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Absturzsicherung

Sicher­heit ganz oben

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Mehr als ein Vier­tel der von 2009 bis 2016 durch die Bundes­an­stalt für Arbeits­schutz und Arbeits­me­di­zin erfass­ten tödli­chen Arbeits­un­fälle sind Abstur­zun­fälle. Der folgende Anwen­der­be­richt beschreibt Lösun­gen, die ein global agie­ren­der Konzern und ein west­fä­li­sches Fami­li­en­un­ter­neh­men gefun­den haben.

Auf seiner Webseite bekennt sich Arcelor­Mit­tal zu dem Sprich­wort „Mens sana in corpore sano“ – ein gesun­der Geist in einem gesun­den Körper. Die Sicher­heit und Gesund­heit der Beschäf­tig­ten wird bei dem welt­weit größ­ten Stahl­ko­cher nicht nur als soziale Verpflich­tung, sondern auch als wirt­schaft­li­che Notwen­dig­keit wahr­ge­nom­men. „Inner­halb des Konzerns ist es bei Dach­ar­bei­ten immer wieder zu schwe­ren Unfäl­len gekom­men“, sagt Jürgen Letschert, Betriebs­lei­ter der Arcelor­Mit­tal Auto Proces­sing Deutsch­land GmbH in Neuwied und Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit. Das führte unter­neh­mens­über­grei­fend zu dem Verbot, unge­si­chert Arbei­ten am Dach vorzu­neh­men.

Jeder Unfall ist vermeid­bar

Der Herstel­ler von Stahl für die Bau‐, Automobil‐, Verpackungs‐ und Haus­halts­wa­ren­in­dus­trie hält jeden Unfall grund­sätz­lich für vermeid­bar. „Hier in Neuwied haben wir ein Flach­dach von 28.000 Quadrat­me­tern“, schil­dert Jürgen Letschert die Situa­tion vor Ort. „Wir arbei­ten dort nicht, aber es muss jähr­lich die Rauch‐ und Wärme­ab­zugs­an­lage geprüft werden. Auch wenn die Dach­fo­lie undicht ist, muss jemand hoch, um den Scha­den zu behe­ben. Die Dach­rinne muss gerei­nigt werden und außer­dem kommt der Schorn­stein­fe­ger für Messun­gen.“ Erste Über­le­gun­gen führ­ten dazu, dass man bei Nässe nicht mehr aufs Dach stei­gen durfte. „Doch so waren wir zu wetter­ab­hän­gig.“

Um Seku­ran­ten für eine Absturz­si­che­rung anzu­brin­gen, hätte man erst die Dach­fo­lie aufschnei­den müssen. „Das wäre viel zu aufwän­dig und kosten­in­ten­siv gewe­sen“, so Letschert. Eigent­lich gab es nur eine Lösung, und die fand der Betriebs­lei­ter im Inter­net: Ein frei­ste­hen­des Gelän­der rund ums Dach zum kollek­ti­ven Schutz. Die Firma Kee Safety hatte das entspre­chende Ange­bot. Wenige Wochen später war das fast ein Kilo­me­ter lange Gelän­der an der Dach­kante aufge­baut. Die eigent­li­che Instal­la­tion dauerte nur vier Tage. Türen werden nicht benö­tigt, weil der Aufstieg von innen erfolgt.

Ausblick mit gutem Gefühl

Ange­bo­ten wurde diese frei­ste­hende Absturz­si­che­rung als Alter­na­tive für fest montierte Systeme. Sie erfüllt alle recht­li­chen Anfor­de­run­gen und wird ohne Schweiß­ar­bei­ten, Veran­ke­run­gen und Bohr­lö­cher aufge­baut. Die Dach­mem­brane bleibt unbe­schä­digt. Die Halte­rung und Fixie­rung erfolgt durch Gegen­ge­wichte, unter die zum Schutz der Dach­fo­lie Matten gelegt werden.

Für diese Art der Absturz­si­che­rung bedarf es keiner Schu­lung oder Unter­wei­sung: „Sie gibt einem bereits beim Betre­ten des Daches ein siche­res Gefühl, das man auch nicht verliert, wenn man mal an die Dach­kante geht. Das bestä­tigt uns jeder, der das Dach bis heute betre­ten hat“, so Letschert. Die nöti­gen Arbei­ten auf dem Dach neben den Licht­kup­peln werden mit einem eige­nen mobi­len Individual‐System ausge­führt, an dem sich die Beschäf­tig­ten direkt mit ihrer PSA gegen Absturz (PSAgA) anschla­gen können. „Wenn man so nur einen Unfall verhin­dern kann, dann hat sich die Inves­ti­tion auf jeden Fall gelohnt“, hebt Jürgen Letschert hervor.

