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Prüfung elektrischer Anlagen und Betriebsmittel

Im Land der Mythen ...
Prüfung elektrischer Anlagen und Betriebsmittel

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Die Prü­fung elek­trisch­er Anla­gen und Betrieb­smit­tel ist spätestens seit dem Inkraft­treten der Unfal­lver­hü­tungsvorschrift „Elek­trische Anla­gen und Betrieb­smit­tel“ im Jahr 1979 geregelt. Durch die Ein­führung der Betrieb­ssicher­heitsverord­nung ergaben sich allerd­ings inzwis­chen zum Teil neue Begriffe und Anforderun­gen. Dieser Beitrag soll häu­fige Missver­ständ­nisse bei der Ausle­gung der Verord­nun­gen aus­räu­men und dar­legen, warum es mit der Weit­er­re­ichung des Prü­fauf­trags an eine Elek­tro­fachkraft allein nicht getan ist.

Die Unfal­lver­hü­tungsvorschrift „Elek­trische Anla­gen und Betrieb­smit­tel“ ist trotz ihres Alters und einiger Umnum­merierun­gen (VBG 4, BGV A3, DGUV Vorschrift 3 für gewerbliche Unternehmen beziehungsweise GUV 2.10, GUV‑V A3, DGUV Vorschrift 4 für Unternehmen des öffentlichen Dien­stes) inhaltlich weitest­ge­hend unverän­dert geblieben. Sie war lange Zeit die maßge­bliche Grund­lage für die Prü­fung elek­trisch­er Anla­gen und Betrieb­smit­tel. Ihre bei­den wesentlichen Haup­tan­wen­dungs­bere­iche gibt ihr Titel bere­its vor:

  • Als „elek­trische Anla­gen“ gel­ten typ­is­cher­weise mehr oder weniger fest mon­tierte Struk­turen inner­halb eines Gebäudes beziehungsweise Are­als, die der Energiev­er­sorgung, aber auch der Weit­er­leitung von Infor­ma­tio­nen dienen. Unter diesen Begriff fall­en also Elek­tro­verteilun­gen eben­so wie Leitungs- und Beleuch­tungsan­la­gen. Die „elek­trische Anlage“ ist somit als „sta­tionäre elek­trische Anlage“ ein eben­solch­er Bestandteil ein­er Gebäude­in­fra­struk­tur wie zum Beispiel Heizungsan­la­gen. Als „nicht­sta­tionäre Anlage“ kann sie aber auch nur einen vorüberge­hen­den Zusam­men­schluss elek­trisch­er Betrieb­smit­tel (zum Beispiel für die Stromver­sorgung ein­er Baustelle oder eines Mark­tes) darstellen.
  • „Elek­trische Betrieb­smit­tel“ sind zumeist Geräte, die entwed­er fest an die elek­trische Anlage angeschlossen wer­den (wie zum Beispiel Schal­ter, Steck­dosen, größere Maschi­nen) oder über Steck­verbindun­gen mit ihr ver­bun­den sind (zum Beispiel handge­hal­tene Elek­trow­erkzeuge, Kühlschränke, Schweiß­maschi­nen). Diese Beispiele verdeut­lichen bere­its, dass die Unter­schei­dung zwis­chen „orts­festen“ und „ortsverän­der­lichen“ Betrieb­smit­teln nicht allein davon abhängig ist, ob die Geräte über einen Steck­er angeschlossen sind. Dif­feren­ziert wurde vielmehr deshalb, weil handge­hal­tene Geräte auf­grund ihrer Betriebs- und Nutzungs­be­din­gun­gen in der Regel häu­figer schädi­gen­den Ein­flüssen unter­liegen und zudem auf­grund ihres zwangsläu­fig direk­ten Nutzer-Kon­tak­ts bei einem Defekt schneller zur elek­trischen Durch­strö­mung führen als orts­fest instal­lierte Betriebsmittel.

Auslegung umstritten

Um die Frage, ab wann denn genau ein Betrieb­smit­tel als orts­fest gilt, haben sich inzwis­chen einige Mythen gebildet. Denn zwis­chen orts­festen und ortsverän­der­lichen Betrieb­smit­teln gibt es wesentliche Unter­schiede in den Prüffristenempfehlungen.

