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Neues aus dem Ausschuss für Gefahrstoffe

Neufassung TRGS 510 und TRGS 900
Neues aus dem AGS

Zugangsbeschränkungen nach TRGS 510 (schematische und vereinfachte Darstellung, kein Anspruch auf Vollständikeit), Grafik: Stöffler
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Bei sein­er 67. Sitzung am 17. und 18. Novem­ber 2020 hat der Auss­chuss für Gefahrstoffe unter anderem die Neu­fas­sung der TRGS 510 und neue Arbeit­splatz­gren­zw­erte aus der TRGS 900 ver­ab­schiedet. Die 67. AGS-Sitzung fand zum ersten Mal in dig­i­taler Form statt.

Fol­gende Tech­nis­che Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) wur­den ver­ab­schiedet, die nach rechts­förm­lich­er Prü­fung durch das BMAS voraus­sichtlich ab Jan­u­ar 2021 im Gemein­samen Min­is­te­ri­al­blatt (und im Inter­net) veröf­fentlicht wer­den bzew. teil­weise schon veröf­fentlcht wurden.

Neufassung TRGS

  • 510 „Lagerung von Gefahrstof­fen in orts­be­weglichen Behältern“
  • 722 „Ver­mei­dung oder Ein­schränkung gefährlich­er explo­sions­fähiger Atmosphäre“

Änderungen und Ergänzungen TRGS

  • 410 „Expo­si­tionsverze­ich­nis bei Gefährdung gegenüber kreb­serzeu­gen­den oder keimzell­mu­ta­ge­nen Gefahrstof­fen der Kat­e­gorien 1A oder 1B“
  • 900 „Arbeit­splatz­gren­zw­erte“
  • 903 „Biol­o­gis­che Grenzwerte“
  • 910 „Risikobe­zo­genes Maß­nah­menkonzept für Tätigkeit­en mit kreb­serzeu­gen­den Gefahrstoffen“

TRGS 410 „Expositionsverzeichnis“

In Tabelle 3 sind die zwei Änderun­gen aus der TRGS 410 vom 08.01.2021 gegenübergestellt.

Tab. 3: Auszug der Änderun­gen in TRGS 410 vom 08.01.2021

Im Zusam­men­hang mit dem The­ma „Haut­ge­fährdung durch hautre­sorp­tive und kreb­serzeu­gende Gefahrstoffe und Ein­satz von Hand­schuhen“ ist wichtig zu wis­sen, dass die dazuge­hörige TRGS 401 „Hautkon­takt“ aktuell über­ar­beit­et wird. Die neue Ver­sion der TRGS 401 wird hil­fre­iche Konkretisierun­gen zum o.g. The­ma enthalten.

Neufassung TRGS 510 Lagerung

Ende Novem­ber 2020 hat­te die Lei­t­erin des Arbeit­skreis­es – Dr. Cor­du­la Wilrich – auf den 36. Münch­n­er Gefahrstoff- und Sicher­heit­sta­gen die Änderun­gen der Neu­fas­sung erläutert. Auf­grund der bre­it­en Bedeu­tung dieser TRGS ist nach aktuellem Pla­nungs­stand davon auszuge­hen, dass diese TRGS auch auf den näch­sten Münch­n­er Gefahrstoff- und Sicher­heit­sta­gen im Novem­ber 2021 ein The­ma sein wird: Wenn Sie also mehr erfahren wollen bzgl. Prax­is­beispiele zur Anwen­dung der TRGS 510 im Betrieb, dann reservieren Sie sich schon ein­mal dieses Datum im Kalen­der: 37. Münch­n­er Gefahrstoff- und Sicher­heits-Tage vom 24. –26. Novem­ber 2021 in München – dann hof­fentlich wieder als Präsenzveranstaltung.

Es würde den Rah­men dieses Artikels spren­gen, hier auf alle Neuerun­gen einzuge­hen (siehe dazu Beitrag Dr. Cor­du­la Wilrich Seit­en 8–10 in Sicher­heitsin­ge­nieur 2/2021). Prak­tis­cher­weise wer­den alle wesentlichen Änderun­gen auf der let­zten Seite der TRGS 510 kom­pakt auf ein­er Seite zusam­menge­fasst. Anbei ein paar der wesentlichen Änderungen:

Das erweit­erte Inhaltsverze­ich­nis auf den Seit­en 2 und 3 (inkl. Seiten­zahlen und Über­schriften der 2. Ebene) ermöglicht einen schnelleren Überblick über die 56-seit­ige TRGS.

Neu sind unter anderem ein paar Begriffs­bes­tim­mungen zum Beispiel für „brennbar“ sowie mehrere geän­derte Mengenschwellen.

