Startseite » Sicherheitsingenieur »

PSA ist nicht alles, aber ohne PSA geht es auch nicht!

Auswahl und Einsatz von PSA – Praxisbeispiele aus Unternehmen aus Sifa-Sicht
PSA ist nicht alles, aber ohne PSA geht es auch nicht!

Active_one_american_football_player_isolated_on_white_background._Fit_caucasian_man_in_uniform_posing_over_studio_background._Human_emotions_and_facial_expressions_concept
Nicht nur American Football-Spieler müssen dick eingepackt sein, damit sie ohne Schaden nach Hause kommen. Foto: © master1305 – stock.adobe.com
Anzeige
Jede Fachkraft für Arbeitssicher­heit ken­nt die Prob­leme, wenn es um PSA geht. Neben der richti­gen Auswahl ist auch die Trageakzep­tanz von großer Bedeu­tung. Dabei hängt sog­ar bei­des voneinan­der ab.

Ziel jedes Akteurs im Arbeitss­chutz ist es, Gefahren­quellen mit dazuge­höri­gen Gefährdungs­fak­toren (schädi­gende Energie) so zu min­imieren, dass sie im Falle eines Zusam­men­tr­e­f­fens mit dem Men­schen zu keinen oder nur min­i­malen gesund­heitss­chädlichen Auswirkun­gen führen kön­nen. Gelingt das nicht, was sehr häu­fig der Fall ist, so sollte die Gefahren­quelle am Besten einges­per­rt wer­den, damit sie nicht mit dem Men­schen in Berührung kom­men kann. Diese Bar­riere kann direkt an der Gefahren­quelle, also dem Ort der gefährlichen Energie anset­zen (z.B. Ein­hausung, Schutzge­häuse) oder zuver­läs­sig den aus­re­ichen­den Abstand zwis­chen dem Ort/Energie und dem Men­schen sich­er­stellen (z.B. Lichtvorhang, ver­riegelte Schutztür, Annäherungssen­sor). Im let­zteren Fall kön­nen die Maß­nah­men tech­nol­o­gisch gelöst wer­den, aber auch organ­isatorisch – ver­hal­tens­be­zo­gene Aufen­thaltsver­bote wür­den die Dis­tanz sicherstellen.

Kann die „böse“ Energie doch noch näher an den Men­schen her­ankom­men, muss dieser „dick eingepackt“ wer­den, damit er ohne Schaden nach Hause kommt. Auf­grund der immer gerin­geren Dis­tanz zwis­chen der Quelle und dem Men­schen wird aber auch deut­lich, dass schon der ger­ing­ste Fehler schw­er­wiegende Auswirkun­gen haben kann.

Den­noch stellen wir in unseren Gefährdungs­beurteilun­gen ver­schiedentlich fest, dass es

  • Risiken gibt, die mit tech­nis­chen oder organ­isatorischen Maß­nah­men nicht immer reduzier­bar sind, z.B. Lärm auf einen Flughafen­vor­feld, heiße Ober­flächen in der Met­all­bear­beitung, etc.
  • Risiken gibt, bei denen die tech­nis­chen und organ­isatorischen Maß­nah­men noch flankiert wer­den müssen, um zwar unwahrschein­liche, aber nicht tolerier­bare Restrisiken zu min­imieren. Beispiel hierzu sind der Laborkit­tel und die Schutzbrille im chemis­chen Labor oder der Sicher­heitss­chuh auf ein­er Baustelle

Um diese Risiken abzudeck­en, muss mit Schutzaus­rüs­tung gear­beit­et wer­den, die von den Per­so­n­en selb­st getra­gen wer­den. Man spricht hier von von Per­sön­lich­er Schutzaus­rüs­tung (PSA), weil diese auf den Men­schen angepasst wer­den muss.

Zur Per­sön­lichen Schutzaus­rüs­tung gehört aber noch zusät­zlich die auswech­sel­baren Aus­rüs­tun­gen. Dazu zählen unter anderem Seku­ran­ten und andere Befes­ti­gungspunk­te für Per­sön­liche Schutzaus­rüs­tung gegen Absturz.

Das gesamte Schutzkonzept, das mit Hil­fe von Per­sön­lich­er Schutzaus­rüs­tung aufge­baut wird, sollte also funk­tion­ieren. Einen Nach­weis darüber muss der Arbeit­ge­ber plau­si­bel darüber erbrin­gen. In der Regel stellt das kein Prob­lem dar, wenn die Wirk­samkeit bekan­nt, die Unter­weisun­gen durchge­führt und das Tragev­er­hal­ten stich­punk­tar­tig kon­trol­liert wird.

