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Biodiversity-Checks für Unternehmen

Biodiversity-Checks
Wie Unternehmen der Natur ganz konkret helfen können

Kön­nen Wirtschaft­sun­ternehmen dazu beitra­gen, den Arten­schwund aufzuhal­ten? Auf­grund ihrer Ressourcen, Man­age­men­tkom­pe­ten­zen und gesellschaftlichen Bedeu­tung wären sie grund­sät­zlich dazu in der Lage, meinen Naturschutzex­perten. Doch vie­len Unternehmen fehlt dazu entwed­er das Bewusst­sein oder aber das Know-how, wie und wo sie aktiv wer­den kön­nen. Dabei gibt es bere­its ein­schlägige Beratungsange­bote: Instru­mente wie der Bio­di­ver­si­ty-Check geben Betrieben eine Grun­dori­en­tierung für ihren Ein­satz zur Bewahrung der glob­alen Biodiversität.

Die „Erk­lärung von Kun­ming“, von 200 Staat­en im ver­gan­genen Okto­ber in der chi­ne­sis­chen Stadt gle­ichen Namens ver­ab­schiedet, brachte die Brisanz des The­mas auf den Punkt: Rund eine Mil­lion Tier- und Pflanzenarten sind vom Ausster­ben bedro­ht. Wilde Tiere und Pflanzen wer­den in erster Lin­ie gar nicht mal durch die direk­te Über­nutzung ihrer Bestände durch Jagd und Ernte aus­gerot­tet, son­dern primär durch das immense glob­ale Bevölkerungswach­s­tum sowie den stetig steigen­den Ver­brauch an Land und Rohstof­fen ins­beson­dere durch die Indus­trielän­der und der damit ein­herge­hen­den Zer­störung ihrer Leben­sräume. Die Kun­ming-Erk­lärung forderte die Welt­ge­mein­schaft daher unter anderem dazu auf, die Aus­gaben für den Arten­schutz inner­halb eines Jahrzehnts auf umgerech­net 173 Mil­liar­den Euro jährlich zu steigern. Allerd­ings: Alle Beschlüsse der Kon­ferenz sind rechtlich nicht bindend. Und schon 2010 hat­ten sich die Ver­tragsstaat­en im japanis­chen Aichi zum Ziel geset­zt, den Schwund der Arten­vielfalt bis 2020 im Rah­men der „UN-Dekade der Biol­o­gis­chen Vielfalt“ zu stop­pen – bis­lang (fast) völ­lig erfolglos.

Artenschutz nur Randthema

Der Arten­schutz wird von poli­tis­chen Entschei­dungsträgern weit weniger ernst genom­men als der Kli­maschutz. Auch in der Öffentlichkeit hat die Zer­störung der Bio­di­ver­sität im Ver­gle­ich zum Kli­mawan­del bis­lang wenig Aufmerk­samkeit erlangt. Das dro­hende Ausster­ben von Großkatzen, Walen, Men­schenaf­fen oder Ele­fan­ten und die Zer­störung von ganzen Ökosys­te­men wird in erster Lin­ie als ethis­ches, eventuell auch als emo­tionales oder ästhetis­ches Prob­lem wahrgenom­men. Zynisch for­muliert: Wir Men­schen leben trotz des Ver­lusts von beispiel­sweise Mam­muts, Woll­nashörn­ern und Säbelzahnkatzen sehr gut, warum sollte es uns aus rein ego­is­tis­ch­er Per­spek­tive betra­chtet daher wichtig sein, dass nicht auch noch weit­ere Arten aussterben?