Des Weit­eren gibt es einen neu struk­turi­erten Abschnitt Nr. 4.3, in dem alle Regelun­gen zum The­ma Zugangs­beschränkun­gen zusam­menge­fasst sind: In der Gefährdungs­beurteilung muss fest­gelegt wer­den, welche Kom­bi­na­tion von Maß­nah­men sich­er­stellt, dass nur fachkundi­ge und zuver­läs­sige Per­so­n­en Zugang zum Lager haben. Für Indus­trieparks wur­den ein paar ergänzende Anforderun­gen aufgenom­men. Als Maß­nah­men – siehe Bild zu Beginn des Artikels – kom­men z.B. die fol­gen­den in Betracht:

  • abschließbare Schränke, Gebäude, Lager­bere­iche, Räume,
  • Kam­er­aüberwachung,
  • regelmäßige Kon­troll­gänge,
  • Werk­sza­un mit Zugangskon­trolle und Identitätsnachweis,
  • Anmel­dung, Unter­weisung, Kennzeichnung.

Wenn Sie sich fra­gen, warum die „Beze­ich­nun­gen“ der LGK (Lagerk­lasse), in Textform also z.B.

  • 1: „Explo­sive Stoffe“,
  • 2A: „Gase“ usw.

vor der ersten Spalte „LGK“ der Zusam­men­lagerungsta­belle gestrichen wur­den, find­et sich im Text der Tabelle 12 die Erk­lärung dazu: „Die kor­rek­te Zuord­nung der LGK ist nur basierend auf dem Fließschema gemäß Anhang 2 möglich.“ Beim Able­sen der LGK nur aus der Zusam­men­lagerungsta­belle ergibt sich in manchen Fällen eine falsche LGK!

Tab. 1: Auss­chnitt aus der Zusam­men­lagerungsta­belle, mit Beze­ich­nun­gen der LGK; Quelle: TRGS 510, Ver­sion 2015
Tab. 2: Auss­chnitt: Zusam­men­lagerungsta­belle, OHNE ‧Beze­ich­nun­gen der LGK; Quelle: TRGS 510, Ver­sion 2021

Der Entwurf der TRGS 510 (Aus­gabe: Dezem­ber 2020) ist aktuell (Stand: 17.01.2021) auf der BAuA-Inter­net­seite „Neues vom Auss­chuss für Gefahrstoffe“ verlinkt.

TRGS 900: Neue AGW

In Tabelle 4 sind die Änderun­gen und Ergänzun­gen der TRGS 900 „Arbeit­splatz­gren­zw­erte“ zusammengestellt.

Tab. 4: Auszug: Änderun­gen und Ergänzun­gen TRGS 900 „Arbeit­splatz­gren­zw­erte“ (Stand 17.01.2021: noch nicht veröffentlicht)

Neuer DFG MAK-Wert für Chlormethan im Jahr 2020

In der DFG MAK-Liste 2020 wurde der MAK für Chlormethan von 50 auf 10 ppm abge­senkt. Diese Absenkung ist jet­zt auch für die Über­nahme in die TRGS 900 geplant. Par­al­lel zu diesen Änderun­gen der AGW durch die deutsche MAK-Kom­mis­sion wer­den auch in EU-Richtlin­ien regelmäßig neue oder abge­senk­te Gren­zw­erte veröf­fentlicht: In der Richtlin­ie (EU) 2019/1831 (sog. fün­fte Liste der Arbeit­splatz-Richt­gren­zw­erte – IOELV) wird u.a. für Chlormethan ein IOELV von 20 ppm genannt.

Das Prob­lem an dieser Stelle ist, dass diese EU-Richtlin­ie von den Mit­gliedsstaat­en spätestens bis zum 20. Mai 2021 umge­set­zt wer­den muss. Für Deutsch­land bedeutet das die Veröf­fentlichung des IOELV als AGW in der TRGS 900. Um diese Frist ein­hal­ten zu kön­nen wurde der AGW bere­its in der Novem­ber-Sitzung 2020 des AGS „vor­ab unter Vor­be­halt“ beschlossen, da bei einem Beschluss in der näch­sten AGS-Sitzung im Mai 2021 die o.g. Umset­zungs­frist nicht einzuhal­ten wäre.