Null‐Unfall‐Kultur für
35.000 Mitar­bei­ter

Auch für die West­fä­li­schen Lebens­mit­tel­werke Linde­mann GmbH & Co. KG ist es selbst­ver­ständ­lich, sich nach­hal­tig für die Sicher­heit der rund 150 Beschäf­tig­ten einzu­set­zen. Das Unter­neh­men belie­fert seit über 100 Jahren Back­hand­werk und Indus­trie mit Marga­rine, Fetten, Ölen und Trocken­back­mi­schun­gen und wurde von der Bunge Gruppe über­nom­men. Ausdrück­li­ches Ziel der Gruppe ist eine Null‐Unfall‐Kultur für die welt­weit 35.000 Mitar­bei­ter in 40 Ländern. „Keine Tätig­keit ist so wich­tig oder drin­gend, dass sie nicht auch sicher durch­ge­führt werden kann“, erklärt das Unter­neh­men auf seiner Webseite.

Dass dieses Sicher­heits­prin­zip auch gelebt wird, zeigte sich schon kurz nach der Über­nahme von Linde­mann. „Wir waren im Bereich Arbeits­si­cher­heit schon vorher sehr gut aufge­stellt“, sagt Björn Strahl, der sich bei der Inte­gra­tion von Bunge und Linde­mann in Voll­zeit für die Arbeits­si­cher­heit einsetzt. Verbes­se­rungs­be­darf wurde aller­dings bei den Dächern fest­ge­stellt. Hier­bei wurden alle Flach‐ und Kuppel­dä­cher bewer­tet. Bislang gab es noch keinen Kollek­tiv­schutz für Beschäf­tigte, die sich auf den acht Flach­dä­chern des Firmen­sit­zes im ostwest­fä­li­schen Bünde um die Wartung, Reini­gung und Repa­ra­tur von Aggre­ga­ten, Feuer­schutz und Rauch­ab­zugs­kup­peln kümmern. Bestimmte Aggre­gate müssen täglich kontrol­liert und gewar­tet werden.

Auch der Bunge‐Konzern, der alle vier deut­schen Stand­orte in Bünde, Hilter, Neuss und Mann­heim mit Absturz­si­che­run­gen auf den Flach­dä­chern ausrüs­ten wollte, holte Kee Safety ins Boot. Die meis­ten Dächer der vier Stand­orte sind nun über abge­schlos­sene Stei­glei­tern mit Rücken­schutz zu errei­chen. An den Aufstie­gen gibt es jeweils eine selbst­schlie­ßende Tür (Kee Gate). Auf dem Kuppel­dach wurde das Life‐Line‐System des Herstel­lers instal­liert. Es ermög­licht zwei Perso­nen, Wartungs­ar­bei­ten an Rauch­ab­zü­gen vorzu­neh­men, ohne sich umschla­gen zu müssen. „Die Gelän­der sind schon von weitem sicht­bar und werden sehr posi­tiv wahr­ge­nom­men“, resü­miert Björn Strahl.


Drei Fragen an …

… Sven Hess, Geschäfts­füh­rer Kee Safety.

Herr Hess, in welchen Bran­chen bieten Sie Lösun­gen an?

Vor allem in Industrie‐, Handwerks‐ und Monta­ge­be­trie­ben, dem tech­ni­schen Groß­han­del sowie dem Stahl­bau. Planer, Archi­tek­ten und Bauin­ge­nieure setzen unsere Sicher­heits­lö­sun­gen eben­falls ein.

Gibt es indi­vi­du­elle Lösun­gen?

Jede Lösung und jedes System wird indi­vi­du­ell zusam­men­ge­stellt, basiert aber auf modu­la­ren Bautei­len, nämlich den Rohr­ver­bin­dern. Sie ermög­li­chen auch die Konstruk­tion ande­rer Module wie unse­rer selbst­schlie­ßen­den Sicher­heits­tür.

Welche Rolle spielt die Wartung?
Beim Kollek­tiv­schutz entfällt vom Gesetz­ge­ber eine jähr­li­che Wartung, wie sie beispiels­weise bei Seil­sys­te­men Pflicht ist. Aller­dings empfeh­len wir eine jähr­li­che Sicht­prü­fung durch eine fach­kun­dige Person.


Unter­neh­men im Porträt

Arcelor­Mit­tal ist ein inter­na­tio­na­les Stahl‐ und Berg­bau­un­ter­neh­men (Produk­ti­ons­vo­lu­men circa 95 Millio­nen Tonnen Rohstahl) mit Sitz in Luxem­burg. Von den rund 200.000 Beschäf­tig­ten arbei­ten 8.000 in Deutsch­land an insge­samt vier Stand­or­ten mit Rohstahl­er­zeu­gung sowie in 28 Stahlservice‐Centern bezie­hungs­weise an Stand­or­ten im Stahl­han­del.

Linde­mann versteht sich als führen­des Produk­ti­ons­un­ter­neh­men für die Back­bran­che, Gastro­no­mie und Indus­trie. Das Unter­neh­men gehört zur Bunge‐Gruppe, einem der welt­weit größ­ten Handels‐ und Verar­bei­tungs­un­ter­neh­men in der Agrar‐ und Lebens­mit­tel­pro­duk­tion mit Firmen­sitz in New York.

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