Biodiversität ist „Naturkapital“

Die Wahrheit ist, dass es auch eine Vielzahl an materiellen bzw. ökonomis­chen Grün­den gibt, warum der Men­sch den glob­alen Arten­schwund unbe­d­ingt stop­pen sollte. Denn mit den Tier- und Pflanzenarten ver­schwinden nicht nur einzi­gar­tige Lebe­we­sen für immer von unserem Plan­eten, dem Men­schen gehen mit ihrem Ver­lust auch wertvolle Gene ver­loren, die ihm zum Beispiel im Kampf gegen Pan­demien in Zukun­ft wertvolle Dien­ste erweisen kön­nten. Der aktuell wichtig­ste Grund ist aber eng mit dem aktuellen Kli­mawan­del ver­bun­den: Je weniger Arten­vielfalt in einem Ökosys­tem herrscht, umso anfäl­liger ist es für Störun­gen von außen. Ent­nimmt man Arten, dro­ht das gesamte Ökosys­tem früher oder später zu kol­la­bieren – und dies würde den Kli­mawan­del zusät­zlich anheizen. Bedrohliche Phänomene wie Kli­mawan­del, Arten­schwund, Ozean­ver­schmutzung, neue Krankheit­ser­reger und die Ver­nich­tung natür­lich­er Leben­sräume treten zunehmend in Wech­sel­wirkung miteinan­der und ver­stärken sich gegenseitig.

Die Ökosystemleistungen der Bienen

Gesunde Ökosys­teme erbrin­gen dage­gen eine Vielzahl von ganz konkreten Leis­tun­gen für uns Men­schen, die in der Wis­senschaft als „Ökosys­tem­leis­tun­gen“ beze­ich­net wer­den. Dabei wer­den ver­schiedene Leis­tungs­grup­pen unter­schieden, so etwa Basis­di­en­stleis­tun­gen (Boden­bil­dung, Pflanzenwach­s­tum etc.), Reg­u­la­tion­sleis­tun­gen (Reg­ulierung von Kli­ma, Luft und Boden­haushalt) bis hin zu kul­turellen Leis­tun­gen (Erhol­ungs­funk­tio­nen etc.). Ganz beson­ders wichtig in einem volks- und betrieb­swirtschaftlichen Zusam­men­hang sind aber die Ver­sorgungsleis­tun­gen, also die Bere­it­stel­lung ele­mentar­er Grund- und Rohstoffe. Ein Beispiel: Rund ein Drit­tel aller glob­al hergestell­ten Nahrungsmit­tel ist nach Angaben der inter­na­tionalen Umwel­tor­gan­i­sa­tion IUCN abhängig von den Bestäubungsleis­tun­gen von Insek­ten und anderen Tieren. Das entspricht einem dreis­tel­li­gen Mil­liar­den­be­trag pro Jahr. Einen ganz beson­deren Anteil an dieser Ver­sorgungsleis­tung haben unter anderem die Wild- und Honig­bi­enen. Fehlen sie, wird ins­beson­dere die Pro­duk­tion von Obst und Gemüse enorm gefährdet und die Bienen müssen mit einem großen finanziellen und per­son­ellen Aufwand erset­zt wer­den. So wie in den ver­gan­genen Jahren in der chi­ne­sis­chen Prov­inz Sichuan, der Obstkam­mer des Lan­des. Dort wur­den die Insek­ten infolge des Pes­tizidein­satzes der dor­ti­gen Plan­ta­ge­nun­ternehmen in den ver­gan­genen Jahren fast vol­lkom­men aus­gerot­tet. Seit­dem wer­den Lan­dar­beit­er als „Ersatzbestäu­ber“ einge­set­zt. Ein Arbeit­er benötigt dabei ein Gramm Pollen, um einen Baum zu bestäuben. Am Tag schafft es jed­er Arbeit­er, etwa dreißig Obst­bäume auf den Plan­ta­gen zu bestäuben. Zum Ver­gle­ich: Während ein Bienen­volk pro Tag bis zu 300 Mil­lio­nen Blüten bestäuben kann, bräuchte man für dieselbe Arbeit­sleis­tung mehr als 1.500 Per­so­n­en – was selb­st in Chi­na zu viel mehr Arbeit­skosten führt.

