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Sicherheitstechnische und betriebsärztliche Betreuung

Profes­sio­gramme unter­schied­li­cher Berufe als Praxis­hil­fen

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Was sind Profes­sio­gramme? Wie sind diese aufge­baut und wozu können diese genutzt werden? Und wie können Fach­kräfte für Arbeits­si­cher­heit und Arbeits­me­di­zi­ner Profes­sio­gramme in ihrer tägli­chen Bera­tungs­tä­tig­keit nutz­brin­gend einset­zen? Die Autoren stel­len im folgen­den Beitrag den Ansatz und Möglich­kei­ten von Profes­sio­gram­men vor.

Im Rahmen der Profes­sio­gra­fie werden – dem Ansatz von Häub­lein, Bach­mann und ande­ren folgend – quan­ti­ta­tive und quali­ta­tive Daten über gestellte Anfor­de­run­gen und zu erwar­tende Expo­si­tio­nen bezie­hungs­weise Belas­tun­gen und Bean­spru­chun­gen mit konkre­tem Bezug zu Arbeits­auf­ga­ben, Arbeits­mit­teln bezie­hungs­weise Arbeits­platz, Arbeits­or­ga­ni­sa­tion oder Arbeits­um­ge­bung zur Verfü­gung gestellt (Häub­lein et al. 1979, Bach­mann 1983). Das Ziel ist die syste­ma­ti­sche Zusam­men­fas­sung quan­ti­ta­ti­ver und quali­ta­ti­ver ergo­no­mi­scher Daten der Arbeits­tä­tig­keit mit epide­mio­lo­gi­schen Teil­in­for­ma­tio­nen zu einem Profes­sio­gramm, aus dem beruf­li­che Risi­ken hervor­ge­hen und Schluss­fol­ge­run­gen zur gesund­heits­för­der­li­chen Gestal­tung von Arbeits­auf­ga­ben und Arbeits­be­din­gun­gen sowie in Bezug auf Berufs­be­ra­tung und Berufs­len­kung ableit­bar sind. Die Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit ist damit besser in der Lage im Sinne siche­rer und ergo­no­misch opti­ma­ler Arbeits­mit­tel und Arbeits­ver­fah­ren bera­tend tätig zu sein. Der Betriebs­arzt erhält zusätz­li­che Infor­ma­tio­nen zur Erstel­lung fundier­ter Gutach­ten für die Berufs­taug­lich­keit.

In der Zeit­schrift Ergomed/Praktische Arbeits­me­di­zin wurden von Rent­zsch (2004–2006) für 15 ausge­wählte Berufe soge­nannte Grob­pro­fes­sio­gramme publi­ziert, die vorder­grün­dig auf quali­ta­tive Aspekte ausge­rich­tet sind. In erwei­ter­ter Form werden seit 2013 im Portal „Arbeits­schutz Office Profes­sio­nal“ der Haufe Group Profes­sio­gramme für ein brei­tes Spek­trum von Beru­fen in steti­ger Fort­set­zung veröf­fent­licht. Die Autoren sehen Profes­sio­gramme in erster Linie als Hilfs­mit­tel für die sicher­heits­tech­ni­sche und betriebs­ärzt­li­che Bera­tung der Unter­neh­men. Vor allem im Hinblick auf die durch­zu­füh­ren­den Gefähr­dungs­ana­ly­sen und ‑beur­tei­lun­gen sowie hinsicht­lich des gesundheits- und arbeits­schutz­ge­rech­ten Einsat­zes von Mensch und Tech­nik in Indus­trie und Hand­werk, in Einrich­tun­gen des öffent­li­chen Diens­tes, des Gesundheits‑, Verkehrs- und Finanz­we­sens, der Land- und Forst­wirt­schaft u.a.

