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Dritte Arbeitsperiode der GDA

Wo steht die GDA zu Beginn ihrer dritten Arbeitsperiode?
Vorschriften allein reichen nicht aus

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Foto: © kritchanut – stock.adobe.com
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Seit 2008 arbeit­en Bund, Län­der und die geset­zliche Unfal­lver­sicherung unter dem Dach der Gemein­samen Deutschen Arbeitss­chutzs­trate­gie (GDA) zusam­men. Ziel ist es, in ein­er abges­timmten Strate­gie die Verbesserung von Sicher­heit und Gesund­heit bei der Arbeit voranzutreiben.


Dieses Inter­view stammt aus Sicher­heitsin­ge­nieur 1/2020. Zwei kosten­lose Probeaus­gaben von Sicher­heitsin­ge­nieur kön­nen Sie hier bestellen.


Die GDA hat die geset­zliche Auf­gabe, das gemein­same Präven­tion­shan­deln unter Ein­bindung der Sozial­part­ner zu gestal­ten. Dazu wer­den in jed­er GDA-Peri­ode gemein­same Arbeitss­chutzziele vere­in­bart, die in bun­desweit­en Arbeit­spro­gram­men umge­set­zt wer­den. Adres­sat­en sind Unternehmer und Unternehmerin­nen, Führungskräfte, Beschäftigte, aber auch betriebliche Arbeitsschutzexperten.

Ein weit­er­er Auf­trag im Rah­men der GDA: Die Auf­sichts­di­en­ste der Län­der und der geset­zlichen Unfal­lver­sicherung (duales Arbeitss­chutzsys­tem) sollen ihre Beratungs- und Überwachungstätigkeit untere­inan­der abstim­men. Jede GDA-Peri­ode wird zudem einzeln evaluiert. So sollen Ziel­er­re­ichung und Wirk­samkeit der Maß­nah­men über­prüft werden.

Was wurde bislang erreicht?

Im Fokus der ersten GDA-Peri­ode (2008 bis 2012) stand eine Vielzahl von The­men auf der Agen­da. In den Fokus genom­men wur­den ins­beson­dere die Häu­figkeit und Schwere von Arbeit­sun­fällen, von Muskel‑, Skelett- und Hauterkrankun­gen. Zu diesen The­men wurde qua­si ein Ist-Zus­tand doku­men­tiert, der für die Aktiv­itäten in den fol­gen­den GDA-Peri­o­den als Ver­gle­ichs­ba­sis dient.

Bere­its die Ergeb­nisse der ersten Eval­u­a­tion zeigten ein – im Ver­gle­ich – besseres Abschnei­den der in die GDA-Pro­gramme einge­bun­de­nen Betriebe im Hin­blick auf zen­trale Aspek­te des Arbeitss­chutzes.[1] Die zweite GDA-Peri­ode (2013 bis 2018) reduzierte die zu behan­del­nden The­men­felder und konzen­tri­erte sich auf fol­gende Themen:

  • Verbesserung der betrieblichen Arbeitsschutzorganisationen
  • Ver­ringerung arbeits­be­d­ingter Gesund­heits­ge­fährdun­gen und Erkrankun­gen im Muskel-Skelett-Bereich
  • Schutz und Stärkung der Gesund­heit bei arbeits­be­d­ingten psy­chis­chen Belastungen.

In der prak­tis­chen Umset­zung der GDA trat die abges­timmte Durch­führung von Betrieb­s­besich­ti­gun­gen durch den Auf­sichts­di­enst der Län­der und der Unfal­lver­sicherungsträger in den Vorder­grund. Daneben gab es umfan­gre­iche Begleit­prozesse: Es gab Schulungs‑, Qual­i­fizierungsver­anstal­tun­gen und Erfahrungsaus­tausche – auch Hand­lung­shil­fen ent­standen. Aus den zen­tralen Ergeb­nis­sen der zweit­en GDA-Peri­ode kon­nten einige wesentliche Fak­toren abgeleit­et wer­den, die dazu beitru­gen, die Qual­ität der Arbeitss­chut­zor­gan­i­sa­tion und die Durch­führung der Gefährdungs­beurteilung zu verbessern.