Wirtschaft als wichtiger Akteur

Das oben beschriebene Beispiel zeigt bere­its, dass die Wirtschaft direkt und indi­rekt Bio­di­ver­sität bee­in­flusst, sie oft bedro­ht und teil­weise – abhängig von der jew­eili­gen Branche – auch von ihr abhängig ist. Daher wur­den Wirtschaft­sun­ternehmen ver­stärkt von der Poli­tik und Nichtregierung­sor­gan­i­sa­tio­nen als wichtige Akteure iden­ti­fiziert, die poten­ziell eine große Bedeu­tung für den Schutz und die nach­haltige Nutzung der glob­alen Bio­di­ver­sität haben kön­nten. Ver­stärkt wird die Wichtigkeit von Unternehmen für die Lösung der Bio­di­ver­sität­skrise auch durch deren großen Ein­fluss auf Poli­tik, Gesellschaft, Medi­en und die öffentliche Mei­n­ung. Vor allem aber ver­fü­gen viele Unternehmen über mod­ern­ste Tech­nolo­gien, finanzielle Ressourcen und Man­age­men­tkom­pe­ten­zen, mit denen sie beson­ders effek­tiv Maß­nah­men des Bio­di­ver­sitätss­chutzes in ihren Betrieben imple­men­tieren, umset­zen und Schutzziele erre­ichen könnten.

Biodiversitätsstrategien von Unternehmen

Viele Unternehmen soll­ten also, siehe das Bienen-Beispiel aus Chi­na, dur­chaus großes Inter­esse daran haben, Bio­di­ver­sität durch ihre Unternehmen­spoli­tik zu schützen. Zumin­d­est the­o­retisch besitzt auch ein großer Teil von ihnen die Ressourcen, um den Bio­di­ver­sitätss­chutz effek­tiv in ihr betrieblich­es Man­age­mentsys­tem zu inte­gri­eren. Voraus­set­zung hier­für ist aber erst ein­mal, die Schutzziele zum inte­gralen Bestandteil der Unternehmen­sphiloso­phie zu machen – also zu einem Unternehmensziel.

Ein klares Com­mit­ment ist also ein unbe­d­ingtes Muss, um Strate­gien zu entwick­eln, Maß­nah­men schnell und kon­se­quent zu imple­men­tieren und die damit erziel­ten Erfolge nach innen und außen zu kommunizieren.

Welche Strate­gien aber kön­nen Unternehmen wählen, um Bio­di­ver­sitätss­chutz aktiv zu prak­tizieren? Zwei Möglichkeit­en bieten sich hier­für an: Unternehmen kön­nen Bio­di­ver­sität zu einem weit­eren Kerngeschäft machen, indem sie neue Pro­duk­te und Geschäftsmod­elle entwick­eln, die den Bio­di­ver­sitätss­chutz unter­stützen. Diese Strate­gie dürfte aber nur von einem rel­a­tiv gerin­gen Anteil der Unternehmen wahrgenom­men wer­den. Jedes Unternehmen kann jedoch Leit­bilder, Strate­gien und oper­a­tive Maß­nah­men entwick­eln, die helfen, den Ein­fluss des Unternehmens auf die Bio­di­ver­sität und Biotope zu bew­erten, zu kon­trol­lieren und in der Folge zumin­d­est zu min­imieren. Das europäis­che Man­age­mentsys­tem EMAS (Eco Man­age­ment and Audit Scheme) beispiel­sweise baut genau auf diesem Prinzip auf, um das The­ma Bio­di­ver­sität in ein stan­dar­d­isiertes, zer­ti­fiziertes Umwelt­man­age­mentsys­tem zu inte­gri­eren. Doch vor der Entwick­lung von Strate­gien und Maß­nah­men bedarf es zunächst der Analyse aller Unternehmens­bere­iche, um festzustellen, welche Auswirkun­gen jed­er einzelne von ihnen und das Unternehmen als Ganzes auf die Bio­di­ver­sität haben. In einem ersten Schritt muss die Sig­nifikanz von Bio­di­ver­sität für das Unternehmen bes­timmt wer­den. Dazu soll­ten aus­sagekräftige, möglichst branchen­spez­i­fis­che Kenn­zahlen und Indika­toren ange­wandt wer­den, welche es über­haupt erst ermöglichen, die Per­for­mance zu messen. Selb­st für viele größere Unternehmen keine ganz leichte Aufgabe.