Einen Hin­weis gibt die DGUV Vorschrift 3 beziehungsweise 4 (im Fol­gen­den kurz DGUV Vorschrift 3/4):

  • Ortsverän­der­liche elek­trische Betrieb­smit­tel sind dem­nach solche, die während des Betriebs bewegt oder leicht von einem Platz zum anderen gebracht wer­den kön­nen, während sie an den Ver­sorgungsstromkreis angeschlossen sind. Als orts­fest gel­ten hinge­gen solche Betrieb­smit­tel, die entwed­er fest ange­bracht sind oder die keine Tragevor­rich­tung aufweisen und deren Masse so groß ist, dass sie nicht leicht bewegt wer­den kön­nen. Dazu gehören laut Vorschrift auch elek­trische Betrieb­smit­tel, die nur vorüberge­hend fest ange­bracht sind und über bewegliche Anschlus­sleitun­gen betrieben werden.

Anhänger konkreter Zahlen führen gern eine Haushalts­gerätenorm an, in der eine 20 kg-Gren­ze für ortsverän­der­liche Betrieb­smit­tel erwäh­nt wird. Zum Teil wer­den auch eigentlich über Steck­er angeschlossene Betrieb­smit­tel fest an die elek­trische Anlage angeschlossen, damit sie auch ganz sich­er als Teil der elek­trischen Anlage gel­ten und den entsprechen­den Prüf­fris­ten­empfehlun­gen unterliegen.

Als was ist aber zum Beispiel ein Fotokopier­er anzuse­hen, der zwar aus Trans­port­grün­den über Rollen ver­fügt, anson­sten aber orts­fest betrieben wird? Oder ein Beam­er, der sowohl orts­fest als auch ortsverän­der­lich betrieben wer­den kann? Viel wichtiger als die Frage, ob ein elek­trisches Betrieb­smit­tel als orts­fest gel­ten kann, ist deshalb die Frage, wie lange es sich­er betrieben wer­den kann. Entsprechend ist auch der Text der DGUV Vorschrift 3/4 formuliert:

„Der Unternehmer hat dafür zu sor­gen, dass die elek­trischen Anla­gen und Betrieb­smit­tel auf ihren ord­nungs­gemäßen Zus­tand geprüft werden

  1. vor der ersten Inbe­trieb­nahme und nach ein­er Änderung oder Instandsetzung (…)
  2. in bes­timmten Zeitabständen.

Die Fris­ten sind so zu bemessen, dass entste­hende Män­gel, mit denen gerech­net wer­den muss, rechtzeit­ig fest­gestellt werden.“

Die in den Durch­führungsan­weisun­gen enthal­te­nen Prüf­fris­ten stellen dabei lediglich bewährte und empfehlenswerte Richtwerte dar, von denen aber auch abgewichen wer­den kann. So führt die für den öffentlichen Dienst gel­tende DGUV Vorschrift 4 in ihren Durch­führungsan­weisun­gen zu diesem Para­graphen aus: „Tabelle 1B (Wieder­hol­ung­sprü­fun­gen ortsverän­der­lich­er elek­trisch­er Betrieb­smit­tel) enthält Richtwerte für Prüf­fris­ten in ver­schiede­nen Arbeits­bere­ichen für nor­male Betriebs- und Umge­bungs­be­din­gun­gen. Die Beurteilung der Betriebs- und Umge­bungs­be­din­gun­gen obliegt der Elek­tro­fachkraft und kann im Einzelfall zu anderen Prüf­fris­ten führen.“

Dies entspricht prak­tisch der Forderung nach ein­er Gefährdungs­beurteilung. Und diese wurde bere­its im Jahre 1979, also 17 Jahre vor dem Arbeitss­chutzge­setz und sog­ar 23 Jahre vor der Betrieb­ssicher­heitsverord­nung erhoben. Die Prüf­fris­ten­empfehlun­gen sind also keine fest in Stein gemeißel­ten Gebote, auch wenn dies oft nach wie vor behauptet wird. In Stein gemeißelt ist jedoch der Grund­satz, dass elek­trotech­nis­che Prü­fun­gen Elek­tro­fachkräften vor­be­hal­ten sind. Aber auch um diesen Begriff ranken sich viele Mythen.

