Gefährdungsbeurteilung für das Betreiben von Rückkühlwerken. Anlagensicherheit -
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Anlagensicherheit

Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung für das Betrei­ben von Rück­kühl­wer­ken

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Abb. 2: Verdunstungskühlanlage Foto: © BAC
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Epide­mien wie 2013 in Warstein zeigen: Rück­kühl­werke können die Ursa­che von Legionellen‐Infektionen sein. Beson­dere Risi­ken liegen in der unsach­ge­mä­ßen Planung, Errich­tung und Instand­hal­tung oder bei Fehlern im Anla­gen­be­trieb. Worauf es bei der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung ankommt, zeigt dieser Beitrag.

Rück­kühl­werke finden sich in einer Viel­zahl von Prozes­sen und Anwen­dun­gen, um Wärme­las­ten an die Umge­bung abzu­füh­ren. Dabei sind sie sehr häufig die wirt­schaft­lichste Tech­nik für diesen Zweck und daher ein sinn­vol­ler Baustein in der Kälte­tech­nik. Ange­fan­gen bei Klein­ge­rä­ten mit weni­gen Mega­watt bis hin zu Groß­an­la­gen, wie den Natur­zug­kühl­tür­men von Kraft­wer­ken mit mehre­ren hundert Mega­watt ther­mi­scher Rück­kühl­leis­tung, sind nach aktu­el­len Schät­zun­gen mehrere zehn­tau­send Anla­gen in Deutsch­land im Einsatz. Es besteht also ein über­re­gio­na­les Risi­ko­po­ten­zial und demnach Hand­lungs­be­darf. In diese Rich­tung deuten auch inter­na­tio­nal doku­men­tierte Legio­nel­len­aus­brü­che im Zusam­men­hang mit Rück­kühl­wer­ken.

Um das wirt­schaft­li­che Poten­zial dieser Anla­gen weiter­hin zu nutzen und dabei deren Sicher­heit künf­tig besser zu regeln, haben die Bundes­re­gie­rung und die Länder in den vergan­ge­nen Jahren verschie­dene Initia­ti­ven gestar­tet. Mit der im Juli 2017 veröf­fent­lich­ten 42. Bundes­im­mis­si­ons­schutz­ver­ord­nung (BImSchV) ist im August 2017 ein gesetz­li­ches Regel­werk in Kraft getre­ten, das Rück­kühl­werke im Anwen­dungs­be­reich hat. Haupt­fo­kus der Verord­nung ist der Immis­si­ons­schutz. Gleich­zei­tig aber wird auch die arbeits­schutz­recht­li­che Bedeu­tung der Gefähr­dun­gen deut­lich.

Gesetz­ge­ber fordert Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung

Insge­samt bringt diese Verord­nung erheb­lich gestie­gene Anfor­de­run­gen für Errich­ter, Planer, Instand­hal­ter und Anla­gen­be­trei­ber mit sich. Beson­ders von Letz­te­ren werden – neben regel­mä­ßi­gen Kontroll­pflich­ten auf Legio­nel­len sowie Instandhaltungs‐ und Doku­men­ta­ti­ons­pflich­ten – nach einer Über­gangs­frist auch eine Meldung der Anla­gen an die zustän­di­gen Aufsichts­be­hör­den abver­langt. Darüber hinaus besteht die Verpflich­tung zur regel­mä­ßi­gen Kontrolle des ordnungs­ge­mä­ßen Betriebs durch einen öffent­lich bestell­ten und verei­dig­ten Sach­ver­stän­di­gen bezie­hungs­weise einer unab­hän­gi­gen Inspek­ti­ons­stelle. Des Weite­ren, und im Folgen­den wich­tigs­ter Aspekt dieses Beitrags, ist die Forde­rung nach einer Gefähr­dungs­ana­lyse gemäß der 42. BImSchV für die betrof­fe­nen Anla­gen.

Welche Anla­gen sind betrof­fen?

