt. Daher muss seit Januar 2017 laut DIN EN 388:2017–01 für soge­nannte Hoch­leis­tungs­fa­sern, die die Klin­gen beim Test abstump­fen lassen, zusätz­lich die Schnitt­schutz­prü­fung gemäß ISO 13997 durch­ge­führt und ausge­wie­sen werden (siehe Abbil­dung 2). So kommen zu den bishe­ri­gen Anga­ben eine zusätz­li­che fünfte Leis­tungs­stufe und eine entspre­chende Kenn­zeich­nung gemäß der ISO 13397 hinzu. Optio­nal kann auch eine sechste Leis­tungs­stufe folgen, welche für Hand­schuhe gilt, die einen zerti­fi­zier­ten Stoß­ein­wir­kungs­schutz (zum Beispiel einge­setzt an Arbeits­plät­zen an denen Click-Montagen erfol­gen) bieten.

In der DIN EN ISO 13997:1999 „Schutz­klei­dung, Mecha­ni­sche Eigen­schaf­ten, Bestim­mung des Wider­stan­des gegen Schnitte mit schar­fen Gegen­stän­den“ wird ein ande­res Prüf­ver­fah­ren zur Bestim­mung der Schnitt­fes­tig­keit beschrie­ben. Dabei wird die erfor­der­li­che Kraft zum Schnei­den des Musters gemes­sen, statt die Anzahl der Zyklen unter einer konstan­ten Kraft abzu­zäh­len. Das Ergeb­nis dieses Coup-Tests kann wahl­weise ange­ge­ben werden. Stumpft die Klinge nicht ab, gilt das Coup-Testverfahren als Refe­renz und sein Ergeb­nis ist auszu­wei­sen. Die Prüfung nach ISO 13997 kann aber immer auch optio­nal durch­ge­führt werden.

Hohe Streu­ung bei den Prüf­ergeb­nis­sen

Dabei entspre­chen die neuen Schnitt­schutz­klas­sen A-F den Kräf­ten in Newton, die aufge­wen­det
werden muss­ten, um den Hand­schuh zu zerschnei­den. Ein mit A gekenn­zeich­ne­ter Hand­schuh wider­stand dabei Kräf­ten von 2N, ein mit F gekenn­zeich­ne­ter 30N.

Aber auch das neue, zusätz­li­che Prüf­ver­fah­ren weist in der Reali­tät immer noch eine sehr hohe Streu­ung der ermit­tel­ten Werte bei unter­schied­li­chen Prüf­in­sti­tu­ten auf und geht eben­falls nicht auf praxis­re­le­vante sicher­heits­tech­ni­sche Krite­rien ein: Beispiels­weise ist es ein offe­nes Geheim­nis, dass die ermit­tel­ten Werte bei nassen, öligen oder auch
warmen oder kalten Hand­schu­hen stark diffe­rie­ren, in der Regel werden beispiels­weise im nassen Zustand deut­lich gerin­gere Bestän­dig­keit gegen Schnitte ermit­telt. Ebenso ist bei den Prüfun­gen genau fest­ge­legt, in welchem Winkel zur Faser geschnit­ten wird – in der Praxis sind jedoch Schnitte in allen Winkeln denk­bar.

Bewer­tung der Schnitt­ge­fähr­dung in der Praxis

Mit in Kraft treten der EN 388: 2017-01 hat der Arbeits­schüt­zer nun die Möglich­keit, aus zwölf unter­schied­li­chen Schnitt­schutz­klas­sen den geeig­ne­ten Schutz­hand­schuh auszu­wäh­len – aller­dings wird ihm dadurch keine Hilfe­stel­lung bei der Beur­tei­lung der Schnitt­ge­fähr­dung im Rahmen der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung gege­ben. Für die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung könn­ten prin­zi­pi­ell Fakto­ren wie die auftre­ten­den Kräfte, der Kanten­win­kel, die Härte des Mate­ri­als der Kante und die Rauhigkeit/Schartigkeit heran­ge­zo­gen werden, aber auch jegli­che Rela­tiv­be­we­gung der schar­fen Kante zum Hand­schuh („ziehen­der Schnitt“) muss dabei berück­sich­tigt werden. Letz­te­res kann beispiels­weise bedeu­ten, dass ein rutsch­fest beschich­te­ter Hand­schuh (Achtung, die Rutsch­fes­tig­keit ist wiederum abhän­gig vom Mate­rial des zu grei­fen­den Gegen­stan­des und von Zwischen­me­dium – Öl führt beispiels­wese zu ganz ande­ren Reib­wer­ten als Wasser oder Staub) mit einer gerin­ge­ren Schnitt­schutz­be­wer­tung einen höhe­ren Schutz gewäh­reis­tet als ein unbe­schich­te­ter Hand­schuh mit hoher Schnitt­schutz­klasse.

