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Gute Evaku­ie­rungs­übun­gen in der Praxis

Planung, Durchführung und Nachbereitung
Gute Evaku­ie­rungs­übun­gen in der Praxis

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Evakuierungen müssen geübt werden, damit die Mitarbeiter sich im Ernstfall richtig verhalten. Foto: © denboma – stock.adobe.com
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Eine Evaku­ie­rungs­übung dient der Sicher­heit von Beschäf­tig­ten und ande­ren Perso­nen, welche sich auf einem Betriebs­ge­lände aufhal­ten. Diese Über­prü­fung, ob eine betrieb­li­che Notfall­pla­nung funk­tio­niert, wird im Hinblick auf die Fürsor­ge­pflicht des Unter­neh­mers für seine Mitar­bei­ter durch verschie­dene Gesetze vorge­schrie­ben.

Der Gesetz­ge­ber verlangt von allen Betrie­ben in Deutsch­land sich auf Notsi­tua­tio­nen vorzu­be­rei­ten. Grund­le­gend sind hier das Arbeits­schutz­ge­setz (§§10, 12), die Arbeits­stät­ten­ver­ord­nung, (§4 Abs.4) oder auch die Betriebs­si­cher­heits­ver­ord­nung (§11) zu nennen. Weitere Konkre­ti­sie­run­gen finden sich in den berufs­ge­nos­sen­schaft­li­chen Regel­wer­ken sowie den Tech­ni­sche Regeln für Arbeits­stät­ten (zum Beispiel ASR A2.3).

Nur ein Betrieb, der sich durch eine gewis­sen­hafte Notfall­pla­nung auf die verschie­dens­ten Szena­rien vorbe­rei­tet hat, wird in einem Ernst­fall auf eine bestehende Struk­tur zurück­grei­fen können und im güns­tigs­ten Fall kurz nach einer Betriebs­stö­rung wieder in den Regel­be­trieb über­ge­hen.

Je nach Scha­dens­er­eig­nis kann ein Notfall-/Wiederanlaufplan größere Umsatz­aus­fälle, wenn nicht sogar eine Insol­venz vermei­den. Im „Neudeut­schen“ spricht man hier vom Busi­ness Conti­nue Manage­ment, kurz BCM.

Zur Vorbe­rei­tung auf den Ereig­nis­fall gehört zunächst die gewis­sen­hafte Erstel­lung einer Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung, in welcher Eintritts­wahr­schein­lich­kei­ten und das Scha­den­aus­maß zu bewer­ten sind. Typi­sche Szena­rien sind:

  • Brand/Explosion
  • Bomben­fund
  • Terrordrohung/Anschläge
  • Natur­er­eig­nisse
  • Stör­fälle in chemi­schen Betrie­ben

Nur wenn Sie die Gefahr kennen, können Sie auch die Gefah­ren­ab­wehr planen.

Nach­dem die mögli­chen Gefähr­dun­gen ausge­wer­tet wurden, lassen sich die notwen­di­gen Maßnah­men ablei­ten. Hierzu gehört in vielen Notfall­plä­nen, die früh­zei­tige Evaku­ie­rung von Menschen in einen gesi­cher­ten Bereich (Sammel­stelle).

Eine Evaku­ie­rung bezeich­net die orga­ni­sierte Verle­gung von Menschen aus einem akut gefähr­de­ten Bereich in einen siche­ren Bereich.“ (ASR A2.3)

Hier­bei werden verschie­dene tech­ni­sche Hilfs­mit­tel zur Alar­mie­rung verwen­det. Neben dem klas­si­schen Feuer­alarm nach DIN 33404 (Siren­en­ton) setzt sich die Sprach­alar­mie­rung (SAA) immer mehr durch. Studien bele­gen, dass Perso­nen die über eine Ansage klare Verhal­tens­an­wei­sun­gen erhal­ten, deut­lich schnel­ler einen Gefah­ren­be­reich verlas­sen als jene, die nur durch ein Sire­nen­si­gnal gewarnt werden. Zusätz­lich können durch eine Sprach­alar­mie­rung zusätz­li­che Infor­ma­tio­nen durch­ge­ge­ben und aktiv auf das Verhal­ten der flüch­ten­den Perso­nen Einfluss genom­men werden.