Biodiversity in Good Company

Die Bere­itschaft zu han­deln hat in den Unternehmen auf nationaler und inter­na­tionaler Ebene in den ver­gan­genen zehn Jahren immer­hin schon deut­lich zugenom­men. Dass immer mehr Unternehmen ihre Ver­ant­wor­tung für den Erhalt der Bio­di­ver­sität wahrnehmen wollen, zeigt sich unter anderem an der Ini­tia­tive „Bio­di­ver­si­ty in Good Com­pa­ny“. Der branchenüber­greifend­en Ini­tia­tive gehören kleine, mit­tlere und große Unternehmen an – aus Deutsch­land und darüber hin­aus. Sie haben sich dazu verpflichtet, den Schutz der Bio­di­ver­sität in ihre Nach­haltigkeitsstrate­gie und das betriebliche Man­age­ment zu inte­gri­eren. Diese Plat­tform wurde 2008 von Unternehmen und vom Bun­desmin­is­teri­um für Umwelt, Naturschutz und nuk­leare Sicher­heit (BMU) ins Leben gerufen. Der Anlass: Deutsch­land hat­te damals für zwei Jahre die Präsi­dentschaft des inter­na­tionalen „Übereinkom­mens über die biol­o­gis­che Vielfalt“ (CBD) inne, eines mit­tler­weile eigen­ständi­gen Vere­ins. Die Ini­tia­tive war weltweit eine der ersten dieser Art und sollte unter anderem einen Beitrag zur Umset­zung dieser inter­na­tionalen Kon­ven­tion leis­ten. Weit­er­hin verpflichteten sich die teil­nehmenden Unternehmen, Bio­di­ver­sität als Unternehmen­sziel in ihre Man­age­mentsys­teme aufzunehmen.

Biodiversity-Checks

Doch während zumin­d­est mit­tlere und große Unternehmen bere­its über viel Erfahrung beim Man­age­ment ander­er Umwelt­man­age­ment­the­men haben – ins­beson­dere in Hin­sicht auf den Energie­ver­brauch oder die Abfal­lver­mei­dung –, haben selb­st Fir­men dieser Größen­klassen noch viel Beratungs­be­darf beim The­ma Bio­di­ver­sitätss­chutz. Das war der Grund, warum sich ein ganz beson­deres Ange­bot etabliert hat, der „Bio­di­ver­si­ty-Check“ für Unternehmen. Ini­tia­tor des Bio­di­ver­si­ty-Checks ist die NGO „Glob­al Nature Fund“ (GNF) mit Haupt­sitz in Radolfzell am Bodensee. Das Bon­ner Büro der Organ­i­sa­tion leit­et Ste­fan Hör­mann, der hauptver­ant­wortlich für den Bere­ich Unternehmen und Bio­di­ver­sität ist. Hör­mann erzählt: „Der Check ist Teil der Europäis­chen Busi­ness and Bio­di­ver­si­ty-Kam­pagne, die wiederum im Rah­men des Life-Pro­gramms der EU gefördert wurde. Mit dem Check haben wir Neu­land betreten, denn niemals vorher wur­den ganzheitliche Unternehmens­bere­iche von der Strate­gie über den Fir­men­stan­dort bis hin zu Einkauf und Pro­duk­tion auf ihre dies­bezügliche Nach­haltigkeit hin überprüft.“

