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Gute Evakuierungsübungen in der Praxis

Planung, Durchführung und Nachbereitung
Gute Evakuierungsübungen in der Praxis

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Evakuierungen müssen geübt werden, damit die Mitarbeiter sich im Ernstfall richtig verhalten. Foto: © denboma – stock.adobe.com
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Eine Evakuierungsübung dient der Sicher­heit von Beschäftigten und anderen Per­so­n­en, welche sich auf einem Betrieb­s­gelände aufhal­ten. Diese Über­prü­fung, ob eine betriebliche Not­fallpla­nung funk­tion­iert, wird im Hin­blick auf die Für­sorgepflicht des Unternehmers für seine Mitar­beit­er durch ver­schiedene Geset­ze vorgeschrieben.

Der Geset­zge­ber ver­langt von allen Betrieben in Deutsch­land sich auf Not­si­t­u­a­tio­nen vorzu­bere­it­en. Grundle­gend sind hier das Arbeitss­chutzge­setz (§§10, 12), die Arbeitsstät­ten­verord­nung, (§4 Abs.4) oder auch die Betrieb­ssicher­heitsverord­nung (§11) zu nen­nen. Weit­ere Konkretisierun­gen find­en sich in den beruf­sgenossen­schaftlichen Regel­w­erken sowie den Tech­nis­che Regeln für Arbeitsstät­ten (zum Beispiel ASR A2.3).

Nur ein Betrieb, der sich durch eine gewis­senhafte Not­fallpla­nung auf die ver­schieden­sten Szenar­ien vor­bere­it­et hat, wird in einem Ern­st­fall auf eine beste­hende Struk­tur zurück­greifen kön­nen und im gün­stig­sten Fall kurz nach ein­er Betrieb­sstörung wieder in den Regel­be­trieb überge­hen.

Je nach Schadensereig­nis kann ein Not­fall-/Wieder­an­lauf­plan größere Umsatzaus­fälle, wenn nicht sog­ar eine Insol­venz ver­mei­den. Im „Neudeutschen“ spricht man hier vom Busi­ness Con­tin­ue Man­age­ment, kurz BCM.

Zur Vor­bere­itung auf den Ereign­is­fall gehört zunächst die gewis­senhafte Erstel­lung ein­er Gefährdungs­beurteilung, in welch­er Ein­trittswahrschein­lichkeit­en und das Schade­naus­maß zu bew­erten sind. Typ­is­che Szenar­ien sind:

  • Brand/Explosion
  • Bomben­fund
  • Terrordrohung/Anschläge
  • Natur­ereignisse
  • Stör­fälle in chemis­chen Betrieben

Nur wenn Sie die Gefahr ken­nen, kön­nen Sie auch die Gefahren­ab­wehr pla­nen.

Nach­dem die möglichen Gefährdun­gen aus­gew­ertet wur­den, lassen sich die notwendi­gen Maß­nah­men ableit­en. Hierzu gehört in vie­len Not­fallplä­nen, die frühzeit­ige Evakuierung von Men­schen in einen gesicherten Bere­ich (Sam­mel­stelle).

„Eine Evakuierung beze­ich­net die organ­isierte Ver­legung von Men­schen aus einem akut gefährde­ten Bere­ich in einen sicheren Bere­ich.“ (ASR A2.3)

Hier­bei wer­den ver­schiedene tech­nis­che Hil­f­s­mit­tel zur Alarmierung ver­wen­det. Neben dem klas­sis­chen Feuer­alarm nach DIN 33404 (Sire­nen­ton) set­zt sich die Sprachalarmierung (SAA) immer mehr durch. Stu­di­en bele­gen, dass Per­so­n­en die über eine Ansage klare Ver­hal­tensan­weisun­gen erhal­ten, deut­lich schneller einen Gefahren­bere­ich ver­lassen als jene, die nur durch ein Sire­nensignal gewarnt wer­den. Zusät­zlich kön­nen durch eine Sprachalarmierung zusät­zliche Infor­ma­tio­nen durchgegeben und aktiv auf das Ver­hal­ten der flüch­t­en­den Per­so­n­en Ein­fluss genom­men wer­den.

