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Zurrmittel für die Ladungssicherung

Mehr Sicherheit im Straßenverkehr
Zurrmittel für die Ladungssicherung regelmäßig prüfen!

Markus Tischendorf
Zur­rmit­tel sind wichtige Arbeitsmit­tel für die Sicherung von Gütern auf Straßen­fahrzeu­gen. Bei inner­be­trieblichen Trans­porten sind sie eben­so unverzicht­bar. Um Trans­ports­chä­den und Unfälle zu ver­mei­den, müssen Zur­rmit­tel für die Ladungssicherung bes­tim­mungs­gemäß ver­wen­det und regelmäßig geprüft werden.

Verschiedene Zurrmittel für die Ladungssicherung

Jährlich ereignen sich schwere Unfälle im Straßen­verkehr, weil das Ladegut nicht kor­rekt gesichert wird. Neben Sach- und Umweltschä­den wird zusät­zlich die Gesund­heit der Verkehrsteil­nehmer gefährdet. Das Fahr- und Lade­per­son­al ist betrof­fen, wenn unzure­ichend gesicherte Ladung beim Laden vom Lastkraft­wa­gen her­abzustürzen dro­ht. Grund­sät­zlich sind gewerbliche Trans­porte vorauss­chauend zu pla­nen. Hierzu gehört

  • erstens ein geeignetes Fahrzeug, inklu­sive der erforder­lichen Ein­rich­tun­gen und Hil­f­s­mit­tel zur Ladungssicherung sowie
  • zweit­ens ein beförderungssicheres Ladegut.

Nicht ord­nungs­gemäß bere­it­gestellte Güter lassen sich nur bed­ingt sich­ern. Ein Grund dafür, dass auch Absender und Ver­lad­er für die Ladungssicherung (mit)verantwortlich sind. Schließlich besitzen sie die soge­nan­nte „Warenkunde“.

Ist der Fahrzeu­gauf­bau nicht in der Lage, die Ladung durch form­schlüs­siges Ver­stauen aus­re­ichend zu sich­ern, müssen gemäß § 22 (1) der Unfal­lver­hü­tungsvorschrift „Fahrzeuge“ (DGUV Vorschrift 70) Ein­rich­tun­gen zur Ladungssicherung vorhan­den sein. Dazu zählen beispiel­sweise Stirn­wand­ver­stärkun­gen, Run­gen, Lademulden, Anker­schienen in Verbindung mit Zur­rgurten, Sperr- oder Lade­balken sowie Pla­nen und Net­ze. Eine her­aus­ra­gende Stel­lung nehmen Zur­rmit­tel wie Gurte, Ket­ten und Draht­seile nach DIN EN 12195 Teile 2 bis 4 ein. Sie sind sys­te­mu­nab­hängig und lassen sich bei ver­schiede­nen Fahrzeug­typen indi­vidu­ell ein­set­zen, sofern geeignete Zur­rpunk­te auf der Lade­fläche vorhan­den sind.

Bei der Auswahl von Gurten, Ket­ten oder Draht­seilen ist deren Kennze­ich­nung beson­ders zu beacht­en. Die Her­steller der Pro­duk­te sind verpflichtet, die Leis­tungs­fähigkeit der Zur­rmit­tel für die Ladungssicherung zu kennze­ich­nen, entwed­er durch ein Etikett oder einen Met­al­lan­hänger. Neben anderen Angaben (z. B. Her­steller, Pro­duk­t­norm) enthält die Kennze­ich­nung weit­ere Infor­ma­tio­nen, näm­lich den STF-Wert und den LC-Wert, bei­des angegeben in daN (deka-New­ton).

Die Angabe STF (Stan­dard Ten­sion Force) gibt Auskun­ft über die Vorspannkraft des Span­nele­mentes, also zum Beispiel der Ratsche, des Spin­del- oder des Ratschenspan­ners. Dieser Wert ist für das Niederzur­ren rel­e­vant, bei dem die Ladung auf die Lade­fläche gepresst und dadurch am Rutschen gehin­dert wird. Beim Direk­tzur­ren wird die Ladung mith­il­fe von Zur­rmit­teln „fest­ge­hal­ten“, wobei die Angabe LC (Lash­ing Capac­i­ty) entschei­dend ist.

Da die max­i­male Zugkraft (LC) des Zur­rmit­tels deut­lich größer ist als die Vorspannkraft (STF) des Span­n­mit­tels, ist das Direk­tzur­ren dem Niederzur­ren überlegen.

