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Interview mit Simone Morlock, Hohenstein

Gute Pass­form ist das A und O“

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Die Trage­ak­zep­tanz von Berufs­klei­dung und PSA hängt von vielen Fakto­ren ab. Simone Morlock, Leite­rin des Forschungs­teams Scan­ning, Pass­form & Ergo­no­mie beim Hohen­stein Insti­tut für Texti­lin­no­va­tion gGmbH, nennt im Inter­view einige Gründe, warum es sich lohnt, der Pass­form beson­de­res Augen­merk zu schen­ken.

Das Inter­view führte Petra Hannen.

Frau Morlock, mehr als 22 Millio­nen Menschen in Deutsch­land tragen Tag für Tag Berufs­be­klei­dung. Schen­ken wir dieser Klei­dung genug Aufmerk­sam­keit?

Aus meiner Sicht nimmt die Aufmerk­sam­keit zu. Berufs­be­klei­dung genießt heute einen ande­ren Stel­len­wert als noch vor 20 Jahren. Sie muss natür­lich nach wie vor die gelten­den Normen erfül­len – denken Sie beispiels­weise an Themen wie Warn­schutz sowie Hitze und Flamme. Gleich­zei­tig erwar­ten immer mehr Beschäf­tigte, dass die Klei­dung rich­tig passt. Seit eini­gen Jahren spielt außer­dem die Optik eine größere Rolle.

Woher kommt diese Entwick­lung?

Ich denke, wir sind alle sensi­bler gewor­den für bestimmte Zusam­men­hänge. Dass Berufs­be­klei­dung und PSA alle Normen erfül­len, reicht im Alltag nicht aus – die Teile müssen auch getra­gen werden. Bei einem Unfall beispiels­weise schauen die Versi­che­run­gen heute sehr viel genauer hin, ob die betrof­fene Person auch vorschrifts­mä­ßig ausge­stat­tet war. Die Arbeit­ge­ber achten daher verstärkt darauf, dass die Beschäf­tig­ten die Ausrüs­tung auch nutzen. Diese Trage­ak­zep­tanz nimmt natür­lich deut­lich zu, wenn die Beschäf­tig­ten ihre Klei­dung gerne tragen. Und das nutzt wiederum dem Arbeit­ge­ber, weil in der Regel die Arbeits­leis­tun­gen besser werden, wenn Beschäf­tigte sich wohl fühlen.

Welche Aspekte sind wich­tig für eine hohe Trage­ak­zep­tanz?

Wie gesagt, spielt die Optik eine wach­sende Rolle. Aber auch ein schi­ckes Teil wird nicht gerne getra­gen, wenn es „zwickt und zwackt“. Das macht die rich­tige Pass­form zu einem entschei­den­den Faktor.

Klingt einfach …

… ist aber eher kompli­ziert. Die Viel­falt von Körper­for­men und Haltungs­va­ri­an­ten inner­halb der Konfek­ti­ons­grö­ßen ist enorm. Daher reicht es gerade bei der Berufs­be­klei­dung nicht aus, nur die Stan­dard­grö­ßen anzu­bie­ten. Die Herstel­ler müssen unter­schied­li­che Längen und Figur­ty­pen abde­cken – und das über ein sehr großes Größen­spek­trum hinweg, von den sehr klei­nen bis hin zu den sehr großen Größen. Das aktu­elle Problem bei der Berufs­be­klei­dung für Männer ist: Teil­weise basie­ren die Größen­ta­bel­len, mit denen heute gear­bei­tet wird, immer noch auf Daten aus den 1960er Jahren. Und das, obwohl es seit der letz­ten reprä­sen­ta­ti­ven Reihen­mes­sung Size­GER­MANY in Deutsch­land aktu­elle Körper­maße gibt. Oft werden dann teure Sonder­an­fer­ti­gun­gen nötig – daher ist es höchste Zeit, die eige­nen Größen­ta­bel­len zu aktua­li­sie­ren.

Wird das Thema passende Berufs­klei­dung noch kompli­zier­ter, wenn auch auf die Bedürf­nisse von Frauen einge­gan­gen wird?

Nicht kompli­zier­ter, aber viel­fäl­ti­ger. Der Körper­bau einer Frau unter­schei­det sich in eini­gen wich­ti­gen Punk­ten von dem eines Mannes. Frauen haben eine Cup-Ausprägung. Ihre Muskel­ver­tei­lung ist anders, daher frie­ren sie beispiels­weise auch schnel­ler. Auch im Bereich von Hüfte und Ober­schen­kel ist die Anato­mie unter­schied­lich. Das ist vor allem bei der Hosen­pass­form zu beach­ten. Bei Helmen funk­tio­nie­ren Unisex-Modelle problem­los, bei Hand­schu­hen gibt es nur kleine Unter­schiede, aber bei Hosen, Westen, Jacken etc. sind die Unter­schiede ziem­lich groß. Dass Herstel­ler und Arbeit­ge­ber darauf Rück­sicht nehmen, ist sehr wich­tig. Bei soge­nann­ten Frau­en­be­ru­fen ist das seit Jahr­zehn­ten selbst­ver­ständ­lich. Und je stär­ker Frauen in bishe­rige Männer­do­mä­nen vordrin­gen, umso größer wird auch dort die Nach­frage. Denn wenn Klei­dung nicht rich­tig passt und daher unbe­quem ist, hat das Auswir­kun­gen über den Komfort hinaus.