Evakuierun­gen kön­nen aus einem Gefahren­bere­ich zu ein­er Sam­mel­stelle in sicher­er Ent­fer­nung führen oder auch in das Innere von Gebäu­den (zum Beispiel Schutzraum). Bei Bedro­hungsla­gen kann auch eine dezen­trale Evakuierung eine Option darstellen, um einem möglichen Angreifer keine klare Ziel­gruppe anzu­bi­eten.

Egal was man auch geplant haben mag, es bringt nichts, wenn eine Brand­schut­zord­nung oder ein Evakuierungs­plan in ein­er Schublade ver­staubt oder in einem Laufw­erk ein­fach abgelegt wird. Aus diesem Grund beste­ht nach dem Arbeitss­chutzge­setz §12 die Unter­weisungspflicht aller Beschäftigten.

Die Vorbereitung einer Evakuierungsübung

Wenn Sie eine Evakuierungsübung durch­führen möcht­en, soll­ten Sie zunächst prüfen, ob die Voraus­set­zun­gen für eine erfol­gre­iche Übung gegeben sind. Es ist nor­mal und auch gewollt, dass Sie im Rah­men ein­er Übung Opti­mierungspo­ten­tial aufdeck­en.

Es ist jedoch drin­gend davon abzu­rat­en ein­fach „den Knopf zu drück­en“ und dann zu schauen was passiert. Dies führt nur zu Frus­tra­tion und unnöti­gen Kon­flik­ten. Bei man­gel­hafter Vor­bere­itung kön­nte es auch zu gefährlichem Fehver­hal­ten und Unfällen kom­men, die unbe­d­ingt zu ver­mei­den sind.

Begin­nen Sie mit ein­er Check­liste.

Diesem Beitrag ist eine Check­liste beige­fügt (siehe Kas­ten Link­tipp Seite 15 bzw. unten), die sich über mehrere Jahre bei der Pla­nung von Evakuierungsübun­gen divers­er Großob­jek­te bewährt hat.

Hier soll­ten Sie zunächst eine Bestand­sauf­nahme machen, was bere­its vorhan­den und was noch zu besor­gen beziehungsweise zu erledi­gen ist. Gehen Sie ein­fach und prag­ma­tisch vor.

Welche Personen sind für die Durchführung Ihrer Evakuierungsübung von Relevanz?

Bei ein­er Evakuierungsübung soll­ten die Anwe­sen­heit des Brand­schutzbeauf­tragten sowie der Fachkraft für Arbeitssicher­heit selb­stver­ständlich sein. Wenn es einen Sicher­heits­di­enst in Ihrem Unternehmen gibt, muss der Leit­er der Objektsicherheit/Security einge­bun­den sein, um die Abläufe des Sicher­heit­sap­pa­rates zu bew­erten. Eben­so kann es sein, dass die Haustech­niker im Brand­fall beson­dere Auf­gaben zu erfüllen haben und somit deren Objek­tleitung als Beobachter hinzuge­zo­gen wer­den sollte (ab und zu müssen Aufzüge, nach Ihrer Rück­hol­ung durch die Brand­meldean­lage, manuell wieder in Betrieb geset­zt wer­den; zuge­fal­l­ene Brand­schutzk­lap­pen müssen kon­trol­liert und gegebe­nen­falls zurück­ge­set­zt wer­den). Empfehlenswert ist es in großen Unternehmen, die Führungsebe­nen zumin­d­est über die Kalen­der­woche der Übung zu informieren und abzufra­gen, ob in diesem Zeitraum beson­dere Ter­mine zu berück­sichti­gen sind (der Beitragsver­fass­er musste schon mehrfach geplante Übun­gen auf­grund wichtiger­er Ereignisse ver­legen).

Polizei und gegebe­nen­falls Ord­nungsamt soll­ten informiert wer­den. Diese nehmen den Übung­ster­min meist nur zur Ken­nt­nis. Wenn große Per­so­n­en­ströme den fließen­den Verkehr kreuzen, muss zumin­d­est für die Übun­gen mit den Ord­nungs­be­hör­den eine eventuelle Verkehrsregelung eruiert wer­den, um Per­so­n­en­schä­den zu ver­hin­dern.