Beson­dere Anerken­nung in den Betrieben find­et der von der GDA erar­beit­ete ORGAcheck2, ein Online-Instru­ment für Arbeit­ge­ber zur Selb­st­be­w­er­tung der betrieblichen Arbeitss­chut­zor­gan­i­sa­tion und der Gefährdungs­beurteilung. Es richtet sich ins­beson­dere an kleine und mit­tlere Unternehmen (KMU). Die Eval­u­a­tion der zweit­en GDA-Peri­ode zeigte aber auch Entwick­lungspoten­ziale auf. Vor allem die flächen­deck­ende Durch­führung ein­er guten Gefährdungs­beurteilung ist bish­er noch nicht gegeben – ins­beson­dere bei kleinen und mit­tleren Betrieben. Grund­sät­zlich lässt sich beobacht­en: je klein­er der Betrieb, desto größer der Bedarf an Unterstützung.

Die dritte GDA-Periode

Die aktuelle dritte GDA-Peri­ode (2019 bis 2024) nimmt nach ein­er dur­chaus kri­tis­chen Bew­er­tung der Erfahrun­gen der vorherge­hen­den GDA-Peri­o­den wieder Fahrt auf. Der zweite SLIC-Bericht (Senior Labour Inspec­tors Com­mit­tee) der EU erkan­nte im Jahr 2017 bei sein­er Unter­suchung des dualen Arbeitss­chutzes in Deutsch­land immer noch ein hohes Verbesserungspoten­zial. Bund, Län­der und Unfal­lver­sicherung nah­men den Bericht zum Anlass, in eine inten­sive Diskus­sion über Struk­tur, Zielset­zung der GDA und die Zusam­me­nar­beit der Träger zu treten. Auf Basis der Ergeb­nisse dieser Diskus­sion wur­den Grund­satz­pa­piere erar­beit­et, die die kün­ftige Zusam­me­nar­beit weit­er verbessern sollen.

Die The­men der aktuellen drit­ten GDA-Peri­ode ste­hen fest. Die Nationale Arbeitss­chutzkon­ferenz (NAK) hat ein strate­gis­ches Ziel benan­nt: „Arbeit sich­er und gesund gestal­ten – Präven­tion mit Hil­fe der Gefährdungs­beurteilung.“ Fach­lich wur­den dazu drei Arbeit­sziele formuliert:

  • gute Arbeits­gestal­tung bei physis­chen Belas­tun­gen (Muskel-Skelett-Belas­tun­gen – MSB)
  • gute Arbeits­gestal­tung bei psy­chis­chen Belas­tun­gen (Psy­che)
  • einen sicheren Umgang mit kreb­serzeu­gen­den Gefahrstoffen.

Um diese Ziele auch in den Betrieben und Organ­i­sa­tio­nen umset­zen zu kön­nen, hat die NAK vier Arbeits­grup­pen eingesetzt:

  • Betrieb­s­besich­ti­gun­gen (Fed­er­führung: Län­der und Unfallversicherung)
  • Muskel-Skelett-Belas­tung (Fed­er­führung: Unfallversicherung)
  • Psy­che (Fed­er­führung: Bund)
  • Kreb­serzeu­gende Stoffe (Fed­er­führung: Länder).

Die aktuellen Arbeitsziele

Betrieb­s­besich­ti­gun­gen sollen in Zukun­ft ein­heitlichen Qual­itäts­maßstäben fol­gen. So soll die Ver­gle­ich­barkeit der Ergeb­nisse erhöht wer­den. Sowohl Unfal­lver­sicherung als auch Län­der sollen kün­ftig „Betrieb­s­besich­ti­gun­gen mit Sys­tem­be­w­er­tung“ durch­führen. Das sind Betrieb­s­besich­ti­gun­gen, die unter voll­ständi­ger Berück­sich­ti­gung der GDA-Leitlin­ie Arbeitss­chut­zor­gan­i­sa­tion und der GDA-Leitlin­ie Gefährdungs­beurteilung erstellt wer­den. Unfal­lver­sicherungsträger und Län­der wer­den in der drit­ten GDA-Peri­ode in jedem Jahr jew­eils cir­ca 25.000 Betrieb­s­besich­ti­gun­gen im vor­ge­nan­nten Sinne durch­führen. Der Fokus liegt auf kleinen und mit­tleren Betrieben (bis 249 Mitarbeiter).

Im Anschluss an die Besich­ti­gung tauschen die Part­ner zeit­nah die Dat­en ihrer Betrieb­s­besich­ti­gun­gen aus. Die hier­für notwendi­gen, tech­nis­chen Anpas­sun­gen sind ein­geleit­et. Zukün­ftig wer­den die Dat­en in vollem Umfang für die bei­den Part­ner nutzbar sein. Dop­pelbesich­ti­gun­gen sind aus­geschlossen. Die Detai­l­ergeb­nisse der Besich­ti­gun­gen wer­den anonymisiert von zen­traler Stelle gesam­melt und fließen in die Eval­u­a­tion zur drit­ten GDA-Peri­ode ein.