Evaku­ie­run­gen können aus einem Gefah­ren­be­reich zu einer Sammel­stelle in siche­rer Entfer­nung führen oder auch in das Innere von Gebäu­den (zum Beispiel Schutz­raum). Bei Bedro­hungs­la­gen kann auch eine dezen­trale Evaku­ie­rung eine Option darstel­len, um einem mögli­chen Angrei­fer keine klare Ziel­gruppe anzu­bie­ten.

Egal was man auch geplant haben mag, es bringt nichts, wenn eine Brand­schutz­ord­nung oder ein Evaku­ie­rungs­plan in einer Schub­lade verstaubt oder in einem Lauf­werk einfach abge­legt wird. Aus diesem Grund besteht nach dem Arbeits­schutz­ge­setz §12 die Unter­wei­sungs­pflicht aller Beschäf­tig­ten.

Die Vorbe­rei­tung einer Evaku­ie­rungs­übung

Wenn Sie eine Evaku­ie­rungs­übung durch­füh­ren möch­ten, soll­ten Sie zunächst prüfen, ob die Voraus­set­zun­gen für eine erfolg­rei­che Übung gege­ben sind. Es ist normal und auch gewollt, dass Sie im Rahmen einer Übung Opti­mie­rungs­po­ten­tial aufde­cken.

Es ist jedoch drin­gend davon abzu­ra­ten einfach „den Knopf zu drücken“ und dann zu schauen was passiert. Dies führt nur zu Frus­tra­tion und unnö­ti­gen Konflik­ten. Bei mangel­haf­ter Vorbe­rei­tung könnte es auch zu gefähr­li­chem Fehver­hal­ten und Unfäl­len kommen, die unbe­dingt zu vermei­den sind.

Begin­nen Sie mit einer Check­liste.

Diesem Beitrag ist eine Check­liste beigefügt (siehe Kasten Link­tipp Seite 15 bzw. unten), die sich über mehrere Jahre bei der Planung von Evaku­ie­rungs­übun­gen diver­ser Groß­ob­jekte bewährt hat.

Hier soll­ten Sie zunächst eine Bestands­auf­nahme machen, was bereits vorhan­den und was noch zu besor­gen bezie­hungs­weise zu erle­di­gen ist. Gehen Sie einfach und prag­ma­tisch vor.

Welche Perso­nen sind für die Durch­füh­rung Ihrer Evaku­ie­rungs­übung von Rele­vanz?

Bei einer Evaku­ie­rungs­übung soll­ten die Anwe­sen­heit des Brand­schutz­be­auf­trag­ten sowie der Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit selbst­ver­ständ­lich sein. Wenn es einen Sicher­heits­dienst in Ihrem Unter­neh­men gibt, muss der Leiter der Objektsicherheit/Security einge­bun­den sein, um die Abläufe des Sicher­heits­ap­pa­ra­tes zu bewer­ten. Ebenso kann es sein, dass die Haus­tech­ni­ker im Brand­fall beson­dere Aufga­ben zu erfül­len haben und somit deren Objekt­lei­tung als Beob­ach­ter hinzu­ge­zo­gen werden sollte (ab und zu müssen Aufzüge, nach Ihrer Rück­ho­lung durch die Brand­mel­de­an­lage, manu­ell wieder in Betrieb gesetzt werden; zuge­fal­lene Brand­schutz­klap­pen müssen kontrol­liert und gege­be­nen­falls zurück­ge­setzt werden). Empfeh­lens­wert ist es in großen Unter­neh­men, die Führungs­ebe­nen zumin­dest über die Kalen­der­wo­che der Übung zu infor­mie­ren und abzu­fra­gen, ob in diesem Zeit­raum beson­dere Termine zu berück­sich­ti­gen sind (der Beitrags­ver­fas­ser musste schon mehr­fach geplante Übun­gen aufgrund wich­ti­ge­rer Ereig­nisse verle­gen).

Poli­zei und gege­be­nen­falls Ordnungs­amt soll­ten infor­miert werden. Diese nehmen den Übungs­ter­min meist nur zur Kennt­nis. Wenn große Perso­nen­ströme den flie­ßen­den Verkehr kreu­zen, muss zumin­dest für die Übun­gen mit den Ordnungs­be­hör­den eine even­tu­elle Verkehrs­re­ge­lung eruiert werden, um Perso­nen­schä­den zu verhin­dern.