Was genau will der Bio­di­ver­si­ty-Check? Er dient zunächst ein­mal als erste Ori­en­tierung, um Auswirkun­gen und Abhängigkeit­en der ver­schiede­nen Unternehmens­bere­iche auf die biol­o­gis­che Vielfalt zu iden­ti­fizieren. Im Rah­men des Bio­di­ver­si­ty-Checks prüfen die Experten der oben genan­nten Organ­i­sa­tio­nen und Beratung­sun­ternehmen entsprechend der Vorge­hensweise der Umwelt­man­age­mentsys­teme EMAS III und ISO 14001 mögliche neg­a­tive Auswirkun­gen einzel­ner Unternehmens­bere­iche, Pro­duk­tion­sstät­ten, Pro­duk­te oder Prozesse und zeigen den Unternehmen auf, welche Gegen­s­teuerung­sop­tio­nen sich anbi­eten, um Bio­di­ver­sität zu schützen und sog­ar von ihr zu prof­i­tieren. Die Unternehmen erhal­ten somit fach­liche Unter­stützung bei der Bes­tim­mung der Auswirkun­gen ihrer Tätigkeit­en auf die biol­o­gis­che Vielfalt, der Fes­tle­gung von Bio­di­ver­sität­szie­len und der Auswahl und Anwen­dung von Meth­o­d­en und Indika­toren zur Umset­zung eines effek­tiv­en Bio­di­ver­sitäts­ma- nage­ments. Dabei wer­den zunächst die ver­schiede­nen inter­nen Bere­iche des Betriebes wie Man­age­ment, Pro­duk­tion, Einkauf oder Verkauf hin­sichtlich der Auswirkun­gen auf die Bio­di­ver­sität unter­sucht. Aber auch die indi­rek­ten und nach außen wirk­enden Effek­te der Unternehmen­stätigkeit­en wer­den unter die Lupe genom­men, hier vor allem ent­lang der Liefer­kette – beispiel­sweise die ver­wen­de­ten eingekauften Mate­ri­alien. Dabei stellt der Check auss­chließlich ein internes Instru­ment und keine Zer­ti­fizierung dar, die Ergeb­nisse wer­den allein der Unternehmensführung zur Ver­fü­gung gestellt. Den Unternehmen wird aber von den bera­ten­den Organ­i­sa­tio­nen emp­fohlen, ihre Maß­nah­men und Erfolge beim Bio­di­ver­sitätss­chutz nach außen offen zu kom­mu­nizieren, um damit auch andere Unternehmen zu ermuti­gen, dem Bio­di­ver­sitätss­chutz einen größeren Stel­len­wert in den eige­nen Betrieben zu geben.

Gute Bilanz

Bere­its über 200 Unternehmen, der Großteil von ihnen in Deutsch­land, haben an ihren Stan­dorten einen Bio­di­ver­si­ty-Check durch­führen lassen. Dabei wer­den die Checks nicht nur an die unter­schiedlichen Branchen, son­dern sog­ar an die Anforderun­gen der unter­schiedlichen Tätigkeits­felder angepasst. Beispiel­sweise gibt es für den Touris­mussek­tor spez­i­fis­che Checks für Des­ti­na­tio­nen, Hotels, Gas­tronomie und Reise­büros. Auch län­der­spez­i­fis­che Anpas­sun­gen bei der Check-Durch­führung gibt es. Hör­mann: „So haben wir beispiel­sweise einen Check für Unternehmen in Thai­land, der dort durch unseren Part­ner BEDO ange­boten und durchge­führt wird. Das Grund­konzept bleibt dabei zwar über­all gle­ich, einzelne Aspek­te kön­nen jedoch nationalen Spez­i­fika­tio­nen angepasst sein.“ Auch die Umset­zung der von den Experten vorgeschla­ge­nen Maß­nah­men erfolge in der Regel recht schnell, wenn auch schrit­tweise. Indus­trie­un­ternehmen begin­nen häu­fig mit Maß­nah­men zur Förderung von biol­o­gis­ch­er Vielfalt auf dem Fir­menare­al selb­st (siehe Infokas­ten „Natur­na­he Gestal­tung von Fir­men­gelän­den“), weil, so Hör­mann, dort eine direk­te Umset­zung und Sicht­barkeit leichter gegeben sei als beispiel­sweise beim Einkauf von Rohstoffen.

