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DFG-MAK- und BAT-Werte-Liste 2020

DFG-MAK- und BAT-Werte-Liste 2020
DFG-MAK-Werte-Liste auf neuer Plattform

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Die neue Internet-Plattform zur Veröffentlichung der MAK-Werte-Liste soll schon bald weiterführende Suchfunktionen und Möglichkeiten der wissenschaftlichen Nutzung der Inhalte bieten. Foto: ZB MED
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Auch 2020 wur­den wieder die neuen Vorschläge der Ständi­gen Sen­atskom­mis­sion zur Prü­fung gesund­heitss­chädlich­er Arbeitsstoffe der Deutschen Forschungs­ge­mein­schaft (DFG-Arbeitsstof­fkom­mis­sion) für MAK- und BAT-Werte sowie Stoff­be­w­er­tun­gen im Juli veröf­fentlicht und dem Bun­de­sar­beitsmin­is­teri­um übergeben. In diesem Jahr ist die neue MAK-Werte-Liste jedoch auf ein­er neuen Inter­net-Plat­tform (https://series.publisso.de/pgseries/overview/mak) erschienen.

Diese neue Pub­lika­tion­splat­tform ist aus einem öffentlichen Ver­gabev­er­fahren an ZB MED – Infor­ma­tion­szen­trum Lebenswis­senschaften überge­gan­gen. ZB MED etabliert, inhaltlich unter­stützt durch das wis­senschaftliche Sekre­tari­at der Kom­mis­sion, diese neue Plat­tform, die mit weit­er­führen­den Such­funk­tio­nen und Möglichkeit­en der wis­senschaftlichen Nutzung der Inhalte verse­hen wer­den soll.

Zunächst wer­den die neuen Veröf­fentlichun­gen der Kom­mis­sion über diese neue Plat­tform zugänglich gemacht. Vorge­se­hen ist, dass mit­tel­fristig alle Werke der Kom­mis­sion auf der neuen Plat­tform auffind­bar und durch­such­bar sind. Zudem sollen die Pub­lika­tio­nen bald auch in HTML und XML abruf­bar sein.

Der erste Ein­druck ist dur­chaus pos­i­tiv: So lässt sich in der neuen Liste 2020 prob­lem­los zum Beispiel auch nach CAS-Num­mern suchen, was bish­er aus tech­nis­chen Grün­den schwierig (und nur mit eini­gen Tricks und eingeschränkt möglich) war.

Unterschiede zwischen DFG-Liste und TRGS 900 ff.

Wer sich etwas inten­siv­er mit Arbeit­splatz­gren­zw­erten befasst, stößt beim Ver­gle­ich der DFG-MAK-Werte-Liste mit den ein­schlägi­gen Tech­nis­chen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) – also etwa

  • TRGS 900 „Arbeit­splatz­gren­zw­erte“
  • TRGS 903 „Biol­o­gis­che Gren­zw­erte (BGW)“
  • TRGS 905 „Verze­ich­nis kreb­serzeu­gen­der, keimzell­mu­ta­gen­er oder repro­duk­tion­stox­is­ch­er Stoffe“

schnell auf Unter­schiede in den Beze­ich­nun­gen der Gren­zw­erte selb­st als auch der Beze­ich­nun­gen für einzelne Kat­e­gorien, etwa für Schwanger­schafts­grup­pen oder kreb­serzeu­gende Stoffe (vgl. Tabelle 1 auf Seite 30). Wie kom­men diese Unter­schiede zustande?

Die „MAK-Werte“ der DFG-Sen­atskom­mis­sion heißen schon so seit Beste­hen der Kom­mis­sion (mehr als 60 Jahre!). Ihre Def­i­n­i­tion ist seit­dem in den Grundzü­gen auch unverän­dert – abge­se­hen von Aktu­al­isierun­gen auf Grund­lage der wis­senschaftlichen Entwick­lung. Gle­ich­es gilt für die anderen Begriffs­bes­tim­mungen in diesem Bereich.