Die Elektrofachkraft

Als Elek­tro­fachkraft im Sinne des § 3 Abs. 1 der DGUV Vorschrift 3/4 gilt, wer auf­grund sein­er fach­lichen Aus­bil­dung, Ken­nt­nisse und Erfahrun­gen sowie Ken­nt­nis der ein­schlägi­gen Bes­tim­mungen die ihm über­tra­ge­nen Arbeit­en beurteilen und mögliche Gefahren erken­nen kann. Was aber ist, wenn ein gel­ern­ter Elek­trik­er mehrere Jahre in einem anderen Beruf tätig war oder sich nicht auf dem Laufend­en gehal­ten hat? Die Antwort ist ein­fach: Eine Fachkraft muss wis­sen was sie tut, um Auf­gaben in eigen­er Fachver­ant­wor­tung aus­führen zu kön­nen. Erfüllt sie nicht alle drei zuvor genan­nten Kri­te­rien, gilt sie nicht als (Elektro-)Fachkraft.

Oft wird überse­hen, dass der Begriff „Elek­tro­fachkraft“ eher als Ober­be­griff für die ver­schieden­sten elek­trotech­nis­chen Berufe zu ver­ste­hen ist. Das bedeutet aber auch, dass es keine „uni­verselle Elek­tro­fachkraft“ geben kann, welche diese Band­bre­ite abdeckt. Durch die beru­fliche Aus­bil­dung sowie die spätere fach­liche Spezial­isierung kann davon immer nur ein Teil­bere­ich abgedeckt wer­den. Insofern ist bei der Auswahl des Prüf­per­son­als zu beacht­en, ob die Aus­bil­dung und beru­fliche Prax­is zu der vorge­se­henen Prü­fauf­gabe passt.

Elektrotechnisch unterwiesene Personen

Ein­fache, über­schaubare und rel­a­tiv sich­er durch­führbare Arbeit­en müssen nicht unbe­d­ingt durch Elek­tro­fachkräfte aus­ge­führt wer­den. Aus diesem Grunde gibt es die – weit ver­bre­it­eten – „elek­trotech­nisch unter­wiese­nen Per­so­n­en“, kurz euP. Wegen der von elek­trischem Strom aus­ge­hen­den Gefährdun­gen kön­nen diese jedoch nur unter der „Leitung und Auf­sicht“ ein­er Elek­tro­fachkraft tätig wer­den, welche die Fach- und Führungsver­ant­wor­tung übern­immt. Abhängig von dem Schwierigkeits- beziehungsweise Gefährdungs­grad der Auf­gabe muss also die Elek­tro­fachkraft indi­vidu­ell fes­tle­gen, wer welche Arbeit­en aus­führen kann, wie umfan­gre­ich die hier­für notwendi­ge Unter­weisung sein muss und in welchen Abstän­den sie zu wieder­holen ist. Weit­er­hin ist festzule­gen, ob die Durch­führung der Auf­gaben unter der direk­ten Beauf­sich­ti­gung durch die Elek­tro­fachkraft stat­tfind­en muss oder eine euP auch alleine tätig wer­den kann.

In der Prax­is erfol­gt jedoch allzu häu­fig die Auswahl von euP eher nach dem „Rasen­mäher­prinzip“, weil nicht genug Per­son­al mit entsprechen­der Qual­i­fika­tion und Nei­gung vorhan­den ist. Zudem wer­den Beschäftigte oft ein­fach zu einem (meist zwei- oder dre­itägi­gen) Sem­i­nar entsendet, um sie anschließend als voll­w­er­tige Prüfer einzuset­zen. Solche Sem­i­nare stellen aber besten­falls eine unter­stützende Maß­nahme zur Unter­weisung von euP dar, denn häu­fig wer­den bei den prak­tis­chen Übun­gen gän­zlich andere Prüfgeräte ver­wen­det als im eige­nen Unternehmen. Somit verbleibt let­ztlich die Ver­ant­wor­tung für eine auf die eige­nen betrieblichen Belange angepasste Unter­weisung bei der Elektrofachkraft.