Bei den Rück­kühl­wer­ken sind verschie­dene Systeme zu unter­schei­den. Hygie­nisch rele­vant sind nur luft­ge­kühlte Verfah­ren, bei denen das Kühl­was­ser in direk­ten Kontakt mit Luft kommt (siehe Abbil­dung 1). Bei den unter­schied­li­chen Verfah­ren, in denen das Kühl­was­ser in den Luft­strom gelei­tet wird, besteht auch bei vorhan­de­nen Trop­fen­ab­schei­dern das Risiko eines Aero­sol­aus­trags in die Umge­bung.

Eine Unter­schei­dung der Systeme – spezi­ell im Hinblick auf das Thema Hygiene – findet sich in der Richt­li­ni­en­reihe VDI 2047 „Rück­kühl­werke – Sicher­stel­lung des hygie­ne­ge­rech­ten Betriebs von Verduns­tungs­kühl­an­la­gen“. Der Anwen­dungs­be­reich von Blatt 2 der VDI 2047 bezieht sich auf Verduns­tungs­kühl­an­la­gen mit einer Rück­kühl­leis­tung von weni­ger als 200 Mega­watt (siehe Abbil­dung 2). Blatt 3 befasst sich mit Kühl­tür­men, die mehr als 200 Mega­watt Leis­tung aufwei­sen (siehe Abbil­dun­gen 3 und 4). Blatt 2 (gültige Fassung 01/2015) liegt aktu­ell als Entwurf (11/2017), Blatt 3 (gültige Fassung 04/2018) der VDI 2047 liegt als Erst­ver­öf­fent­li­chung vor. Blatt 2 spie­gelt aktu­ell den Stand der Tech­nik für Verduns­tungs­kühl­an­la­gen wider und war an verschie­de­nen Stel­len Basis für die Anfor­de­run­gen der 42. BImSchV. Es beschreibt die bauli­chen, tech­ni­schen, betrieb­li­chen und orga­ni­sa­to­ri­schen Anfor­de­run­gen für einen hygie­ni­schen Betrieb.

Die 42. BImSchV nimmt in Defi­ni­tion und Anfor­de­run­gen die Diffe­ren­zie­rung aus der VDI 2047 in weiten Teilen auf und unter­schei­det zwischen Kühl­tür­men und Verduns­tungs­kühl­an­la­gen (siehe Glos­sar). Bestimmte Anla­gen sind vom Anwen­dungs­be­reich der Verord­nung ausge­nom­men: Hier wird aufgrund ihrer Bau‐ oder Betriebs­weise oder der im Betrieb gege­be­nen Umge­bungs­be­din­gun­gen die Möglich­keit einer Vermeh­rung von Legio­nel­len bezie­hungs­weise deren mögli­cher Austrag als gering ange­se­hen. Darüber hinaus fallen aber auch soge­nannte Nass­ab­schei­der in den Geltungs­be­reich der 42. BImSchV; diese werden hier aber nicht näher erör­tert.

Gefähr­dun­gen für Beschäf­tigte

Bei Tätig­kei­ten an diesen Anla­gen treten für die Beschäf­tig­ten zum Beispiel mecha­ni­sche oder elek­tri­sche Gefähr­dun­gen auf. Ein beson­de­res Risiko stel­len der Einsatz von Wasser­auf­be­rei­tungs­stof­fen (Desin­fek­ti­ons­mit­tel usw.) sowie der unge­zielte Umgang mit Biostof­fen dar.

Im vorlie­gen­den Fall muss grund­sätz­lich unter­schie­den werden zwischen

  • Gefähr­dun­gen, die über einen Aero­sol­aus­trag zu einer Immis­sion führen und damit poten­zi­ell alle Beschäf­tig­ten eines Unter­neh­mens­stand­orts betref­fen und
  • Gefähr­dun­gen für Beschäf­tigte, die direkt an den Anla­gen tätig sind.