Hierzu muss man auch wis­sen, dass die MAK-Werte-Liste von „freien Wis­senschaftlern“ erstellt wird. Diese Wis­senschaftler sind meist Hochschullehrer aus dem Bere­ich Toxikolo­gie oder Arbeitsmedi­zin, die eben die „Frei­heit der Wis­senschaft“ für sich in Anspruch nehmen.

Viele dieser Wis­senschaftler sind zwar auch in den inter­na­tionalen Gremien – zum Beispiel bei der EU – tätig, wo die Ein­stu­fun­gen und Bew­er­tun­gen der EU erar­beit­et wer­den, die dann zum Beispiel in Anhang VI der CLP-Verord­nung ihren Nieder­schlag find­en. Aber dort gel­ten natür­lich dann die Randbe­din­gun­gen, die in der EU verbindlich geset­zt werden.

Die „AGW“ des BMAS beziehungsweise der TRGS 900 haben dage­gen in den let­zten Jahrzehn­ten etliche Male ihren Namen geän­dert, ver­bun­den auch mit wesentlichen inhaltlichen Änderun­gen in den Def­i­n­i­tio­nen. Zu Beginn dieses Jahrhun­derts waren diese ständi­gen (inhaltlichen!) Änderun­gen auch für Fach­leute kaum noch nachzu­vol­lziehen. Mit der Def­i­n­i­tion der DFG stimmte die „MAK“-Definition in der TRGS 900 nur noch in Aus­nah­me­fällen überein.

Als Kon­se­quenz wur­den damals (2005) etwa die Hälfte der Werte aus der TRGS 900 gestrichen und die Werte in „Arbeit­splatz­gren­zw­erte – AGW“ umbenannt.

Diese abwe­ichende Beze­ich­nung hat auch inhaltliche Bedeu­tung: In die TRGS 900 müssen auf Grund der EU-Geset­zge­bung auch EU-Gren­zw­erte (zum Beispiel BOELV – Bind­ing Occu­pa­tion­al Expo­sure Lev­els) aufgenom­men wer­den, die nicht in der MAK-Werte-Liste der DFG ste­hen und die zum Teil nach anderen Kri­te­rien abgeleit­et werden.

Ein­stu­fun­gen – zum Beispiel als sen­si­bil­isierend – nach Anhang VI der CLP-Verord­nung sind im staatlichen Recht (TRGS 900/903) bindend, nicht dage­gen für die „freien“ Wis­senschaftler der DFG:

Darüber hin­aus gibt es zum Beispiel für kreb­serzeu­gende oder repro­duk­tion­stox­is­che Stoffe teil­weise abwe­ichende oder zusät­zliche Kri­te­rien in der EU/TRGS 900/903 und bei der DFG. Hier­mit berück­sichtigt die DFG-Sen­atskom­mis­sion aktuelle wis­senschaftliche Entwick­lun­gen, die bei der EU nur mit Verzögerung in die CLP-Verord­nung aufgenom­men wer­den können.

Hierzu kommt noch, dass die CLP-Verord­nung keine reine europäis­che Regelung ist. Sie beruht vielmehr auf dem inter­na­tionalen und bei der UN entwick­el­ten „Glob­al Har­mon­isierten Sys­tem“ (GHS).

Weit­er­hin ist zu beacht­en, dass die DFG-Liste aktueller ist als die TRGS 900/903; der Auss­chuss für Gefahrstoffe (AGS) übern­immt zwar in der Regel neue DFG-MAK/­BAT-Werte und geän­derte Bew­er­tun­gen meist unverän­dert, allerdinge erst mit ein­er Verzögerung von zwei bis drei Jahren. Dies bezieht sich auch auf CMR-Ein­stu­fun­gen, wobei die DFG Bew­er­tun­gen hat, die es im staatlichen Recht nicht gibt (siehe hierzu auch die entsprechen­den Hin­weise in diesem Beitrag).