Eine einheit­li­che Beur­tei­lung der Schnitt­ge­fähr­dung ist derzeit schlicht nicht möglich, allen­falls
mag eine erfah­rene Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit nach der Methode „π mal Daumen“ die Schnitt­ge­fähr­dung subjek­tiv in die Kate­go­rien „hoch“, „mittel“ und „gering“ eintei­len können. Damit wird die Auswahl des geeig­ne­ten Hand­schuhs aber nicht einfa­cher,
da zur Auswahl wie darge­stellt ja nicht nur zwölf unter­schied­li­che Schnitt­schutz­klas­sen zur Auswahl stehen, sondern auch noch Fakto­ren wie die Beein­träch­ti­gung des Tast­sinns, die Verän­de­rung der Schnitt­fes­tig­keit durch Feuch­tig­keit, die Grif­fig­keit
in Abhän­gig­keit vom Zwischen­me­dium und nicht zuletzt auch wirt­schaft­li­che Krite­rien wie der Preis des Hand­schuhs oder dessen Wasch­bar­keit heran­ge­zo­gen werden müssen.

Ergeb­nisse der Normen­prü­fun­gen heran­zie­hen

Fach­kun­dige können aber die Ergeb­nisse der Normen­prü­fun­gen zur Orien­tie­rung heran­zie­hen, um nach der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung eine erste Vorauswahl der mögli­chen Schutz­hand­schuhe zu tref­fen und letzt­lich unter praxis­ori­en­tier­ten Krite­rien geeig­nete Schutz­pro­dukte auszu­wäh­len. Hilf­reich sind hier auch die Bera­tun­gen der Marken­her­stel­ler von Hand­schu­hen, die in der Regel ihre Kunden an Ihren eige­nen Praxis­er­fah­run­gen teil­ha­ben lassen und diese entspre­chend bera­ten können. Dies bedeu­tet aber, dass in der Praxis nach der Auswahl der vermeint­lich geeig­ne­ten Schutz­hand­schuhe immer in der Folge das tatsäch­li­che Unfall­ge­sche­hen beob­ach­tet werden muss.

Im Rahmen eines vom Autor durch­ge­führ­ten Forschungs­pro­jekts zum Thema stellte sich beispiels­weise heraus, dass bei einem führen­den KFZ-Hersteller zum Karos­se­rie­roh­bau des glei­chen Modells an einem Stand­ort Schutz­hand­schuhe mit der Schnitt­schutz­klasse 1 aus Leder zur Anwen­dung kamen,
am ande­ren Stand­ort wurden Hand­schuhe aus Hoch­leis­tungs­fa­sern mit der Schnitt­schutz­klasse 5 verwen­det. Im Verlet­zungs­ge­sche­hen gab es jedoch zwischen den beiden Stand­or­ten keine rele­van­ten Unter­schiede.

Fazit

Derzeit ist weder das Hand­werks­zeug für eine wirk­lich objek­tive Bewer­tung der Schnitt­ge­fähr­dung im Rahmen der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung vorhan­den, noch sind die Anga­ben zur Leis­tungs­fä­hig­keit des Schnitt­schut­zes von Hand­schu­hen in der Praxis anwend­bar. Daher spielt bei der Auswahl von Hand­schu­hen zum Schutz vor mecha­ni­scher Gefähr­dung die stets gefor­derte Wirk­sam­keits­kon­trolle eine entschei­dende Rolle, um die Auswahl eines Hand­schuh­mo­dells zu bestä­ti­gen oder gege­be­nen­falls zu revi­die­ren.

1 Statis­tik der BG ETEM / 2015

2 Welz T, Hüning A (2017) Bohren mit Handschuhen?-Bloß nicht!, BGHM-Aktuell 2017/5 20–21

3 DIN EN 388:2003 Schutz­hand­schuhe gegen mecha­ni­sche Risi­ken

4 Zuther F (2011) EN 388 – zeit­ge­mäß und geeig­net?, Sicher­heits­in­ge­nieur 2011/6 2–11

5 DIN EN 388:2017–01 Schutz­hand­schuhe gegen mecha­ni­sche Risi­ken

Kenn­zeich­nung von Hand­schu­hen zum Schutz vor mecha­ni­scher Gefähr­dung. Codiert werden die Bestän­dig­keit gegen Abrieb, die Schnitt­fes­tig­keit, die Weiter­reiß­be­stän­dig­keit und der Wider­stand gegen Durch­sti­che unter dem Hammer­pik­to­gramm ange­ge­ben. Wird in einem der geprüf­ten Krite­rien die nied­rigste Stufe nicht erreicht, wird dies durch ein X ange­ge­ben.
Kenn­zeich­nung eines Hand­schuhs nach EN 388: 2017-01. Das Ergeb­nis der Schnitt­fes­tig­keit nach ISO 13997 wird unter­halb des Pikto­gramms an fünf­ter Stelle ange­zeigt.


Autor: Priv. Doz. Dr.-Ing. habil. Andreas Witt­mann

Sicher­heits­in­ge­nieur, Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit

Foto: F. v. Heyden, Univer­si­tät Wupper­tal

Hilf­reich zur Orien­tie­rung sind auch die Praxis­er­fah­run­gen der Marken­her­stel­ler.“

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