Hinweis: Eine Evaku­ie­rungs­übung ist eine betrieb­li­che Veran­stal­tung und somit über die Berufs­ge­nos­sen­schaft oder Unfall­kasse versi­chert. Als „Veran­stal­ter“ haben Sie jedoch im Rahmen des Arbeits­schut­zes Gefähr­dun­gen der Teil­neh­mer zu vermei­den.

Ein häufi­ger Trug­schluss: „Die Feuer­wehr muss an der Evaku­ie­rungs­übung teil­neh­men.“

Aber: Spre­chen Sie vorab mit Ihrer zustän­di­gen Brand­schutz­dienst­stelle. In den meis­ten Fällen geben diese Ihnen das Inter­vall der Übun­gen vor. Erfah­rungs­ge­mäß möch­ten die Kolle­gen des vorbeu­gen­den Brand­schut­zes nur bei „Objek­ten von beson­de­rem Inter­esse“ an einer Übung teil­neh­men. Bespiels­weise bei

  • Gebäu­den mit hoher Perso­nen­zahl
  • Gebäude die im öffent­li­chen Inter­esse stehen oder
  • Betrie­ben mit hohem Gefah­ren­po­ten­tial.

Infor­mie­ren

Wenn Ihr Unter­neh­men eine Evaku­ie­rungs­übung durch­führt, kann es auch sinn­voll sein über die eigene Pres­se­stelle einen Bericht schrei­ben zu lassen. Getreu dem Motto „Tue Gutes und sprich darüber“ ist es für die benach­barte Öffent­lich­keit oder auch ihre Kunden, ein posi­ti­ves Zeichen, dass sich ihr Unter­neh­men auf etwaige Notfälle vorbe­rei­tet.

Ein wich­ti­ger Punkt, der nie vernach­läs­sigt werden sollte: Infor­mie­ren Sie unbe­dingt Ihre Küche/Kantine über den genauen Übungs­zeit­punkt. Eine Übung kurz vor oder während dem Mittag­essen ist bei Unter­neh­men mit einer Groß­kü­che keine gute Idee. Hier­durch kann es im Nach­gang zu stun­den­lan­gen Verzö­ge­run­gen kommen, die sich nega­tiv auf den gesam­ten Tages­ab­lauf eines Unter­neh­mens auswir­ken können.

Denken Sie recht­zei­tig daran, Übungs­be­ob­ach­ter einzu­la­den. Eine kleine Check­liste und ein Brie­fing vor der Übung helfen, die Schwer­punkte der gewünsch­ten Beob­ach­tung zu defi­nie­ren. Die Perso­nen aus den Schlüs­sel­po­si­tio­nen Sicherheit/Technik werden ihre eige­nen Beob­ach­tungs­punkte fest­le­gen.

Als nächs­tes prüfen Sie den Status „Orga­ni­sa­to­ri­sches“ für Ihr Vorha­ben:

  • Exis­tie­ren die Brand­schutz­ord­nun­gen nach DIN 14096 oder 14096:2014–5, Teile A+B?
  • Ist gege­be­nen­falls zusätz­lich der Teil C formu­liert worden, in dem die Aufga­ben von Schlüs­sel­po­si­tio­nen, Brand­schutz­hel­fern, Secu­rity, Erst­hel­fern, Paten genau beschrie­ben wurden?
  • Sind die Selbst­hil­fe­kräfte aktu­ell geschult?
  • Befin­den sich Alarm­pläne und Tele­fon­lis­ten auf aktu­el­lem Stand?
  • Wann wurden die Mitar­bei­ter, die einen Alarm­plan abar­bei­ten sollen das letzte Mal unter­wie­sen?
  • Gibt es zusätz­li­che Alar­mie­rungs­wege, die ausge­löst werden müssen (zum Beispiel www.evalarm.de)?

Wenn Sie einen Betrieb haben, in dem Busi­ness Conti­nue Manage­ment (BCM) betrie­ben wird, sollte der zustän­dige BCM-Beauftragte entschei­den, ob der BCM-Fall eben­falls geprobt wird oder eine Mini­mal­be­set­zung während der Übung die notwen­digs­ten Posi­tio­nen besetzt. Hier ist eine präzise Abstim­mung erfor­der­lich in der fest­ge­legt wird, wie ein realer Alarm während der Übung bekannt gege­ben wird.

