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Zusammenarbeit mit dem Einkauf

Auswahl und Einkauf von PSA

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Abb. 1: Zusammenwirken der Beteiligten bei der Auswahl von PSA; Quelle: Rechtsteiner
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Oft sind sich Arbeit­ge­ber ihrer gesetz­li­chen Pflich­ten nicht voll­stän­dig bewusst: Die Auswahl und Beschaf­fung, die Verwen­dung, die Pflege und Instand­hal­tung sowie die Entsor­gung von Persön­li­cher Schutz­aus­rüs­tun­gen (PSA) folgen aus dem Erfor­der­nis des Arbeits­schut­zes. Der folgende Beitrag gibt Hinweise für die Auswahl und den Einkauf von PSA.

Gemäß Arbeits­schutz­ge­setz (ArbSchG) hat der Arbeit­ge­ber – oder die vom Arbeit­ge­ber dazu benannte verant­wort­li­che Führungs­kraft – die Pflicht, Arbeits­plätze im Betrieb auf mögli­che Gefähr­dun­gen hin zu über­prü­fen. Dabei gilt das TOP-Prinzip der Präven­tion: Tech­ni­sche Maßnah­men haben Vorrang vor orga­ni­sa­to­ri­schen und perso­nen­be­zo­ge­nen Maßnah­men.

Rich­tige Auswahl von PSA

Sollte die Ausstat­tung des Arbeit­neh­mers mit PSA erfor­der­lich sein, ist drin­gend zu raten, die Beschäf­tig­ten und die betrof­fe­nen Abtei­lun­gen von Beginn an einzu­be­zie­hen. Denn dort sind die Perso­nen tätig, die entwe­der die PSA benut­zen müssen oder die PSA auswäh­len und beschaf­fen.

In den meis­ten Unter­neh­men geht es beim Thema Einkauf oft unge­ord­net zu. Viele Chefs oder Mana­ger konzen­trie­ren sich – je nach Bran­che – eher auf Forschung und Entwick­lung, Finan­zie­rung, Control­ling, Vertrieb und Marke­ting, statt ebenso die Schub­kraft des Einkaufs zu nutzen. Auch wird ihm die Kompe­tenz für komplexe Bestel­lun­gen aus den Fach­ab­tei­lun­gen aberkannt; ein Grund hier­für sind die fehlende Kommu­ni­ka­tion von Bedar­fen und die nicht erfolgte Einbin­dung in betrieb­li­che Prozesse.

Es entsteht ein Verhält­nis von gegen­sei­ti­ger Gering­schät­zung bis hin zu offen­sicht­li­cher Miss­ach­tung von Know-how. Der Einkauf beschafft Produkte, die niemand will. Die Fach­ab­tei­lung bestellt am Einkauf vorbei, zu völlig über­höh­ten Prei­sen. Abbil­dung 1 zeigt beispiel­haft, wie Perso­nen und Abtei­lun­gen bei der Auswahl von PSA zusam­men­ar­bei­ten soll­ten.

Die Rolle des Einkaufs verste­hen

Der Einkauf berührt aufgrund seiner Aufga­ben alle Abtei­lun­gen und Ebenen in einem Unter­neh­men. Welche Risi­ken im Einkauf bestehen, fasst der Info­kas­ten auf Seite 40 zusam­men. Bei der Bewer­tung von Risi­ken geht es darum, aus der Viel­zahl von Möglich­kei­ten jene heraus­zu­fil­tern, die den größ­ten nega­ti­ven Einfluss haben können. Für jedes Risiko exis­tie­ren eine oder mehrere Ursa­chen: Für den Ausfall einer Person können zum Beispiel ein schlech­tes Betriebs­klima oder ein nicht markt­ge­rech­ter Lohn, aber eben auch ein Arbeits­un­fall oder eine Berufs­krank­heit verant­wort­lich sein. So rückt auch für den Einkauf ganz schnell das Thema PSA an die oberste Stelle!

Rich­ti­ger Einkauf von PSA

Im Rahmen der Beschaf­fung von ersten Muster­tei­len ist zu prüfen, ob die PSA den gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen

  • der neuen PSA-Verordnung (EU) 2016/425 und
  • der PSA-Benutzungsverordnung (PSA-BV) genü­gen sowie
  • die jeweils aktu­el­len EU-Normen zum betref­fen­den Schutz­be­reich erfül­len.

Anhand des Anfor­de­rungs­ka­ta­logs, der aus der Arbeits­platz­be­ur­tei­lung hervor­geht, kann der Einkäu­fer im Zusam­men­spiel mit allen Betei­lig­ten (Fach­ab­tei­lung, Nutzer, Geschäfts­füh­rung, Arbeits­si­cher­heit, Betriebs- oder Perso­nal­rat) offene Fragen mit den geeig­ne­ten Anbie­tern klären und sich ein passen­des Ange­bot unter­brei­ten lassen.