Hin­weis: Eine Evakuierungsübung ist eine betriebliche Ver­anstal­tung und somit über die Beruf­sgenossen­schaft oder Unfal­lka­sse ver­sichert. Als „Ver­anstal­ter“ haben Sie jedoch im Rah­men des Arbeitss­chutzes Gefährdun­gen der Teil­nehmer zu ver­mei­den.

Ein häu­figer Trugschluss: „Die Feuer­wehr muss an der Evakuierungsübung teil­nehmen.“

Aber: Sprechen Sie vor­ab mit Ihrer zuständi­gen Brand­schutz­di­en­st­stelle. In den meis­ten Fällen geben diese Ihnen das Inter­vall der Übun­gen vor. Erfahrungs­gemäß möcht­en die Kol­le­gen des vor­beu­gen­den Brand­schutzes nur bei „Objek­ten von beson­derem Inter­esse“ an ein­er Übung teil­nehmen. Bespiel­sweise bei

  • Gebäu­den mit hoher Per­so­nen­zahl
  • Gebäude die im öffentlichen Inter­esse ste­hen oder
  • Betrieben mit hohem Gefahren­po­ten­tial.

Informieren

Wenn Ihr Unternehmen eine Evakuierungsübung durch­führt, kann es auch sin­nvoll sein über die eigene Press­es­telle einen Bericht schreiben zu lassen. Getreu dem Mot­to „Tue Gutes und sprich darüber“ ist es für die benach­barte Öffentlichkeit oder auch ihre Kun­den, ein pos­i­tives Zeichen, dass sich ihr Unternehmen auf etwaige Not­fälle vor­bere­it­et.

Ein wichtiger Punkt, der nie ver­nach­läs­sigt wer­den sollte: Informieren Sie unbe­d­ingt Ihre Küche/Kantine über den genauen Übungszeit­punkt. Eine Übung kurz vor oder während dem Mit­tagessen ist bei Unternehmen mit ein­er Großküche keine gute Idee. Hier­durch kann es im Nach­gang zu stun­den­lan­gen Verzögerun­gen kom­men, die sich neg­a­tiv auf den gesamten Tagesablauf eines Unternehmens auswirken kön­nen.

Denken Sie rechtzeit­ig daran, Übungs­beobachter einzu­laden. Eine kleine Check­liste und ein Brief­ing vor der Übung helfen, die Schw­er­punk­te der gewün­scht­en Beobach­tung zu definieren. Die Per­so­n­en aus den Schlüs­sel­po­si­tio­nen Sicherheit/Technik wer­den ihre eige­nen Beobach­tungspunk­te fes­tle­gen.

Als näch­stes prüfen Sie den Sta­tus „Organ­isatorisches“ für Ihr Vorhaben:

  • Existieren die Brand­schut­zord­nun­gen nach DIN 14096 oder 14096:2014–5, Teile A+B?
  • Ist gegebe­nen­falls zusät­zlich der Teil C for­muliert wor­den, in dem die Auf­gaben von Schlüs­sel­po­si­tio­nen, Brand­schutzhelfern, Secu­ri­ty, Ers­thelfern, Pat­en genau beschrieben wur­den?
  • Sind die Selb­sthil­fekräfte aktuell geschult?
  • Befind­en sich Alarm­pläne und Tele­fon­lis­ten auf aktuellem Stand?
  • Wann wur­den die Mitar­beit­er, die einen Alarm­plan abar­beit­en sollen das let­zte Mal unter­wiesen?
  • Gibt es zusät­zliche Alarmierungswege, die aus­gelöst wer­den müssen (zum Beispiel www.evalarm.de)?

Wenn Sie einen Betrieb haben, in dem Busi­ness Con­tin­ue Man­age­ment (BCM) betrieben wird, sollte der zuständi­ge BCM-Beauf­tragte entschei­den, ob der BCM-Fall eben­falls geprobt wird oder eine Min­i­malbe­set­zung während der Übung die notwendig­sten Posi­tio­nen beset­zt. Hier ist eine präzise Abstim­mung erforder­lich in der fest­gelegt wird, wie ein real­er Alarm während der Übung bekan­nt gegeben wird.