Ein hohes Infek­ti­ons­ri­siko, das alle Beschäf­tig­ten und Perso­nen in der Umge­bung betrifft, geht nach aktu­el­lem Kennt­nis­stand vor allem von den Aero­so­len aus Rück­kühl­wer­ken aus. Darin können sich Bakte­rien aus der Gruppe der Legio­nel­len befin­den, die sowohl Beschäf­tigte als auch Perso­nen aus der Umge­bung inha­lie­ren. Die Erkran­kung ist die soge­nannte Legio­nel­lose. Als leichte Verlaufs­form (Pontiac‐Fieber) zeigen Betrof­fene Sommergrippe‐ähnliche Symptome. Im Fall der schwe­ren Verlaufs­form in Form einer Lungen­ent­zün­dung (Legio­närs­krank­heit) geht das Robert‐Koch‐Institut in Berlin von einer erheb­li­chen Unte­r­er­fas­sung der Fall­zah­len und einer Dunkel­zif­fer von mehr als 95 Prozent aus.1

Nach Auswer­tung der bishe­ri­gen Erkennt­nisse wird ange­nom­men, dass von den jähr­lich rund 800.000 ambu­lant erwor­be­nen Lungen­ent­zün­dun­gen circa vier Prozent auf Legio­nel­len zurück­zu­füh­ren sind. Das sind rund 32.000 Erkran­kun­gen pro Jahr mit der Folge von etwa 2.000 Todes­fäl­len. Damit wird das Ausmaß des Problems deut­lich.

In beson­de­rer Weise betrifft dieses Risiko die Beschäf­tig­ten, die an den Anla­gen direkt tätig sind und sich in unmit­tel­ba­rer Nähe der Aero­sol­fahne aufhal­ten. Das gilt nicht nur für den Normal­be­trieb der Anla­gen, sondern beson­ders auch bei Instand­hal­tungs­ar­bei­ten. Spezi­ell bei der Reini­gung mit Hoch­druck­rei­ni­gern werden massiv Aero­sole erzeugt. Neben dem Inha­la­ti­ons­pfad ist dabei auch der Haut­kon­takt mit mögli­chen Krank­heits­er­re­gern zu betrach­ten. Insbe­son­dere Bakte­rien wie Pseu­do­mo­nas aeru­gi­nosa, das typisch für die in Rück­kühl­wer­ken anzu­tref­fen­den Biofilme ist, können hier zu Infek­tio­nen führen.

Anfor­de­run­gen an Gefähr­dungs­be­ur­tei­lun­gen

Der Gesetz­ge­ber fordert: „Der Betrei­ber hat sicher­zu­stel­len, dass vor der Inbe­trieb­nahme oder der Wieder­in­be­trieb­nahme für die Anlage eine Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung unter Betei­li­gung einer hygie­nisch fach­kun­di­gen Person erstellt wird; diese umfasst die Schritte Risi­ko­ana­lyse, die mögli­che Gefähr­dun­gen iden­ti­fi­ziert und das Risiko hinsicht­lich des poten­zi­el­len Scha­dens­aus­ma­ßes und der Eintritts­wahr­schein­lich­kei­ten für Gefähr­dun­gen betrach­tet, und Risi­ko­be­wer­tung, die Risi­ken hinsicht­lich ihrer poten­zi­el­len Auswir­kun­gen auf die hygie­ni­sche Sicher­heit und die daraus abzu­lei­ten­den Maßnah­men prio­ri­siert. Der Betrei­ber hat vor dem in Satz 1 bestimm­ten Zeit­punkt die Erstel­lung der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung im Betriebs­ta­ge­buch zu doku­men­tie­ren.“
(§ 3 Abs. 4 der 42. BlmSchV). Gemäß § 19 handelt der Betrei­ber ordnungs­wid­rig, falls er dem nicht nach­kommt.

Eine weiter­ge­hende Begriffs­be­stim­mung bietet die 42. BImSchV nicht. Ledig­lich die Begrün­dung aus der Bundes­rats­vor­lage2 gibt Anhalts­punkte, wie die Forde­rung nach einer Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung inhalt­lich auszu­le­gen ist. Dort heißt es: „Durch die Vorga­ben der Verord­nung sollen Rück­kühl­werke mit möglichst gerin­gem hygie­ni­schen Risiko betrie­ben werden. Dazu ist es erfor­der­lich, im Rahmen der Risi­ko­ana­lyse mögli­che Gefähr­dun­gen, unter ande­rem im Hinblick auf die hygie­ni­sche Sicher­heit, die Prozess­si­cher­heit und die Anla­gen­si­cher­heit, zu iden­ti­fi­zie­ren und das Risiko hinsicht­lich Eintritts­wahr­schein­lich­keit und poten­zi­el­lem Scha­dens­aus­maß abzu­schät­zen.