Gefährdungsbeurteilung als Ausgangspunkt

Basis für die Fes­tle­gung der oben genan­nten Risiko-Lück­en ist – alles andere wäre ver­wun­der­lich – die Gefährdungs­beurteilung. Bei der Umset­zung sollte man jedoch berück­sichti­gen, dass die Per­son­alvertre­tung (Betrieb­srat, Per­son­al­rat oder Mitar­beit­er­vertre­tung) einzubeziehen ist. Lediglich bei ein­deuti­gen geset­zlichen Regelun­gen, bei denen kein Gestal­tungsspiel­raum beste­ht (z.B. Gehörschutz in Lärm­bere­ichen über 85 dB(A)) sind die Mit­spracherechte stark reduziert.

Bei der Auswahl der PSA soll­ten aber auch die Mitar­beit­er einge­bun­den wer­den. Spätere Prob­leme bei der Moti­va­tion zum Tragev­er­hal­ten lassen sich so reduzieren:

  • Vor Fes­tle­gung eines Pro­duk­ts soll­ten Tragev­er­suche erfolgen
  • Gegebe­nen­falls soll­ten ger­ade bei Pass­for­men mit wenig Spiel­raum mehrere Pro­duk­te zur Auswahl stehen
  • Indi­vidu­ell angepasste Schutzaus­rüs­tung erhöht die „Für­sorge“ für die eigene Schutzaus­rüs­tung. Dazu gehören unter anderem Oto­plas­tiken oder optisch kor­rigierte Schutzbrillen
  • Gle­ich­er Effekt trifft auf per­sön­lich zuge­ord­nete Schutzaus­rüs­tung zu (z.B. Helm mit Namen).

Gle­ichzeit­ig kann durch ein­heitliche Far­bge­bung ein Iden­titäts­ge­fühl mit dem Unternehmen geschaf­fen wer­den. Das gilt bei Hil­f­sor­gan­i­sa­tio­nen genau­so wie auf der Baustelle oder beim Handwerksbetrieb.

Wichtig ist allerd­ings auch, keine überdi­men­sion­ierte Schutzaus­rüs­tung festzule­gen – die Akzep­tanz und damit die Wirk­samkeit würde darunter leiden.

Reinigung und Pflege

Auch die beste Schutzaus­rüs­tung ist nicht immer neu. Die Pflege und die Wartung der Per­sön­lichen Schutzaus­rüs­tung gehört zu den Auf­gaben des Arbeit­ge­bers (§ 2, Abs. 4 PSA-Benutzungsverordnung)

Hier stellen sich sofort drei Fragen:

  • Wie lange ist die „gesamte Benutzungsdauer“?
  • Wie schaut eine „Wartung“ aus?
  • Wer darf eine „Reparatur“ durchführen?

Zu ersterem kann meist der Her­steller Antwort geben. Selb­st wenn mit Wartung nur eine Reini­gung gemeint ist, ist noch lange nicht gesagt, wie gere­inigt wer­den muss. Und wie eine Reparatur durchge­führt wer­den muss, damit die Schutz­funk­tion erhal­ten bleibt, ist Sache eines Fachexperten.

Bei Ein­weg­pro­duk­ten (Gehörss­chutzstöpsel, Ein­weghand­schuhe) ist das ein­fach. Beim Chemikalien­schutzhand­schuh wird es schon schwieriger, gilt es doch Per­me­ations- und Pen­e­tra­tionsver­hal­ten zu bew­erten. Bei Wartun­gen und Repara­turen (z.B. bei umluftun­ab­hängigem Atem­schutz, Ret­tungs­geschirren gegen Absturz, etc.) sind Her­stellerangaben (z.B. Pflegean­leitun­gen, Ersatzteil­vor­gaben, etc.) zwin­gend zu beachten.

Die wichti­gen Infor­ma­tio­nen aus diesen Über­legun­gen soll­ten eben­falls in der Gefährdungs­beurteilung aufgenom­men und im Rah­men der Unter­weisun­gen ver­mit­telt werden.


Foto: © HFU

Autor: Prof. Dr. Arno Weber
Fachkraft für Arbeitssicherheit,

Pro­fes­sor an der Hochschule Furtwangen,

Fakultät Gesund­heit, Sicher­heit, Gesellschaft
Email: weba@hs-furtwangen.de
www.hs-furtwangen.de

Anzeige
Newsletter

Jet­zt unseren Newslet­ter abonnieren

Gewinnspiel
Meistgelesen
Jobs
Sicherheitsbeauftragter
Titelbild Sicherheitsbeauftragter 6
Ausgabe
6.2021
ABO
Sicherheitsingenieur
Titelbild Sicherheitsingenieur 5
Ausgabe
5.2021
ABO
Anzeige

Industrie.de Infoservice
Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de