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Gefahrstofflagerung in der TRGS 510 neugefasst

Die wichtigsten Änderungen im Überblick
Gefahrstofflagerung in der TRGS 510 neugefasst

TRGS 510 Lagerung Gefahrstoffe
Foto: © anaan – stock.adobe.com
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Die Neu­fas­sung [1] der TRGS 510 „Lagerung von Gefahrstof­fen in orts­be­weglichen Behäl­tern“ berück­sichtigt sowohl die Arbeit­saufträge des AGS (Auss­chuss für Gefahrstoffe) als auch zahlre­iche Rück­mel­dun­gen aus der Prax­is. Im Fol­gen­den wer­den die Ker­nele­mente der TRGS 510 mit Hin­blick auf die wichtig­sten Änderun­gen vorgestellt.

Anwen­dungs­bere­ich: Die TRGS 510 gilt (unverän­dert) für die Lagerung von Gefahrstof­fen in orts­be­weglichen Behäl­tern. Dazu gehören vor allem gefährliche Stoffe und Gemis­che nach CLP-Verord­nung2. Wie auch die Gefahrstof­fverord­nung (Gef­Stof­fV) selb­st, gilt die TRGS 510 aber auch für andere Gefahrstoffe, wie zum Beispiel brennbare aber nicht als entzünd­bar eingestufte Gefahrstoffe3. Aus­nah­meregelun­gen betr­e­f­fen vor allem Stoffe, für die es Spezial­regelun­gen gibt, wie zum Beispiel das Sprengstof­frecht (TRGS 510 Abschnitt 1).

Zu beacht­en ist, dass die TRGS 510 nun aus­drück­lich auch für das Bere­i­thal­ten von Gefahrstof­fen gilt, wenn dies in Men­gen erfol­gt, die den Tages- bzw. Schichtbe­darf übertr­e­f­fen. Damit soll eine rein „deklara­torische“ Umge­hung der TRGS 510 ver­hin­dert wer­den (TRGS 510 Abschnitt 1 Absatz 2).

Gestuftes Maßnahmenkonzept

Die TRGS 510 ist mod­u­lar aufge­baut: Es gibt all­ge­meine Maß­nah­men, die immer erforder­lich sind und dann abschnittsweise weit­ere Schutz­maß­nah­men, die in Abhängigkeit von der Art und Menge der gelagerten Gefahrstoffe zusät­zlich anzuwen­den sind, siehe Abb. 1.

Eine voll­ständi­ge Über­sicht über die Anwend­barkeit der Abschnitte der TRGS 510 in Abhängigkeit von der Art und Menge der gelagerten Gefahrstoffe ist in ein­er Tabelle zusam­menge­fasst (TRGS 510 Abschnitt 1 Tabelle 1); für einen Auszug siehe unten Tab. 2.

Die wichtig­sten Änderun­gen sind die Folgenden:

  • Ergänzung bish­er fehlen­der Klein­men­gen­schwellen für entzünd­bare Fest­stoffe, selb­stzer­set­zliche Gefahrstoffe, pyrophore Flüs­sigkeit­en und Fest­stoffe und selb­ster­hitzungs­fähige Gefahrstoffe,
  • neuer Ein­trag für desen­si­bil­isierte explo­sive Gefahrstoffe zur Berück­sich­ti­gung der neuen Gefahren­klasse nach CLP-Verord­nung; dieser Ein­trag gilt für die TRGS 510 nur soweit sie nicht bere­its unter das Sprengstof­frecht fallen,
  • grundle­gende Über­ar­beitung der Men­gen­schwellen für Gase zur Her­stel­lung ein­er besseren Ver­hält­nis­mäßigkeit zu den anderen Gefahrstoffen,
  • Ergänzung von Angaben in Liter bzw. Stück für Gase, Druck­gaskar­tuschen und Aerosol­pack­un­gen; dies soll die Anwen­dung erle­ichtern, da Angaben in kg nicht immer leicht ver­füg­bar sind,
  • Erhöhung der Men­gen­schwelle zur Anwen­dung von Abschnitt 9 für oxi­dierende Flüs­sigkeit­en und Fest­stoffe, Kat. 1 auf 200 kg; bish­er galt dies ab 5 kg.
Wilrich_Abb_1.jpg
Abb. 1: Gestuftes Maß­nah­menkonzept für die Gefahrstof­flagerung gemäß TRGS 510
Foto: Cor­du­la Wilrich

