1 Monat GRATIS testen, danach für nur 3,90€/Monat!
Startseite » Sicherheitsingenieur »

inkludierte Gefährdungsbeurteilungen

Ein wichtiger Schritt hin zu sicheren Arbeitsplätzen für Menschen mit Behinderungen
Inkludierte Gefährdungsbeurteilungen

Inkludierte Gefährdungsbeurteilungen
© VadimGuzhva - stock.adobe.com
Dr. Joerg Hensiek
Men­schen mit schw­eren Behin­derun­gen brauchen Arbeit­splätze, die entsprechend ihren Behin­derun­gen gestal­tet sind. Dementsprechend müssen auch die Gefährdungs­beurteilun­gen spez­i­fisch für diese Per­so­nen­ziel­gruppe konzip­iert sein. Seit weni­gen Jahren liegen erste ziel­grup­pen­spez­i­fis­che, soge­nan­nte „inkludierte Gefährdungs­beurteilun­gen“ vor. Welche sind das? Wie kön­nen Unternehmen Hil­fe bekom­men, um sie kor­rekt durch­führen zu können?

Neben den Gefährdungs­beurteilun­gen für die Arbeit­splätze von Men­schen mit Behin­derun­gen selb­st stellt der Artikel auch inkludierte Gefährdungs­beurteilun­gen für Arbeit­splätze vor, bei denen Men­schen ohne Behin­derun­gen unmit­tel­bar mit schwer­be­hin­derten Men­schen arbeiten.

Gefährdungsbeurteilung für Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen

„Die Gefährdungs­beurteilung eines Arbeit­splatzes für einen Men­schen mit gesund­heitlichen Ein­schränkun­gen ist ein Unikat. Hier ste­ht einzig der Men­sch im Mit­telpunkt. Die Gestal­tung des Arbeit­splatzes muss um die Fähigkeit­en und Fer­tigkeit­en des Beschäftigten herum vorgenom­men wer­den“, erk­lärt Thomas Mack­en­stein, Berater für Arbeitssicher­heit und Gesund­heitss­chutz. „Neben der all­ge­meinen Gefährdungs­beurteilung ist es wichtig, den Arbeit­splatz und die Tätigkeit mit den Augen des Men­schen mit Behin­derung zu sehen. Dadurch wird sichergestellt, dass auch der Men­sch mit Behin­derung kein­er Gefährdung aus­ge­set­zt ist.“

Ger­ade kleine und mit­tlere Unternehmen sind oft unsich­er, welche Auswirkun­gen und speziellen Gefährdun­gen ver­schiedene Behin­derun­gen ihrer Arbeit­nehmer mit sich brin­gen, wie diese Gefahren doku­men­tiert und wie die Arbeits­be­din­gun­gen entsprechend der Gefährdungs­beurteilung verän­dert wer­den müssen.

Viele, zumeist kleinere Unternehmen, sehen daher für sich nur eine Lösung und stellen einen Men­schen mit Schwer­be­hin­derung erst gar nicht ein, wie Mack­en­stein erläutert: „Der Ein­stel­lung ent­ge­hen sie mit der Zahlung ein­er Aus­gle­ichsab­gabe. Arbeit­ge­ber mit jahres­durch­schnit­tlich weniger als 40 Arbeit­splätzen müssen einen schwer­be­hin­derten Men­schen beschäfti­gen. Sie zahlen je Monat 140 Euro, wenn sie diesen Pflichtar­beit­splatz nicht beset­zen.“ Denen, die das nicht tun und die schwer­be­hin­derte Per­son ein­stellen, stellt sich dann aber zunächst ein­mal die Frage, was einen (schwer-)behindertengerechten Arbeit­splatz über­haupt aus­macht. Der Geset­zge­ber nen­nt hier­für unter anderem fol­gende Voraussetzungen:

  • die Arbeit­sumge­bung darf den behin­derten Beschäftigten wed­er über- noch unterfordern,
  • die Beschäftigten dür­fen durch die Arbeits­geräte dür­fen bei ihrer Arbeit nicht beein­trächtigt werden,
  • Hin­dernisse und Bar­ri­eren am Arbeit­splatz, die den behin­derten Beschäftigten bei sein­er Tätigkeit ein­schränken oder gefährden, müssen beseit­igt werden.