Wenn Sie ein Großge­bäude beüben, kann es vorkom­men, dass Sie im Bere­ich der Rand­be­bau­ung kleinere Geschäfte oder auch Miet­woh­nun­gen berück­sichti­gen müssen, die sich nur bed­ingt Ihrer Not­fallpla­nung anschließen. Hier informieren Sie die betr­e­f­fend­en Parteien über den Probealarm, bieten an in die Abläufe eingewiesen zu wer­den und sich der Übung anzuschließen beziehungsweise die eige­nen Abläufe zu trainieren.

Zu guter Let­zt soll­ten Sie noch einen Besprechungsraum im Übung­sob­jekt buchen, in dem Sie sich mit allen Übungs­beteiligten zur Vor- und auch Nachbe­sprechung tre­f­fen kön­nen. Denken Sie auch an Kaf­fee und Soft­getränke, ins­beson­dere wenn Sie externe Teil­nehmer erwarten, zum Beispiel Presse, Polizei oder Feuer­wehr.

Das Übungsobjekt

Kom­men wir nun zum Übung­sob­jekt. Hier müssen die vorhan­de­nen Gegeben­heit­en (Objek­t­in­fos) erfasst und über­prüft wer­den, wie diese miteinan­der inter­agieren:

  • Gibt es beispiel­sweise Sicher­heits­bere­iche oder interne Schutzräume, die bei einem Alarm zunächst aufge­sucht wer­den sollen?
  • Sollen gegebe­nen­falls mobileingeschränk­te Per­so­n­en zu ein­er Abhol­stelle gebracht wer­den? In manchen Fällen gibt es an den Sam­mel­stellen für mobileingeschränk­te, eigene Notrufvor­rich­tun­gen. Sind diese auch funk­tions­fähig?

In diesem Zusam­men­hang sollte auch geprüft wer­den ob es Evakuierungs­geräte gibt, die von den Pat­en einge­set­zt wer­den sollen (zum Beispiel Evac+Chair oder Evakuierungs­ma­tratze) und wann die let­zte Wartung/Einweisung hier­auf stattge­fun­den hat. Weit­er­hin wichtig:

  • Ist die Sam­mel­stelle gut erre­ich­bar? Laufen Sie den kom­plet­ten Fluchtweg vorher ab. Ist der Weg dahin befes­tigt? Wie ist die Sicht zu früher oder später Stunde? Muss der fließende Verkehr gekreuzt wer­den? Genügt die Fläche für die zu erwartende Per­so­nen­zahl?
  • Wie wird der Alarm aus­gelöst? Wie sieht die Brand­fall­s­teuer­ma­trix aus? Wo ertö­nen welche Sig­nale?
  • Wo geben Brand­schutzhelfer Ihre Mel­dun­gen ab? Gibt es eventuell ein Evakuierungstableau für die Sta­tus­meldun­gen der Evakuierungs­bere­iche?

Dies sind nur ein paar Stich­punk­te aus der beige­fügten Check­liste (siehe Kas­ten Link­tipps), die noch mit betrieb­sspez­i­fis­chen Punk­ten, die für Ihre Übung von Rel­e­vanz sind, ergänzt wer­den kann.

Erfahrungs­gemäß ist die erste Übung immer die zeitaufwändig­ste Übung. Wenn Sie die Eck­dat­en Ihrer Check­liste erst ein­mal erfasst haben, sind die nach­fol­gen­den Übun­gen in der Regel schnell geplant und durchge­führt.

Ihre erste Übung soll­ten Sie offen ankündi­gen und alle Beteiligten ein­wei­hen. Die Zielvor­gabe muss sein, den Üben­den Sicher­heit zu ver­mit­teln und die Abläufe trans­par­ent zu erk­lären. Wenn Sie so vorge­hen, wer­den Sie erfahrungs­gemäß auf eine hohe Akzep­tanz tre­f­fen. Nach­fol­gende Übun­gen kön­nen Sie dann wie vorher beschrieben durch­führen.

Achtung: Soll­ten Sie erwä­gen mit Übungsnebel eine Ver­rauchung zu simulieren, muss diese Maß­nahme aus­nahm­s­los allen Beteiligten dieser Übung angekündigt wer­den. Andern­falls riskieren Sie Angstreak­tio­nen die im schlimm­sten Fall in Panik enden kön­nen.

To Dos

Die Evakuierungsübung soll­ten Sie in drei Hand­lungss­chrit­ten (Vorbe­sprechung, Übung, Nachbe­sprechung) ablaufen lassen.

