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Aufgaben der Kommission Arbeitsschutz und Normung

Kommission Arbeitsschutz und Normung (KAN)
Damit auch der Arbeitsschutz eine Lobby hat – die KAN

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Das Ziel der KAN: ein hohes Arbeitsschutzniveau in Normen zu verankern Foto: © magele-picture – stock.adobe.com
Schlechte Sichtver­hält­nisse an Erd­bau­maschi­nen wie Bag­gern oder Rad­ladern haben in der Ver­gan­gen­heit zu zahlre­ichen schw­eren Unfällen geführt. Beschäftigte, die in der Nähe der Maschi­nen arbeit­eten, mussten befürcht­en, dass Maschi­nen­führer sie wegen tot­er Winkel nicht wahrnehmen und anfahren oder über­rollen. Heute sind auf vie­len Baustellen Fahrzeuge im Ein­satz, die mit Sichthil­f­s­mit­teln wie Kam­era-Mon­i­torsys­te­men oder Spiegeln aus­ges­tat­tet sind.

Diese Verän­derung hat die Kom­mis­sion Arbeitss­chutz und Nor­mung (KAN), die sich für die Belange des Arbeitss­chutzes in der Nor­mung ein­set­zt, maßge­blich mit­gestal­tet. Wegen der starken Häu­fung von Unfällen wurde nach ein­er Peti­tion an den Bun­destag und das Europäis­che Par­la­ment die Qual­ität und Prax­is­tauglichkeit der bis dahin ange­wandten Norm hin­ter­fragt, woraufhin die EU-Kom­mis­sion dieser die Ver­mu­tungswirkung ent­zog und eine Verbesserung der Norm forderte. Gemein­sam haben KAN, Beruf­sgenossen­schaften und Mark­tüberwachung die Norm umfassend über­ar­beit­et und damit die Anforderun­gen und Kri­te­rien für gute Sicht bei Bau­maschi­nen mas­siv erhöht.

Wichtige Instanz für den Arbeitsschutz

In der KAN sind Vertreter aller am Arbeitss­chutz inter­essierten Kreise auf Augen­höhe organ­isiert: Arbeit­ge­ber, Arbeit­nehmer, Bund und Län­der, die geset­zliche Unfal­lver­sicherung sowie das Deutsche Insti­tut für Normung.

Die Arbeitss­chutzex­per­tin­nen und ‑experten nutzen die KAN als gemein­sames Sprachrohr und brin­gen ihre gebün­delte Posi­tion in die Nor­mung ein, mit dem Ziel, ein hohes Arbeitss­chutzniveau in Nor­men zu ver­ankern. Die in der KAN-Geschäftsstelle verorteten Sozial­part­ner­büros der Arbeit­nehmer und Arbeit­ge­ber ermöglichen durch kurze Wege zu deren Inter­essen­vertre­tun­gen eine schnelle Meinungsbildung.

Zunehmend schneller wer­dende Entwick­lungs- und Inno­va­tion­sprozesse stellen die Nor­mungsar­beit vor beson­dere Her­aus­forderun­gen. Die Arbeit ist geprägt durch vielfältige The­men aus den Bere­ichen Kün­stliche Intel­li­genz, Men­sch-Robot­er-Kol­lab­o­ra­tion, smarte per­sön­liche Schutzaus­rüs­tung oder Exoskelette. Diese vorauss­chauend mit Blick durch die Arbeitss­chutz-Brille zu erken­nen und im Früh­sta­di­um der Entwick­lung pos­i­tiv­en Ein­fluss auf die Sicher­heit und Gesund­heit der Beschäftigten zu nehmen, zählt zu den wichtig­sten Auf­gaben der KAN.

