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Buchrezension

Fach­kunde Gefahr­stoffe

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Foto: © Ecomed Storck
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Das neue Fach­buch „Fach­kunde Gefahr­stoffe“ soll das Basis­wis­sen für die Durch­füh­rung der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung vermit­teln. Dr. Birgit Stöff­ler hat sich „fach­kun­dig“ gemacht und kommen­tiert das Buch aus ihrer Sicht­weise als Sicher­heits­in­ge­nieu­rin, die sich schwer­punkt­mä­ßig mit dem Thema Gefahr­stoffe beschäf­tigt.

Das schon allein Gefahr­stoffe ein „weites“ Feld sind dürfte jedem klar sein, der sich schon einmal mit dieser Thema­tik beschäf­ti­gen musste. Aber selbst nur die „Fach­kunde“ zum Thema Gefahr­stoffe ist schon schwer zu über­bli­cken. Dieses Buch zeigt eine Möglich­keit, sich das nötige Basis­wis­sen anzu­eig­nen, um Gefähr­dungs­be­ur­tei­lun­gen durch­füh­ren zu können – denn das ist die zentrale Anfor­de­rung an jeden Arbeit­ge­ber, wenn mit Gefahr­stof­fen gear­bei­tet wird.

Ein Blick in das Inhalt­ver­zeich­nis zeigt, dass man sich – wenn auch nur kurz – mit der Theo­rie, also den Rechts­vor­schrif­ten (Kapi­tel 2) und insbe­son­dere der Gefahr­stoff­ver­ord­nung (Kapi­tel 10) beschäf­tig­ten sollte. Kapi­tel 10 beinhal­tet einige zentrale Begriffe der Fach­kunde wie z.B. Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung, Substi­tu­tion und Schutz­maß­nah­men, die dann in eige­nen weite­ren Kapi­teln näher beschrie­ben werden (Kapi­tel 1, 11 bzw. 12).

Zwei­sei­tige Doku­men­ta­ti­ons­vor­lage

Am Ende des Kapi­tels 1 „Vorge­hens­weise bei der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung“ wird auf Anhang 2 am Ende des Buches verwie­sen, der eine – nur zwei Seiten lange – Doku­men­ta­ti­ons­vor­lage einer Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung enthält, die alle Anfor­de­run­gen nach Gefahr­stoff­ver­ord­nung bzw. nach TRGS 400 erfüllt. Dies zeigt: Eine rechts­si­chere Doku­men­ta­tion muss also nicht zwangs­weise „lang“ sein, zwei Seiten können durch­aus ausrei­chen.

Wie wich­tig und hilf­reich in der betrieb­li­chen Praxis die Kennt­nis von Zusam­men­hän­gen z.B. bei „Sicher­heits­tech­ni­schen Kenn­zah­len“ sein kann, wird im gleich­na­mi­gen Kapi­tel 5 anhand der Abb. 8 und 9 darge­stellt: Da im Gegen­satz zum Dampf­druck bei vielen Flüs­sig­kei­ten oft nur der Siede­be­ginn bekannt ist bzw. im Sicher­heits­da­ten­blatt ange­ge­ben wird, kann mittels Abb. 8 der Dampf­druck und mit Abb. 9 auch noch der Flamm­punkt bei orga­ni­schen Stof­fen ermit­telt werden.

Gefähr­dungs­ka­te­go­rie von Kenn­zah­len

Die Kennt­nis des Dampf­drucks ist z.B. für die Substi­tu­ti­ons­prü­fung unter Anwen­dung des GHS-Spaltenmodells des IFA notwen­dig: Der Dampf­druck­wert bestimmt die Gefähr­dungs­ka­te­go­rie in der Spalte „Frei­set­zungs­ver­hal­ten“. An dieser Stelle soll noch das Kapi­tel 5.9 „Zusam­men­fas­sung“ beson­ders hervor­ge­ho­ben werden: In der Tabelle auf der letz­ten Seite werden die Gefähr­dungs­ka­te­go­rien weite­rer „Kenn­werte“ wie z.B. Zünd­tem­pe­ra­tur oder Löslich­keit darge­stellt.

Rele­vante Abschnitte im SDB

In den letz­ten Jahren ist die Infor­ma­ti­ons­fülle in Sicher­heits­da­ten­blät­tern immer weiter ange­stie­gen und kaum noch zu bewäl­ti­gen. Daher ist es sehr hilf­reich, dass in Kapi­tel 4 „Infor­ma­tio­nen über Gefahr­stoffe“ beschrie­ben wird, welche Abschnitte und Sach­ver­halte ein Fach­kun­di­ger im Sicher­heits­da­ten­blatt für die Erstel­lung einer Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung kennen sollte.

Begrü­ßens­wert ist auch, dass in Kapi­tel 8 „Expo­si­ti­ons­be­gren­zung und Grenz­werte“ der MAK-Wert und der Zusam­men­hang zu den Arbeits­platz­grenz­wer­ten der TRGS 900 erklärt wird, da in der Praxis immer noch oft der Irrglaube vorherrscht, dass es seit 2005 keine MAK-Werte mehr gibt.