Das „Kölner Modell“ für Hörgeschädigte

Um diesen Unternehmen bei der Erstel­lung ein­er Gefährdungs­beurteilung für die Arbeit­splätze ihrer Angestell­ten mit Schwer­be­hin­derun­gen zu helfen, hat das Inte­gra­tionsamt des Land­schaftsver­bands Rhein­land (LVR) in Köln gemein­sam mit dem sicher­heitswis­senschaftlichen Insti­tut für Arbeitsmedi­zin, Sicher­heit­stech­nik und Ergonomie e. V. (ASER) in Wup­per­tal anhand der Arbeit­splätze von Hörgeschädigten eine Methodik entwick­elt, mit der über­prüft wer­den kann, ob geplante oder vorhan­dene Arbeitsstät­ten und Betrieb­smit­tel einen sicheren Betrieb­sablauf für Men­schen mit Behin­derung gewährleis­ten – die soge­nan­nte „Inkludierte Gefährdungs­beurteilung“. Das vom Forschung­spro­jekt entwick­elte Ver­fahren wurde bis 2016 erar­beit­et und ist seit­dem als „Köl­ner Mod­ell“ ein Begriff. Das Beson­dere an ihm: Obwohl es insti­tu­tion­sspez­i­fis­che Leit­fä­den zur Gefährdungs­beurteilung schon vorher gegeben hat, war sie die erste, die für jede Form der Behin­derung All­ge­me­ingültigkeit (also nicht nur für Hörgeschädigte!) hat und daher von den unter­schiedlich­sten Akteuren und Ein­rich­tun­gen angewen­det wer­den kann. Die neue Meth­ode hil­ft den Unternehmen dabei, sys­tem­a­tisch zu analysieren, wo die spez­i­fis­chen Gefahren für die behin­derten Mitar­beit­er in ihren Betrieben liegen und wie sie zu ver­hin­dern sind.

Hilfe durch Integrationsämter

Die Gefährdungs­beurteilung selb­st ist Angele­gen­heit des jew­eili­gen Betriebes. Sowohl die Exper­tise und Kom­pe­ten­zen zur Durch­führung ein­er inkludierten Gefährdungs­beurteilung als auch die Gestal­tung eines behin­derten­gerecht­en Arbeit­splatzes ist aber in den meis­ten Unternehmen häu­fig nicht vorhan­den. Wie kön­nen diese Unternehmen unkom­pliziert prak­tis­che Hil­fe bekom­men? In allen Bun­deslän­dern gibt es hier­für auf Regierungs­bezirk­sebene ange­siedelte Inte­gra­tionsämter, die die Betriebe unter­stützen kön­nen. In Nor­drhein-West­falen sind dies zum Beispiel die Inklu­sion­sämter der Landschaftsverbände.

Die tech­nis­chen Berater des LVR-Inklu­sion­samtes ver­fü­gen sowohl über das Wis­sen zu den Auswirkun­gen ver­schieden­er Behin­derun­gen am Arbeit­splatz als auch über einen hohen Erfahrungss­chatz in Hin­blick auf den Ein­satz von tech­nis­chen Hil­fen und behin­derungskom­pen­sieren­den Technologien.

