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Fachkräfte für Arbeitssicherheit sind fachkundige Unterstützer des Unternehmers

Anforderungen und Aufgaben
Fach­kräfte für Arbeits­si­cher­heit – Fach­kun­dige Unter­stüt­zer des Unter­neh­mers

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Fachkräfte beraten und unterstützen, um Sicherheit und Gesundheit in Unternehmen zu gewährleiten - und um letztendlich auch den Unternehmenserfolg zu sichern. Foto: © Jakub Jirsák – stock.adobe.com
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Die Aufga­ben der Fach­kräfte für Arbeits­si­cher­heit sind im Arbeits­si­cher­heits­ge­setz aufge­führt. Auch andere Vorschrif­ten bezie­hen sich mitt­ler­weile auf die Fach­kräfte für Arbeits­si­cher­heit und weisen ihnen bestimmte Aufga­ben zu. Und häufig genug werden sie zu ande­ren Themen gefragt, die origi­när nichts mit ihren Aufga­ben als Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit zu tun haben schei­nen. Doch was sind die origi­nä­ren Aufga­ben von Fach­kräf­ten für Arbeits­si­cher­heit?

Fach­kräfte für Arbeits­si­cher­heit (Sifas), hier insbe­son­dere die über­be­trieb­lich täti­gen Kolle­gin­nen und Kolle­gen, kommen viel rum und sehen immer wieder Neues. Gerne verglei­che ich diese Tätig­keit und die Erkennt­nisse, die ich und andere Fach­kräfte für Arbeits­si­cher­heit daraus gewin­nen, mit der Sendung mit der Maus. Denn das erwor­bene Wissen weckt natür­lich bei der Kund­schaft entspre­chende Begehr­lich­kei­ten, um ihre Orga­ni­sa­tion oder ihr Geschäft zu verbes­sern. Daher werden Fach­kräfte für Arbeits­si­cher­heit immer wieder zu Themen gefragt, die mit ihrer eigent­li­chen Aufgabe nichts oder nur sehr wenig oder entfernt etwas zu tun haben. Auf der ande­ren Seite werden Sifas aber auch in Themen einbe­zo­gen, die Entschei­dun­gen fordern (sowohl fach­li­cher wie perso­nel­ler Art) und von denen erwar­tet wird, dass Sifas sich entspre­chend einbrin­gen.

Die Zutei­lung von „fach­frem­den“ Aufga­ben ist nicht nur eine Heraus­for­de­rung für die über­be­trieb­li­chen Dienste und frei­be­ruf­lich täti­gen Kolle­gin­nen und Kolle­gen, sondern vor allem auch für die in den Betrie­ben fest­an­ge­stell­ten Sifas. Eine Grenz­zie­hung zwischen dem, was Sifas tun sollen, und dem, was Sifas lassen soll­ten, ist häufig schwie­rig. Daher versu­che ich im Folgen­den, Hinweise für diese Grenz­zie­hung zu entwi­ckeln.

Vor dersel­ben Heraus­for­de­rung stehen übri­gens auch die Betriebs­ärz­tin­nen und Betriebs­ärzte. Im Gegen­satz zu Fach­kräf­ten für Arbeits­si­cher­heit können sie sich aber immer wieder auf ihre Schwei­ge­pflicht und auf ihr Stan­des­recht bezie­hen. Dennoch verblei­ben auch dort häufig noch Unsi­cher­hei­ten, die im Folgen­den, da ich kein Fach­arzt für Arbeits­me­di­zin oder ein Arzt mit Gebiets­be­zeich­nung Betriebs­me­di­zin bin, nicht beant­wor­ten werde.

Das Gesetz

Laut § 6 Arbeits­si­cher­heits­ge­setz (ASiG) haben die Fach­kräfte für Arbeits­si­cher­heit den Unter­neh­mer zu unter­stüt­zen. Sie sind also Unter­stüt­zer und im Rahmen dieses Auftrags im Wesent­li­chen Bera­ter. Leider lesen viele Kolle­gin­nen und Kolle­gen nur das Verb „bera­ten“, während der Unter­neh­mer in der Regel das Verb „unter­stüt­zen“ liest. Damit sind natür­lich Konflikte vorpro­gram­miert und führen immer wieder zu Strei­tig­kei­ten, was denn die Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit nun tatsäch­lich zu tun hätte und was nicht.