Gemäß ihres struk­tu­rel­len Aufbaus werden zunächst die jeweils rele­van­ten Gesetze, Vorschrif­ten, Regeln, Infor­ma­tio­nen und Grund­sätze der DGUV, Leit­li­nien und Checks der BG´n sowie natio­nale und inter­na­tio­nale Normen und Richt­li­nien genannt. Es folgen Geltungs- bezie­hungs­weise Wirkungs­be­reich des Berufs mit den charak­te­ris­ti­schen Tätig­kei­ten und den darin erfass­ten und verwand­ten Berufs­grup­pen. Eine weitere Kompo­nente betrifft das Arbeits­zeit­re­gime, das von Beruf zu Beruf sehr unter­schied­lich sein kann und Aussa­gen hinsicht­lich Dauer, Lage und Vertei­lung der Arbeits­zeit enthält. Schließ­lich werden die Tätig­keits­merk­male konkret erläu­tert, die Anfor­de­run­gen an die Beschäf­tig­ten in psychi­scher und physi­scher Hinsicht deut­lich markie­ren und bereits das mögli­che Auftre­ten von kriti­schen Arbeits­stof­fen, Arbeits­mit­teln und Arbeits­ver­fah­ren signa­li­sie­ren. Daraus werden die Belastungs‑, Beanspruchungs- und Expo­si­ti­ons­merk­male und die damit verbun­de­nen Gefähr­dun­gen abge­lei­tet. Anschlie­ßend werden die Aufga­ben der Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit und des Betriebs­arz­tes benannt, die auf Grund des Arbeitssicherheits- und Arbeits­schutz­ge­set­zes sowie der Verord­nung zur Arbeits­me­di­zi­ni­schen Vorsorge zu erfül­len sind. Im Sinne der prak­ti­schen Anwen­dung werden Check­lis­ten ergänzt, die zur Analyse und Bewer­tung der im betreu­ten Unter­neh­men vorhan­de­nen Belas­tun­gen und Gefähr­dun­gen sowie zur Ablei­tung entspre­chen­der Maßnah­men zur siche­ren und ergo­no­misch opti­ma­len Gestal­tung der Arbeits­plätze, Arbeits­mit­tel und Arbeits­ver­fah­ren dienen.

Check­lis­ten als Hilfs­mit­tel

Fach­kräfte für Arbeits­si­cher­heit und Betriebs­ärzte können anhand der den Profes­sio­gram­men beigefüg­ten Check­lis­ten möglichst gemein­sam bezie­hungs­weise in enger Abstim­mung die in den von ihnen betreu­ten Unter­neh­men vorhan­de­nen Belas­tun­gen und Gefähr­dun­gen analy­sie­ren und beur­tei­len, indem für ausge­wählte Arbeits­plätze und Arbeits­be­rei­che die mecha­ni­schen, physi­ka­li­schen, chemi­schen und biolo­gi­schen Gefähr­dun­gen sowie die physi­schen und psychi­schen Belas­tun­gen analy­siert und bewer­tet werden. Die verfüg­ba­ren Vorschrif­ten, Regeln, Infor­ma­tio­nen und Grund­sätze der DGUV sowie die DGUV Grund­sätze für arbeits­me­di­zi­ni­sche Unter­su­chun­gen sind dafür sehr hilf­reich. Betriebs­ärzte sind besser in der Lage, den Bedarf an Arbeits­me­di­zi­ni­schen Vorsor­gen für bestimmte Tätig­kei­ten fest­zu­stel­len (zum Beispiel Pflicht­vor­sorge) bezie­hungs­weise zu empfeh­len (zum Beispiel Angebots- und Wunsch­vor­sorge). Darüber hinaus werden neben der Arbeits­me­di­zi­ni­schen Vorsorge bei vorhan­de­ner Rechts­grund­lage gemäß DGUV 250–010 Eignungs­un­ter­su­chun­gen vorge­schla­gen (z.B. für Bauge­rä­te­füh­rer bei der DB AG/ias-gruppe 2017). Von beson­de­rer Wich­tig­keit sind die in der Check­liste enthal­te­nen tech­ni­schen, orga­ni­sa­to­ri­schen und perso­nen­be­zo­ge­nen Maßnah­men mit dem Ziel Unfälle, arbeits­be­dingte Erkran­kun­gen und Berufs­krank­hei­ten zu vermei­den sowie sichere und ergo­no­misch opti­male Arbeits­plätze, Arbeits­mit­tel, Arbeits­ver­fah­ren und Arbeits­stät­ten zu gestal­ten.

Zusam­men­fas­sung

Entspre­chend der darge­stell­ten Abfolge wurden bisher im bereits erwähn­ten Portal 50 Profes­sio­gramme für die Bran­chen Metall und Holz, Land- und Forst­wirt­schaft, Elektrotechnik/Elektronik, Gesundheits- und Bildungs­we­sen, Bauwe­sen, Straßen- und Bahn­fahr­zeuge und ande­ren erstellt und in der Praxis von Fach­kräf­ten für Arbeits­si­cher­heit und Betriebs­ärz­ten erfolg­reich bei Gefähr­dungs­ana­ly­sen und ‑beur­tei­lun­gen ange­wen­det. Erfah­rungs­ge­mäß sind diese Hilfs­mit­tel für junge Fach­kräfte für Arbeits­si­cher­heit und Betriebs­ärzte bezie­hungs­weise für jene, die die Weiter­bil­dung oder Fach­aus­bil­dung abge­schlos­sen haben beson­ders wert­voll für eine effek­tive Einar­bei­tung in bisher unbe­kannte Bran­chen.