Stoeffler_Chlormethan.jpg
ALT: DFG MAK-Liste 2019 und TRGS 900 (2020); NEU: DFG MAK-Liste 2020 und TRGS 900 (geplant für 2021) EU: IOELV: EU-RL 2019/1831

Der Beschluss erfol­gte deshalb „unter Vor­be­halt“, da es bei neuen oder abge­senk­ten MAK-Werten eine sog. Kom­men­tierungs­frist bis zum jew­eili­gen Jahre­sende (2020) gibt. Deshalb kann erst Anfang 2021 endgültig entsch­ieden wer­den, ob die Absenkung von 50 auf 10 ppm in die TRGS 900 über­nom­men wird. Soll­ten Kom­mentare einge­hen, die gegen 10 ppm sprechen, wird frist­gerecht min­destens der IOELV von 20 ppm in der TRGS 900 „for­mal umgesetzt“.

TRGS 910: Neue bzw. geänderte AK und TK

In Tabelle 5 sind die Änderun­gen und Ergänzun­gen der TRGS 910 vom 13.01.2021 zusam­mengestellt. Achtung: In der Spalte „Erk­lärun­gen“ in der Tabelle 3 wird auf die kor­rek­ten EU-Richtlin­ien ver­wiesen. In der Ver­sion der TRGS 910 vom 13.01.2021 wer­den in den Bemerkun­gen f) und g) noch falsche EU-Richtlin­ien zitiert (Stand 27.01.2021).

Tab. 5: Auszug: Änderun­gen und Ergänzun­gen TRGS 910 vom 13.01.2021

TRGS 910: nicht immer Faktor 10 zwischen AK und TK

Wenn sich wie bei den bei­den Stof­fen Epichlorhy­drin und MOCA nicht der Fak­tor 10 zwis­chen dem

  • Akzep­tanzrisiko von 4 : 10.000 zum
  • Tol­er­anzrisiko von 4 : 1.000

ergibt, kom­men dafür zwei Gründe in Betracht:

  1. Neben Krebs verur­sachen viele Gefahrstoffe noch weit­ere Gesund­heitss­chä­den, zum Beispiel Reizun­gen oder Organ­schädi­gun­gen. Die abgeleit­eten Gren­zw­erte sollen aber natür­lich nicht nur gegen Krebs, son­dern gegen alle Gesund­heitss­chä­den schützen. Auss­chlaggebend für die Höhe der TK ist bei Epichlorhy­drin daher nicht die eigentliche TK (4:1.000) von 6 ppm (23 mg/m³) son­dern der niedrigere Wert von 2 ppm (8 mg/m³), der sich auf­grund der Reizwirkun­gen ergibt, was im dazuge­höri­gen Begrün­dungspa­pi­er nachge­le­sen wer­den kann.
  2. Bei BOELV beste­ht die Verpflich­tung, dass jed­er EU-Mit­gliedsstaat min­destens diese Werte nation­al umset­zen muss („Min­dest­stan­dard“). Eine Abwe­ichung zu höheren nationalen Werten ist NICHT erlaubt, eine Abwe­ichung zu niedrigeren Werten dage­gen immer. BOELV wer­den in Deutsch­land meis­tens in die TRGS 910 über­nom­men, sel­tener in die TRGS 900.

Bei der nationalen Umset­zung der IOELV (für Stoffe mit Wirkschwellen, sog. gesund­heits­basierte Gren­zw­erte) sind auch höhere nationale Werte erlaubt. IOELV wer­den in die TRGS 900 übernommen.


Foto: privat

Autorin: Dr. Bir­git Stöffler

Sicher­heitsin­ge­nieurin, Stlvtr. Mit­glied im AGS, Mit­glied im UAII


Glossar:

  • AGS: Auss­chuss für Gefahrstoffe
  • AGW: Arbeit­splatz­gren­zw­ert (aus TRGS 900)
  • AK: Akzep­tanzkonzen­tra­tion (gem. TRGS 910)
  • BMAS: Bun­desmin­is­teri­um für Arbeit und Soziales
  • BOELV: Bind­ing Occu­pa­tion­al Expo­sure Lim­it Val­ue: Verbindlich­er Arbeitsplatzgrenzwert
  • CMR: Kreb­serzeu­gend, Keimzell­mu­ta­gen, Reproduktionstoxisch
  • DFG: Deutsche Forschungsgemeinschaft
  • GW: Gren­zw­ert
  • IFA: Insti­tut für Arbeitss­chutz der DGUV
  • IOELV: Indica­tive Occu­pa­tion­al Expo­sure Lim­it Val­ue: Arbeit­splatz-Richt­gren­zw­ert („nicht verbindlich­er“ Arbeitsplatzgrenzwert)
  • LGK: Lagerk­lasse
  • MAK: Max­i­male Arbeitsplatzkonzentration
  • RL: (EU-)Richtlinie
  • TK: Tol­er­anzkonzen­tra­tion (gem. TRGS 910)
  • TRGS: Tech­nis­che Regel für Gefahrstoffe

Infokasten: Links/Download

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