Außer­dem übern­immt die TRGS 900/903 nur Stoffe mit einem numerischen MAK/AGW beziehungsweise BAT/BGW, Ein­träge bei der DFG mit Hin­weisen etwa auf DFG-Abschnitt IIa oder CMR ohne numerischen Gren­zw­ert find­en sich in der TRGS 900/903 nicht wieder.

Um diese Unter­schiede deut­lich zu machen, ist auch die Nomen­klatur in bei­den Sys­te­men unter­schiedlich. Das staatliche Recht ori­en­tiert sich dabei naturgemäß an den Vor­gaben der EU.

Welche Bedeutung hat die DFG-Liste für den Arbeitsschutz?

Die Deutsche Forschungs­ge­mein­schaft übergibt ihre MAK-Werte-Liste alljährlich im Juli dem Bun­desmin­is­teri­um für Arbeit und Soziales (BMAS) als Bestandteil ihrer Politikberatung.

Danach haben alle betrof­fe­nen und inter­essierten Kreise jew­eils bis zum 1. Feb­ru­ar des fol­gen­den Jahres Gele­gen­heit, zu den Neuerun­gen Stel­lung zu nehmen und Kom­mentare hierzu einzure­ichen. Dabei geht es allerd­ings auss­chließlich um wis­senschaftliche Stel­lung­nah­men. Fra­gen der prak­tis­chen Umset­zung von neuen oder abge­senk­ten Gren­zw­erten oder „schär­fer­en“ Ein­stu­fun­gen wer­den hier­bei nicht berücksichtigt.

Die Kom­mis­sion disku­tiert die ein­gere­icht­en Stel­lung­nah­men im darauf­fol­gen­den Jahr, um ihre Vorschläge gegebe­nen­falls zu ändern oder zu ergänzen, bevor diese endgültig ver­ab­schiedet wer­den oder erforder­lichen­falls auch zurückziehen. Dies ist in den zurück­liegen­den Jahren – wenn auch nicht in diesem Jahr – bere­its mehrfach geschehen.

Die Betra­ch­tung der Möglichkeit­en zur prak­tis­chen Umset­zung obliegt dem Auss­chuss für Gefahrstoffe (AGS), wenn er im Jahr nach der endgülti­gen Annahme durch die Kom­mis­sion über die Auf­nahme neuer oder geän­dert­er Gren­zw­erte in die TRGS 900 „Luft­gren­zw­erte“ beziehungsweise TRGS 903 „Biol­o­gis­che Gren­zw­erte (BGW)“ oder geän­dert­er Stoff­be­w­er­tun­gen in die TRGS 905 „Verze­ich­nis kreb­serzeu­gen­der, keimzell­mu­ta­gen­er oder repro­duk­tion­stox­is­ch­er Stoffe“ beschließt.

Wenn die Über­nahme neuer oder geän­dert­er Gren­zw­erte in der Prax­is Prob­leme bere­it­et, wird der AGS auch hierüber berat­en und gegebe­nen­falls geeignete Präven­tion­s­maß­nah­men vorschla­gen, erforder­lichen­falls auch spezielle Präven­tion­spro­gramme auflegen.

Daraus ergibt sich, dass es auch für die betrieblichen Prak­tik­er von Bedeu­tung ist, sich schon frühzeit­ig mit den neuen Vorschlä­gen der DFG auseinan­der zu set­zen und falls erforder­lich im eige­nen Betrieb zu über­prüfen, ob die neuen Werte einge­hal­ten wer­den kön­nen. Sollte dies offen­sichtlich nicht möglich sein, soll­ten Sie frühzeit­ig mit den Tech­nis­chen Auf­sichts­di­en­sten, zum Beispiel der Unfal­lver­sicherung Kon­takt aufnehmen, um nach geeigneten Lösun­gen zu suchen. Dort wird man erforder­lichen­falls dann auch den AGS einschalten.