Inwie­fern?

Texti­lien können nicht opti­mal funk­tio­nie­ren, wenn sie nicht gut sitzen: Beispiels­weise kann Kälte unter die Jacke krie­chen, oder man schwitzt mehr als sonst, weil die Tempe­ra­tur­re­gu­la­tion nicht klappt. Die Probleme können aber auch gravie­ren­der sein. Wenn eine Hose nicht passt, werden Knie­pro­tek­to­ren immer zu hoch oder zu tief hängen, und wenn die Jacken­är­mel zu lang sind und die Ärmel umge­stülpt werden, sind diese im schlimms­ten Fall nicht mehr zu sehen.

Bestimmt auch die Tätig­keit, ob die Pass­form von Berufs­be­klei­dung gut ist?

Die Körper­maße der Menschen verän­dern sich bei Bewe­gung. Was im Stehen gut sitzt, kann trotz­dem im Job behin­dern. Daher arbei­tet Hohen­stein im Forschungs­pro­jekt „Funk­ti­ons­maße“ gerade an einem neuen Größen­sys­tem: Es berück­sich­tigt die bewe­gungs­be­ding­ten Körper­ver­än­de­run­gen und soll einen Beitrag dazu leis­ten, Beklei­dung für Frauen und Männer funk­tio­nell und ergo­no­misch zu opti­mie­ren. Im Sommer 2018 wird das Forschungs­pro­jekt abge­schlos­sen sein. Anschlie­ßend stehen die Ergeb­nisse allen inter­es­sier­ten Unter­neh­men zur Verfü­gung – denn gute Pass­form ist das A und O.

Vielen Dank für das Gespräch.


Berufs­be­klei­dung und PSA für Frauen

Der Frau­en­an­teil in bishe­ri­gen Männer­do­mä­nen steigt, und damit auch der Bedarf an passen­der Berufs­be­klei­dung und PSA. Bierbaum-Proenen – unter dem Marken­na­men BP für Berufs­be­klei­dungs­kon­zepte bekannt – bietet bereits seit länge­rem Work­wear in Damen­pass­form an. Zudem hat das Kölner Unter­neh­men als einer der ersten Herstel­ler auch PSA spezi­ell für Frauen entwi­ckelt und auf den Markt gebracht. Schwer­punkt der Kollek­tion spezi­ell für Frauen ist zunächst die Warn­schutz­be­klei­dung, denn der Frau­en­an­teil ist in den Bran­chen, in denen Warn­schutz Pflicht ist, vergleichs­weise groß. Schnitte, Mate­ria­lien und auch Funk­tio­na­li­tä­ten wie etwa Taschen­po­si­tio­nie­run­gen sind spezi­ell auf den weib­li­chen Körper und das Verhal­ten der Frauen bei der Arbeit abge­stimmt.

Die Frauen sind erleich­tert, dass es endlich PSA gibt, die auf ihre Bedürf­nisse zuge­schnit­ten ist“, sagt Carla Cacitti, Leite­rin des BP-Produktmanagements. „Der Trend zu Damen­pass­for­men ist zudem ein wich­ti­ger Schritt zu mehr Arbeits­si­cher­heit. Denn PSA, die gut passt und nicht bei der Arbeit stört, wird gerne getra­gen. Das kommt auch Arbeit­ge­bern zugute.“ Daher will Bierbaum-Proenen das Ange­bot an PSA in Damen­pass­form weiter ausbauen.

Auch Kansas bietet in seinem Sorti­ment eine Kollek­tion an Damen­be­klei­dung, die so umfäng­lich ist wie nie: „In der heuti­gen Zeit, wo Frauen auch in bisher typi­schen Männer­be­ru­fen tätig sind, kommt man gar nicht umhin, Klei­dung für Damen zur Verfü­gung zu stel­len. Das ist eine Ziel­gruppe, die wächst“,
so Anne Komp, Produkt­ma­na­ge­rin bei Fris­tads Kansas Deutsch­land in Norder­stedt bei Hamburg. Das Unter­neh­men bietet Arbeits­klei­dung für alle Bran­chen und ist Spezia­list für PSA (Warn­klei­dung und Hitze­schutz).

Auch Anne Komp verweist auf den Aspekt der Arbeits­si­cher­heit: „PSA muss einfach passen, weil ansons­ten die Schutz­funk­tion nicht ausrei­chend gewähr­leis­tet ist.“ Dies zeige bereits ein einfa­ches Beispiel: „Sind einer Frau die Ärmel einer Hitze­schutz­ja­cke zu lang, krem­pelt sie diese auf. Damit kann die Gefahr sogar noch erhöht werden, indem Funken im Ärmel­um­schlag landen.“ Fazit: Gut sitzende Klei­dung sorgt nicht nur für eine anspre­chende Optik und einen gewis­sen „Wohl­fühl­fak­tor“ bei der Arbeit, sondern auch für ein Mehr an Sicher­heit.

Frauen wie Männer sind auf gut sitzende Berufs­klei­dung und PSA ange­wie­sen.
Foto: © Hohen­stein
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