Besondere Herausforderung: Lieferketten

Bei den Liefer­ket­ten sei ein län­ger­er Atem erforder­lich, aber hier bieten sich laut Hör­mann beson­dere Chan­cen, für ganzheitliche Lösun­gen zu sor­gen. Er erk­lärt: „Eine Zusam­me­nar­beit zur Bio­di­ver­sität mit Rohstoff­pro­duzen­ten kann eine span­nende Auf­gabe sein und lässt sich ide­al­er­weise mit Verbesserun­gen beim Kli­maschutz und den Arbeits­be­din­gun­gen in den Herkun­ft­sre­gio­nen verbinden.“ Zum Bio­di­ver­sitäts- und Kli­maschutz bei Liefer­ket­ten hat Hör­manns Glob­al Nature Fund ger­ade ein gemein­sames Pro­jekt mit OroVerde – Die Tropen­wald­s­tiftung ges­tartet. ELAN (Ent­wal­dungs­freie Liefer­ket­ten – Ein Online-Atlas für Nach­haltigkeit in Unternehmen) ver­fol­gt das Ziel, die Bedeu­tung von ent­wal­dungs­freien Liefer­ket­ten für den Kli­maschutz bei Unternehmen und Ver­brauch­ern bekan­nter zu machen. Darüber hin­aus wer­den deutsche Unternehmen dabei unter­stützt, beste­hende und neue Verpflich­tun­gen zu ent­wal­dungs­freien Liefer­ket­ten mit konkreten Aktiv­itäten umzuset­zen und auf diese Weise zum Kli­ma- und Bio­di­ver­sitätss­chutz beizu­tra­gen. Das Beson­dere am ELAN-Pro­jekt ist, dass es in einem eigens für diesen Zweck erstell­ten kosten­losen Online-Atlas eine Vielzahl von Infor­ma­tio­nen rund um das The­ma ent­wal­dungs­freie Liefer­ket­ten bün­deln und bere­it­stellen wird. Dabei wer­den ver­schiedene soge­nan­nte FRCs (For­est Risk Com­modi­ties) und ihre Bedeu­tung für deutsche Unternehmen analysiert. Mit dem Online-Atlas wer­den beson­ders kleine und mit­tel­ständis­che Unternehmen bei ihren ersten Schrit­ten Rich­tung Ent­wal­dungs­frei­heit unter­stützt. Ste­fan Hör­mann erk­lärt: „Mith­il­fe der umfan­gre­ichen Infor­ma­tion des Online-Atlas kön­nen diese Unternehmen erken­nen, welche die Risiko­rohstoffe sind und wo sich die Hotspots der glob­alen Ent­wal­dung genau befind­en. Dabei wird die Rolle deutsch­er Unternehmen als Impor­teure wald­kri­tis­ch­er Rohstoffe so gründlich wie nie zuvor beleuchtet.“

Weit­ere Informationen

Glob­al Nature Fund: www.globalnature.org/de/home

Europäis­che Busi­ness & Bio­di­ver­si­ty Kampagne:
www.business-biodiversity.eu/de/

Bio­di­ver­si­ty in Good Com­pa­ny: www.business-and-biodiversity.de


Sascha Liese, Man­ag­er Cor­po­rate Sus­tain­abil­i­ty bei Symrise
Foto: © Symrise

Erfahrungen bei der Symrise AG

Biodiversity-Check im Betrieb

Die Sym­rise AG mit Haupt­sitz im nieder­säch­sis­chen Holz­min­den ist ein börsen­notiert­er Her­steller von Duft– und Geschmack­stof­fen, kos­metis­chen Grund- und Wirk­stof­fen sowie funk­tionalen Inhaltsstof­fen. Sym­rise ent­stand 2003 durch die Fusion der Unternehmen Drago­co und Haar­mann & Reimer und ver­fügt über hun­dert Stan­dorte weltweit. Das Unternehmen hat einen Bio­di­ver­si­ty-Check für die gesamte Organ­i­sa­tion durchge­führt. Sascha Liese, Man­ag­er Cor­po­rate Sus­tain­abil­i­ty bei Sym­rise, berichtet über Beweg­gründe, gemachte Erfahrun­gen und Ergebnisse.