Merke: Das Niederzur­ren ist für leichte bis mit­telschwere Güter geeignet. Schwere Güter wie Bau­maschi­nen, Beton­fer­tigteile usw. sind bevorzugt durch Direk­tzur­rver­fahren zu sich­ern. Dabei ist es unab­hängig, welche Zur­rmit­te­lart einge­set­zt wird.

Arbeitsmittel im Sinne der Betriebssicherheitsverordnung

Im gewerblichen Bere­ich und auf zahlre­ichen Baustellen kann ein rauer Umgang mit Zur­rmit­teln für die Ladungssicherung nicht ver­mieden wer­den. Neben Wit­terung­se­in­flüssen wie Sonne, Regen und Frost sind Zur­rmit­tel starken Stößen und Schwingun­gen aus­ge­set­zt. Die Betrieb­ssicher­heitsverord­nung regelt in § 14 (2) aus­drück­lich, dass Arbeitsmit­tel, die schädlichen Umwel­tein­wirkun­gen aus­ge­set­zt sind, wiederkehrend durch eine befähigte Per­son zu prüfen sind. Dies bet­rifft beson­ders Zur­rmit­tel nach DIN EN 12195, die übri­gens kein CE-Zeichen besitzen, weil sie per Def­i­n­i­tion keine „Maschi­nen oder Sicher­heit­sein­rich­tun­gen“ im Sinne der EG-Maschi­nen­richtlin­ie sind.

Merke: Rechtlich fall­en Gurte, Ket­ten und Seile – die für die Sicherung von Ladegütern auf Fahrzeu­gen bes­timmt sind – in den Anwen­dungs­bere­ich der Betrieb­ssicher­heitsverord­nung und sind damit prüfpflichtig!

Ver­gle­ich­bar sind die Prüf­pflicht­en für Zur­rmit­tel mit den Anforderun­gen für Anschlag­mit­tel zum Heben von Las­ten. Diese mit Kra­nen bewegten Las­ten wer­den in den meis­ten Betrieben regelmäßig geprüft, anders sieht es bei Zur­rmit­teln aus. Hier sind die Defizite nach eigen­er Ein­schätzung deut­lich größer, offen­sichtlich weil das Unfall­risiko vielerorts unter­schätzt wird.

Inter­es­sant ist die Tat­sache, dass sich nach Angaben der Beruf­sgenossen­schaft Verkehr aus Ham­burg die meis­ten Arbeit­sun­fälle im Güterkraftverkehr am ste­hen­den Fahrzeug ereignen. Unfallschw­er­punk­te sind unter anderem

  • Sturzun­fälle vom Fahrzeu­gauf­bau oder der Ladefläche,
  • Ange­fahren wer­den von Flur­förderzeu­gen beim Lade­vor­gang und
  • das Getrof­fen­wer­den von unkon­trol­liert bewegten Ladegütern.

Die Gefahr durch her­ab­fal­l­ende, kip­pende oder rol­lende Güter wird sel­ten mit ein­er unzure­ichen­den Sicherung oder defek­ten Zur­rmit­teln in Verbindung gebracht. In der Prax­is ist hier noch viel Aufk­lärungsar­beit zu leis­ten. Damit keine gefährlichen Sit­u­a­tio­nen ein­treten, müssen Zur­rmit­tel für die Ladungssicherung arbeit­stäglich durch den Anwen­der und wiederkehrend durch einen Sachkundi­gen (d.h. befähigte Per­son gemäß TRBS 1203) geprüft wer­den. Die Prüf­frist ist im Rah­men der Gefährdungs­beurteilung eigen­ständig festzule­gen. Der Vere­in Deutsch­er Inge­nieure e.V. aus Düs­sel­dorf emp­fiehlt, Zur­rmit­tel spätestens alle 12 Monat­en prüfen zu lassen. Das Prüfer­geb­nis ist zu dokumentieren.

Ablegereife Zurrmittel erkennen

Besitzen Zur­rmit­tel für die Ladungssicherung Schä­den, welche die Sicher­heit des Pro­duk­ts beein­trächti­gen und deswe­gen zu gefährlichen Sit­u­a­tio­nen bei der Arbeit führen kön­nen, sind sie der weit­eren Benutzung dauer­haft zu entziehen. Im Einzelfall kann es sin­nvoll sein, Zur­rmit­tel ein­er Reparatur zuzuführen, beispiel­sweise für Zur­rket­ten. Jedoch dür­fen Instand­set­zun­gen nur durch den Her­steller oder einen autorisierten Fach­be­trieb durchge­führt wer­den. Zur­rmit­tel dür­fen nicht von Laien repari­ert wer­den, weil die Qual­ität des Pro­duk­ts nach der Reparatur nicht zweifels­frei beurteilt wer­den kann.