Wenn Sie ein Groß­ge­bäude beüben, kann es vorkom­men, dass Sie im Bereich der Rand­be­bau­ung klei­nere Geschäfte oder auch Miet­woh­nun­gen berück­sich­ti­gen müssen, die sich nur bedingt Ihrer Notfall­pla­nung anschlie­ßen. Hier infor­mie­ren Sie die betref­fen­den Parteien über den Probe­alarm, bieten an in die Abläufe einge­wie­sen zu werden und sich der Übung anzu­schlie­ßen bezie­hungs­weise die eige­nen Abläufe zu trai­nie­ren.

Zu guter Letzt soll­ten Sie noch einen Bespre­chungs­raum im Übungs­ob­jekt buchen, in dem Sie sich mit allen Übungs­be­tei­lig­ten zur Vor- und auch Nach­be­spre­chung tref­fen können. Denken Sie auch an Kaffee und Soft­ge­tränke, insbe­son­dere wenn Sie externe Teil­neh­mer erwar­ten, zum Beispiel Presse, Poli­zei oder Feuer­wehr.

Das Übungs­ob­jekt

Kommen wir nun zum Übungs­ob­jekt. Hier müssen die vorhan­de­nen Gege­ben­hei­ten (Objekt­in­fos) erfasst und über­prüft werden, wie diese mitein­an­der inter­agie­ren:

  • Gibt es beispiels­weise Sicher­heits­be­rei­che oder interne Schutz­räume, die bei einem Alarm zunächst aufge­sucht werden sollen?
  • Sollen gege­be­nen­falls mobil­ein­ge­schränkte Perso­nen zu einer Abhol­stelle gebracht werden? In manchen Fällen gibt es an den Sammel­stel­len für mobil­ein­ge­schränkte, eigene Notruf­vor­rich­tun­gen. Sind diese auch funk­ti­ons­fä­hig?

In diesem Zusam­men­hang sollte auch geprüft werden ob es Evaku­ie­rungs­ge­räte gibt, die von den Paten einge­setzt werden sollen (zum Beispiel Evac+Chair oder Evaku­ie­rungs­ma­tratze) und wann die letzte Wartung/Einweisung hier­auf statt­ge­fun­den hat. Weiter­hin wich­tig:

  • Ist die Sammel­stelle gut erreich­bar? Laufen Sie den komplet­ten Flucht­weg vorher ab. Ist der Weg dahin befes­tigt? Wie ist die Sicht zu früher oder später Stunde? Muss der flie­ßende Verkehr gekreuzt werden? Genügt die Fläche für die zu erwar­tende Perso­nen­zahl?
  • Wie wird der Alarm ausge­löst? Wie sieht die Brand­fall­steu­er­ma­trix aus? Wo ertö­nen welche Signale?
  • Wo geben Brand­schutz­hel­fer Ihre Meldun­gen ab? Gibt es even­tu­ell ein Evaku­ie­rungs­ta­bleau für die Status­mel­dun­gen der Evaku­ie­rungs­be­rei­che?

Dies sind nur ein paar Stich­punkte aus der beigefüg­ten Check­liste (siehe Kasten Link­tipps), die noch mit betriebs­spe­zi­fi­schen Punk­ten, die für Ihre Übung von Rele­vanz sind, ergänzt werden kann.

Erfah­rungs­ge­mäß ist die erste Übung immer die zeit­auf­wän­digste Übung. Wenn Sie die Eckda­ten Ihrer Check­liste erst einmal erfasst haben, sind die nach­fol­gen­den Übun­gen in der Regel schnell geplant und durch­ge­führt.

Ihre erste Übung soll­ten Sie offen ankün­di­gen und alle Betei­lig­ten einwei­hen. Die Ziel­vor­gabe muss sein, den Üben­den Sicher­heit zu vermit­teln und die Abläufe trans­pa­rent zu erklä­ren. Wenn Sie so vorge­hen, werden Sie erfah­rungs­ge­mäß auf eine hohe Akzep­tanz tref­fen. Nach­fol­gende Übun­gen können Sie dann wie vorher beschrie­ben durch­füh­ren.

Achtung: Soll­ten Sie erwä­gen mit Übungs­ne­bel eine Verrau­chung zu simu­lie­ren, muss diese Maßnahme ausnahms­los allen Betei­lig­ten dieser Übung ange­kün­digt werden. Andern­falls riskie­ren Sie Angst­re­ak­tio­nen die im schlimms­ten Fall in Panik enden können.