Leichte Änderung der Struktur

Damit sich die Ken­ner der TRGS 510 auch in der Neu­fas­sung schnell zurechtfind­en, gibt die Tabelle 1 eine Über­sicht über die Änderun­gen in der Struk­tur. Primäres Anliegen war es, die Anforderun­gen für die Lagerung im Lager durch einen eige­nen Abschnitt promi­nen­ter zu berücksichtigen.

Was ist eine „Kleinmenge“?

„Klein­men­gen“ im Sinne der TRGS 510 dür­fen auch außer­halb von Lagern gelagert wer­den. Dafür müssen zwei Bedin­gun­gen erfüllt sein (TRGS 510 Abschnitt 1 Absatz 8):

  1. Die Menge des Gefahrstoffs erfordert noch keine Lagerung im Lager; diese Menge kann Spalte 3 von Tabelle 1 der TRGS 510 ent­nom­men wer­den, Tabelle 2 auf der näch­sten Seite zeigt einen Auszug.
  2. Die Gesamt­menge der Gefahrstoffe, die pro Brand­bekämp­fungsab­schnitt / Nutzung­sein­heit außer­halb von Lagern gelagert wer­den, darf 1.500 kg nicht überschreiten.

Allgemeine Maßnahmen

Die all­ge­meinen Maß­nah­men gemäß TRGS 510 Abschnitt 4 gel­ten immer, also sowohl für die Lagerung von Klein­men­gen als auch (weit­er­hin) für Gefahrstoffe, die auch unter weit­ere Abschnitte der TRGS 510 fall­en. Die wichtig­sten Maß­nah­men sind:

  • Lagerung in gekennze­ich­neten und geschlosse­nen, geeigneten Behäl­tern, möglichst in Originalbehältern,
  • Behäl­ter sind geeignet die Ver­wech­slung mit Lebens­mit­teln zu verhindern,
  • keine Lagerung in der Nähe von Arznei‑, Lebens‑, Fut­ter- und Genuss­mit­teln oder Kosmetika,
  • keine Lagerung in Verkehr­swe­gen; dazu gehören z.B. Flucht- und Ret­tungswege, Trep­pen­räume, Durchgänge, Durch­fahrten, enge Höfe,
  • keine Lagerung in Pausen‑, Bere­itschafts- und San­itär­räu­men; die Neu­fas­sung der TRGS 510 stellt aber klar, dass haushalt­sübliche Men­gen zur dor­ti­gen Ver­wen­dung auf­be­wahrt wer­den dürfen,
  • keine wirk­samen Zündquellen in unmit­tel­bar­er Nähe von Behäl­tern mit entzünd­baren Flüssigkeiten,
  • Auf­stel­lung von Behäl­tern mit flüs­si­gen Gefahrstof­fen in ein­er Rück­halte-ein­rich­tung; für Klein­men­gen gibt es keine materiellen Anforderun­gen an die Rückhalteeinrichtung,
  • Begren­zung der Gebinde­größe für entzünd­bare Flüs­sigkeit­en außer­halb von Lagern auf 2,5 l in zer­brech­lichen Behäl­tern und auf 10 l in nicht zer­brech­lichen Behäl­tern; neu ist die Erhöhung der Gebinde­größe auf 20 l für nach Gefahrgutrecht zuläs­sige Behälter,
  • erforder­lichen­falls Fes­tle­gung explo­sion­s­ge­fährde­ter Bereiche,
  • Lagerung unter Ver­schluss von Gefahrstof­fen mit bes­timmten Gesund­heits­ge­fahren gemäß § 8 Absatz 7 Gef­Stof­fV; Zugangs­beschränkun­gen sind jet­zt in Abschnitt 4.3 der TRGS 510 zusammengefasst.

