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Arbeiten auf Dächern

Sicher­heit on top

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Ein gefähr­li­cher Arbeits­platz sind Dächer. Welche Sicher­heits­vor­keh­run­gen nötig sind, wenn auf ihnen gear­bei­tet wird – und worauf Sicher­heits­in­ge­nieure dabei achten soll­ten, klärt unser Beitrag von Marie‐Claire Schu­mann, zustän­dig für Health & Safety beim Unter­neh­men Aperam Services & Solu­ti­ons – einem der größ­ten Herstel­ler von rost­freiem Stahl und Blech.

Im März 2015 kam es bei einer fran­zö­si­schen Nieder­las­sung des Welt­kon­zerns Aperam zu einem schwe­ren Unfall. Während der Sanie­rung eines Daches stürzte einer der beiden Dach­de­cker durch eine Öffnung im Dach. Zum Glück trug er seinen Auffang­gurt, so dass er den Unfall über­lebte.

Kurz darauf erhielt Aperam einen Bericht von einem welt­weit führen­den Stahl­kon­zern über die Gefähr­lich­keit von Arbei­ten auf Dächern. Zwischen 2006 und Juli 2015 sind dort 15 Perso­nen von Dächern tödlich abge­stürzt.

Dach­ar­bei­ten sind häufig nötig

Diese Erkennt­nisse sowie weitere Unfall­mel­dun­gen veran­lass­ten Aperam Germany in seiner Nieder­las­sung in Sers­heim (Baden‐Württemberg) das Thema „Arbei­ten auf Hallen­dä­chern“ genauer
zu betrach­ten.

Verteilt in zwei Produk­ti­ons­hal­len mit insge­samt ca. 24.000m² Hallen­flä­che werden dort Querteil‐ und Spalt­an­la­gen betrie­ben. Mehr­mals jähr­lich müssen auf den Hallen­dä­chern Klima­an­la­gen und Rauch‐ und Wärme­ab­zugs­an­la­gen (RWA) gewar­tet, Montage und Repa­ra­tur­ar­bei­ten sowie Dach­de­cker­ar­bei­ten durch­ge­führt und Regen­rin­nen gerei­nigt werden.

Absturz­ri­siko wird oft unter­schätzt

Die Gefahr des Stür­zens oder Abstür­zens hat ganz verschie­dene Ursa­chen:

  • Stolper‐ oder Rutsch­ge­fahr, zum Beispiel beim Bege­hen eines Dach­pro­fil­ble­ches
  • Dach­kan­ten
  • vorhan­dene Licht­bän­der
  • weitere nicht durch­tritt­si­chere Berei­che
  • fehlende Absturz­si­che­rung
  • die Nicht‐ oder Falsch­ver­wen­dung der persön­li­chen Schutz­aus­rüs­tung gegen Absturz.

Ein häufi­ges Problem ist: Viele Arbei­ter nutzen exis­tie­rende Persön­li­che Schutz­aus­rüs­tung (PSA) gegen Absturz nicht. Als Gründe hier­für werden oft der beschränkte Bewe­gungs­frei­raum und der erhöhte Zeit­auf­wand für das Anle­gen der Ausrüs­tung ange­führt.

Ein weite­rer poten­zi­el­ler Gefah­ren­punkt auf dem Dach stel­len unge­si­cherte tritt­si­chere Licht­kup­peln dar. Denn selbst tritt­si­chere Licht­kup­peln können bereits wenige Monate nach der Montage ihre Schutz­funk­tion durch das Einwir­ken von Wind, Wetter und UV‐Licht verlie­ren.

Das Ziel: Mehr Schutz möglich machen

Das Ziel des Aperam‐Projekts war es, jeden in den Werken Täti­gen besser zu schüt­zen – eigene Mitar­bei­ter sowie Fremd­fir­men­mit­ar­bei­ter – und somit schwere Unfälle mitsamt ihren Konse­quen­zen zu vermei­den. Anhand von

  • Gesprä­chen,
  • mehre­ren Bege­hun­gen auf den Dächern,
  • dem Austausch mit Exper­ten wie von der Berufs­ge­nos­sen­schaft Handel und Waren­lo­gis­tik (BGHW), Kolle­gen und ande­ren Stand­or­ten des Aperam‐Konzerns sowie der
  • Lektüre diver­ser rele­van­ter Gesetze, Regeln, Vorschrif­ten und Normen

wurde eine Analyse der IST‐Situation durch­ge­führt. Anschlie­ßend folgte die Erstel­lung einer Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung unter Mitwir­kung von Teil­neh­mern des Arbeits­si­cher­heits­aus­schus­ses. Hier­bei ergab sich, dass Hand­lungs­be­darf besteht.

Geeig­nete Lösungs­mög­lich­kei­ten für ein siche­res und gesund­heits­ge­rech­tes Arbeits­sys­tem wurden gesucht. Bauli­che und tech­ni­sche Maßnah­men (= kollek­tive Maßnah­men) hatten Vorrang vor orga­ni­sa­to­ri­schen und indi­vi­du­el­len Schutz­maß­nah­men.