To Dos

Die Evaku­ie­rungs­übung soll­ten Sie in drei Hand­lungs­schrit­ten (Vorbe­spre­chung, Übung, Nach­be­spre­chung) ablau­fen lassen.

Schritt 1 – Die Vorbe­spre­chung: Tref­fen Sie sich mit allen Beob­ach­tern im Bespre­chungs­raum und stim­men Sie die die Punkte ab auf die geach­tet werden soll. Legen Sie fest, wer sich an welcher Posi­tion im Gebäude aufhal­ten soll, wenn der Alarm ertönt. Bei größe­ren Gebäu­den kann es hilf­reich sein einen Routen­plan vorzu­be­rei­ten. Geben Sie eine Uhrzeit vor, zu der der Alarm ausge­löst wird und bezie­hen sie Ihre Posi­tio­nen (in der Regel fünf Minu­ten nach der Vorbe­spre­chung).

Schritt 2 – Die Übung: Wenn Sie auf Ihrer Posi­tion sind, warten Sie auf den Alarm. Achten Sie auf die genaue Uhrzeit und notie­ren diese auf Ihrem Beob­ach­tungs­pro­to­koll. Ist das Alarm­si­gnal (Sirene/ELA) gut zu hören? Sind Sprach­an­sa­gen auch verständ­lich? Wie verhal­ten sich die Mitar­bei­ter? Sichern diese Ihren Arbeits­platz und bege­ben sich zur Sammel­stelle oder besteht Ratlo­sig­keit? Sind Brand­schutz­hel­fer in Ihrem Übungs­ab­schnitt zu erken­nen? Was tun diese und wie reagie­ren die Kolle­gen hier­auf? Benut­zen die aufge­for­der­ten Perso­nen die ausge­wie­se­nen Flucht­wege? Verblei­ben Mitar­bei­ter im Gebäude? Hier erfra­gen Sie bitte den Grund und notie­ren die Namen, gege­be­nen­falls auch die Büro-/Arbeitsplatznummer für ein Nach­ge­spräch. Für Kolle­gen, die im Rahmen des BCM in ihrem Arbeits­be­reich blei­ben sollen, hat sich eine Kenn­zeich­nung des Arbeitsplatzes/Büros, mit einer farbi­gen Hinweis­karte im Format DIN A4, mit dem Schrift­zug „BCM – Keine Übungs­teil­nahme“ bewährt. Gibt es mobil­ein­ge­schränkte Perso­nen und wie verhal­ten sich diese? Sind Paten benannt? Sind diese auch da oder müssen andere Kolle­gen even­tu­ell impro­vi­sie­ren? Sind die Flucht­wege frei begeh­bar oder befin­den sich hier Gegen­stände, die ein zügi­ges Voran­kom­men behin­dern? Befin­den sich im weite­ren Verlauf Türen mit Flucht­weg­si­che­rungs­sys­te­men? Kennen sich die Mitar­bei­ter in der Funktion/Bedienung von Türwäch­tern aus oder kommt es zu Rückstaus/Verzögerungen durch fehlende Unter­wei­sun­gen?

Wenn Sie ein größe­res Gebäude beüben, gibt es übli­cher­weise ein Evaku­ie­rungs­ta­bleau an dem die Rück­mel­dun­gen der Brand­schutz­hel­fer erfasst werden (analog zum Sammel­stel­len­lei­ter.) Wie verläuft die Frei­mel­dung? Finden die Brand­schutz­hel­fer problem­los zur Melde­stelle bezie­hungs­weise ist der Sammel­stel­len­lei­ter als solcher erkenn­bar? Aus welchen Berei­chen kommt keine Meldung? Wie ist dies zu begrün­den? Wenn Sie fest­stel­len, dass keine Meldun­gen mehr abge­ge­ben werden, können Sie das Übungs­ende abstim­men.

Klären Sie vorab mit der Haus­tech­nik ob alle Aufzüge wieder funk­ti­ons­be­reit sind und mit dem Sicher­heits­dienst, ob alle Sicher­heits­be­rei­che und Notaus­gangs­tü­ren wieder geschlos­sen sind. Erst wenn Sie hier posi­tive Rück­mel­dun­gen erhal­ten, darf der Wieder­be­zug ange­wie­sen werden. Andern­falls kann es zu Unmut vor den nicht fahren­den Aufzü­gen kommen oder Sie haben massen­haft Sicher­heits­ver­stöße bei der Zutritts­kon­trolle.

