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PSA für Mitarbeiter auswählen

PSA-Management im Betrieb
So wählen Unter­neh­men die PSA für ihre Mitar­bei­ter aus

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Wenn Persön­li­che Schutz­aus­rüs­tun­gen (PSA) im Betrieb veral­tet ist oder keinen opti­ma­len Schutz mehr bietet, dann wird sie ausge­mus­tert. Wie und wer aber entschei­det im Unter­neh­men über die Auswahl neuer PSA? Auskunft gibt der Indus­trie­dienst­leis­ter YNCORIS (ehemals Infra­Serv Knap­sack).

Im Früh­jahr 2014 brachen im Chemie­park Knap­sack gera­dezu „galak­ti­sche“ Zeiten an. Denn die Werk­feu­er­wehr des 180 Hektar großen Indus­trie­parks in Hürth bei Köln brachte erst­mals ihre neue Schutz­aus­rüs­tung zum Einsatz – und mit der wirk­ten die Brand­be­kämp­fer auf den ersten Blick wie Astro­nau­ten auf Heimat­ur­laub im Rhein­land. Dieser Eindruck entstand vor allem aufgrund der unge­wohn­ten Farbe der Anzüge, denn diese waren nun nicht mehr wie vorher dunkel­blau, sondern beige. Tatsa­che aber ist, dass die neuen Schutz­an­züge tatsäch­lich einen direk­ten Bezug zur Astro­nau­tik haben. Denn ihr Ober­ma­te­rial besteht aus PBO (Handels­name: Zylon), ein Stoff, der ursprüng­lich für die NASA entwi­ckelt wurde, um in den 1960er-Jahren die Apollo-Astronauten vor den Gefähr­dun­gen im Welt­all­raum zu schüt­zen.

Das Mate­rial ist mecha­nisch und ther­misch stark belast­bar und gleich­zei­tig extrem leicht und lang­le­big. Die Schutz­aus­rüs­tung wider­steht einer direk­ten Beflam­mung mit einer Tempe­ra­tur von mehr als 800 Grad Celsius. Weiter­hin ist das Gewebe wider­stands­fä­hig gegen viele Arten von Chemi­ka­lien, auch gegen Säuren oder Laugen. Rund­herum entspricht die Schutz­klei­dung allen Anfor­de­run­gen, die bei Brand- und ande­ren Gefähr­dungs­sze­na­rien in einem Chemie­park auftre­ten können.

Arbeits­kreis prüft

Der Indus­trie­dienst­leis­ter YNCORIS trägt als Betrei­ber des Chemie­parks Knap­sack die Verant­wor­tung für die Ausstat­tung der Werk­feu­er­wehr und damit auch die Anschaf­fung der neuen Schutz­aus­rüs­tung vor fünf Jahren. Nach­dem ein Groß­teil der dunkel­blauen Nomex-Schutzausrüstung damals nach mehr als zehn Jahren im Einsatz deut­li­che Gebrauchs­spu­ren zeigte und auch die Einsatz­dauer laut Herstel­ler­emp­feh­lung erreicht wurde, war es an der Zeit, sie auszu­mus­tern. Dadurch änderte sich nicht nur wie eingangs beschrie­ben das Erschei­nungs­bild der Kolle­gen der Werk­feu­er­wehr. Die neue Schutz­klei­dung ist zudem an die höchs­ten Sicher­heits­stan­dards ange­passt und viel leich­ter als die seiner­zeit ausge­mus­terte Ausrüs­tung.

Ein Arbeits­kreis, bestehend aus Mitglie­dern der Werk­feu­er­wehr, hatte im Vorfeld der Anschaf­fung 2014 viele Aufga­ben zu erle­di­gen. Denn es gab für die viel­fäl­ti­gen Einsatz­be­din­gun­gen im Feuer­wehr­dienst entspre­chende Anfor­de­run­gen an die Schutz­wir­kung bezüg­lich Hitze, Stich­flam­men, Nässe etc. zu berück­sich­ti­gen. Darüber hinaus hatte die Klei­dung den Anfor­de­run­gen an die Sicht­bar­keit im Verkehrs­raum zu genü­gen. Also muss­ten alle Vorschrif­ten und euro­päi­sche Richt­li­nien gesich­tet und Muster von verschie­de­nen Herstel­lern bestellt, Quali­tä­ten und Preise vergli­chen sowie Trage­ver­su­che durch­ge­führt werden.

Die Beschaf­fung von PSA in Unter­neh­men ist also ein komple­xer und viel­schich­ti­ger Prozess. Nach welchen arbeits­schutz­fach­li­chen Krite­rien aber gehen Sicherheits-Experten dabei vor?