Schritt 1 – Die Vorbe­sprechung: Tre­f­fen Sie sich mit allen Beobachtern im Besprechungsraum und stim­men Sie die die Punk­te ab auf die geachtet wer­den soll. Leg­en Sie fest, wer sich an welch­er Posi­tion im Gebäude aufhal­ten soll, wenn der Alarm ertönt. Bei größeren Gebäu­den kann es hil­fre­ich sein einen Routen­plan vorzu­bere­it­en. Geben Sie eine Uhrzeit vor, zu der der Alarm aus­gelöst wird und beziehen sie Ihre Posi­tio­nen (in der Regel fünf Minuten nach der Vorbe­sprechung).

Schritt 2 – Die Übung: Wenn Sie auf Ihrer Posi­tion sind, warten Sie auf den Alarm. Acht­en Sie auf die genaue Uhrzeit und notieren diese auf Ihrem Beobach­tung­spro­tokoll. Ist das Alarm­sig­nal (Sirene/ELA) gut zu hören? Sind Sprachansagen auch ver­ständlich? Wie ver­hal­ten sich die Mitar­beit­er? Sich­ern diese Ihren Arbeit­splatz und begeben sich zur Sam­mel­stelle oder beste­ht Rat­losigkeit? Sind Brand­schutzhelfer in Ihrem Übungsab­schnitt zu erken­nen? Was tun diese und wie reagieren die Kol­le­gen hier­auf? Benutzen die aufge­forderten Per­so­n­en die aus­gewiese­nen Fluchtwege? Verbleiben Mitar­beit­er im Gebäude? Hier erfra­gen Sie bitte den Grund und notieren die Namen, gegebe­nen­falls auch die Büro-/Ar­beit­splatznum­mer für ein Nachge­spräch. Für Kol­le­gen, die im Rah­men des BCM in ihrem Arbeits­bere­ich bleiben sollen, hat sich eine Kennze­ich­nung des Arbeitsplatzes/Büros, mit ein­er far­bigen Hin­weiskarte im For­mat DIN A4, mit dem Schriftzug „BCM – Keine Übung­steil­nahme“ bewährt. Gibt es mobileingeschränk­te Per­so­n­en und wie ver­hal­ten sich diese? Sind Pat­en benan­nt? Sind diese auch da oder müssen andere Kol­le­gen eventuell impro­visieren? Sind die Fluchtwege frei bege­hbar oder befind­en sich hier Gegen­stände, die ein zügiges Vorankom­men behin­dern? Befind­en sich im weit­eren Ver­lauf Türen mit Fluchtwegsicherungssys­te­men? Ken­nen sich die Mitar­beit­er in der Funktion/Bedienung von Tür­wächtern aus oder kommt es zu Rückstaus/Verzögerungen durch fehlende Unter­weisun­gen?

Wenn Sie ein größeres Gebäude beüben, gibt es üblicher­weise ein Evakuierungstableau an dem die Rück­mel­dun­gen der Brand­schutzhelfer erfasst wer­den (ana­log zum Sam­mel­stel­len­leit­er.) Wie ver­läuft die Freimel­dung? Find­en die Brand­schutzhelfer prob­lem­los zur Meldestelle beziehungsweise ist der Sam­mel­stel­len­leit­er als solch­er erkennbar? Aus welchen Bere­ichen kommt keine Mel­dung? Wie ist dies zu begrün­den? Wenn Sie fest­stellen, dass keine Mel­dun­gen mehr abgegeben wer­den, kön­nen Sie das Übungsende abstim­men.

Klären Sie vor­ab mit der Haustech­nik ob alle Aufzüge wieder funk­tions­bere­it sind und mit dem Sicher­heits­di­enst, ob alle Sicher­heits­bere­iche und Notaus­gangstüren wieder geschlossen sind. Erst wenn Sie hier pos­i­tive Rück­mel­dun­gen erhal­ten, darf der Wieder­bezug angewiesen wer­den. Andern­falls kann es zu Unmut vor den nicht fahren­den Aufzü­gen kom­men oder Sie haben massen­haft Sicher­heitsver­stöße bei der Zutrittskon­trolle.