Nor­mung ist nicht über­all notwendig und sin­nvoll: So wird der betriebliche Arbeitss­chutz durch das nationale Regel­w­erk von Staat und geset­zlich­er Unfal­lver­sicherung fest­gelegt. Dieses hat Vor­rang vor Nor­men. Europäis­che und ins­beson­dere inter­na­tionale Nor­mungsvorhaben stoßen jedoch in diese Bere­iche vor und leg­en etwa Min­destanforderun­gen zum Schutz der Beschäftigten fest. Doch die KAN begleit­et und beobachtet auch diese Vorhaben, um zu ver­mei­den, dass Wider­sprüche im Regel­w­erk entste­hen können.

Arbeitsschutz in der Normung verankern

Experten der KAN haben Nor­mung und Stan­dar­d­isierung im Bere­ich Arbeitss­chutz stets im Blick. Ergibt sich Hand­lungs­be­darf, beispiel­sweise durch eine Häu­fung von Arbeit­sun­fällen in bes­timmten Bere­ichen, wird die KAN aktiv und nimmt sich der Prob­lematik an. Organ­isiert wie ein Forum, bringt sie Fach­leute aller Arbeitss­chutzkreise zusam­men und erar­beit­et gemein­same Stel­lung­nah­men. Dazu ini­ti­iert die KAN zum Beispiel Fachge­spräche oder Work­shops, um unter­schiedliche Posi­tio­nen zu disku­tieren und weit­ere Maß­nah­men einzuleit­en. Dabei mod­eriert die KAN im Sinne des Arbeitss­chutzes lösungs- und konsensorientiert.

Im Sinne ein­er fak­ten­basierten Mei­n­ungs­bil­dung ini­ti­iert sie Gutacht­en und Stu­di­en zur Unter­suchung von Sachver­hal­ten und ver­schafft den in ihr vertrete­nen Kreisen und der inter­essierten Öffentlichkeit einen Überblick über arbeitss­chutzrel­e­vante Nor­mungs- und Standardisierungsthemen.

Umfangreiches Informations- und Serviceangebot

Als Dien­stleis­ter und zen­trale Anlauf­stelle im Bere­ich Arbeitss­chutz und Nor­mung trägt die KAN mit ihrem Infor­ma­tion­sange­bot und ver­schiede­nen Arbeit­shil­fen dazu bei, dass Ver­ant­wortliche arbeitss­chutztech­nisch auf dem aktuellen Stand sind und bleiben.

Einen wesentlichen Beitrag hierzu leis­tet seit 23 Jahren der quar­tal­sweise erscheinende KAN­Brief. In diesem Jahr kom­plett über­ar­beit­et, bericht­en in dem kosten­frei abon­nier­baren Mag­a­zin Fach­leute aus dem KAN-Umfeld über aktuelle The­men und Entwick­lun­gen in Arbeitss­chutz und Nor­mung. Der KAN­Brief erscheint in den Sprachen Deutsch, Englisch und Franzö­sisch (Print und online) sowie in Pol­nisch und Ital­ienisch (online).

Mit den KAN-Prax­is-Mod­ulen: Ergonomie ler­nen richtet sich die KAN an Dozen­ten, Kon­struk­teure und Ergonomiein­ter­essierte und kom­biniert in umfan­gre­ichen Lehr­ma­te­ri­alien fundiertes Fach­wis­sen mit Prax­is­beispie­len. Das in acht Mod­ulen auf­bere­it­ete Ange­bot ist so konzip­iert, dass selb­st fach­fremde Dozen­ten darauf zurück­greifen kön­nen. Der Schw­er­punkt der Mate­ri­alien liegt im Bere­ich Maschi­nen- und Anla­gen­bau; viele Inhalte sind auf andere Gebi­ete über­trag­bar. Die Mod­ule enthal­ten neben the­o­retis­chen Inhal­ten auch anschauliche Videose­quen­zen, Kosten-Nutzen-Analy­sen und Fall­beispiele. Aus­führliche Beschrei­bun­gen, Pow­er­point-Folien mit Dozen­ten­leit­fä­den, Lit­er­aturhin­weise sowie Übun­gen und Prü­fungs­fra­gen mit Muster­lö­sun­gen kom­plet­tieren das Angebot.