In diesem Kon­text bietet das LVR-Inklu­sion­samt Exper­tise als Part­ner und Berater, für die for­male Durch­führung sind die Betriebe aber zuständig. Die Hil­fe der Inte­gra­tionsämter erfol­gt fol­gen­der­maßen, wie Volk­er Boeck­en­brink, Leit­er des Tech­nis­chen Beratungs­di­en­stes des Inklu­sion­samtes des LVR, erk­lärt: „Ker­nauf­trag ist es, in Einzelfal­lkon­stel­la­tio­nen bezüglich konkreter oder avisiert­er Antrag­stel­lun­gen zur beglei­t­en­den Hil­fe im Arbeit­sleben Lösun­gen zur behin­derungs­gerecht­en Arbeits­gestal­tung sowie zu tech­nis­chen Arbeit­shil­fen zu ermit­teln, zu empfehlen und Stel­lung­nah­men für die fördern­den Stellen zu ver­fassen. Mitar­bei­t­ende des LVR-Inklu­sion­samtes führen Betrieb­s­be­suche durch und beurteilen die Sachver­halte und Lösungsmöglichkeit­en vor Ort und in Abstim­mung mit den beteiligten und betrof­fe­nen Per­so­n­en. Je nach Sit­u­a­tion kön­nen Fra­gen zur Beurteilung von Arbeits­be­din­gun­gen für Stel­lung­nah­men eine Rolle spielen.“

Bei Betrieb­s­be­suchen der Inte­gra­tionsämter geht es vor­rangig darum festzustellen, inwiefern Beein­träch­ti­gun­gen bei der Arbeit auf­grund ein­er fest­gestell­ten Behin­derung mit tech­nis­chen, aber auch organ­isatorischen Maß­nah­men kom­pen­siert wer­den kön­nen. Boeck­en­brink: „Hier­bei unter­stützt der Tech­nis­che Beratungs­di­enst des LVR-Inklu­sion­samtes durch eine ganzheitliche Betra­ch­tung des Arbeitssys­tems, also des Arbeit­splatzes, der Arbeitsstätte, des Arbeitsmit­tels, des Arbeitsablaufes und vor allem des Men­schen. Dies ist grund­sät­zlich mit ein­er Beurteilung der Arbeits­be­din­gun­gen ver­bun­den. Darüber hin­aus bieten Inte­gra­tionsämter mit ihrer fach­lichen Exper­tise auch antrags­los Beratungsleis­tun­gen an.“

Bundesprojekt „Berufliche Teilhabe bei Epilepsie“

Aber nicht nur die Inte­gra­tionsämter kön­nen Betrieben Unter­stützung bieten. Je nach Art der Schwer­be­hin­derung gibt beziehungsweise gab es auch andere Akteure. Beispiel: Epilep­sie. Das zeitlich lei­der befris­tete Bun­de­spro­jekt „Beru­fliche Teil­habe bei Epilep­sie“ war bis Okto­ber 2021 bun­desweit aktiv. Sein Team bereiste die gesamte Bun­desre­pub­lik und beri­et epilep­siekranke Arbeit­nehmer, Arbeit­ge­ber mit epilep­siekranken Mitar­beit­ern sowie Betrieb­särzte, Fachkräfte für Arbeitssicher­heit und andere Sicher­heits­fachkräfte bei allen Fra­gen und Prob­le­men im Bere­ich Epilep­sie und Arbeit. Als Koop­er­a­tionspart­ner stand TEA unter anderem die Deutsche Geset­zlichen Unfal­lver­sicherung (DGUV), der Ver­band Deutsch­er Betriebs- und Werk­särzte e. V. (VDBW) und der Ver­band für Sicher­heit, Gesund­heit und Umweltschutz bei der Arbeit (VDSI) bei­seite. Ein Schw­er­punkt der Arbeit von TEA lag bei den Betrieb­s­bege­hun­gen vor Ort und der Unter­stützung zur Erstel­lung ein­er inkludierten Gefährdungsbeurteilung.