Hilf­reich für ein schnel­les Verständ­nis kompli­zier­ter Sach­ver­halte sind immer auch Fließ­sche­mata: Dies wird am Beispiel der Viel­zahl an Grenz­wer­ten deut­lich, indem in Kapi­tel 8.5 die „Reihen­folge der Grenz­werte“ mit einem Fließ­schema über­sicht­lich darge­stellt wird.

Oft werden Berech­nun­gen von Luft­kon­zen­tra­tio­nen als zu kompli­ziert einge­schätzt. Dass man aber selbst mit ganz einfa­chen Rechen­glei­chun­gen Stoff­kon­zen­tra­tio­nen berech­nen kann und auch Aussa­gen zum Mindest­raum­luft­wech­sel möglich sind, wird in Kapi­tel 9.3 „Rech­ne­ri­sche Abschät­zun­gen“ gezeigt.

Gefahr­stoff­ver­zeich­nis

Als Rechts­un­ter­wor­fe­ner hat man ja oft den Eindruck, dass sich die vielen Vorga­ben, die man zu erfül­len hat, kaum noch bewäl­ti­gen lassen. Aber: Auch hier helfen die Anga­ben in dem Buch weiter. In Kapi­tel 10.2 „Gefahr­stoff­ver­zeich­nis“ wird beschrie­ben, dass z.B. die Substi­tu­ti­ons­prü­fung auch im Gefahr­stoff­ver­zeich­nis mit doku­men­tiert werden kann. In Kapi­tel 11.9 „Rechts­si­chere Doku­men­ta­tion der Substi­tu­ti­ons­prü­fung“ wird ein Doku­men­ta­ti­ons­bei­spiel der Substi­tu­ti­ons­prü­fung im Gefahr­stoff­ver­zeich­nis in tabel­la­ri­scher Form gezeigt.

Das Wich­tigste kommt zum Schluss – könnte man meinen – denn: Kapi­tel 12 (von insge­samt 13) behan­delt das Thema „Schutz­maß­nah­men“, als „wich­tigste Aufgabe der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung“. Der Vorteil an dem Aufbau des Buches ist aber, dass man beim Lesen auch direkt in dieses hintere Kapi­tel einstei­gen kann, ohne dass man alle vorher­ge­hen­den Kapi­tel gele­sen haben muss.

Viel hilft nicht immer viel: Das wird in Kapi­tel 12.3.1 „Betriebs­an­wei­sung und Unter­wei­sung“ klar: Eine hohe Anzahl an Betriebs­an­wei­sun­gen erhöht nicht das Arbeits­schutz­ni­veau. Statt­des­sen wird im Merk­satz erklärt, dass sogar eher „wenige“ Grup­pen­be­triebs­an­wei­sun­gen und „wenige Einzel­be­triebs­an­wei­sun­gen Ordnung schaf­fen“. Entschei­dend für ein hohes Arbeits­schutz­ni­veau ist die verständ­li­che Vermitt­lung der Schutz­maß­nah­men an die Beschäf­tig­ten – und das lässt sich auch mit weni­gen Betriebs­an­wei­sun­gen errei­chen.

Schutz des Menschen

Auch wenn das Thema „Arbeits­me­di­zi­ni­sche Vorsorge“ erst als letz­tes Kapi­tel im Buch erscheint, ist es durch­aus lesens­wert. Es erläu­tert, dass es beim Arbeits­schutz nicht nur um Schutz­maß­nah­men geht, sondern in erster Linie immer noch um den Schutz des Menschen. Dazu kommt, dass nicht alle Menschen gleich­ar­tig auf Gefahr­stoffe reagie­ren – Aller­gi­kern dürfte klar sein, was damit gemeint ist. An dieser Stelle kommt der Arbeits­me­di­zi­ner bzw. die arbeits­me­di­zi­ni­sche Vorsorge ins Spiel: Am Beispiel Blei wird deut­lich, dass nicht nur die tech­ni­schen Schutz­maß­nah­men am Arbeits­platz vorhan­den sein müssen, sondern dass auch jeder Beschäf­tigte z.B. durch Anwen­dung von Hygie­ne­re­geln zum siche­ren Arbei­ten mit Gefahr­stof­fen beitra­gen muss.

Alles in allem also ein flüs­sig zu lesen­des Nach­schla­ge­werk um einen fundier­ten Einstieg in das Thema „Fach­kunde Gefahr­stoffe zu erhal­ten.“

Das Buch „Fach­kunde Gefahr­stoffe“ ist bei ecomed Sicher­heit erschie­nen:

ISBN 978–3–609–69183–1, 208 Seiten, 34,99 Euro

www.ecomed-storck.de


Autorin: Dr. Birgit Stöff­ler

Sicher­heits­in­ge­nieu­rin, stellv. Mitglied im

Ausschuss für Gefahr­stoffe (AGS)

Foto: privat
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