Für jedes Zur­rmit­tel für die Ladungssicherung gilt: Die Ver­wen­dung ist nicht mehr zuläs­sig, wenn die Pro­duk­tkennze­ich­nung unles­bar ist oder das Etikett beziehungsweise der Anhänger fehlt. Darüber hin­aus gel­ten für Zur­rmit­tel gemäß VDI Richtlin­ie 2700 Blatt 3.1 „Gebrauch­san­leitung für Zur­rmit­tel“ fol­gende Ablegekriterien:

Zur­rgurte:

  • Beschädi­gun­gen des Gurt­ban­des größer als 10 Prozent bezo­gen auf die Bre­ite oder Dicke sowie über­mäßiger Ver­schleiß durch Abrieb
  • beschädigte Nähte
  • Ver­for­mungen des Gurt­ban­des durch Wärme
  • sicht­bare Ver­sprö­dung des Gurt­ban­des durch Kon­takt mit Säuren oder Laugen
  • defek­te Ratschen oder Klemm­schlöss­er auf­grund von Ver­for­mungen, Ker­ben, Rillen, Risse, Brüchen oder Korrosionsnarben
  • Ver­schleiß durch Abrieb, ins­beson­dere der Zahnkränze und des Sperrschiebers
  • sicht­bare Defor­ma­tio­nen oder Verän­derun­gen an den Verbindungselementen

Zur­rket­ten:

  • Beschädi­gun­gen der Rund­stahlkette (z.B. Ker­ben, Rillen, Risse, Brüche oder Korrosionsnarben)
  • Ver­schleiß durch Abrieb um mehr als zehn Prozent der Nen­ndicke (d)
  • Dehnung eines Ket­tengliedes um mehr als drei Prozent der Gliedlänge (5 x d)
  • defek­te Ratschen- oder Spin­delspan­ner auf­grund von Ver­for­mungen, Ker­ben, Rillen, Ris­sen, Brüchen oder Korrosionsnarben
  • fehlende oder defek­te Spindelausdrehsicherung
  • sicht­bare Defor­ma­tio­nen oder Verän­derun­gen an den Verbindungselementen
  • Aufweitung des Hak­ens um mehr als 10 Prozent
  • Ver­schleiß im Hak­en­grund um mehr als fünf Prozent (Steghöhe)

Stahldraht­seile:

  • Draht­bruchnester
  • sicht­bare Draht­brüche von mehr als vier auf 3 x d, mehr als sechs bei 6 x d
  • gebroch­ene Litze
  • beschädigte Pressklem­men (z.B. Ver­ringerung des Durchmessers der Pressklemme um fünf Prozent)
  • stark­er Ver­schleiß des Seils um mehr als zehn Prozent des Nen­ndurchmessers (d)
  • Quetschun­gen des Seils um mehr als 15 Prozent
  • Knicke und Klanken
  • defek­te Span­n­mit­tel auf­grund von Ver­for­mungen, Ker­ben, Rillen, Ris­sen, Brüchen oder Korrosionsnarben
  • sicht­bare Defor­ma­tio­nen oder Verän­derun­gen an den Verbindungselementen
  • Aufweitung des Hak­ens um mehr als 10 Prozent
  • Ver­schleiß im Hak­en­grund um mehr als 5 Prozent (Steghöhe)

Als befähigte Per­son zur Prü­fung von Zur­rmit­teln für die Ladungssicherung kön­nen eigene, qual­i­fizierte Beschäftigte oder Prüfer von exter­nen Dien­stleis­tern beauf­tragt wer­den. Eigenes Prüf­per­son­al sollte durch den Arbeit­ge­ber schriftlich bestellt wer­den. Die notwendi­gen Fachken­nt­nisse und Fer­tigkeit­en kön­nen durch Teil­nahme an einem entsprechen­den Sachkunde-Sem­i­nar erwor­ben wer­den. Außer­dem ist zu gewährleis­ten, dass den mit der Prü­fung beauf­tragten Per­so­n­en die erforder­lichen sach­lichen und zeitlichen Ressourcen zur Ver­fü­gung ste­hen. In der Ausübung ihrer Prüftätigkeit­en unter­liegt das Prüf­per­son­al keinen Weisun­gen des Arbeit­ge­bers beziehungsweise Auftraggebers.


Markus Tischendorf
Markus Tis­chen­dorf; Foto: © Dägling

Autor: 
Markus Tischendorf,
Fachjournalist

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