Für die Samm­lung von Lösungs­ideen wurden folgende Mittel und Metho­den verwen­det:

  • Good prac­tices“ aus ande­ren Stand­or­ten des Konzerns und im Inter­net
  • Austausch im Rahmen eines Work­shops
  • Gesprä­che mit Exper­ten, Rück­spra­che mit den Betei­lig­ten
  • Empfeh­lung von außer­be­trieb­li­chen Insti­tu­tio­nen (zum Beispiel die BGHW)

Gemein­sam mit den Verant­wort­li­chen (Stand­ort­lei­ter und Instand­hal­tungs­lei­ter) und der Betei­li­gung von Fach­ex­per­ten (Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit, Dach­de­cker, Sicherheits‐ und Brand­schutz­be­auf­trag­ten) wurden nun die entspre­chen­den Lösungs­an­sätze entwi­ckelt.

Klare Rege­lun­gen schaf­fen Sicher­heit

Konsens nach der Unter­su­chung ist: Wie die Unfall­be­richte des Konzerns zeigen, sind Arbei­ten auf Dächern gefähr­lich. Das Einrich­ten einer Absturz­si­che­rung ist notwen­dig und gesetz­lich verpflich­tend. Diese Siche­rung soll den Sturz einer Person vom Dach oder durch eine Dach­öff­nung verhin­dern.

Eine Reihe von Rege­lun­gen ergibt sich aus diesem Konsens:

  1. Verkehrs­wege müssen mehr als zwei Meter von der Absturz­kante entfernt liegen und der Gefah­ren­be­reich muss deut­lich und dauer­haft – beispiels­weise mit einer Kette – abge­sperrt sein. Als Gefah­ren­be­reich wird der Bereich ab zwei Metern zur Absturz­kante bezeich­net. In diesem Bereich dürfen Arbei­ten nur durch geschulte Mitar­bei­ter in gesi­cher­tem Zustand ausge­führt werden. Dieser Bereich kann über ein orts­fes­tes oder mobi­les Gelän­der gesi­chert werden oder der Mitar­bei­ter verfügt über eine Schutz­aus­rüs­tung und ist über ein Seil an einer Anschlag­ein­rich­tung gegen Absturz gesi­chert.
  2. Im Bereich der Decken­öff­nun­gen wie Licht­kup­peln und Licht­bän­dern sind eben­falls Maßnah­men gegen Absturz und Durch­sturz erfor­der­lich: Entwe­der durch eine Siche­rung mit Seilen, seit­li­che Gelän­der um die Öffnun­gen oder durch in die Ober­lich­ter inte­grierte Schutz­maß­nah­men, wie Unter­span­nun­gen aus Netzen und Gitter oder Metall­ab­de­ckun­gen.
  3. Indi­vi­du­elle Schutz­maß­nah­men sollen ange­wandt werden, wenn keine Absturz­si­che­run­gen oder Auffang­ein­rich­tun­gen aus betriebs­tech­ni­schen Grün­den möglich sind und nur für kurz­zei­tige Dach­ar­bei­ten ausge­führt werden, bei denen der Gesamt­um­fang der Arbei­ten nicht mehr als 2‐Personentage umfasst.
  4. In Anbe­tracht der Tatsa­che, dass einer der Haupt­fak­to­ren für schwere Unfälle bei Arbei­ten in der Höhe der Falsch‐ oder der Nicht­ge­brauch von persön­li­cher Schutz­aus­rüs­tung gegen Absturz ist, hat Aperam beschlos­sen, den kollek­ti­ven Schutz zu fördern und den Einsatz des indi­vi­du­el­len Schut­zes zu mini­mie­ren. Das Unter­neh­men entwi­ckelte deshalb ein praxis­ori­en­tier­tes, detail­rei­ches Konzept mit tech­ni­schen Schutz­maß­nah­men. Das Konzept beinhal­tet verschie­dene bauli­che Maßnah­men (siehe Abbil­dun­gen 1 bis 4), die sich über einen Zeit­raum von drei Jahren erstre­cken. Die Konzern­spitze geneh­migte eine Gesamt­in­ves­ti­tion von fast einer halben Millio­nen Euro allein für den Stand­ort Sers­heim für die Präven­ti­ons­maß­nahme zur Verbes­se­rung der Arbeits­si­cher­heit auf Dächern.

Präven­ti­ons­preis als Aner­ken­nung

Marie‐Claire Schu­mann, zustän­dig für Health & Safety bei Aperam: „Die Gesund­heit und die Sicher­heit der Mitar­bei­ter steht bei Aperam an erster Stelle. Dass das nicht nur ein Lippen­be­kennt­nis ist, erkennt man an der Bereit­schaft, auch in Präven­ti­ons­maß­nah­men viel Geld zu inves­tie­ren.”

Das Markt­um­feld in unse­rer Bran­che ist sicher nicht immer einfach,” so Sascha Klömp­ges, Geschäfts­füh­rer bei Aperam in Deutsch­land, „wir setzen trotz­dem unsere oberste Prio­ri­tät bei dem Schutz der Menschen, die mit uns arbei­ten.“

Und das wird auch öffent­lich aner­kannt: Das Unter­neh­men Aperam erhielt für seine Arbeit den Präven­ti­ons­preis 2016 der BGHW für ihr Projekt „Siche­res Arbei­ten auf Hallen­dä­chern“.


Autorin: Marie‐Claire Schu­mann 
Aperam Services & Solu­ti­ons
Health & Safety Mana­ger

Foto: © APERAM
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