Lagerung im Lager

Bei Über­schre­itung der Klein­men­gen muss die Lagerung der Gefahrstoffe im Lager erfol­gen und es sind zusät­zliche Maß­nah­men erforder­lich (TRGS 510 Abschnitt 5). Die wichtig­sten Maß­nah­men sind:

  • Beleuch­tung, Belüf­tung, Flucht- und Ret­tungs­plan sowie Kennze­ich­nung gemäß den Arbeitsstät­ten­regeln (ASR); wer­den (viele) ver­schiedene Gefahrstoffe gelagert, ist Kennze­ich­nung mit W001 + Zusatzze­ichen (z.B. „Gefahrstof­flager“) möglich,
  • Zugang nur für befugte Personen,
  • Sicherung der Lagergüter; das bein­hal­tet stand­sichere und aus­re­ichend belast­bare Lagere­in­rich­tun­gen, Maß­nah­men zum Schutz vor Her­aus­fall­en der Behäl­ter und Stapelung nur insoweit, wie es die Sta­bil­ität der Behäl­ter zulässt sowie ggf. Anfahrschutz,
  • regelmäßige Kon­trollen von Behäl­tern, Lagere­in­rich­tun­gen, Rück­hal­teein­rich­tun­gen und anderen Ein­rich­tun­gen, wie z.B. Lüf­tung­sein­rich­tun­gen, Augen- und Körperduschen,
  • Fes­tle­gung von zu ergreifend­en Maß­nah­men bei Freiset­zung von Gefahrstof­fen; dies bein­hal­tet das Bere­i­thal­ten ein­er Not­fall-Aus­rüs­tung für die Besei­t­i­gung freige­set­zter Gefahrstoffe und erforder­lichen­falls auch von per­sön­lich­er Schutzaus­rüs­tung sowie Alarmierungs­maß­nah­men für den Fall erhe­blich­er Gefährdung von Beschäftigten.

Zusätzliche Maßnahmen je nach Eigenschaft und Menge

Die Abschnitte 6 bis 12 der TRGS 510 sind je nach Art und Menge der gelagerten Gefahrstoffe zusät­zlich anzuwen­den. Die bre­iteste Anwen­dung hat Abschnitt 6; er gilt für alle Gefahrstoffe, die nach CLP-Verord­nung mit ein­er Flamme gekennze­ich­net sind und für andere brennbare3 Gefahrstoffe. Die Abschnitte 6 bis 12 regeln vor allem beson­dere bauliche Anforderun­gen und spez­i­fis­che Brandschutzmaßnahmen.

Zusammenlagerung – Getrenntlagerung – Separatlagerung

Wer­den mehr als 200 kg ver­schiedene Gefahrstoffe gelagert, gel­ten Anforderun­gen an die Zusam­men­lagerung (TRGS 510 Abschnitt 13). Anders als bish­er greifen sie aber erst, wenn auch im Lager gelagert wer­den muss. Zusam­men­ge­lagert wer­den darf nur, wenn dies nicht zu ein­er Gefährdungser­höhung führt. Dabei ist nicht nur die mögliche gefährliche Reak­tion von Gefahrstof­fen miteinan­der zu berück­sichti­gen, son­dern auch unter­schiedliche Lagerbe­din­gun­gen (z.B. Tem­per­atur) oder unter­schiedliche Maß­nah­men (z.B. Löschmittel).