Mod­erne Prüfgeräte sind zwar häu­fig so aus­gelegt, dass euP damit Prü­fun­gen an elek­trischen Betrieb­smit­teln durch­führen kön­nen, doch ist zu bedenken, dass auch die Kom­plex­ität der zu prüfend­en Betrieb­smit­tel inzwis­chen größer gewor­den ist und dass deshalb entwed­er entsprechende Prü­fan­weisun­gen ver­fasst wer­den müssen oder euP nur Prü­fun­gen an ver­hält­nis­mäßig ein­fachen Betrieb­smit­teln durch­führen kön­nen. Diese Entschei­dung muss die mit der Leitungs- und Auf­sichts­führung beauf­tragte Elek­tro­fachkraft tre­f­fen. Auf­grund des viel größeren Gefährdungspo­ten­tials kön­nen euP auch nicht mit der Prü­fung elek­trisch­er Anla­gen oder orts­fester Betrieb­smit­tel beauf­tragt wer­den, son­dern besten­falls die Elek­tro­fachkraft dabei unterstützen.

Elektrofachkräfte für festgelegte Tätigkeiten

Ein Zwit­ter zwis­chen Elek­tro­fachkraft und euP ist die „Elek­tro­fachkraft für fest­gelegte Tätigkeit­en“. Ihre Entste­hung ist der Tat­sache geschuldet, dass es für einige Beruf­s­grup­pen sin­nvoll ist, gle­ichar­tige und sich wieder­holende elek­trotech­nis­che Arbeit­en in eigen­er Ver­ant­wor­tung aus­führen zu kön­nen (zum Beispiel Anschluss eines Elek­tro­herdes durch Küchen­mon­teure). Elek­tro­fachkräfte für fest­gelegte Tätigkeit­en kön­nen nach ein­er Kurzaus­bil­dung mit bestanden­er Prü­fung in The­o­rie und Prax­is in einem stark eingeschränk­ten Tätigkeits­feld bes­timmte (fest­gelegte) Tätigkeit­en genau­so eigen­ver­ant­wortlich aus­führen wie eine Elektrofachkraft.

Die Prax­is sieht jedoch allzu häu­fig anders aus: Obwohl Grund­sätze zu Inhal­ten und Dauer der Aus­bil­dung beste­hen, unter­bi­eten sich einige Sem­i­naran­bi­eter gegen­seit­ig in der Kürze ihrer Sem­i­nare. Dabei verzicht­en sie oft­mals auf die Ver­mit­tlung prak­tis­ch­er Inhalte oder eine abschließende Prü­fung mit dem Hin­weis im Kleinge­druck­ten, dass dies noch Auf­gabe des Arbeit­ge­bers sei. Eben­so häu­fig wer­den „All­round­sem­inare“ ange­boten ohne konkrete Fes­tle­gung auf bes­timmte gle­ichar­tige und sich wieder­holende Auf­gaben. Dies hat zur Folge, dass sich sowohl Arbeit­ge­ber als auch Elek­tro­fachkräfte für fest­gelegte Tätigkeit­en oft nicht genau ihrer Auf­gaben und Ver­ant­wortlichkeit­en bewusst sind. Aus diesem Grunde enthält die DGUV Vorschrift 3/4 die Forderung, dass in eigen­er Fachver­ant­wor­tung nur solche Tätigkeit­en aus­ge­führt wer­den dür­fen, für die die Aus­bil­dung nachgewiesen wurde und die der Arbeit­ge­ber in ein­er Arbeit­san­weisung beschrieben hat.

Elek­tro­fachkräfte für fest­gelegte Tätigkeit­en kön­nen zwar unter Umstän­den mit der eigen­ständi­gen Durch­führung der Prü­fung ortsverän­der­lich­er elek­trisch­er Betrieb­smit­tel betraut wer­den, jedoch nicht mit der Prü­fung elek­trisch­er Anla­gen, da diese wesentlich kom­plex­er sowie mit größeren Gefahren für das Prüf­per­son­al behaftet sind.

Egal ob Elek­tro­fachkräfte, euP oder Elek­tro­fachkräfte für fest­gelegte Tätigkeit­en: Sie alle sind mit der Durch­führung der Prü­fun­gen über­fordert, wenn der Unternehmer die Wege nicht bere­it­et oder die notwendi­gen Befug­nisse nicht über­tra­gen hat, die zur eigen­ver­ant­wortlichen Durch­führung der Prü­fun­gen erforder­lich sind.