Abb. 1: Zusam­men­wir­ken der Betei­lig­ten bei der Auswahl von PSA; Quelle: Recht­stei­ner

Es ist drin­gend gebo­ten, dass Arbeits­si­cher­heit und Einkauf eng koope­rie­ren: In Trage­ver­su­chen und Tests ist zu ermit­teln, ob die ausge­wählte PSA das gefor­derte Schutz­ni­veau erreicht und weder unter- noch über­schrei­tet. Gemein­sa­mes Ziel muss es sein, das beste Produkt vom besten Liefe­ran­ten zum besten Preis zu beschaf­fen. Die Check­liste auf Seite 40 fasst Hinweise für eine gute abtei­lungs­über­grei­fende Zusam­men­ar­beit zwischen Arbeits­si­cher­heit und Einkauf zusam­men.

Moder­nes Beschaf­fungs­ma­nage­ment hat nichts mehr mit schlich­ter „Preis­drü­cke­rei“ zu tun. Der Liefe­rant muss ein verläss­li­cher Part­ner sein, der sich an die fest­ge­leg­ten Bedin­gun­gen hält. Hier stellt sich eine grund­sätz­li­che Frage: Wo bekommt man den größt­mög­li­chen Über­blick über benö­tigte PSA? Arbeits­si­cher­heit und Einkauf soll­ten sich gemein­sam einen Über­blick über Liefe­ran­ten und Produkte verschaf­fen. Recher­che­mög­lich­kei­ten bietet beispiels­weise die A+A in Düssel­dorf.

Der rich­tige Einkauf von PSA ist kein Hexen­werk, wenn man die genann­ten Grund­sätze und Regeln verin­ner­licht!


Foto: privat

Autorin: Andrea Recht­stei­ner
Dipl.-Ing. Textil- und Beklei­dungs­tech­nik,

Inha­be­rin Bera­tungs­un­ter­neh­men Recht­stei­ner
info@andrea-rechtsteiner.de
www.psa-leicht-gemacht.com


Bewer­tung von Risi­ken

Der erste Schritt zur Bewer­tung von Risi­ken im Einkauf besteht in der Iden­ti­fi­ka­tion und Beschrei­bung poten­zi­el­ler Gefah­ren. Even­tu­elle Probleme oder Schwie­rig­kei­ten werden dabei heraus­ge­ar­bei­tet. Grund­sätz­lich lassen sich zwei Arten von Risi­ken iden­ti­fi­zie­ren:

  1. Interne und externe Risi­ken, die direkt einen finan­zi­el­len Verlust hervor­ru­fen;
  2. Beein­fluss­bare und nicht beein­fluss­bare Risi­ken.

Beispiele für Risi­ken sind:

  • Unter­neh­me­ri­sche Arbeit selbst
  • Fehler von Mitar­bei­tern
  • Schär­fere gesetz­li­che Aufla­gen
  • Wetter­ri­si­ken für Produktions- und Liefer­pro­zesse
  • Heftige Schwan­kun­gen bei Wech­sel­kur­sen

(Quelle: Recht­stei­ner)


Check­liste: Hinweise für die Zusam­men­ar­beit mit dem Einkauf

  • Achten Sie auf detail­lierte Spezi­fi­ka­tio­nen des PSA-Produkts. Damit verset­zen Sie den Einkauf in die Lage, im Inter­net, in Fach­zeit­schrif­ten, auf Messen, in persön­li­chen Gesprä­chen vor Ort im Betrieb oder bei Termi­nen mit poten­zi­el­len Anbie­tern nach einer Auswahl von geeig­ne­ten PSA-Produkten zu suchen. Der Einkauf muss ein Infor­ma­ti­ons­bro­ker und Dienst­leis­ter für die Fach­ab­tei­lung sein.
  • Treten Sie bei Gesprä­chen mit Liefe­ran­ten immer gemein­sam auf. Verschaf­fen Sie sich gemein­sam einen Markt­über­blick, zum Beispiel bei
    gemein­sa­men Messe­be­su­chen.
  • Stel­len Sie sicher, dass alle Infor­ma­tio­nen vom und zum Liefe­ran­ten ausschließ­lich über die auto­ri­sier­ten Perso­nen im Einkauf laufen, damit vom Liefe­ran­ten nicht alle Preis­re­gis­ter gezo­gen werden. Das stärkt die Posi­tion des Einkaufs und redu­ziert inef­fi­zi­ente Einkauf­an­stren­gun­gen von Fach­ab­tei­lun­gen. Diese Vorge­hens­weise setzt einen mit allen Kompe­ten­zen ausge­stat­te­ten Einkauf voraus, der ohne Selbst­über­schät­zung und erfolgs­ori­en­tiert handelt.

(Quelle: Recht­stei­ner)

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