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Smart, vernetzt und mehr als nur Augen‑, Gehör- oder Fußschutz

Die PSA der Zukunft
Smart, vernetzt und mehr als nur Augen‑, Gehör- oder Fußschutz

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§ 4 All­ge­meine Grund­sätze … … 5. indi­vidu­elle Schutz­maß­nah­men sind nachrangig zu anderen Maßnahmende.kim.content.generate.input.Fnote@33b66214 – so ver­langt es das Arbeitss­chutzge­setz (Arb­SchG) und diese Forderung ist – wie auch alle anderen Bes­tim­mungen des Geset­zes – nicht ver­han­del- oder inter­pretier­bar. Den­noch sind Per­sön­liche Schutzaus­rüs­tun­gen (PSA) heute all­ge­gen­wär­tig und wed­er aus dem beru­flichen noch aus dem pri­vat­en Umfeld wegzu­denken. Was kön­nen wir zukün­ftig in Sachen PSA erwarten?

Für viele Bere­iche gibt es zur PSA (noch) keine Alter­na­tive. Denken wir an den Indus­tri­eschutzhelm oder S3-Sicher­heitss­chuhe auf Baustellen, die Schutzk­lei­dung und Press­luftat­mer für Feuer­wehrleute oder an die Warn­klei­dung der Polizei im öffentlichen Straßen­verkehr. Bere­its durch die ein­fache Frage der Betrof­fe­nen „Und wer bezahlt´s?“ erfahren wir in der Regel schon, dass im konkreten Fall

  1. die PSA, über die ger­ade disku­tiert wird, im beru­flichen Bere­ich einge­set­zt wer­den soll und
  2. dass es wohl vorder­gründig um die lästige Pflicht geht, PSA zu benutzen und nicht darum, sich zu schützen, wo höher­w­er­tige Maß­nah­men nicht umset­zbar sind.

So selb­stver­ständlich, wie es eine der Arbeit­ge­berpflicht­en ist, notwendi­ge geeignete PSA für die Beschäftigten zur Ver­fü­gung zu stellen, zeigt die Erfahrung auch, dass im pri­vat­en Umfeld das Beste oft ger­ade gut genug ist, wenn es darum geht, sich in der Freizeit – also im pri­vat­en Umfeld – zu schützen. Eine Chance, die es zu nutzen gilt.

Sicher – rund um die Uhr

Sie begeg­nen uns immer wieder und zwis­chen­zeitlich auch fast über­all im täglichen Leben – Rad­fahrer mit Fahrrad­helm und Warn­weste, Ski­fahrer mit Helm und Skib­rille, Inline-Skater mit Helm und Pro­tek­toren, Hob­bygärt­ner mit Schutzhand­schuhen. Diese Aufzäh­lung ließe sich prob­lem­los fort­set­zen. Und das Beson­dere: In kein­er Vorschrift und in keinem Gesetz gibt es hier­für eine Pflicht. Es sind Men­schen, die zumeist in ihrem pri­vat­en Umfeld für sich entsch­ieden haben, sich oder auch ihre Kinder durch die Benutzung von PSA zu schützen. Was hier schein­bar prob­lem­los funk­tion­iert, bere­it­et uns im betrieblichen All­t­ag oft Kopfzer­brechen und stellt uns vor schein­bar unüber­wind­bare Hürden.

Fol­gerichtig fra­gen wir uns: „Warum ist das so?“ und „Was müssen wir im betrieblichen Kon­text ändern, um das zu erre­ichen, was im Pri­vat­en ganz selb­stver­ständlich scheint?“. Die Grun­didee ein­er Lösung fokussiert in zwei Haup­trich­tun­gen. Die größere der bei­den Her­aus­forderun­gen ver­birgt sich hin­ter dem Begriff Ver­hal­tenspräven­tion und damit der Auflö­sung der gedanklichen Schranken zwis­chen pri­vat­en und einem beru­flichen Schutzbedürf­nis der Men­schen. Sicher­heit und Gesund­heit müssen in den Köpfen der Men­schen so selb­stver­ständlich sein, wie Essen, Trinken und Schlafen. Genau hier greift die zweite Kom­po­nente, die ganz beson­ders in beru­flichen Zusam­men­hang zu betra­cht­en ist und sich hin­ter der Frage ver­birgt: „Sieht mein Chef das genau­so, oder stellt er mir nur PSA zur Ver­fü­gung, weil es im Gesetz gefordert – Haupt­sache irgen­det­was und Haupt­sache bil­lig?“ Bekan­nt ist, dass man beispiel­sweise in den skan­di­navis­chen Län­dern hier deut­lich weit­er ist. So gilt es als Selb­stver­ständ­nis unter allen Beteiligten, dass gute PSA bere­it­gestellt und diese auch bes­tim­mungs­gemäß benutzt wird.