Auch beim Wieder­bezug müssen Sie beobacht­en, wie sich die Mitar­beit­er ver­hal­ten. Wer­den Straßen auf dem Rück­weg ordentlich über­quert oder kommt es hier plöt­zlich zu Gefährdungssi­t­u­a­tio­nen? Sind größere Stau­un­gen auf dem Rück­weg zu beobacht­en (zum Beispiel an Vere­inzelungsan­la­gen, Zutrittskon­troll­sys­te­men, Werkss­chutz)?

Wenn das Übung­sob­jekt soweit wieder bezo­gen wurde, tre­f­fen sich alle Beobachter wieder im Besprechungsraum zur Nachbe­sprechung.

Schritt 3 – Nachbe­sprechung: Wenn alle Beobachter wieder eingetrof­fen sind, begin­nen Sie mit ein­er Bericht­srunde in der jed­er nur die markan­testen Beobach­tun­gen (pos­i­tiv wie auch neg­a­tiv) kurz schildert. Als Übungsleit­er soll­ten Sie als Let­zter ihre Beobach­tun­gen schildern und das Übungsergeb­nis (bewusst pos­i­tiv) zusam­men­fassen. Abschließend been­den Sie die Übung und bedanken sich bei allen Beteiligten für Ihre Mitwirkung.

Zum Schluss

Die Übung ist vor­bei, nun muss noch ein Pro­tokoll geschrieben wer­den, in dem die fest­gestell­ten Opti­mierungspunk­te zusam­menge­fasst wer­den. Grund­lage hier­für sind Ihre Beobachter­pro­tokolle. Zusät­zlich kön­nen Sie noch Ihre Brand­schutzhelfer mit einem Frage­bo­gen zu Ihren Erfahrun­gen bei der Übung befra­gen und auch diese Infor­ma­tio­nen in Ihr Pro­tokoll ein­fließen lassen.

Benen­nen Sie ver­ant­wortlichen Per­so­n­en, die sich um die zu ergreifend­en Maß­nah­men zu küm­mern haben. Stim­men Sie sich hier gegebe­nen­falls mit den betr­e­f­fend­en Fach­bere­ichen bezüglich der Rück­melde­fris­ten nochmals ab. Es bringt nichts, wenn Sie Ter­min­vor­gaben set­zten, die dann von den aus­führen­den Abteilun­gen nicht einge­hal­ten wer­den kön­nen.

Stre­ichen Sie erledigte Punk­te aus Ihrer Liste und ver­fol­gen Sie die Abar­beitung bis alle Posi­tio­nen als erledigt ange­se­hen wer­den dür­fen.

Leg­en Sie einen Ord­ner an, in dem Sie alle Unter­la­gen zusam­men­fassen und doku­men­tieren Sie so Ihre Übung mit den daraus resul­tieren­den Maß­nah­men. Wenn Sie so wie beschrieben vorge­hen, haben Sie Ihre Übung nach­weis­lich mit größt­möglich­er Sorgfalt geplant, durchge­führt und nach­bere­it­et und kön­nen dies mit ein­er rechtssicheren Doku­men­ta­tion bele­gen.

Im Durch­schnitt und zur groben Ori­en­tierung haben sich fol­gende Zeitwerte bei vie­len Übun­gen gezeigt und bewährt:

  • Pla­nungs­be­ginn: 12 Wochen vor dem Ter­min
  • Vorbe­sprechung: max­i­mal 10 Minuten
  • Übungszeit: In der Regel 10 bis 20 Minuten
  • Nachbe­sprechung: 20 bis 30 Minuten

Linktipp

Sie find­en alle erforder­lichen Organ­i­sa­tion­shil­fen, die in diesem Beitrag beschrieben wur­den, als PDF zum kosten­losen Down­load unter dem QR-Code oder unter www.sifa-sibe.de, direk­ter Link http://hier.pro/xniE6/

  • Beobach­tung­spro­tokoll
  • Brand­schutzhelfer­pro­tokoll
  • Teil­nehmerliste Evakuierungsübung
  • aus­für­liche Check­liste Evakuierung­spro­tokoll

 


Foto: pri­vat

Autor: Jörn Dutz

Fachref­er­ent für Brand­schutz

Freier Brand­schutzbeauf­tragter

www.brandschutzfachberatung.de

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