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Handhygiene

Mit Wasser, Seife und etwas Geduld

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Händewaschen schützt nur vor Erkrankungen, wenn es richtig gemacht wird – mindestens 20 Sekunden und mehrmals am Tag. Foto: © Picture-Factory – stock.adobe.com
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Wie über­all, gilt auch am Arbeits­platz: Simp­les Hände­wa­schen ist eine effek­tive Möglich­keit, um die Über­tra­gung von Viren und Bakte­rien zu verhin­dern – wenn man es rich­tig macht. Neben Wasser und Seife ist vor allem Gründ­lich­keit ein wich­ti­ger Faktor.

Petra Hannen

Ganze zwei Fern­seh­mi­nu­ten widmete Dr. Eckhart von Hirsch­hau­sen einem Mittel, das vor Erkäl­tun­gen und Durch­fall­erkran­kun­gen schüt­zen kann, rezept­frei und für jeden erhält­lich ist und außer­dem kaum Neben­wir­kun­gen hat: dem Hände­wa­schen. Zur besten Sende­zeit führte er die Tech­nik vor, die eigent­lich alle schon zur Kinder­gar­ten­zeit erlernt, aber später oft verges­sen haben. Dabei ist das Hände­wa­schen eine ebenso einfa­che wie geniale Gesund­heits­prä­ven­tion.

Bis zu 80 Prozent aller Infek­ti­ons­krank­hei­ten werden laut Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­tion (WHO) über die Hände über­tra­gen, mit denen wir im Durch­schnitt 16 Mal pro Stunde unser Gesicht berüh­ren – so gelan­gen die Keime über die Schleim­häute von Mund, Nase und Augen in den Körper und können Infek­tio­nen auslö­sen. Aber bis zu 99,9 Prozent der an Händen haften­den Krank­heits­er­re­ger lassen sich mit Wasser und Seife entfer­nen. Wich­tigste Voraus­set­zung: ein biss­chen Zeit und die rich­tige Methode.

Hände­wa­schen – so geht´s rich­tig

Gründ­li­ches Hände­wa­schen gelingt in fünf Schrit­ten (siehe Link­tipp). Zunächst werden die Hände unter flie­ßen­des Wasser gehal­ten. Die Tempe­ra­tur spielt für die Reini­gung keine Rolle, aller­dings laugt zu warmes Wasser die Haut unnö­tig aus. Danach werden die Hände ausgie­big einge­seift – bevor­zugt mit Flüs­sigs­eife aus einem Spen­der, die insbe­son­dere in öffent­li­chen Wasch­räu­men hygie­ni­scher ist als ein Seifen­stück. Jetzt werden die Hände mit dem Seifen­schaum sanft aber gründ­lich abge­rie­ben: Handin­nen­flä­chen und Hand­rü­cken, Finger­spit­zen und Finger­nä­gel, Finger­zwi­schen­räume und Daumen.

Mindes­tens zwan­zig Sekun­den lang sollte diese Seifen­phase dauern, für die Ringe und even­tu­ell sogar die Armband­uhr am besten abge­legt werden. Um das Timing zu verein­fa­chen, schlägt die WHO vor, dabei zwei­mal das Geburts­tags­lied „Happy Birth­day“ zu summen. Mit Seife die Hände zu waschen, ist übri­gens deut­lich wirk­sa­mer als mit Wasser allein, denn die Wasch­sub­stan­zen lösen neben Schmutz auch Keime von der Haut ab. Außer­dem befin­den sich manche Erre­ger im natür­li­chen Fett­film der Haut und lassen sich nur mit Wasser kaum entfer­nen. Dann werden die Seifen­reste unter flie­ßen­dem Wasser abspült und der Wasser­hahn mit dem Ellen­bo­gen oder einem Einmal­hand­tuch geschlos­sen.

Viele Keim­schleu­dern auch am Arbeits­platz

Den Abschluss bildet das sorg­fäl­tige Abtrock­nen der Hände, auch in den Finger­zwi­schen­räu­men. Hand­tü­cher aus Textil oder Papier sind Warm­luft­trock­nern hygie­nisch deut­lich über­le­gen, infor­miert die Deut­sche Gesetz­li­che Unfall­ver­si­che­rung (DGUV). Begrün­det wird dies damit, dass die Keime beim Waschen mit Seife von der Haut­ober­flä­che gelöst und beim Trock­nen vom Hand­tuch aufge­nom­men werden. Bei der Warm­luft­trock­nung hinge­gen gelan­gen zusätz­li­che Keime aus der Raum­luft auf die Hände. Jetstream-Händetrockner mit HEPA-Filter, also Filtern mit hoher Wirk­sam­keit gegen Teil­chen, schnei­den laut DGUV bei der Keim­zahl zwar besser ab als Warm­luft­trock­ner, erbrin­gen aber im Gegen­satz zu Hand­tü­chern keine Keim­re­duk­tion.