Eine Gefährdungs­beurteilung muss sowohl im Vor­feld der Beschäf­ti­gung ein­er an Epilep­sie erkrank­ten Per­son erfol­gen als auch bei bere­its Beschäftigten, nach­dem diese einen ersten Anfall seit dem Beschäf­ti­gungs­be­ginn hat­ten. In einem Vorher-Nach­her-Ver­gle­ich kann ermit­telt wer­den, ob sich die Sicher­heitssi­t­u­a­tion durch die spezial­isierte Anpas­sung des Arbeit­splatzes an die Erfordernisse des epilep­tis­chen Beschäftigten verbessert hat. Unter­stützt wurde die Arbeit von TEA von einem weit­eren wichti­gen Akteur bei der beru­flichen Inklu­sion schwer­be­hin­dert­er Men­schen, dem Inte­gra­tions­fach­di­enst. Mack­en­stein erk­lärt: „Der Inte­gra­tions­fach­di­enst han­delt im Auf­trag des Inte­gra­tionsamtes, der Agen­tur für Arbeit, teil­weise auch dem Job­cen­ter und vor allem auch des jew­eili­gen Reha­bil­i­ta­tion­strägers, die für die Aus­führung von Leis­tun­gen, beispiel­sweise zur Anpas­sung des Arbeit­splatzes, ver­ant­wortlich bleibt. Sie arbeit­en dabei eng mit der jew­eili­gen Unternehmensführung, der dor­ti­gen betrieblichen Inter­essen­vertre­tung, Reha­bil­i­ta­tion­sein­rich­tun­gen und mit weit­eren exter­nen Stellen zusammen.“

Leitfäden für Epilepsie

Die DGUV Infor­ma­tion 250–001 „Beru­fliche Beurteilung bei Epilep­sie und nach erstem epilep­tis­chen Anfall“, die von eini­gen der TEA-Pro­jek­t­träger teil­weise mitver­fasst wurde, gilt hier­bei als erster wichtiger Leit­faden und bildet auch die Grund­lage der von TEA durchge­führten Gefährdungs­beurteilun­gen. In ihm wer­den unter anderem Gefährdungskat­e­gorien aufge­lis­tet, mit­tels der­er arbeit­splatzspez­i­fis­che Risiken für epilep­tis­che Beschäftigte und entsprechende Schutz­maß­nah­men iden­ti­fiziert wer­den kön­nen. Er gibt auch Auf­schluss darüber, ab welchem Zeit­punkt nach einem Anfall bes­timmte Tätigkeit­en durch den Beschäftigten wieder aus­ge­führt wer­den dür­fen. Dabei wer­den neben den objek­tiv mess­baren Kri­te­rien (zum Beispiel „Maschi­nen­sicher­heit erhöht“) auch sub­jek­tive Kri­te­rien (zum Beispiel „Grad der sozialen Ein­bindung in den Betrieb“) berück­sichtigt. Aus dem TEA-Pro­jekt selb­st ent­stand eine Hand­lung­shil­fe zum inkludierten Gefährdungs­man­age­ment, die weit­er­hin auf der Pro­jekt-Web­seite herun­terge­laden wer­den kann.

Gefährdungsbeurteilung Gewaltprävention

Spez­i­fis­che, inkludierte Gefährdungs­beurteilun­gen, die Men­schen mit Behin­derun­gen im Fokus haben, gab es, wie anfänglich bere­its erwäh­nt, bere­its vor der Ein­führung des „Köl­ner Mod­ells“. Konzip­iert wur­den diese in Ein­rich­tun­gen, die sich mit der Ther­a­pie und Arbeitsin­te­gra­tion von Men­schen mit Behin­derung oder psy­chis­chen Beein­träch­ti­gun­gen beschäfti­gen – beispiel­sweise in Werk­stät­ten für Men­schen mit Behin­derun­gen. In diesen Insti­tu­tio­nen war es aber nicht nur notwendig, Gefährdungs­beurteilun­gen für Arbeit­splätze schwer­be­hin­dert­er Beschäftigter zu erstellen, son­dern auch für die Arbeit­splätze der nicht behin­derten Fachkräfte, die dort für Pflege und Aus­bil­dung der behin­derten Men­schen zuständig sind. Beson­ders prob­lema­tisch ist dabei die durch behin­derte und psy­chisch beein­trächtigte Men­schen aus­geübte Gewalt gegen das Per­son­al von Wohn- und Ther­a­pieein­rich­tun­gen. Beispiel: Die von Bodelschwingh­schen Stiftun­gen Bethel, dem mit rund 18.000 Beschäftigten größten Anbi­eter diakonis­ch­er Dien­ste in Europa. Im Stiftungs­bere­ich „Bethel.regional“ mit 4.800 Beschäftigten an Stan­dorten in Biele­feld und anderen west­fälis­chen Städten wurde Gewalt gegen das Pflegeper­son­al, vor allem bei Alleinar­beit, ein immer größeres Prob­lem. Bere­its Anfang der Nuller­jahre kam zu ein­er starken Zunahme von Gewaltvor­fällen in den Wohn­grup­pen der Bere­iche Psy­chi­a­trie sowie Jugend- und Behin­derten­hil­fe, die sich auch bald schon in ein­er markan­ten Erhöhung der ein­schlägi­gen Unfal­lanzeigen bemerk­bar machte. Es hat­te damals unter anderem drei Gewaltvor­fälle gegeben, die für die Opfer fast tödlich ende­ten. Hier­bei han­delte es sich um Kon­flik­te mit Men­schen in ein­er akuten psy­cho­tis­chen Wahrnehmungsverz­er­rung. Weit­ere Gewaltvor­fälle kamen vor, wenn sich Mitar­bei­t­ende in Kon­flik­te zwis­chen den betreuten Men­schen ein­mis­chen und schlicht­en woll­ten. Abhil­fe sucht­en die Mitar­beit­er­vertre­tung und die Geschäft­sleitung schließlich in einem umfassenden Präven­tivkonzept, das seit 2015 umge­set­zt wurde.