Zentra­les Element der Risi­ko­ana­lyse ist die Iden­ti­fi­zie­rung hygie­nisch kriti­scher Stel­len und Betriebs­zu­stände. Hierzu bedarf es unter ande­rem der Doku­men­ta­tion der tech­ni­schen Daten der Anlage, Vorga­ben für den hygie­nisch einwand­freien Betrieb der Anlage bis hin zur Beschrei­bung von Stan­dard­re­ak­tio­nen auf Abwei­chun­gen vom hygie­nisch unbe­denk­li­chen Betrieb. Die anla­gen­be­zo­gene Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung ermög­licht das Ergrei­fen sach­ge­rech­ter Maßnah­men für einen ordnungs­ge­mä­ßen Betrieb, für tech­ni­sche Maßnah­men bei Über­schrei­tung von Prüf­wer­ten oder zusätz­li­che Gefah­ren­ab­wehr­maß­nah­men bei Über­schrei­tung von Maßnah­men­wer­ten.“

Risi­ko­ana­lyse erstel­len

Konkre­ter in Bezug auf den Anwen­dungs­be­reich der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung wird hier die VDI 2047 Blatt 2, auf die sich die Begrün­dung der Verord­nung an verschie­de­nen Stel­len bezieht. So führt diese aus, dass im Rahmen der Planung eine Risi­ko­ana­lyse zu erstel­len ist, welche Teil der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung wird. Die Risi­ko­ana­lyse muss demnach die hygie­ni­sche Sicher­heit mit den Aspek­ten Emissions‐ und Arbeits­schutz enthal­ten. Damit wird deut­lich, dass hier eine Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung über den reinen Anwen­dungs­be­reich des Arbeits­schut­zes hinaus ange­spro­chen ist.

Im Bereich des Arbeits­schut­zes fordert die Biostoff­ver­ord­nung (BioStoffV), dass vor Aufnahme einer Tätig­keit mit Biostof­fen die rele­van­ten Gefähr­dun­gen zu ermit­teln sind. Im vorlie­gen­den Fall geht es nicht um gezielte Tätig­kei­ten mit Biostof­fen.3 Gleich­wohl für diese Tätig­kei­ten keine soge­nannte Schutz­stu­fen­zu­ord­nung nach § 5 BioStoffV notwen­dig ist, muss der Arbeit­ge­ber für die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung nach § 4 BioStoffV zum Beispiel folgende Punkte ermit­teln:

  • Iden­ti­tät, Risi­ko­grup­pen­ein­stu­fung und Über­tra­gungs­wege der Biostoffe und deren mögli­che sensi­bi­li­sie­rende und toxi­sche Wirkun­gen sowie Aufnah­me­pfade, soweit diese Infor­ma­tio­nen für den Arbeit­ge­ber zugäng­lich sind; dabei hat der Arbeit­ge­ber sich auch darüber zu infor­mie­ren, ob durch die Biostoffe sons­tige die Gesund­heit schä­di­gende Wirkun­gen hervor­ge­ru­fen werden können;
  • Art der Tätig­keit unter Berück­sich­ti­gung der Betriebs­ab­läufe, Arbeits­ver­fah­ren und verwen­de­ten Arbeits­mit­tel einschließ­lich der Betriebs­an­la­gen;
  • Art, Dauer und Häufig­keit der Expo­si­tion der Beschäf­tig­ten, soweit diese Infor­ma­tio­nen für den Arbeit­ge­ber zugäng­lich sind.