Auch beim Wieder­be­zug müssen Sie beob­ach­ten, wie sich die Mitar­bei­ter verhal­ten. Werden Stra­ßen auf dem Rück­weg ordent­lich über­quert oder kommt es hier plötz­lich zu Gefähr­dungs­si­tua­tio­nen? Sind größere Stau­un­gen auf dem Rück­weg zu beob­ach­ten (zum Beispiel an Verein­ze­lungs­an­la­gen, Zutritts­kon­troll­sys­te­men, Werks­schutz)?

Wenn das Übungs­ob­jekt soweit wieder bezo­gen wurde, tref­fen sich alle Beob­ach­ter wieder im Bespre­chungs­raum zur Nach­be­spre­chung.

Schritt 3 – Nach­be­spre­chung: Wenn alle Beob­ach­ter wieder einge­trof­fen sind, begin­nen Sie mit einer Berichts­runde in der jeder nur die markan­tes­ten Beob­ach­tun­gen (posi­tiv wie auch nega­tiv) kurz schil­dert. Als Übungs­lei­ter soll­ten Sie als Letz­ter ihre Beob­ach­tun­gen schil­dern und das Übungs­er­geb­nis (bewusst posi­tiv) zusam­men­fas­sen. Abschlie­ßend been­den Sie die Übung und bedan­ken sich bei allen Betei­lig­ten für Ihre Mitwir­kung.

Zum Schluss

Die Übung ist vorbei, nun muss noch ein Proto­koll geschrie­ben werden, in dem die fest­ge­stell­ten Opti­mie­rungs­punkte zusam­men­ge­fasst werden. Grund­lage hier­für sind Ihre Beob­ach­ter­pro­to­kolle. Zusätz­lich können Sie noch Ihre Brand­schutz­hel­fer mit einem Frage­bo­gen zu Ihren Erfah­run­gen bei der Übung befra­gen und auch diese Infor­ma­tio­nen in Ihr Proto­koll einflie­ßen lassen.

Benen­nen Sie verant­wort­li­chen Perso­nen, die sich um die zu ergrei­fen­den Maßnah­men zu kümmern haben. Stim­men Sie sich hier gege­be­nen­falls mit den betref­fen­den Fach­be­rei­chen bezüg­lich der Rück­mel­de­fris­ten noch­mals ab. Es bringt nichts, wenn Sie Termin­vor­ga­ben setz­ten, die dann von den ausfüh­ren­den Abtei­lun­gen nicht einge­hal­ten werden können.

Strei­chen Sie erle­digte Punkte aus Ihrer Liste und verfol­gen Sie die Abar­bei­tung bis alle Posi­tio­nen als erle­digt ange­se­hen werden dürfen.

Legen Sie einen Ordner an, in dem Sie alle Unter­la­gen zusam­men­fas­sen und doku­men­tie­ren Sie so Ihre Übung mit den daraus resul­tie­ren­den Maßnah­men. Wenn Sie so wie beschrie­ben vorge­hen, haben Sie Ihre Übung nach­weis­lich mit größt­mög­li­cher Sorg­falt geplant, durch­ge­führt und nach­be­rei­tet und können dies mit einer rechts­si­che­ren Doku­men­ta­tion bele­gen.

Im Durch­schnitt und zur groben Orien­tie­rung haben sich folgende Zeit­werte bei vielen Übun­gen gezeigt und bewährt:

  • Planungs­be­ginn: 12 Wochen vor dem Termin
  • Vorbe­spre­chung: maxi­mal 10 Minu­ten
  • Übungs­zeit: In der Regel 10 bis 20 Minu­ten
  • Nach­be­spre­chung: 20 bis 30 Minu­ten

Link­tipp

Sie finden alle erfor­der­li­chen Orga­ni­sa­ti­ons­hil­fen, die in diesem Beitrag beschrie­ben wurden, als PDF zum kosten­lo­sen Down­load unter dem QR-Code oder unter www.sifa-sibe.de, direk­ter Link http://hier.pro/xniE6/

  • Beob­ach­tungs­pro­to­koll
  • Brand­schutz­hel­fer­pro­to­koll
  • Teil­neh­mer­liste Evaku­ie­rungs­übung
  • ausfür­li­che Check­liste Evaku­ie­rungs­pro­to­koll

 


Foto: privat

Autor: Jörn Dutz

Fach­re­fe­rent für Brand­schutz

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