Das Gespräch führte Dr. Joerg Hensiek.

Was war der haupt­säch­liche Beweg­grund, am Bio­di­ver­sitäts-Check teilzunehmen?

Obwohl der The­menkom­plex für Sym­rise nicht neu war, hiel­ten wir es den­noch für sin­nvoll, unsere betrieblichen Wech­sel­wirkun­gen mit Bio­di­ver­sität und Ökosys­tem­leis­tun­gen von ein­er unab­hängi­gen Umwel­tor­gan­i­sa­tion kri­tisch beleucht­en zu lassen und strate­gis­che Hand­lungsempfehlun­gen für die Weit­er­en­twick­lung unseres Man­age­men­tansatzes zu bekommen.

Gestal­tete sich der Ablauf des Checks als unkom­pliziert und kon­struk­tiv? Wür­den Sie den Check auch anderen Unternehmen empfehlen?

Die Kom­plex­ität der Materie sowie die Kom­plex­ität unseres Unternehmens erforderten, dass viele Kol­le­gen aus unter­schiedlichen Geschäfts- und Funk­tions­bere­ichen ihren Beitrag leis­teten und rel­e­vante Infor­ma­tio­nen aus unser­er Organ­i­sa­tion frist­gerecht abliefern mussten, die anschließend zu einem Gesamt­bild zusam­menge­fügt wer­den kon­nten. Somit war der Ablauf des Checks zwar stets kon­struk­tiv, aber nicht unbe­d­ingt unkom­pliziert. Da sich der Aufwand aus unser­er Sicht gelohnt hat, würde ich den Bio­di­ver­sitäts-Check anderen Unternehmen, die dies­bezüglich auf der Suche nach ein­er Stan­dortbes­tim­mung sind, empfehlen.

Welche Empfehlun­gen der Berater haben Sie bere­its in Ihrem Unternehmen umge­set­zt bzw. wer­den es in naher Zukun­ft noch tun?

Im Nach­gang des Bio­di­ver­sitäts-Checks des Glob­al Nature Fund haben wir unter anderem die Rück­ver­fol­gbarkeit unser­er Naturstoffe verbessert, rel­e­vante Bio­di­ver­sitätsin­for­ma­tio­nen in unser betrieblich­es Infor­ma­tion­ssys­tem inte­gri­ert, Ver­fahren zur Risikobe­w­er­tung von Naturstof­fen weit­er­en­twick­elt, neue Kri­te­rien für deren nach­haltige Beschaf­fung und Nutzung entwick­elt sowie unsere Investi­tio­nen in strate­gis­che Liefer­ket­ten hochgefahren.


Foto: privat

Autor: Dr. Joerg Hensiek

Fachau­tor und freier Journalist


So läuft der Biodiversity-Check ab

Der Ablauf für den Check sieht im Detail wie fol­gt aus:

1. Screen­ing

Erst­ge­spräch zwis­chen Unternehmen und GNF: Aus­tausch von Infor­ma­tio­nen zu:

  • Unternehmensgröße – Geschäftsmodell
  • Vorstel­lung des Checks durch den GNF
  • Fes­tle­gung von Umfang und Gren­zen der Unter­suchung mit dem Unternehmen (Screen­ing)

Beteiligt: GNF-Experten und CSR/EHS/Umwelt-Beauf­tragter (in Abstim­mung mit Geschäftsführung)

2. Desk Research

GNF schickt dem Unternehmen eine Liste mit benötigten Unter­la­gen und Infor­ma­tio­nen wie Nach­haltigkeits­berichte, Umwel­terk­lärun­gen, Pro­duk­t­in­for­ma­tio­nen, Angaben zum Stan­dort (Grün­flächenan­teil, Nähe zu Schutzge­bi­eten etc.).

