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Lagerung von Desinfektionsmitteln - Schutzziele und Schutzmaßnahmen

Schutzziele und Schutzmaßnahmen
Lage­rung von Desin­fek­ti­ons­mit­teln

Foto: © mast3r – stock.adobe.com
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Alko­ho­li­sche Desin­fek­ti­ons­mit­tel sind entzünd­bare Flüs­sig­kei­ten und daher nach CLP-Verordnung[1] entspre­chend einge­stuft und gekenn­zeich­net. Damit handelt es sich um Gefahr­stoffe, für die die Arbeits­schutz­vor­schrif­ten der Gefahrstoffverordnung(GefStoffV) zu beach­ten sind.

Die Anfor­de­run­gen der GefStoffV an die Lage­rung von Gefahr­stof­fen in orts­be­weg­li­chen Behäl­tern sind in der TRGS 510[2] (Tech­ni­sche Regel für Gefahrst­stoffe) unter­setzt und detail­liert. Die TRGS 510 beschreibt konkrete Schutz­maß­nah­men zur Erfül­lung der Schutz­ziele der GefStoffV, die (fast) wie eine Check­liste abge­ar­bei­tet werden können.

Lage­rung versus Bereit­hal­ten

Vorab: Die TRGS 510 gilt für das Lagern. Zu beach­ten ist aber, dass auch das Bereit­hal­ten von Mengen dazu­ge­hört, die den Tages­be­darf über­schrei­ten. Damit soll eine rein „dekla­ra­to­ri­sche“ Umge­hung der TRGS 510 verhin­dert werden.

Aufbau der TRGS 510

Die TRGS 510 ist modu­lar aufge­baut: Es gibt Grund­an­for­de­run­gen, die immer gelten und dann abschnitts­weise weitere Schutz­maß­nah­men, die in Abhän­gig­keit von der Art und Menge der gela­ger­ten Gefahr­stoffe zusätz­lich anzu­wen­den sind. Eine entspre­chende Über­sicht liefert die TRGS 510 in Tabelle 1 in Abschnitt 1.

Lage­rung von Klein­men­gen

Klein­men­gen“ im Sinne der TRGS 510 dürfen auch außer­halb von Lagern gela­gert werden. Was eine Klein­menge ist, wird in Tabelle 1 in Abschnitt 1 der TRGS 510 fest­ge­legt. Für diese Klein­men­gen gelten die Grund­an­for­de­run­gen gemäß Abschnitt 4.1 und 4.2 (in Zukunft Abschnitt 4). Für Desin­fek­ti­ons­mit­tel, die als entzünd­bare Flüs­sig­keit Kat. 2, H225 einge­stuft sind, sind dies Mengen bis zu 20 kg, bei entzünd­ba­ren Flüs­sig­kei­ten Kat. 3, H226 sind es 100 kg. Die wich­tigs­ten Maßnah­men sind:

  • Lage­rung in gekenn­zeich­ne­ten und geschlos­se­nen, geeig­ne­ten Behäl­tern, möglichst in Origi­nal­be­häl­tern;
  • Behäl­ter dürfen nicht zur Verwechs­lung mit Lebens­mit­teln führen und nicht in der Nähe von Arznei‑, Lebens‑, Futter- und Genuss­mit­teln oder Kosme­tika aufbe­wahrt oder gela­gert werden;
  • Keine Lage­rung in Verkehrs­we­gen; dazu gehö­ren zum Beispiel Flucht- und Rettungs­wege, Trep­pen­räume, Durch­gänge, Durch­fahr­ten, enge Höfe;
  • Keine Lage­rung in Pausen‑, Bereitschafts- und Sani­tär­räu­men (in der Neufas­sung der TRGS 510 soll darauf hinge­wie­sen werden, dass haus­halts­üb­li­che Mengen zur dorti­gen Verwen­dung aufbe­wahrt werden dürfen);
  • Keine wirk­sa­men Zünd­quel­len in unmit­tel­ba­rer Nähe von Behäl­tern mit entzünd­ba­ren Flüs­sig­kei­ten;
  • Aufstel­lung von Behäl­tern mit flüs­si­gen Gefahr­stof­fen in einer Rück­hal­te­ein­rich­tung; für Klein­men­gen gibt es keine mate­ri­el­len Anfor­de­run­gen an die Rück­hal­te­ein­rich­tung;
  • Begren­zung der Gebin­de­größe für entzünd­bare Flüs­sig­kei­ten außer­halb von Lagern in zerbrech­li­chen Behäl­tern auf 2,5 l und in nicht zerbrech­li­chen Behäl­tern auf 10 l (in der Neufas­sung der TRGS 510 soll darüber hinaus für nach Gefahr­gut­recht zuläs­sige Behäl­ter die maxi­male Gebin­de­größe 20 l betra­gen).

Lage­rung im Lager

Bei Über­schrei­tung der Klein­men­gen müssen Gefahr­stoffe im Lager gela­gert werden, und es sind die zusätz­li­chen Maßnah­men nach Abschnitt 4.3 (in Zukunft Abschnitt 5) erfor­der­lich. Die wich­tigs­ten Maßnah­men sind:

  • Beleuch­tung und Belüf­tung im Lager gemäß den Arbeits­stät­ten­re­geln;
  • Die Lager­gü­ter sind ordent­lich zu sichern; das beinhal­tet vor allem stand­si­chere und ausrei­chend belast­bare Lager­ein­rich­tun­gen, Maßnah­men zum Schutz vor Heraus­fal­len der Behäl­ter und Stape­lung von Behäl­tern nur inso­weit, wie es die Stabi­li­tät der Behäl­ter zulässt, sowie ggf. Anfahr­schutz;
  • Regel­mä­ßige Kontrol­len von Behäl­tern, Lager­ein­rich­tun­gen, Rück­hal­te­ein­rich­tun­gen und ande­ren Einrich­tun­gen, wie zum Beispiel Lüftungs­ein­rich­tun­gen, Augen- und Körper­du­schen;
  • Fest­le­gung von Maßnah­men, die bei Frei­set­zung von Gefahr­stof­fen zu ergrei­fen sind, sowie Alar­mie­rungs­maß­nah­men für den Fall erheb­li­cher Gefähr­dung von Beschäf­tig­ten.