KAN-Prax­is NoRA: Nor­men recher­chieren ist das Recherchetool für Nor­men mit Arbeitss­chutzbezug. Die gezielte Suche nach Nor­men mit Bezug zum Arbeitss­chutz gestal­tet sich auf­grund der großen Anzahl beste­hen­der Nor­men mitunter sehr aufwendig. Mit ver­schiede­nen Such­möglichkeit­en etwa nach Anwen­dungs­ge­bi­eten oder Gefährdun­gen schafft NoRA hier Abhil­fe. Anhand von Infor­ma­tio­nen wie Inhaltsverze­ich­nis und Kurzrefer­at ermöglicht NoRA eine kom­fort­able Auswahl aus etwa 13.500 Normen.

Der KAN-Prax­is-Rat­ge­ber: Kör­per­maße anwen­den zeigt, welche Kri­te­rien für die richtige Auswahl und Anwen­dung anthro­pometrisch­er Dat­en zugrunde gelegt wer­den, damit Pro­duk­te so gestal­tet wer­den, dass Men­schen sie kom­fort­a­bel und sich­er nutzen kön­nen. Der Rat­ge­ber richtet sich an Kon­struk­teure und Mitar­beit­er von Nor­mungs­gremien und zeigt auf, wo anthro­pometrische Dat­en zu find­en sind und wie diese in der Prax­is angewen­det werden.

KAN-Prax­is Maschi­nen: Ergonomis­che Lösun­gen find­en ist ein Web­por­tal mit Beispie­len guter Prax­is von ergonomisch kon­stru­ierten Maschi­nen vor allem aus den Kat­e­gorien Werkzeug­maschi­nen und Maschi­nen des inner­be­trieblichen Trans­ports. Kon­struk­teure und Einkäufer erfahren, welche Fak­toren Ein­fluss auf die ergonomis­che Gestal­tung von Maschi­nen haben und find­en im Por­tal inno­v­a­tive Beispiele von Maschi­nen, die zur Reduk­tion von Gefährdun­gen beitragen.

Die KAN-Pod­casts informieren über The­men wie Dig­i­tal­isierung, Cyber­se­cu­ri­ty, EU-Maschi­nen­richtlin­ie, Kün­stliche Intel­li­genz und Ergonomie sowie deren Auswirkun­gen auf Arbeitss­chutz, Nor­mung und Regelset­zung. In Inter­views mit Experten aus unter­schiedlich­sten Bere­ichen beleuchtet der Pod­cast in regelmäßi­gen Abstän­den aktuelle The­men aus der Arbeit der KAN und ermöglicht den Hörerin­nen und Hör­ern damit einen niedrigschwelli­gen Ein­stieg in die Welt des Arbeitss­chutzes und der Normung.

Das kom­plette Infor­ma­tion­sange­bot ist auf www.kan.de abrufbar.


Foto: © Südwestmetall

Autor: Kai Schweppe

Vor­sitzen­der der KAN Kom­mis­sion Arbeitss­chutz und Normung


Über die KAN

1994 gegrün­det ist die KAN ein poli­tis­ches Gremi­um, dessen Arbeit von ein­er Geschäftsstelle mit Sitz in Sankt Augustin und ein­er Europavertre­tung in Brüs­sel unter­stützt wird. Der Posten des Vor­sitzes wird im Wech­sel beset­zt durch Arbeit­ge­ber, Arbeit­nehmer und Staat. Gefördert durch das Bun­desmin­is­teri­um für Arbeit und Soziales (BMAS) und getra­gen durch den Vere­in zur Förderung der Arbeitssicher­heit in Europa (VFA) e.V. tritt die KAN als neu­trale Instanz auf und ist dem Gemein­wohl verpflichtet.

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