PSA der Zukunft

Per­sön­liche Schutzaus­rüs­tun­gen sind heute und auch auf mit­tlere Sicht aus unserem Leben nicht wegzu­denken. Wenn wir deren Akzep­tanz ganz beson­ders im beru­flichen Kon­text erhöhen wollen, müssen wir den Weg der let­zten zwanzig Jahre kon­se­quent weit­er­ver­fol­gen und den Mehrw­ert der PSA noch sicht­bar­er machen als bish­er und deren Kom­fort weit­er erhöhen. Arbeit­en und Indus­trie 4.0 zeigen bere­its heute die Rich­tung notwendi­ger Entwick­lun­gen. Die PSA der Zukun­ft wird intel­li­gent ver­net­zt sein (smart ppe), mit anderen Sys­te­men inter­agieren und so nicht nur ein deut­lich erhöht­es Schutzniveau erre­ichen (kön­nen), son­dern auch notwendi­ge Infor­ma­tio­nen ort- und zeit­gerecht bere­it­stellen. Bere­its seit eini­gen Jahren ist es möglich, über Sen­soren in der PSA unter anderem die Vital­funk­tio­nen von Feuer­wehrleuten bei der Brand­bekämp­fung zu überwachen, um Belas­tungs­gren­zen zu erken­nen und im Not­fall ein­greifen zu kön­nen. Andere Sys­teme verknüpfen PSA mit Annäherungssen­soren bei kol­la­bori­eren­den Men­sch-Mas­chine-Sys­te­men in der Pro­duk­tion. Eine Vielzahl von Lösun­gen ist bere­its auf dem Markt ver­füg­bar, und den­noch ste­hen wir erst am Anfang ein­er Entwicklung.

Auch für den Ein­satz von selb­st­fahren­den Arbeits­maschi­nen auf Baustellen arbeit­et man bere­its inten­siv an Lösun­gen, um einen im Arbeit­sprozess notwendi­gen Aufen­thalt von Beschäftigten im Gefahren­bere­ich sich­er zu gestal­ten. Aktuelle Lösungsan­sätze bauen auf eine sin­nvolle Verknüp­fung von Zutrittskon­trollen über PSA-getra­gene Sen­soren und deren Inter­ak­tion mit Sen­soren an den Maschi­nen, die aktiv in die Maschi­nen­s­teuerung ein­greifen. Die Her­aus­forderung hier­bei ist die Def­i­n­i­tion und Nor­mung von Per­for­mance-Lev­eln, die den Unter­schied zukün­ftiger Lösun­gen zu bere­its ver­füg­baren Assis­ten­zsys­te­men aus­machen. Sich­er kann man mit dem Blick in die Zukun­ft Par­al­le­len zur Entwick­lung unser­er heuti­gen Smart­phones ziehen. Vor etwa 30 Jahren wur­den Mobil­tele­fone für den Massen­markt erschwinglich und kaum jemand hat erah­nen kön­nen, dass uns mit dem Hochleis­tungsrech­n­er in unseren Hosen‑, Jack­en- und Hand­taschen heute die Welt zu Füßen liegt – ach ja: und tele­fonieren kann man mit diesem „Ding“ übri­gens auch noch.

Fazit

Die Her­aus­forderun­gen auf diesem Weg sind groß. Denken wir hier­bei an die Nor­mung oder an die Prü­fung und Zer­ti­fizierung, aber auch an die Dat­en und Manip­u­la­tion­ssicher­heit der Sys­teme. Die Exper­tin­nen und Experten arbeit­en inten­siv daran, die sich daraus ergeben­den kom­plex­en Anforderun­gen zu sys­tem­a­tisieren und Lösungsan­sätze zu entwick­eln und abzus­tim­men, die den Erfordernissen an sichere PSA in ein­er glob­al­isierten Welt gerecht wer­den. Für diese Lösun­gen müssen wir alle bere­it sein umzu­denken und gewohnte Wege zu verlassen.

1 Arbeitss­chutzge­setz vom 7. August 1996 (BGBl. I
S. 1246), das zulet­zt durch Artikel 113 des Geset­zes vom 20. Novem­ber 2019 (BGBl. I S. 1626) geän­dert wor­den ist


Foto: S. Taheri, Hannover

Autor: Prof. Frank Werner

Leit­er des Fachbereichs

Per­sön­liche Schutzausrüstungen
der Deutschen Gesetzlichen
Unfal­lver­sicherung (DGUV),
stel­lv. Hauptabteilungsleiter
Präven­tion der BG BAU

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