Der GNF wertet die Unter­la­gen unter Anwen­dung ein­er spez­i­fis­chen Bio­di­ver­sitäts-Matrix aus und erstellt einen Zwis­chen­bericht für das Unternehmen.

Beteiligt: Der GNF erfasst und bere­it­et Infor­ma­tio­nen auf. Zuar­beit durch EHS-Beauf­tragten und soweit möglich (Telefon-)Interview mit Bere­ichs-/Abteilungsleit­ern (bei größeren Unternehmen).

3. Round­table-Gespräch – Vorstel­lung der Zwischenergebnisse

Ein Round­table mit Vertretern der beteiligten Bere­iche zur Ergänzung der Fak­ten­samm­lung, Diskus­sion von ersten Ergeb­nis­sen und Optio­nen des Zwischenberichts

Beteiligt: GNF-Experten und Bereichsleiter

4. Analyse und Abschluss­bericht mit Empfehlun­gen für das Unternehmen

GNF wertet die Ergeb­nisse des Round­table-Gesprächs aus und inte­gri­ert diese im finalen Bericht. Bei Bedarf wer­den noch weit­ere Recherchen durchgeführt.
Beteiligt: GNF-Experten

5. Präsen­ta­tion der Ergebnisse

Der finale Bericht mit Hand­lungsempfehlun­gen wird dem Unternehmen über­mit­telt, Besprechung der Ergeb­nisse mit dem Unternehmen auf Wun­sch vor Ort.

Beteiligt: GNF-Experten – EHS-Beauf­tragter (option­al Bereichsleiter/Geschäftsleitung)

6. Umset­zung von Empfehlungen

Ide­al­er­weise set­zt das Unternehmen sys­tem­a­tisch alle Empfehlun­gen um. Hier kann der GNF unter­stützen oder es wird mit (lokalen) Experten oder Organ­i­sa­tio­nen zusam­mengear­beit­et (z. B. NABU oder BUND bei der Umset­zung von Arten­schutz­maß­nah­men auf dem Firmengelände).


Best-Prac­tice-Beispiel des Fruchthofs Kon­stanz zur natur­na­hen Gestal­tung des Fir­men­gelän­des: Die Dachbe­grü­nung dient als Leben­sraum und zugle­ich als natür­liche Klimaanlage.
Foto: Bodensee-Stiftung

Beispiel für Biodiversitätsschutz: Naturnahe Gestaltung von Firmengeländen

Seit dem Som­mer 2018 führen Glob­al Nature Fund und Bodensee-Stiftung mit weit­eren Part­nern in Europa ein Pro­jekt zur bio­di­ver­sitäts­fördern­den Gestal­tung von Fir­men­gelän­den durch. Inzwis­chen wur­den bere­its mehr als 100 Unternehmen erst­ber­at­en, darunter mehrere Konz­erne mit sehr vie­len Stan­dorten europaweit. Grund­lage ist ein Vor-Ort-Besuch auf dem Fir­menare­al, bei dem der Ist-Zus­tand erfasst und ökol­o­gis­che Aufw­er­tungspoten­ziale iden­ti­fiziert wer­den. In einem aus­führlichen Ergeb­nis­bericht wer­den dem Unternehmen konkrete Maß­nah­men­vorschläge und Tipps zur Umset­zung und Pflege an die Hand gegeben, die der Arten­vielfalt nutzen und die Aufen­thalt­squal­ität steigern. Auf dieser Grund­lage kön­nen die Unternehmen schließlich entschei­den, ob und welche Maß­nah­men sie umset­zen. Etwa die Hälfte der Unternehmen hat auf Grund­lage der Beratun­gen beschlossen, ihr Gelände naturnäher zu gestal­ten. Umset­zun­gen haben in zahlre­ichen dieser Fir­men in der Zwis­chen­zeit begonnen bzw. wur­den bere­its voll­ständig umgesetzt.

www.biodiversity-premises.eu/de

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