Alter­na­tiv können die Anfor­de­run­gen für die Lage­rung entzünd­ba­rer Flüs­sig­kei­ten auch durch die Lage­rung in einem Sicher­heits­schrank nach Anhang 3 der TRGS 510 erfüllt werden (in Zukunft soll diese Möglich­keit auch für andere Gefahr­stoffe eröff­net werden, dann in Anhang 1).

Zusätz­li­che und spezi­elle Anfor­de­run­gen je nach Eigen­schaft

Für entzünd­bare Desin­fek­ti­ons­mit­tel sind zusätz­li­che Maßnah­men gemäß der Abschnitte 5 (in Zukunft Abschnitt 7), 6 und 12 erfor­der­lich. Sie gelten für entzünd­bare Flüs­sig­kei­ten Kat. 1 und 2, H224 und H225 für Mengen von mehr als 200 kg und für entzünd­bare Flüs­sig­kei­ten Kat. 3, H226 für Mengen von mehr als 1.000 kg. Diese Abschnitte beinhal­ten spezi­elle Rege­lun­gen, wie zum Beispiel bauli­che Anfor­de­run­gen, beson­dere Vorkeh­run­gen für Betriebs­stö­run­gen, beson­dere Brand­schutz­maß­nah­men und Explo­si­ons­schutz­maß­nah­men.

Zusam­men­la­ge­rung

Werden verschie­dene Gefahr­stoffe in Mengen von mehr als 200 kg gela­gert, dann gelten auch die Zusam­men­la­ge­rungs­re­geln gemäß Abschnitt 7 (in Zukunft Abschnitt 13, dann sollen die Zusam­men­la­ge­rungs­re­geln auch erst gelten, wenn auch die jeweils zutref­fen­den Klein­men­gen über­schrit­ten sind). Zusam­men­ge­la­gert werden darf nur, wenn dadurch keine Gefähr­dungs­er­hö­hung auftritt. Dabei ist nicht nur die mögli­che gefähr­li­che Reak­tion von Gefahr­stof­fen mitein­an­der zu berück­sich­ti­gen, sondern auch gege­be­nen­falls unter­schied­li­che Lager­be­din­gun­gen (zum Beispiel Tempe­ra­tur) oder unter­schied­li­che Maßnah­men (zum Beispiel Lösch­mit­tel).

Für alle Gefahr­stoff­kom­bi­na­tio­nen gibt es ein gestuf­tes Konzept: Zusam­men­la­ge­rung – Getrennt­la­ge­rung (durch Abstände oder Barrie­ren) – Sepa­r­at­la­ge­rung (unter­schied­li­che Lager­ab­schnitte mit feuer­be­stän­di­ger Abtren­nung). Basie­rend auf Lager­klas­sen, die den Gefahr­stof­fen gemäß ihrer Einstu­fung und Eigen­schaf­ten zuge­ord­net werden, können die erfor­der­li­chen Maßnah­men des gestuf­ten Konzepts dann einer Kreuz­ta­belle entnom­men werden.

Weitere allge­meine Anfor­de­run­gen

Außer­dem sind natür­lich auch die allge­mei­nen (nicht „lager­spe­zi­fi­schen“) Anfor­de­run­gen der GefStoffV zu beach­ten, wie zum Beispiel das Führen eines Gefahr­stoff­ver­zeich­nis­ses, die Erstel­lung einer Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung und einer Betriebs­an­wei­sung, die Unter­wei­sung der Beschäf­tig­ten sowie erfor­der­li­chen­falls das Zurver­fü­gung­stel­len von Schutz­aus­rüs­tung.

[1] VERORDNUNG (EG) Nr. 1272/2008 über die Einstu­fung, Kenn­zeich­nung und Verpa­ckung von Stof­fen und Gemi­schen.

[2] Die tech­ni­schen Regeln für Gefahr­stoffe (TRGS) sind verfüg­bar unter: https://www.baua.de/DE/Angebote/Rechtstexte-und-Technische-Regeln/Regelwerk/TRGS/TRGS.html.
Die TRGS 510 wird zurzeit über­ar­bei­tet und eine Neufas­sung wird 2021 erwar­tet.

[3] Mögli­che weitere Einstu­fun­gen der Desin­fek­ti­ons­mit­tel, z.B. als augen­rei­zend, sind hier nicht berück­sich­tigt, da sie für die Lager­vor­schrif­ten eine unter­ge­ord­nete Rolle spie­len.

 

Foto: privat

Autorin:
Dr. Cordula Wilrich

Bundes­an­stalt für Mate­ri­al­for­schung und ‑prüfung (BAM)

2.0 Abtei­lung Chemi­sche Sicher­heits­tech­nik

Vorsit­zende des AK Gefahr­stoff­la­ge­rung im Ausschuss für Gefahr­stoffe (AGS)
E‑Mail: cordula.wilrich@bam.de

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