Weitere Aspekte der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung

Eine Analyse der Prozess­si­cher­heit und Anla­gen­si­cher­heit ist außer­dem von zentra­ler Bedeu­tung für die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung im Sinne der 42. BlmSchV. Dies betrifft die Iden­ti­fi­zie­rung hygie­nisch kriti­scher Anla­gen­stel­len und Betriebs­zu­stände, aber auch die Beur­tei­lung der grund­sätz­li­chen Gefähr­dung durch die Lage der Anlage. So erhöht die Nähe zu sensi­blen Einrich­tun­gen, wie Kran­ken­häu­sern oder Pfle­ge­ein­rich­tun­gen, das Risiko. Die Lebens­be­din­gun­gen im wasser­füh­ren­den System sind von zentra­ler Bedeu­tung für das Wachs­tum von Krank­heits­er­re­gern wie Legio­nel­len. Daher ist die Betrach­tung der Quali­tät des Zusatz­was­sers (Fluss­was­ser, Trink­was­ser, etc.), mögli­che Stoff­ein­träge aus der Umge­bung (zum Beispiel orga­ni­sches Mate­rial), die Wasser­auf­be­rei­tung, die Quali­tät des Nutz­was­sers im Kühl­kreis­lauf und die Wasser­be­hand­lung wich­ti­ger Teil der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung. Aber auch die Konstruk­tion des Rück­kühl­wer­kes und die einge­setz­ten Mate­ria­lien haben einen Einfluss auf das Risi­ko­po­ten­zial. Eine häufige Ursa­che für ein erhöh­tes Legio­nel­len­wachs­tum sind Defi­zite in der Prozess­steue­rung, dem Betrieb oder der Instand­hal­tung. Nicht zuletzt kann die mangel­hafte Quali­fi­ka­tion des Betriebs­per­so­nals zu Proble­men führen.

Bei Betrach­tung dieser tech­ni­schen, orga­ni­sa­to­ri­schen, hygie­ni­schen und wasser­che­mi­schen Teil­as­pekte einer Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung wird deut­lich, dass es sich hier um eine sehr anspruchs­volle Aufgabe handelt. Die notwen­di­gen Kompe­ten­zen lassen sich sicher­lich nicht in der in der VDI 2047 beschrie­be­nen Tages­schu­lung erlan­gen. Aufgrund der oben beschrie­be­nen Risi­ken und der Komple­xi­tät vieler Kühl­sys­teme bedarf es hier einer fundier­ten Exper­tise der Perso­nen, die eine Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung durch­füh­ren.

Ablei­tung von Maßnah­men

Die orga­ni­sa­to­ri­schen Maßnah­men und die Persön­li­che Schutz­aus­rüs­tung (PSA) sorgen für eine erheb­li­che Risi­ko­mi­ni­mie­rung bei den Beschäf­tig­ten, die direkt an den Anla­gen tätig sind. Das betrifft sowohl den Umgang mit Gefahr­stof­fen (Desin­fek­ti­ons­mit­tel etc.) als auch mit Biostof­fen. In beiden Fällen kann es beim Betrieb, spezi­ell auch bei Instand­hal­tungs­maß­nah­men (zum Beispiel Reini­gung der Einbau­ten), zu einer erheb­li­chen Expo­si­tion kommen.

Mindes­tens genauso wich­tig, und für das Immis­si­ons­ri­siko von zentra­ler Bedeu­tung, ist aber die Mini­mie­rung des mikro­bi­el­len Wachs­tums und des nach­fol­gen­den mögli­chen Austrags belas­te­ter Aero­sole. Das bedeu­tet, dass bereits bei der Planung, Herstel­lung und Errich­tung der Anla­gen die wesent­li­chen Aspekte für einen zukünf­tig siche­ren Anla­gen­be­trieb geschaf­fen werden. Dazu gehö­ren zum Beispiel der Aufstell­ort, geeig­nete Trop­fen­ab­schei­der, das verwen­dete Mate­rial, die Vermei­dung von Stagna­tion des Kühl­was­sers und geeig­ne­tes Zusatz­was­ser.

Nicht weni­ger wich­tig ist die auf die Ergeb­nisse der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung abge­stimmte Instand­hal­tung bezie­hungs­weise der Betrieb der Anla­gen. Dazu gehö­ren, neben den nach 42. BImSchV verpflich­ten­den mikro­bio­lo­gi­schen Kontroll­un­ter­su­chun­gen und Sach­ver­stän­di­gen­prü­fun­gen, insbe­son­dere regel­mä­ßige Kontrol­len chemisch‐physikalischer Wasser­pa­ra­me­ter und gege­be­nen­falls Reini­gungs­maß­nah­men. Ohne diese Maßnah­men lassen sich Rück­kühl­werke weder hygie­nisch sicher noch wirt­schaft­lich betrei­ben.