Instrumente der Gefährdungsbeurteilung

Damals kon­nten zwei wichtige Instru­mente auf den Weg gebracht wer­den: die Dien­stvere­in­barun­gen zur Gewalt­präven­tion, auf­bauend auf dem Konzept der schon beste­hen­den Dien­stvere­in­barung zum Betrieblichen Gesund­heits­man­age­ment, sowie eine detail­lierte Gefährdungs­beurteilung mit Fokus auf der Gewalt am Arbeit­splatz mit der Beze­ich­nung „Gefährdung durch Men­schen“. Neben dem Präven­tion­s­gedanken als zen­tralem Prinzip der Dien­stvere­in­barung legte diese fest, was unter Gewalt über­haupt zu ver­ste­hen ist: Gewalt sei das, was ein Mitar­beit­er als Gewalt sub­jek­tiv wahrn­immt. Auch wenn die Auswirkun­gen der Gewal­ter­fahrung für andere (beteiligte und nicht beteiligte) Per­so­n­en unter Umstän­den nicht offen­sichtlich sein mögen, sollte die sub­jek­tive Wahrnehmung der betrof­fe­nen Per­son nicht in Frage gestellt wer­den. Was charak­ter­isiert die auf Grund­lage der Dien­stvere­in­barung konzip­ierte Gefährdungs­beurteilung „Gefährdung durch Men­schen“ im Beson­deren? Vor allem kann sie flex­i­bel in jedem Bere­ich des Unternehmens einge­set­zt wer­den. Dabei berück­sichtigt sie bauliche, organ­isatorische und per­sön­liche Faktoren.

Arbeitssituationsanalyse

Ein Instru­ment der Gefährdungs­beurteilung ist dabei die Arbeitssi­t­u­a­tion­s­analyse. Hier­bei set­zen sich die Mitar­beit­er eines bes­timmten Arbeits­bere­ichs ohne Leitungsper­son­al zusam­men und beratschla­gen sich über die aktuellen Risiken für Gesund­heit und Arbeitssicher­heit. In diesem Rah­men sam­meln sie mögliche Lösun­gen für beste­hende Risiken und Prob­leme und besprechen diese mit der Leitung. Im Rah­men der Dien­stvere­in­barung wird in Bethel.regional zusät­zlich der Doku­men­ta­tions­bo­gen „Gewaltvor­fälle gegen Mitar­bei­t­ende“ einge­set­zt, in dem ein Vor­fall, mögliche Aus­lös­er und erste Maß­nah­men zur Ver­mei­dung der Gefährdungssi­t­u­a­tion doku­men­tiert und sys­tem­a­tisch aus­gew­ertet wer­den kön­nen. Alle Gewaltvor­fälle wur­den zunächst voll­ständig doku­men­tiert: Die Beschäftigten und die Ein­rich­tungsleitun­gen kön­nen so zuver­läs­sig erken­nen, in welchen Ein­rich­tun­gen und während welch­er Dien­ste Gewalt in welchem Umfang vorkommt, denn der Beobach­tungs­bo­gen erfasst alle gewalt­samen Über­griffe, egal ob sie eine Unfal­lanzeige recht­fer­ti­gen oder nicht. Damit kön­nen betrof­fene Arbeit­steams gezielt ange­sprochen wer­den. Darüber hin­aus wird grund­sät­zlich eine Unfal­lanzeige aus­ge­füllt, damit der Umfang und die Schwere von Gewaltvor­fällen doku­men­tiert ist. Dies ist ins­beson­dere deswe­gen wichtig, weil sich psy­chis­che Fol­gen eines Über­griffs häu­fig erst zu einem späteren Zeit­punkt zeigen.