Prio­ri­tä­ten bei der Auswahl

Jörg Lütt­gen ist Fach­kraft für Arbeits­si­cher­heit bei YNCORIS. Er sagt, dass natür­lich auch in seinem Unter­neh­men das „STOP-Prinzip“ (Substi­tu­tion – Tech­nisch – Orga­ni­sa­to­risch – Persön­lich) Prio­ri­tät hat. Schutz­aus­rüs­tun­gen stün­den daher erst an letz­ter Stelle der Gefah­ren­ab­wehr. Lütt­gen weiß: „Wie die Prio­ri­tä­ten­folge zeigt, ist die persön­li­che Maßnahme, und somit auch der Einsatz von persön­li­cher Schutz­aus­rüs­tung, immer die letzte Möglich­keit, um einen Mitar­bei­ter zu schüt­zen.“ Der Einsatz von PSA bedeute für den Mitar­bei­ter meist eine Mehr­be­las­tung. Daher bräuch­ten die Beschäf­tig­ten nicht irgend­eine Schutz­aus­rüs­tung, sondern eine, die opti­mal den Anfor­de­run­gen am jewei­li­gen Arbeits­platz entspricht und gleich­zei­tig maxi­ma­len Trage­kom­fort bietet. Die Auswahl müsse daher „sinn­voll“ sein. Der Experte nennt ein Beispiel: „Nehmen wir einen Mitar­bei­ter, dessen Schutz­helm mit einem zusätz­lich montier­tem Kapsel­ge­hör­schutz verse­hen ist. Dieser würde für ihn Sinn machen, wenn er sich andau­ernd in Lärm­be­rei­chen aufhält. Bei weni­gen Minu­ten Aufent­halt täglich in Lärm­be­rei­chen hinge­gen sähe das anders aus – schließ­lich stellt das Gewicht des zusätz­lich ange­brach­ten Kapsel­ge­hör­schut­zes eine gewisse Belas­tung für ihn dar. Hier sollte daher ein alter­na­ti­ver Gehör­schutz ausge­sucht und einge­setzt werden.“

Ob eine bestimmte Schutz­aus­rüs­tung sinn­voll sei oder nicht, hänge auch von ande­ren Fakto­ren ab, meint Lütt­gen. Zum Beispiel von der Wirt­schaft­lich­keit und von Nach­hal­tig­keits­as­pek­ten. Er erklärt: „Wir machen in der Regel eine Nutz­wert­ana­lyse. So kommt beim Gehör­schutz zum Beispiel heraus, dass der Einsatz von ange­pass­tem Gehör­schutz, also Otoplas­ti­ken, bei Mitar­bei­tern, die regel­mä­ßig Gehör­schutz verwen­den, die sinn­vollste Lösung ist. Zusätz­lich bedeu­tet die Entschei­dung für Otoplas­ti­ken, dass Müll vermie­den wird, der beispiels­weise bei der Nutzung von Einweg­schutz entstan­den wäre.“

Grund­lage für den Einkauf von (neuen) Schutz­aus­rüs­tun­gen bildet die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung. Hier arbei­ten die Sicher­heits­ex­per­ten des Chemie­parks eng mit den Mitar­bei­tern der am Stand­ort ange­sie­del­ten Unter­neh­men zusam­men. In den 1990ern hätten Sicher­heits­fach­kräfte die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lun­gen meist alleine erstellt. Aber die Erkennt­nisse seien durch die Erfah­run­gen der Prak­ti­ker deut­lich gehalt­vol­ler. Zudem drin­gen die Maßnah­men besser bis zum einzel­nen Mitar­bei­ter durch und werden damit stär­ker akzep­tiert. Lütt­gen: „Bei Gefähr­dungs­be­ur­tei­lun­gen ist uns Mitbe­stim­mung enorm wich­tig. Denn in der Arbeit­neh­mer­schaft liegt die meiste Erfah­rung in Bezug auf Gefähr­dun­gen und deren Vermei­dung.“ Dieser inte­gra­tive Ansatz gelte auch für die Auswahl der PSA. „Die Auswahl von PSA ist keine Einzel­ent­schei­dung. Sie sollte immer in Zusam­men­ar­beit mit den späte­ren Verwen­dern ausge­wählt werden, um so eine hohe Trage­ak­zep­tanz zu errei­chen“ erklärt Jörg Lütt­gen. Dabei gäbe es bei YNCORIS kein fest­ge­leg­tes Gremium für PSA. Die Entschei­dun­gen für den Kauf einer bestimm­ten Schutz­aus­rüs­tung fallen je nach Anfor­de­rung entwe­der in einem klei­ne­ren Team, einem größe­ren Arbeits­kreis oder im Rahmen eines Projekts.


Foto: privat

Autor: Dr. Joerg Hensiek

Frei­be­ruf­li­cher Jour­na­list,
Redak­teur und PR-Berater

joerg.hensiek@googlemail.com

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