Im Anschluss an die Veröf­fentlichung der Liste über­prüft der Auss­chuss für Gefahrstoffe (AGS) die Vorschläge für neue Gren­zw­erte und Stoff­be­w­er­tun­gen und emp­fiehlt in der Regel ihre Über­nahme in die Tech­nis­chen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) 900 und 903 sowie gegebe­nen­falls in die TRGS 905.

Luftgrenzwerte 2020

Im Bere­ich der Luft­gren­zw­erte gibt es in diesem Jahr 66 Änderun­gen und Ergänzun­gen für ins­ge­samt 19 Stoffe oder Stof­f­grup­pen; dazu kom­men noch 42 Werte bei ins­ge­samt 15 Stof­fen, die über­prüft und ohne Änderun­gen bestätigt wur­den, darunter die zwei kom­plett über­prüften Stoffe/Stoffgruppen

  • Chlorthalonil [1897–45–6] und
  • Xylol (alle Iso­mere) [1330–20–7].

Auch 2020 ist die Anzahl der MAK-Werte erneut gewach­sen, nach­dem schon in den ver­gan­genen Jahren zahlre­iche neue MAK-Werte in die Liste aufgenom­men wor­den waren. In diesem Jahr gibt es acht neue MAK-Werte, davon vier für Stoffe, die erst­mals in der Liste auftauchen.

Aber auch bei den Stoff­be­w­er­tun­gen wie zum Beispiel den Kanze­ro­gen­ität­se­in­stu­fun­gen, den Keimzell­mu­ta­ge­nen oder den Schwanger­schafts­grup­pen gibt es zahlre­iche Neuerungen.

Bei den biol­o­gis­chen Werten gibt es in diesem Jahr 15 Ein­träge, davon zehn neue Posi­tio­nen mit sieben Stof­fen, die bish­er noch nicht in dieser Liste genan­nt wurden.

Neuaufnahmen

Die Liste der MAK-Werte enthält in diesem Jahr fünf neue Stof­fein­träge für

  • 2‑Butanthiol [513–53–1] (neuer MAK-Wert, Bew­er­tung als hautre­sorp­tiv – Anmerkung „H“), Bew­er­tung als Schwanger­schafts­gruppe D)
  • N‑Butyl‑1,2‑benzisothiazolin-3-on [4299–07–4] (Ver­weis auf Abschnitt IIb „Stoffe, für die derzeit keine MAK-Werte aufgestellt wer­den kön­nen“ und Xc „Kühlschmier­stoffe etc.“, Bew­er­tung als haut­sen­si­bil­isierend – Anmerkung Sh)
  • 2‑Methyl-2-propan­thi­ol [75–66–1] (neuer MAK-Wert, Bew­er­tung als hautre­sorp­tiv und haut­sen­si­bil­isierend – Anmerkung „H/Sh“, Bew­er­tung als Schwanger­schafts­gruppe C)
  • Pig­ment Yel­low 12 [6358–85–6], Pig­ment Yel­low 13 [5102–83–0], Pig­ment Yel­low 83 [5567–15–7] (alve­olengängige Frak­tion) (neuer MAK-Wert, keine Bew­er­tung als hautre­sorp­tiv und haut­sen­si­bil­isierend – keine Anmerkung „H/Sh“, Bew­er­tung als kreb­serzeu­gend Kat­e­gorie 4, keine Bew­er­tung als Keimzell­mu­ta­gen, Bew­er­tung als Schwanger­schafts­gruppe C)
  • O,O,O‑Triphenylmonothiophosphat [597–82–0] (neuer MAK-Wert mit Hin­weis auf Abschnitt Xc „Kühlschmier­stoffe, Hydraulik­flüs­sigkeit­en und andere Schmier­stoffe“, keine Bew­er­tung als hautre­sorp­tiv und haut­sen­si­bil­isierend – keine Anmerkung „H/Sh“, keine Bew­er­tung als kreb­serzeu­gend, keine Bew­er­tung als Keimzell­mu­ta­gen, Bew­er­tung als Schwanger­schafts­gruppe D)