Abgleich mit der Betriebssicherheitsverordnung

Die Ein­führung der Betrieb­ssicher­heitsverord­nung (Betr­SichV) im Jahre 2002 führte zu ein­er Anzahl neuer Beze­ich­nun­gen für im Prinzip gle­ich gebliebene Begriffe. Da sich die Verord­nung auf die Gesamtheit aller Arbeitsmit­tel bezieht (also zum Beispiel auch auf rein mech­a­nis­che), stellen die bish­eri­gen elek­trischen Betrieb­smit­tel im Sinne der DGUV Vorschrift 3/4 nur einen Teil dieser Gesamt­menge dar. Somit kann eine zur Prü­fung elek­trisch­er Arbeitsmit­tel befähigte Per­son auch nicht mit ein­er zum Beispiel zur Prü­fung rein mech­a­nis­ch­er Arbeitsmit­tel befähigten Per­son gle­ichge­set­zt wer­den. Bei­den gemein ist jedoch, dass sie über eine für die jew­eilige Prü­fauf­gabe notwendi­ge Beruf­saus­bil­dung (also eine elek­trotech­nis­che Beruf­saus­bil­dung im Falle der elek­trischen Arbeitsmit­tel), über eine zeit­na­he beru­fliche Tätigkeit sowie über die erforder­lichen Ken­nt­nisse zur Prü­fung der jew­eils betr­e­f­fend­en Arbeitsmit­tel ver­fü­gen müssen.

In Bezug auf die elek­trischen Arbeitsmit­tel ist also im Prinzip nichts anderes gemeint als das, wom­it bere­its die Anforderun­gen an eine Elek­tro­fachkraft definiert wur­den. Der wesentliche Unter­schied beste­ht allerd­ings darin, dass eine „zur Prü­fung befähigte Per­son“ nach Betr­SichV eben nur Arbeitsmit­tel prüfen darf, eine Elek­tro­fachkraft nach der DGUV Vorschrift 3/4 jedoch darüber hin­aus sowohl elek­trische Anla­gen als auch elek­trische Betrieb­smit­tel erricht­en, erweit­ern, ändern, instand­hal­ten und prüfen kann.

Elektrische Anlagen nicht durch staatliches Arbeitsschutzrecht abgedeckt

Diese Dif­feren­zierung erk­lärt unter anderem, warum die DGUV Vorschrift 3/4 trotz aller Dereg­ulierungs­be­mühun­gen bish­er noch nicht zurück­ge­zo­gen wer­den kon­nte. Denn der Bere­ich der elek­trischen Anla­gen wurde bish­er noch nicht durch staatlich­es Arbeitss­chutzrecht abgedeckt. Da jedoch das staatliche Arbeitss­chutzrecht (in diesem Falle die Betr­SichV) vor­rangig vor den DGUV Vorschriften anzuwen­den ist, soll­ten in Bezug auf die ange­sproch­ene Über­schnei­dung der Rechts­ge­bi­ete bei der Geräteprü­fung vorzugsweise die Begriffe „zur Prü­fung befähigte Per­son“ und „elek­trische Arbeitsmit­tel“ ver­wen­det wer­den. Je kom­plex­er ein Arbeitsmit­tel ist, desto größer wird die Wahrschein­lichkeit, dass nicht nur eine einzelne, son­dern ggf. mehrere befähigte Per­so­n­en mit unter­schiedlichen fach­lichen Aus­prä­gun­gen (zum Beispiel Elektro/Mechanik/Hydraulik/Pneumatik) mit der Durch­führung der Prü­fung zu beauf­tra­gen sind. Dies bed­ingt in der Folge allerd­ings auch die Abgren­zung der Prü­faufträge und Ver­ant­wortlichkeit­en untereinander.

Ein weit­eres wesentlich­es Unter­schei­dungskri­teri­um zwis­chen der DGUV Vorschrift 3/4 und der Betr­SichV beste­ht darin, dass nach der Betr­SichV die Fes­tle­gung der Prüf­frist durch den Arbeit­ge­ber und nicht durch die befähigte Per­son erfol­gt. Allerd­ings muss sich der Arbeit­ge­ber fachkundig berat­en lassen, wenn er selb­st nicht über die notwendi­gen Fachken­nt­nisse ver­fügt. Somit bewährt sich die Prax­is der DGUV Vorschrift 3/4, dass die prüfende Per­son auf­grund ihrer Erfahrung und der bei der Prü­fung fest­gestell­ten Befunde dem Arbeit­ge­ber Vorschläge für Prüf­fris­ten unterbreitet.