Für alle Gefahrstof­fkom­bi­na­tio­nen gibt es ein gestuftes Konzept: Zusam­men­lagerung – Getren­nt­lagerung (durch Abstände oder Bar­ri­eren) – Sep­a­rat­lagerung (eigene Lager­ab­schnitte mit feuerbeständi­ger Abtren­nung). Die Anwen­dung dieses Konzepts erfol­gt in zwei Schritten:

  1. Den Gefahrstof­fen wird basierend auf ihrer Ein­stu­fung und ihren Eigen­schaften jew­eils eine Lagerk­lasse zuge­ord­net. Dies erfol­gt anhand eines Fließschemas (TRGS 510 Anhang 2).
  2. In ein­er Kreuzta­belle = Zusam­men­lagerungsta­belle (TRGS 510 Abschnitt 13.3) wird für jede Lagerk­lassenkom­bi­na­tion angezeigt, ob Zusam­men­lagerung erlaubt ist (+ und grün), Sep­a­rat­lagerung erforder­lich ist (− und rot) oder Ein­schränkun­gen zu beacht­en sind, wie z.B. Getren­nt­lagerung (Nr. und gelb).

Hin­weis: In der Kreuzta­belle wur­den die Kurzbeze­ich­nun­gen der Lagerk­lassen gestrichen, damit sie nicht (unter Umge­hung des Fließschemas) zur Zuord­nung der Lagerk­lassen miss­braucht werden.

Neue Möglichkeiten durch Lagerung in Sicherheitsschränken

Für entzünd­bare Flüs­sigkeit­en kon­nte ein Großteil der Schutz­maß­nah­men der TRGS 510 durch Lagerung in Sicher­heitss­chränken abgedeckt wer­den. Die Neu­fas­sung der TRGS 510 eröffnet entsprechende Möglichkeit­en nun für alle Gefahrstoffe und für alle Abschnitte (siehe z.B. TRGS 510 Abschnitt 5.1 Absatz 2 bis 4). Nur wenige Maß­nah­men, die durch die Lagerung im Sicher­heitss­chrank nicht abgedeckt wer­den, wie z.B. organ­isatorische Maß­nah­men, Maß­nah­men zur Alarmierung, Erste-Hil­fe-Maß­nah­men etc. müssen dann noch zusät­zlich ergrif­f­en wer­den. Auch Anforderun­gen an die Sep­a­rat­lagerung wer­den durch Lagerung in Sicher­heitss­chränken erfüllt, da die Schränke als eigen­er Lager­ab­schnitt gel­ten. Welche Abschnitte durch Lagerung im Sicher­heitss­chrank erfüllt wer­den und welche Maß­nah­men dann noch zusät­zlich zu ergreifen sind, ist im Anwen­dungs­bere­ich jedes Abschnitts der TRGS 510 expliz­it aufgeführt.

Allgemeine Anforderungen der GefStoffV

Außer­dem sind natür­lich auch die all­ge­meinen (nicht „lager­spez­i­fis­chen“) Anforderun­gen der Gef­Stof­fV zu beacht­en, wie z.B. das Führen eines Gefahrstof­fverze­ich­niss­es, die Erstel­lung ein­er Gefährdungs­beurteilung und ein­er Betrieb­san­weisung, die Unter­weisung der Beschäftigten, erforder­lichen­falls das Stellen von Schutzausrüstung.

 

Fußnoten

1 Die Neu­fas­sung ist ver­füg­bar unter: https://www.baua.de/DE/Angebote/Rechtstexte-und-Technische-Regeln/Regelwerk/TRGS/TRGS-510.html.

2 VERORDNUNG (EG) Nr. 1272/2008 über die Ein­stu­fung, Kennze­ich­nung und Ver­pack­ung von Stof­fen und Gemischen.

3 Für „brennbar“ gibt es eine neue Begriffs­bes­tim­mung, die sowohl im neuen gefahrstoff­spez­i­fis­chen Begriff­s­glos­sar als auch in der neuen TRGS 510 enthal­ten ist.

4 Ein Überblick über die wesentlichen Änderun­gen der TRGS 510 find­et sich auf ihrer let­zten Seite. Dieser Überblick gibt auch Infor­ma­tio­nen zu den gestrich­enen Anlagen.


Foto: privat

Autorin: Dr. Cor­du­la Wilrich

Bun­de­sanstalt für Mate­ri­al­forschung und ‑prü­fung (BAM)

Abteilung 2 Chemis­che Sicherheitstechnik

Vor­sitzende des AK Gefahrstof­flagerung im Auss­chuss für Gefahrstoffe (AGS)

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