1 Robert Koch Insti­tut: Legio­närs­krank­heit in Deutsch­land (2001–2013). Epide­mio­lo­gi­sches Bulle­tin 13, März 2015.

2 Begrün­dung zur 42. BlmSchV, Druck­sa­che 242/17, Bundes­rat vom 23.03.2017.

3 TRBA 400 (03/2017): Hand­lungs­an­lei­tung zur Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung und die Unter­rich­tung der Beschäf­tig­ten beim Umgang mit biolo­gi­schen Arbeits­stof­fen. GMBI 2017, Nr. 10/11.

Abb. 1: Aufbau eines offe­nen Rück­kühl­wer­kes; Legende: 1) Kühl­was­ser­wanne, 2) Kreis­lauf­was­ser Kalt, 3) Zuluft, 4) Riesel­kör­per, 5) Kreis­lauf­was­ser­ver­sprü­hung, 6) Kreis­lauf­was­ser Warm, 7) Venti­la­tor, 8) Abluft
Foto: © DMT
Abb. 3: Aufbau eines Natur­zug­kühl­turms; Legende: 1) Kühl­was­ser­tasse, 2) Zuluft­an­sau­gung, 3) Füll­kör­per, 4) Kreis­lauf­was­ser­ver­sprü­hung, 5) Trop­fen­ab­schei­der, 6) Abluft
Foto: © DMT

 

 

 

 

Felix Brychcy
felix.brychy@dmt-group.com

Foto: privat

 

 

 

 

 

Dr. Chris­toph Sinder,
DMT GmbH & Co. KG
Geschäfts­feld Anlagen‐ und Produkt­si­cher­heit,
TÜV NORD GROUP
christoph.sinder@dmt-group.com

Foto: © Sibylle Oster­mann

 

 

 

 

Dr. Meinolf Grin­gel
Öffent­lich bestell­ter und verei­dig­ter Sach­ver­stän­di­ger für Kälte­an­la­gen
meinolf.gringel@dmt-group.com

Foto: privat

Glos­sar

Ein Kühl­turm ist eine Anlage, „bei der durch Verduns­tung von Wasser Wärme an die Umge­bungs­luft abge­führt wird, insbe­son­dere bestehend aus einer Verrieselungs‐ oder Verreg­nungs­ein­rich­tung für Kühl­was­ser und einem Wärme­über­tra­ger, in der die Luft im Wesent­li­chen durch den natür­li­chen Zug, der im Kamin­bau­werk des Kühl­turms erzeugt wird, durch den Kühl­turm geför­dert wird und einer Kühl­leis­tung von mehr als 200 Mega­watt je Luft­aus­tritt und einschließ­lich der Nass­ab­schei­der, deren gerei­nigte Rauch­gase über den Kühl­turm abge­lei­tet werden; der Einsatz drückend ange­ord­ne­ter Venti­la­to­ren zur Unter­stüt­zung der Luft­zu­fuhr ist unschäd­lich, soweit diese das Charak­te­ris­ti­kum des Kühl­turms nur unwe­sent­lich beein­flus­sen.“

Eine Verduns­tungs­kühl­an­lage ist eine „Anlage, bei der durch Verduns­tung von Wasser Wärme an die Umge­bungs­luft abge­führt wird, insbe­son­dere bestehend aus einer Verrieselungs‐ oder Verreg­nungs­ein­rich­tung für
Kühl­was­ser und einem Wärme­über­tra­ger, ausge­nom­men Kühl­türme“.

(Quelle: § 2 der 42. BlmSchV)


Lite­ra­tur zu inter­na­tio­nal doku­men­tier­ten Legio­nel­len­aus­brü­chen

  • VDI 4250 Blatt 2 (Novem­ber 2015): Umwelt­me­di­zi­ni­sche Bewer­tung von Bioaerosol‐Immissionen. Risi­ko­be­ur­tei­lung von legio­nel­len­hal­ti­gen Aero­so­len.
  • Walser et.a. (2014): Asses­sing the envi­ron­men­tal health rele­vance of cooling towers. A syste­ma­tic review of legio­nel­lo­sis outbreaks. Inter­na­tio­nal Jour­nal of Hygiene and Envi­ron­men­tal Health 217, p. 145–154.
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