Das Arbeit­spro­gramm „Muskel-Skelett-Belas­tun­gen“ hat sich in der aktuellen GDA-Peri­ode zum Ziel geset­zt, die Belas­tun­gen des Muskel-Skelett-Sys­tems in den Betrieben weit­er zu min­dern. Dabei ver­fol­gt das Arbeit­spro­gramm einen inte­gra­tiv­en Ansatz aus Qual­i­fizierung und ein­er Kom­bi­na­tion von ver­hält­nis- und ver­hal­tenspräven­tiv­en Maß­nah­men. Im Fokus ste­ht weit­er der Prozess der Gefährdungsbeurteilung.

Das Arbeit­spro­gramm „Psy­chis­che Belas­tun­gen“ wid­met sich in der aktuellen Peri­ode der Frage, wie psy­chis­che Belas­tun­gen bess­er in der Gefährdungs­beurteilung berück­sichtigt wer­den kön­nen. Dabei sollen vor allem ziel­grup­pen­spez­i­fis­che Ange­bote für kleine und mit­tlere Unternehmen entwick­elt werden.

Ziel des Arbeit­spro­gramms „Sicher­er Umfang mit kreb­serzeu­gen­den Gefahrstof­fen“ ist es, beru­flich bed­ingte Kreb­serkrankun­gen zu min­imieren und möglichst zu ver­hin­dern. Deshalb soll darauf hingewirkt wer­den, dass die rechtlichen Anforderun­gen zum Schutz der Beschäftigten bess­er umge­set­zt wer­den. Helfen sollen dabei Betriebsbesichtigungen.

Wie geht es weiter?

Wie sieht die Zukun­ft der GDA aus? Gibt es sie 2030 über­haupt noch? Das waren Leit­fra­gen eines Sym­po­siums auf der A+A 2019. Zweifel­los brin­gen neue Arbeits­for­men und die Flex­i­bil­isierung von Arbeit­szeit und Arbeit­sort eben­so wie die Alterung der Belegschaften neue Her­aus­forderung für den Arbeitss­chutz mit sich.

Um ihr Präven­tion­shan­deln an diese neuen Anforderun­gen anzu­passen, wer­den die Part­ner – Bund, Län­der und Unfal­lver­sicherung – ihre Koop­er­a­tion weit­er stärken und verbessern müssen. Der Schlüs­sel für jede effek­tive Zusam­me­nar­beit ist gegen­seit­iges Ver­trauen. Dies gilt es weit­er zu stärken und dabei die unter­schiedlich gelagerten Auf­gaben und Kom­pe­ten­zen der einzel­nen Part­ner anzuerkennen.

Es ist Auf­gabe der GDA-Part­ner, Unternehmen und Beschäftigte, die selb­st stark vom Wan­del her­aus­ge­fordert sind, beim Arbeitss­chutz zu unter­stützen. Das wird nur gelin­gen, wenn wir eine zeit­gemäße Ansprache find­en und bürokratis­che Hür­den abbauen. Das Konzept der Präven­tion­skul­tur, das auch im Mit­telpunkt der aktuellen Kam­pagne kom­m­mit­men­sch der geset­zlichen Unfal­lver­sicherung ste­ht, kön­nte ein Medi­um sein, um unsere Inhalte auf vielfältige Weise zu trans­portieren. Zum Beispiel auch die Gefährdungsbeurteilung.

Es ist ein zen­trales Anliegen der aktuellen GDA-Peri­ode, noch mehr Unternehmen von diesem zen­tralen Instru­ment des Arbeitss­chutzes zu überzeu­gen. Ger­ade kleinen und mit­tleren Unternehmen, das bele­gen die Zahlen, fällt es nach wie vor schw­er, die Gefährdungs­beurteilung zu erstellen. Es liegt deshalb auch an den Trägern der GDA, die richtige Ansprache und effek­tive Maß­nah­men zu find­en, um ihre Ziel­grup­pen zu erre­ichen. Vorschriften allein reichen nicht aus. Das ist auch eine Lehre, die wir aus der Präven­tion­skul­tur ziehen können.

1 Zu den Eval­u­a­tio­nen der GDA-Perioden
vgl. www.gda-portal.de

2 Näheres zum ORGAcheck unter www.inqa.de


Foto: © Jan Röhl/DGUV

Autor: Dr. Ste­fan Hussy

Haupt­geschäfts­führer der Deutschen Geset­zlichen Unfallversicherung,

Ein­er der drei Vor­sitzen­den der Nationalen Arbeitsschutzkonferenz

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