Für die nach­fol­gend genan­nten vier Stoffe, die bere­its zuvor in der Liste enthal­ten waren, gibt es erst­mals einen MAK-Wert:

  • Per­ox­yessigsäure [79–21–0] (bish­er ohne MAK-Wert)
  • N‑Phenyl-1-naph­thy­lamin [90–30–2] (bish­er ohne MAK-Wert)
  • Toluylendi­iso­cyanate: 2,4‑Toluylendiisocyanat [584–84–9], 2,6‑Toluylendiisocyanat [91–08–7] und Toluylendi­iso­cyanate, Gemisch [26471–62–5] (bish­er ohne MAK-Wert)
  • Triph­enylphos­phat [115–86–6] (bish­er ohne MAK-Wert)

Ins­ge­samt wur­den so also für ins­ge­samt neun Stoffe beziehungsweise Stof­f­grup­pen erst­mals MAK-Werte fest­gelegt (für fünf neue und vier bere­its vorhan­dene Ein­träge). Da in diesem Jahr kein beste­hen­der MAK-Wert zurück­ge­zo­gen wurde, ist die Gesamtzahl der MAK-Werte erneut entsprechend gestiegen.

Der neue MAK-Wert, der für die alve­olengängige Staubfrak­tion der Farb­stoffe Pig­ment Yel­low fest­gelegt wurde, muss mit der Mate­rialdichte 0,5 mul­ti­pliziert wer­den; mit dem Gren­zw­ert von 0,3 mg/m³, einem Kurzzeitwert von II(8) und Bew­er­tung als „kreb­serzeu­gend“ Kat­e­gorie 4 (sowie der Schwanger­schafts­gruppe C) entsprechen diese Werte exakt dem Wert für den All­ge­meinen Staub­gren­zw­ert (alve­olengängige Frak­tion; gran­uläre biobeständi­ge Stäube, GBS), siehe Abschnitt Vf) der Liste.

Änderungen

In diesem Jahr wur­den zwei MAK-Werte abgesenkt:

  • Chlormethan [74–87–3] (Fak­tor 5)
  • Diethyleng­lykol­dimethylether [111–96–6] (Fak­tor 5)

Darüber hin­aus wur­den in diesem Jahr zwei Stoffe hin­sichtlich ihres MAK-Wertes über­prüft, ohne dass Änderun­gen erforder­lich waren:

  • Chlorthalonil [1897–45–6] und
  • Xylol (alle Iso­mere) [1330–20–7]

Weitere Hinweise – Fußnoten

Für den neu in die Liste aufgenomme­nen Stoff N‑Butyl‑1,2‑benzisothiazolin-3-on [4299–07–4] wurde ein Ver­weis auf Abschnitt IIb „Stoffe, für die derzeit keine MAK-Werte aufgestellt wer­den kön­nen“ aufgenommen.

Für zwei Neuauf­nah­men wurde ein Hin­weis auf Abschnitt Xc „Kühlschmier­stoffe, Hydraulik­flüs­sigkeit­en und andere Schmier­stoffe“ vergeben:

  • N‑Butyl‑1,2‑benzisothiazolin-3-on [4299–07–4] und
  • O,O,O‑Triphenylmonothiophosphat [597–82–0].

Spitzenbegrenzung

Es gibt zwei Kat­e­gorien für die zuläs­sige kurzzeit­ige Über­schre­itung von Schichtmittelwerten:

  • Kat­e­gorie I: Stoffe, bei denen die lokale Reizwirkung gren­zw­ertbes­tim­mend ist oder atemwegssen­si­bil­isierende Stoffe
  • Kat­e­gorie II: resorp­tiv wirk­same Stoffe.