Alle in der Gefährdungs­beurteilung ermit­telte Gewalt wird darüber hin­aus im Rah­men von Teambe­sprechun­gen the­ma­tisiert. Durch den Erfas­sungs­bo­gen gibt es eine noch bessere Daten­grund­lage, um sin­nvolle Präven­tion­s­maß­nah­men pla­nen zu kön­nen. Allen Gewaltvor­fällen wird seit­dem in den Ein­rich­tun­gen von Bethel.regional nachge­gan­gen und die Betrof­fe­nen kön­nen im Bedarfs­fall eine Beratung in Anspruch nehmen.

Zukunftsperspektiven der inkludierten Gefährdungsbeurteilung unklar

Es bleibt zu wün­schen, dass die oben vorgestell­ten neuen Ansätze bei der Gefährdungs­beurteilung von Arbeit­splätzen für Men­schen mit Behin­derun­gen sowie zur besseren Zusam­me­nar­beit bzw. zum besseren Zusam­men­leben behin­dert­er und nicht-behin­dert­er Men­schen eine weite Ver­bre­itung find­en. Mit ihrer Hil­fe lassen sich hof­fentlich auch Bedenken der Arbeit­ge­ber in der Post-Pan­demiezeit aus­räu­men, die Arbeit­splätze für behin­derte Men­schen abbauen wollen, weil sie sich mit den Anforderun­gen an deren Arbeit­splätze ins­beson­dere vor dem Hin­ter­grund der aktuell unsicheren wirtschaftlichen Lage über­fordert fühlen. Langfristig wer­den die beru­fliche Teil­habe und die Gestal­tung sicher­er Arbeit­splätze von schwer­be­hin­derten Men­schen aber nicht aufzuhal­ten sein. Auch deshalb, weil sich neben diesen Men­schen selb­st Mil­lio­nen von Ange­höri­gen und Fre­un­den für dieses The­ma stark machen. Auch im Bere­ich der Arbeitssicher­heit und des betrieblichen Gesund­heitss­chutzes engagieren sich nicht zulet­zt deshalb immer mehr Men­schen. So auch Thomas Mack­en­stein: „Nicht nur beru­flich, son­dern auch pri­vat reizt mich diese Auf­gabe. Als Vater eines an Absen­cen-Epilep­sie erkrank­ten Kindes macht man sich Gedanken über die beru­fliche Zukun­ft des Nach­wuch­ses. Die Arbeit mit TEA hat mich dazu bewogen, dieses The­ma weit­erzuführen und anderen Fachkräften für Arbeitssicher­heit zugänglich zu machen.“

Veranstaltungsreihe
Veranstaltungsreihe PSA erleben
Newsletter

Jet­zt unseren Newslet­ter abonnieren

Jobs
Sicherheitsbeauftragter
Titelbild Sicherheitsbeauftragter 9
Ausgabe
9.2022
ABO
Sicherheitsingenieur
Titelbild Sicherheitsingenieur 9
Ausgabe
9.2022
ABO

Industrie.de Infoservice
Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de