Wich­tig ist vor allem, sich die notwen­dige Zeit für das gründ­li­che Waschen der Hände zu nehmen“, sagt der Arbeits­me­di­zi­ner Tilman Günther. „Denn es reicht keines­falls aus, die Finger einfach ein paar Sekun­den lang unter den laufen­den Wasser­hahn zu halten.“ Viel­mehr sollte rich­ti­ges Hände­wa­schen mehr­mals am Tag Routine sein. Denn im Gegen­satz zur land­läu­fi­gen Meinung ist nicht die Toilet­ten­brille die gefähr­lichste „Keim­schleu­der“. Über­all dort, wo sich viele Menschen aufhal­ten, ist die Dichte an Krank­heits­er­re­gern hoch. Vor allem in geschlos­se­nen Räumen sammeln sich Bakte­rien und Viren in der Luft, aber natür­lich auch an Gegen­stän­den. Am Arbeits­platz sind dies insbe­son­dere Compu­ter­tas­ta­tu­ren, PC-Mäuse und ‑Bild­schirme, Drucker, Kopie­rer oder Tele­fon­hö­rer. Und auf vielen Ober­flä­chen können Keime lange über­le­ben, unter Umstän­den auch Tage lang.

Einfa­ches Mittel gegen hohen Kran­ken­stand

Kein Wunder also, dass Hände­wa­schen das einfachste und zugleich das meist unter­schätzte Mittel ist, um den Kran­ken­stand zu redu­zie­ren und die Gesund­heit von Kolle­gen und Beschäf­tig­ten zu schüt­zen. Auch die Empfeh­lun­gen der Bundes­zen­trale für gesund­heit­li­che Aufklä­rung sind eindeu­tig: Auf der Liste der zehn wich­tigs­ten Hygie­ne­tipps, um sich vor anste­cken­den Infek­ti­ons­krank­hei­ten zu schüt­zen, belegt das Thema Hände die obers­ten drei Plätze: Hände regel­mä­ßig waschen, Hände gründ­lich waschen und Hände aus dem Gesicht fern­hal­ten.

Von Desin­fek­ti­ons­mit­teln für den „norma­len“ Arbeits­platz oder auch den Privat­haus­halt hält Dr. Tilman Günther jenseits der Berei­che mit beson­de­ren hygie­ni­schen Anfor­de­run­gen – hier regelt der Arbeit­ge­ber nach Bera­tung durch den Hygie­ni­ker die vorge­schrie­bene Hand­rei­ni­gung und Hand­des­in­fek­tion – übri­gens wenig: „Zum einen können Hand­des­in­fek­ti­ons­mit­tel bei fehler­haf­ter Anwen­dung dazu führen, dass Mikro­or­ga­nis­men Resis­ten­zen entwi­ckeln – und dieser Mecha­nis­mus bietet dann ausge­rech­net den resis­ten­ten Keimen einen Über­le­bens­vor­teil gegen­über den nicht resis­ten­ten Mikro­or­ga­nis­men, die das Mittel abtö­tet. Zum ande­ren sind auch normale Seifen in der Lage, Keime zu entfer­nen, die beispiels­weise Durchfall- und Atem­wegs­er­kran­kun­gen verur­sa­chen. Gründ­li­ches Hände­wa­schen reicht daher im Alltag völlig aus.“


Link­tipp

  • Die Bundes­zen­trale für gesund­heit­li­che Aufklä­rung hält eine Reihe von Info­ma­te­ria­lien zum Thema Hygiene
    (u.a. Aufkle­ber „Rich­tig Hände waschen“) bereit. Mehr Infos unter:
    www.bzga.de Impfun­gen und persön­li­cher Infek­ti­ons­schutz Hygiene

Regel­mä­ßig Hände waschen

Die Bundes­zen­trale für gesund­heit­li­che Aufklä­rung empfiehlt Hände­wa­schen
immer nach

  • dem Errei­chen des Arbeits­plat­zes,
  • der Rück­kehr nach Hause,
  • dem Nase­put­zen, Husten oder Niesen,
  • dem Gang zur Toilette,
  • dem Kontakt mit Müll und Abfäl­len,
  • dem Kontakt mit Tieren, Tier­fut­ter oder tieri­schem Abfall;

immer vor

  • den Mahl­zei­ten,
  • dem Hantie­ren mit Medi­ka­men­ten oder Kosme­tika;

immer vor und nach

  • der Zube­rei­tung von Spei­sen – und auch mal zwischen­durch, insbe­son­dere wenn rohes Fleisch verar­bei­tet wird,
  • dem Kontakt mit Kran­ken,
  • der Behand­lung von Wunden.

Weitere Infor­ma­tio­nen unter www.infektionsschutz.de

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