Nun ja, die meis­ten Unter­neh­men bedie­nen sich schon für verschie­dene Themen entspre­chen­der Bera­ter. Als aller­ers­tes ist hier der Steu­er­be­ra­ter zu nennen, der zu den Steu­ern berät, Steu­er­sa­chen vorbe­rei­tet, zum Beispiel die Steu­er­erklä­run­gen, und vor allem auch bei klei­ne­ren Unter­neh­men die Lohn­buch­hal­tung durch­führt. Der Steu­er­be­ra­ter erbringt in diesem Fall also auch Leis­tun­gen, die primär nichts mit seiner Tätig­keit als Steuer-„Berater“ zu tun haben, sondern urei­gene Aufgabe des Unter­neh­mens sind. Diese Zusatz­leis­tun­gen werden dem Steu­er­be­ra­ter zusätz­lich vergü­tet. Der Steu­er­be­ra­ter berät den Unter­neh­mer nicht nur, sondern er unter­stützt ihn bei der Erle­di­gung der notwen­di­gen Steu­er­an­ge­le­gen­hei­ten im klas­si­schen Sinne des Wortes.

Streng genom­men sind die Fach­kräfte für Arbeits­si­cher­heit in einer vergleich­ba­ren Posi­tion. Sie sollen nicht nur bera­ten, sondern auch unter­stüt­zen. Diese Unter­stüt­zungs­pflicht kann sehr unter­schied­lich ausfal­len. Inso­fern ist eine echte Grenz­zie­hung, die für alle Gültig­keit hat, kaum zu voll­zie­hen. Dennoch möchte ich im Folgen­den einige Aspekte anspre­chen, die den einen oder ande­ren in seiner persön­li­chen Situa­tion als Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit unter­stüt­zen.

Wie sieht der Aufga­ben­ka­ta­log der Fach­kräfte für Arbeits­si­cher­hei aus, was steht im ASiG? Dort steht unter ande­rem, dass Sifas den Unter­neh­men in allen Fragen der Arbeits­si­cher­heit (Sicher­heit und Gesund­heits­schutz) etc. nicht nur bera­ten, sondern unter­stüt­zen sollen.

Die Unter­stüt­zung besteht insbe­son­dere aus (siehe Kasten unten):

  • Auswer­ten
  • Bege­hen
  • Beleh­ren
  • Beob­ach­ten
  • Bera­ten
  • Hinwir­ken
  • Melden
  • Mitwir­ken
  • Über­prü­fen
  • Unter­su­chen
  • Vorschla­gen

Der Aufga­ben­ka­ta­log der Fach­kräfte für Arbeits­si­cher­heit liest sich wie der des Unter­neh­mers (und seiner Führungs­kräfte) selbst. Der Unter­neh­mer hat

  • die Arbeits­be­din­gun­gen zu beur­tei­len
  • Maßnah­men fest­zu­le­gen
  • die Beschäf­tig­ten über die Gefah­ren zu unter­rich­ten
  • usw.

Dabei muss der Unter­neh­mer nicht unbe­dingt selbst tätig werden, sondern er muss anwei­sen und sich darum kümmern, dass die genann­ten Aufga­ben erle­digt werden.

Wer hat die Fach­kunde?

Zur Durch­füh­rung oben genann­ter Aufga­ben ist in aller Regel eine Fach­kunde erfor­der­lich. Die sicher­heits­tech­ni­sche Fach­kunde hat nicht der Unter­neh­mer, sondern haben oftmals Fach­kräfte für Arbeits­si­cher­heit (und die Bestä­ti­gung dieser Fach­kunde sogar schrift­lich mit Urkunde und Siegel). In vielen Einzel­vor­schrif­ten, zum Beispiel in der Betriebs­si­cher­heits­ver­ord­nung oder in den Arbeits­stät­ten­re­geln, wird zur Durch­füh­rung der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung Fach­kunde gefor­dert. Hier werden teil­weise sowohl die Fach­kräfte für Arbeits­si­cher­heit als auch die Betriebs­ärz­tin­nen und Betriebs­ärzte genannt. Das kommt doch einer Unter­stüt­zungs­pflicht, wie der Unter­neh­mer sie braucht und häufig auch einfor­dert, schon sehr nahe. Natür­lich ist die Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit weisungs­frei, passiv wie aktiv, und steht damit nicht primär in der juris­ti­schen Verant­wor­tung (außer für die korrekte fach­li­che Unter­stüt­zung).