Lite­ra­tur

  • Bach­mann, W., Stand der arbeits­hy­gie­ni­schen Profes­sio­gra­fie, Zentralbl. Arb.Med.12 (1983) S. 380–387
  • Brüske-Hohlfeld, I. et al., Lungen­krebs­ri­siko durch Diesel­mo­tore­mis­sio­nen, 37. Jahres­ta­gung der Deut­schen Gesell­schaft für Arbeits- und Umwelt­me­di­zin 1997, B 05050/37
  • BW Bildung und Wissen, Berufs­pro­file für die arbeits- und sozi­al­me­di­zi­ni­sche Praxis, Band 1, 1997, S. 84–87
  • Cohrs, H.U., Hart­mann, B., Bauge­rä­te­füh­rer – Belas­tun­gen und Bean­spru­chun­gen von Baumaschinen- und Erdbau­ma­schi­nen­füh­rern, Bau-Berufsgenossenschaft Hamburg 1998
  • DGUV Grund­sätze für Arbeits­me­di­zi­ni­sche Unter­su­chun­gen, 6. Aufl., Gent­ner Verlag, Stutt­gart 2014
  • DIN EN 474–1 Erdbau­ma­schi­nen – Sicher­heit – Teil 1: Allge­meine Anfor­de­run­gen
  • Hartung, E. et al., Belas­tung und Bean­spru­chung durch stoß­hal­tige Ganz­kör­per­schwin­gun­gen, Schrif­ten­reihe der Bundes­an­stalt für Arbeits­me­di­zin, Berlin 1995
  • Häub­lein, H.-G. et. al., Das arbeits­hy­gie­ni­sche Profes­sio­gramm als Arbeits­mit­tel des Betriebs­arz­tes, Z. ges. Hygiene 11 (1977) S. 838–844
  • Hoske, P. et al., Prognose und Bewer­tung der Sicht für mobile Arbeits­ma­schi­nen, Z. BauPor­tal 9 (2010) S. 530–536
  • Johann­sen, St., Arbeits­me­di­zi­ni­sche Vorsorge – von der klas­si­schen Untersuchungs- bis hin zur Bera­tungs­me­di­zin, Sifa-News.de-Arbeitsmedizin 2016
  • Jorgensen/Kittusamy/Pranathi, Repeata­bi­lity of a Check­list for Evalua­ting Cab Design Charac­te­ris­tics of Heavy Mobile Equip­ment, Jour­nal of Occupa­tio­nal and Envi­ron­men­tal Hygiene 4 (2007) 12, S. 913–922
  • Kotte, G., Anfor­de­run­gen an Arbeits­plätze auf Bauma­schi­nen – Bedien- und Fahr­kom­fort sind leis­tungs­ent­schei­dend, Z. Tief­bau 116 (2004) 3, S. 174–178
  • ias Gruppe, Ihre Eignungs­un­ter­su­chung bei der Deut­schen Bahn, ias PREVENT 2017
  • Leise­ring, H., Beschluss der EU-Kommission zur Sicht bei Bauma­schi­nen 2015, www.bgbau.de
  • Pick­artz, T., Unter­su­chun­gen an schwin­gungs­ex­po­nier­ten Arbeits­plät­zen, insbe­son­dere auf Bauma­schi­nen, Z. f. Lärm­be­kämp­fung 37 (1990) S.135–137
  • Sachs, St., Teichert, H.-J., Rent­zsch, M., Ergo­no­mi­sche Gestal­tung mobi­ler Maschi­nen, ecomed Lands­berg 1994
  • Schmidt, H., Vermin­de­rung von Belas­tun­gen der Wirbel­säule bei Erdbau­ma­schi­nen­fah­rern, Z. Maschi­nen­markt 101 (1995) 33, S. 40–42
  • Wissen­spor­tal Arbeits­schutz Office Profes­sio­nal, Haufe Group Frei­burg

Das kosten­lo­ses „Profes­sio­gramm Bauge­rä­te­füh­rer“ ist unter http://hier.pro/xniE6 abruf­bar.


Autoren:

Prof. Dr.-Ing. habil. Manfred Rent­zsch

Prof. Dr. Rainer von Kipar­ski

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