Prüfaufzeichnungen

Mythenum­woben ist let­ztlich auch die Frage, ob und wie Prüf­nach­weise zu führen sind. Kon­nten früher die zuständi­gen Unfal­lver­sicherungsträger noch selb­st fes­tle­gen, ob sie ein Prüf­buch fordern, ist diese Frage spätestens seit Ein­führung der Betr­SichV all­ge­me­ingültig gek­lärt. Gemäß § 14 Abs. 7 Betr­SichV hat der Arbeit­ge­ber dafür zu sor­gen, dass die Prü­faufze­ich­nun­gen min­destens über die Art der Prü­fung, den Prü­fum­fang und das Ergeb­nis der Prü­fung Auskun­ft geben. Die Prü­faufze­ich­nun­gen müssen zudem den Namen und die Unter­schrift der zur Prü­fung befähigten Per­son enthalten.

Für Arbeitsmit­tel, die an unter­schiedlichen Betrieb­sorten ver­wen­det wer­den (zum Beispiel auf Baustellen oder im Kun­den­di­enst), muss am Ein­sat­zort ein Nach­weis über die Durch­führung der let­zten Prü­fung vorge­hal­ten wer­den. Als erster Anscheins­be­weis eignet sich hier­für die all­ge­mein bekan­nte Prüf­plakette. Obwohl sie nicht grund­sät­zlich gefordert ist, lassen sich durch sie noch nicht geprüfte Geräte oder solche mit über­zo­gen­er Prüf­frist leicht iden­ti­fizieren. Als alleiniges Mit­tel zur Prüf­doku­men­ta­tion eignen sich Prüf­plaket­ten jedoch nicht, da zum Beispiel bei einem Brand nicht nur das Gerät, son­dern auch der Prüf­nach­weis zer­stört wer­den würde.

Fazit

Weil elek­trische Anla­gen und Betrieb­smit­tel ins­beson­dere in der heuti­gen Zeit für die Aufrechter­hal­tung des Betriebes ständig ver­füg­bar sein müssen, wer­den an die Rah­menbe­din­gun­gen für die schnelle und möglichst störungs­freie Durch­führbarkeit der Prü­fun­gen hohe Anforderun­gen gestellt, welche jedoch die Kom­pe­ten­zen des Prüf­per­son­als oft über­schre­it­en. Ziel sollte es daher sein, auf allen inner­be­trieblichen Ebe­nen die Vorbe­din­gun­gen für die schnelle und störungs­freie Durch­führbarkeit der Prü­fun­gen zu erfassen und entsprechende verbindliche Maß­nah­men abzus­tim­men. Nur so lassen sich sowohl die Belange der Sicher­heit als auch der Wirtschaftlichkeit vere­inen. Voraus­set­zung hier­für ist aber eine ver­trauensvolle Zusam­me­nar­beit der betrieblichen Führungsebene und des prüfend­en Fachpersonals.

Dieser Artikel ist dem „Vater der UVV „Elek­trische Anla­gen und Betrieb­smit­tel“, Her­rn Hans-Hein­rich Egyp­tien gewid­met, der im Novem­ber 2016 verstarb.


Eine Über­sicht typ­is­ch­er Prob­lem­stel­lun­gen sowie möglich­er Lösungsan­sätze im Zusam­men­hang mit elek­trotech­nis­chen Prü­fun­gen find­en Sie unter

http://hier.pro/xniE6


Schutz- und Hilfsmittel

Nicht sel­ten wird überse­hen, dass die DGUV Vorschrift 3/4 auch noch die Tabelle 1C mit Prüf­fris­ten für Schutz- und Hil­f­s­mit­tel zum sicheren Arbeit­en in elek­trischen Anla­gen enthält. Zu diesen zählen zum Beispiel isolierende Schutzbek­lei­dun­gen und Werkzeuge (weil sich zum Beispiel durch Alterung, Beschädi­gun­gen oder Ver­schmutzun­gen deren isolierende Eigen­schaften ver­schlechtern kön­nen) oder Mess- und Prüfgeräte (diese müssen zusät­zlich regelmäßig kalib­ri­ert wer­den). Zur Prü­fung gehört auch, ob die Ausstat­tung der elek­trischen Betrieb­sstät­ten voll­ständig ist beziehungsweise diese durch neue inzwis­chen notwendi­ge Bestandteile ergänzt wer­den muss.


Autor:

Dipl.-Ing. Rain­er Rottmann

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