Die DGUV Vorschrift 2 wird durch­aus konkre­ter. Im Rahmen der Grund­be­treu­ung haben die Fach­kräfte für Arbeits­si­cher­heit bei der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung zu unter­stüt­zen, ebenso bei der Verhältnis- und Verhal­tensprä­ven­tion sowie der Schaf­fung einer geeig­ne­ten Orga­ni­sa­tion und Inte­gra­tion in die Führungs­tä­tig­keit. Sie sollen bei der Erstel­lung von Doku­men­ta­tio­nen unter­stüt­zen, bei der Erfül­lung von Melde­pflich­ten etc. Von „bera­ten“ ist in diesem Kontext nicht mehr die Rede.

Folg­lich wird eine gute Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit im Rahmen ihrer Unter­stüt­zung für den Unter­neh­mer die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung erstel­len, Maßnah­men vorschla­gen, Betriebs­an­wei­sun­gen erar­bei­ten und unter Umstän­den auch Sicher­heits­be­leh­run­gen oder Unter­wei­sun­gen durch­füh­ren, alles im Auftrag des Unter­neh­mers und seiner Führungs­kräfte. Alle diese Tätig­kei­ten müssen selbst­ver­ständ­lich vom Unter­neh­mer noch abschlie­ßend bestä­tigt und „frei­ge­ge­ben“ werden.

Ob die Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit auch Prüfun­gen durch­füh­ren kann, lässt sich nur im Einzel­fall entschei­den. Zur Durch­füh­rung von Prüfun­gen sind mitt­ler­weile befä­higte Perso­nen erfor­der­lich. Von den Krite­rien, die eine befä­higte Person erfül­len muss, erfül­len die Fach­kräfte für Arbeits­si­cher­heit in aller Regel nur ein bis zwei. Übli­cher­weise fehlen ausrei­chende Kennt­nisse über das zu prüfende Arbeits­mit­tel und vor allem der zeit­nahe Umgang damit.

Weitere Aufga­ben

Diese bisher beschrie­be­nen Aufga­ben der Fach­kräfte für Arbeits­si­cher­heit sind die, die im Rahmen der soge­nann­ten Grund­be­treu­ung, oder auch gege­be­nen­falls der betriebs­spe­zi­fi­schen Betreu­ung im Sinne der DGUV Vorschrift 2, zu erle­di­gen sind. Darüber hinaus kann der Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit selbst­ver­ständ­lich unter Beach­tung der Aspekte zur Pflich­ten­über­tra­gung und Aufga­ben­über­tra­gung (Stich­worte: Auswahl, Orga­ni­sa­tion, Kontrolle) weitere Aufga­ben und Funk­tio­nen über­tra­gen werden. Hier sind beispiel­haft die Emissionsschutz- oder Stör­fall­be­auf­trag­ten zu nennen, viel­leicht auch die weisungs­be­rech­tigte Aufsicht über die Einhal­tung von Arbeits­schutz­vor­schrif­ten oder die Beschaf­fung von Schutz­aus­rüs­tun­gen. Die Erfül­lung dieser Aufga­ben darf natür­lich nicht auf die Einsatz­zei­ten nach der DGUV Vorschrift 2 ange­rech­net werden. Dennoch sind es durch­aus zuläs­sige oder sogar auch sinn­volle Aufga­ben der Fach­kräfte für Arbeits­si­cher­heit. Insbe­son­dere zum Thema Umwelt­schutz sind die Berüh­rungs­punkte schon sehr umfäng­lich.

Fazit

Die Aufga­ben der Fach­kräfte für Arbeits­si­cher­heit beschrän­ken sich nicht nur auf die reine Bera­tung, sondern gehen im Sinne einer echten Unter­stüt­zung deut­lich darüber hinaus. Dabei sind im Einzel­fall die Stel­lung der Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit im Betrieb und ihre Wirkungs­mög­lich­kei­ten zu berück­sich­ti­gen. Eine Grenz­zie­hung ist im konkre­ten Einzel­fall häufig schwie­rig, auf jeden Fall aber nicht so eng, wie die reine Bera­tung vermu­ten lässt; fach­kun­dige Unter­stüt­zung ist eben mehr als nur Bera­tung.