Die Zahl in Klam­mern hin­ter der Kat­e­gorie beze­ich­net den zuläs­si­gen Über­schre­itungs­fak­tor; dabei ist eine solche Über­schre­itung höch­stens vier­mal pro Arbeitss­chicht als Mit­tel­w­ert für jew­eils 15 Minuten zuläs­sig. Der zeitliche Abstand der einzel­nen Über­schre­itungspe­ri­o­den soll dabei min­destens eine Stunde betragen.

In eini­gen Fällen wer­den bei Stof­fen der Kurzzeitkat­e­gorie I Hin­weise auf Spitzenkonzen­tra­tio­nen gegeben, die nicht über­schrit­ten wer­den soll­ten, in diesem Jahr etwa für die Toluylendi­iso­cyanate (2,4‑Toluylendiisocyanat [584–84–9], 2,6‑Toluylendiisocyanat [91–08–7] und Toluylendi­iso­cyanate, Gemisch [26471–62–5].

In diesem Jahr wur­den sechs beste­hende Kurzzeitkat­e­gorien geän­dert und vier­mal erst­mals vergeben (sämtlich Neuauf­nah­men); dabei hat die Kommission

  • 2 x die Kurzzeitwertkat­e­gorie I(1) für
  • Per­ox­yessigsäure [79–21–0] (bish­er ohne Kurzzeitkategorie)
  • Toluylendi­iso­cyanate: 2,4‑Toluylendiisocyanat [584–84–9], 2,6‑Toluylendiisocyanat [91–08–7] und Toluylendi­iso­cyanate, Gemisch [26471– 62–5] (bish­er ohne Kurzzeitkat­e­gorie, Hin­weis auf Spitzenbegrenzung)
  • 1 x die Kurzzeitwertkat­e­gorie II(1) für
  • Chlormethan [74–87–3] (bish­er Kurzzeitkat­e­gorie II(2)
  • 6 x die Kurzzeitwertkat­e­gorie II(2) für
  • 2‑Butanthiol [513–53–1] (Neuauf­nahme)
  • 2‑Methyl-2-propan­thi­ol [75–66–1] (Neuauf­nahme)
  • N‑Phenyl-1-naph­thy­lamin [90–30–2] (bish­er ohne Kurzzeitkategorie)
  • Tolu­ol [108–88–3] (bish­er Kurzzeitkat­e­gorie II(4)
  • O,O,O‑Triphenylmonothiophosphat [597–82–0] (Neuauf­nahme)
  • Triph­enylphos­phat [115–86–6] (bish­er ohne Kurzzeitkategorie)
  • 1 x die Kurzzeitwertkat­e­gorie II(8) für
  • Pig­ment Yel­low 12 [6358–85–6], Pig­ment Yel­low 13 [5102–83–0], Pig­ment Yel­low 83 [5567–15–7] (alve­olengängige Frak­tion) (Neuauf­nahme).

vergeben.

Für Diethyleng­lykol­dimethylether [111– 96–6] wurde die Kurzzeitkat­e­gorien bestätigt (Kat­e­gorie II(8), über­prüft ohne Änderungen).

Sensibilisierende Stoffe und Aufnahme durch die Haut

Zwei neu in die Liste aufgenommene Stoffe erhiel­ten in diesem Jahr die Zusatzbeze­ich­nung „Sh“ für Sen­si­bil­isierung bei Hautkontakt:

  • N‑Butyl‑1,2‑benzisothiazolin-3-on [4299–07–4]
  • 2‑Methyl-2-propan­thi­ol [75–66–1] (zusam­men mit der Anmerkung H).

Die Zusatzbeze­ich­nung „Sa“ für Sen­si­bil­isierung beim Einat­men wurde in diesem Jahr nicht vergeben.

Für die nach­fol­gend genan­nten zwölf Stoffe wur­den die haut­sen­si­b­lisieren­den Eigen­schaften über­prüft und die bish­erige Bew­er­tung bestätigt:

  • Chlormethan [74–87–3] (ohne Anmerkung Sh)
  • 1,2‑Dichlorpropan [78–87–5] (ohne Anmerkung Sh)
  • Diethyleng­lykol­dimethylether [111–96–6] (ohne Anmerkung Sh)
  • 1,1‑Dimethylhydrazin [57–14–7] (Sh)
  • 1,2‑Dimethylhydrazin [540–73–8] (Sh)
  • Monomethyl­hy­drazin [60–34–4] (Sh)
  • Per­ox­yessigsäure [79–21–0] (ohne Anmerkung Sh)
  • N‑Phenyl-1-naph­thy­lamin [90–30–2] (Sh)
  • N‑Phenyl-2-naph­thy­lamin [135–88–6] (Sh)
  • Tolu­ol [108–88–3] (ohne Anmerkung Sh)
  • Toluylendi­iso­cyanate: 2,4‑Toluylendiisocyanat [584–84–9], 2,6‑Toluylendiisocyanat [91–08–7] und Toluylendi­iso­cyanate, Gemisch [26471–62–5] (Sah)
  • Triph­enylphos­phat [115–86–6] (ohne Anmerkung Sh).

Vier Stoffe (davon zwei Neuauf­nah­men) erhiel­ten in diesem Jahr die Zusatzbeze­ich­nung „H“ für Gefährdung durch Hautkontakt:

  • 2‑Butanthiol [513–53–1] (Neuauf­nahme)
  • 1,2‑Dichlorpropan [78–87–5] (bish­er ohne Anmerkung H)
  • 2‑Methyl-2-propan­thi­ol [75–66–1] (Neuauf­nahme; zusam­men mit Anmerkung Sh)
  • N‑Phenyl-2-naph­thy­lamin [135–88–6] (bish­er ohne Anmerkung H).

Bei diesen Stof­fen trägt die Auf­nahme durch die Haut wesentlich zum tox­is­chen Gefährdungspoten­zial bei.

Die Bew­er­tung als „hautre­sorp­tiv“ für Chlormethan [74–87–3] wurde aufgehoben.

Für die drei Neuaufnahmen

  • N‑Butyl‑1,2‑benzisothiazolin-3-on [4299–07–4]
  • Pig­ment Yel­low 12 [6358–85–6], Pig­ment Yel­low 13 [5102–83–0], Pig­ment Yel­low 83 [5567–15–7] (alve­olengängige Frak­tion) und
  • O,O,O‑Triphenylmonothiophosphat [597–82–0]

wur­den die hautre­sorp­tiv­en Eigen­schaften geprüft und nicht vergeben.

Für neun beste­hende Ein­träge wurde in diesem Jahr die Bew­er­tung zur Hautre­sorp­tion über­prüft und bestätigt:

  • Diethyleng­lykol­dimethylether [111–96–6] (H)
  • 1,1‑Dimethylhydrazin [57–14–7] (H)
  • 1,2‑Dimethylhydrazin [540–73–8] (H)
  • Monomethyl­hy­drazin [60–34–4] (H)
  • Per­ox­yessigsäure [79–21–0] (keine Anmerkung H)
  • N‑Phenyl-1-naph­thy­lamin [90–30–2] (keine Anmerkung H)
  • Tolu­ol [108–88–3] (H)
  • Toluylendi­iso­cyanate: 2,4‑Toluylendiisocyanat [584–84–9], 2,6‑Toluylendiisocyanat [91–08–7] und Toluylendi­iso­cyanate, Gemisch [26471–62–5] (keine Anmerkung H)
  • Triph­enylphos­phat [115–86–6] (keine Anmerkung H).

Der zweite Teil dieses Beitrags im näch­sten Heft erläutert die Änderun­gen bei den kreb­serzeu­gen­den, keimzell­mu­ta­ge­nen oder fortpflanzungs­ge­fährden­den (CMR) Stof­fen sowie bei den Biol­o­gis­chen Beurteilungswerten (BAT, EKA, BLW und BAR).


Autor: Dr. Ulrich Welzbacher
Sankt Augustin
autor@gefahrstoffinformation.de

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