Die Über­tra­gung soge­nann­ter fach­frem­der Aufga­ben ist unkri­tisch, solange die Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit weiter­hin ausrei­chend Zeit hat, ihrer origi­nä­ren Unter­stüt­zungs­pflicht im Sinne von § 6 ASiG in Verbin­dung mit der DGUV Vorschrift 2 nach­zu­kom­men.


§ 6 Aufga­ben der Fach­kräfte für Arbeits­si­cher­heit

Die Fach­kräfte für Arbeits­si­cher­heit haben die Aufgabe, den Arbeit­ge­ber beim Arbeits­schutz und bei der Unfall­ver­hü­tung in allen Fragen der Arbeits­si­cher­heit einschließ­lich der menschen­ge­rech­ten Gestal­tung der Arbeit zu unter­stüt­zen. Sie haben insbe­son­dere

  1. den Arbeit­ge­ber und die sonst für den Arbeits­schutz und die Unfall­ver­hü­tung verant­wort­li­chen Perso­nen zu bera­ten, insbe­son­dere bei

a) der Planung, Ausfüh­rung und Unter­hal­tung von Betriebs­an­la­gen und von sozia­len und sani­tä­ren Einrich­tun­gen,

b) der Beschaf­fung von tech­ni­schen Arbeits­mit­teln und der Einfüh­rung von Arbeits­ver­fah­ren und Arbeits­stof­fen,

c) der Auswahl und Erpro­bung von Körper­schutz­mit­teln,

d) der Gestal­tung der Arbeits­plätze, des Arbeits­ab­laufs, der Arbeits­um­ge­bung und in sons­ti­gen Fragen der Ergo­no­mie,

e) der Beur­tei­lung der Arbeits­be­din­gun­gen,

  1. die Betriebs­an­la­gen und die tech­ni­schen Arbeits­mit­tel insbe­son­dere vor der Inbe­trieb­nahme und Arbeits­ver­fah­ren insbe­son­dere vor ihrer Einfüh­rung sicher­heits­tech­nisch zu über­prü­fen,
  2. die Durch­füh­rung des Arbeits­schut­zes und der Unfall­ver­hü­tung zu beob­ach­ten und im Zusam­men­hang damit

a) die Arbeits­stät­ten in regel­mä­ßi­gen Abstän­den zu bege­hen und fest­ge­stellte Mängel dem Arbeit­ge­ber oder der sonst für den Arbeits­schutz und die Unfall­ver­hü­tung verant­wort­li­chen Person mitzu­tei­len, Maßnah­men zur Besei­ti­gung dieser Mängel vorzu­schla­gen und auf deren Durch­füh­rung hinzu­wir­ken,

b) auf die Benut­zung der Körper­schutz­mit­tel zu achten,

c) Ursa­chen von Arbeits­un­fäl­len zu unter­su­chen, die Unter­su­chungs­er­geb­nisse zu erfas­sen und auszu­wer­ten und dem Arbeit­ge­ber
Maßnah­men zur Verhü­tung dieser Arbeits­un­fälle vorzu­schla­gen,

  1. darauf hinzu­wir­ken, dass sich alle im Betrieb Beschäf­tig­ten den Anfor­de­run­gen des Arbeits­schut­zes und der Unfall­ver­hü­tung entspre­chend verhal­ten, insbe­son­dere sie über die Unfall- und Gesund­heits­ge­fah­ren, denen sie bei der Arbeit ausge­setzt sind, sowie über die Einrich­tun­gen und Maßnah­men zur Abwen­dung dieser Gefah­ren zu beleh­ren und bei der Schu­lung der Sicher­heits­be­auf­trag­ten mitzu­wir­ken.

Foto: privat

Autor: Michael Kloth 

Geschäfts­füh­rer Safety Service + Perfor­mance KG

Vorstand Ressort Sicher­heit im VDSI

E‑Mail: m.kloth@vdsi.de

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