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Sichere Evakuierung - So sind Betriebe vorbereitet

So sind Betriebe vorbereitet
Sichere Evakuierung

Evakuierung
Ein entscheidendes Element in der Notfallplanung sind Übungen: Weiß jeder, wo es lang geht? Foto: © industrieblick - stock.adobe.com
Eines der wichtig­sten Ziele bei der betrieblichen Not­fallpla­nung sollte eine sichere Evakuierung der Mitar­beit­er sein. Doch was genau bein­hal­tet dieser Begriff und was alles gehört dazu?

Unter ein­er Evakuierung ver­ste­ht man das organ­isierte Flücht­en beziehungsweise Ver­legen von Men­schen aus gefährde­ten Bere­ichen in sichere Bere­iche. Sichere Bere­iche kön­nen auch andere Brand­ab­schnitte sein, es muss nicht zwangsläu­fig ins Freie evakuiert wer­den. Dies hängt aber stark von den betrieblichen Voraus­set­zun­gen ab und kann nicht pauschal fest­gelegt werden.

Wer trägt die Verantwortung bei einer Evakuierung?

Grund­sät­zlich liegt die Ver­ant­wor­tung für die Sicher­heit der Mitar­beit­er beim Unternehmer. Dies gilt natür­lich auch für eine Evakuierung. Ein Unternehmer kann die Auf­gaben in der Not­fallpla­nung delegieren, aber nicht die Ver­ant­wor­tung im Gesamten. Er hat sich fol­glich davon zu überzeu­gen, dass die notwendi­gen Voraus­set­zun­gen geschaf­fen sind.

Eine wichtige Rolle bei ein­er Evakuierung spie­len die soge­nan­nten Evakuierung­shelfer beziehungsweise ‑kräfte. Meis­tens sind sie für einen gewis­sen Bere­ich ver­ant­wortlich, sprich, es han­delt sich um von der Geschäft­sleitung beauf­tragte Mitar­beit­er, die im Not­fall pos­i­tiv auf das Evakuierungs­geschehen ein­wirken. Dies tun sie, indem sie lenken, überwachen und kon­trol­lieren. Sie sind in solchen Fällen anderen Mitar­beit­ern gegenüber weisungs­befugt. Ihre Auf­gaben kön­nen sein:

  • im Vor­feld immer wieder darauf ein­wirken, dass Flucht- und Ret­tungswege freige­hal­ten werden
  • darauf acht­en, dass Brand­schutztüren nicht mit Gegen­stän­den offenge­hal­ten werden
  • das Benutzen von Aufzü­gen im Not­fall verhindern
  • beim Alarm­fall den vorge­se­henen Platz ein­nehmen und pos­i­tiv auf das Evakuierungs­geschehen einwirken
  • anderen den Weg weisen
  • für Ruhe und Ord­nung sorgen
  • den zu ver­ant­wor­tenden Bere­ich kon­trol­lieren und gegebe­nen­falls am Sam­melplatz eine Leer­mel­dung abgeben

Läuft alles nach Plan?

Ein wesentlich­er Punkt – wenn nicht sog­ar das wichtig­ste Instru­ment – bei der Not­fallpla­nung sind die Übun­gen. Hier ver­hält es sich wie in vie­len Bere­ichen des Lebens: Je öfter man etwas übt, desto bess­er kann man es im Fall der Fälle abrufen. Das anhand von Unter­weisun­gen Gel­ernte sollte bei Übun­gen ins Prak­tis­che umge­set­zt wer­den, um es dadurch tiefer im Bewusst­sein zu verankern.

1. Evakuierungsübung

Grund­sät­zlich unter­schei­det man zwei Arten von Übun­gen: die Evakuierungsübung und die Feuer­wehrübung. Das ist nicht zwangsläu­fig das­selbe. Eine Evakuierungsübung legt den Fokus auf die Evakuierung der Gebäude. Bei diesen Übun­gen ste­hen der betriebliche Ablauf und die Gebäude­tech­nik, welche im Alarm­fall beansprucht wird, ganz klar im Vorder­grund. Ziel sollte sein, dass alle Mitar­beit­er auf schnell­stem Weg das Gebäude sich­er ver­lassen kön­nen. Je nach örtlichen Begeben­heit­en kann es sin­nvoll sein, die Feuer­wehr einzubeziehen. Es kann jedoch auch eine Evakuierungsübung ohne Feuer­wehr stattfinden.

2. Feuerwehrübung

Die zweite Art von Übung ist die Feuer­wehrübung. Hier kann man je nach Übungsszenario auch eine Evakuierung mit ein­pla­nen. Ziel solch­er Übun­gen ist es aber, dass die örtliche Feuer­wehr den Betrieb, die Gebäude und vor allem die Gefahren­stellen des Unternehmens bess­er ken­nen­lernt. Dies ist sin­nvoll, damit die Ein­satzkräfte im Ern­st­fall das Gebäude nicht das erste Mal von innen sehen.

Planung einer Evakuierungsübung

Evakuierungsübun­gen soll­ten im Vor­feld gut organ­isiert und geplant wer­den. Nicht sel­ten fördern sie zutage, dass The­o­rie und Prax­is weit voneinan­der ent­fer­nt sind. Dem­nach ist es fast genau­so wichtig, die Erken­nt­nisse aus ein­er Übung gle­ich im Anschluss in die Not­fallpla­nung einzubeziehen. Denn oft­mals erweist sich erst beim Test­lauf, ob die Pla­nung auf dem Papi­er sin­nvoll und umset­zbar ist.

Grund­sät­zlich emp­fiehlt es sich, ein Team zu bilden, das die Übungs­pla­nung übern­immt. Ide­al­er­weise sitzen ver­schiedene Entschei­der am Tisch. Das Team sollte aber nur so groß wie nötig sein. Denn bei Übun­gen, welche aus guten Grün­den unangekündigt sind, erhöht jed­er Wis­sende die „Gefahr“, dass diese am Ende doch nicht mehr so über­raschend erfol­gen. Und das wiederum hil­ft schlussendlich keinem der Beteiligten.

Angekündigt oder unangekündigt?

Eine der ersten Fra­gen, die man sich bei ein­er solchen Pla­nung stellen sollte, ist: Wollen wir eine angekündigte oder eine unangekündigte Übung durch­führen? Eines sollte von vorn­here­in klar sein: Wenn man das erste Mal eine Übung plant, ist es nicht rat­sam, diese unangekündigt durchzuführen. Denn dies kön­nte zu Unver­ständ­nis und Panik führen oder gar Ver­let­zun­gen nach sich ziehen. Der gewün­schte Lern­ef­fekt wäre dahin.

Um mehr Ver­ständ­nis für die Übun­gen zu erlan­gen, ist es zudem rat­sam, sich bei ver­ant­wortlichen Per­so­n­en nach Betrieb­sabläufen oder Mate­ri­alfluss zu erkundi­gen, damit diese so wenig wie nötig gestört wer­den. Man muss ja nicht gle­ich mit dem Datum der Übung um die Ecke kom­men. Aber ein Nach­fra­gen nach der besten Zeit schadet keinem.

Ist die Technik funktionsfähig?

Weit­er­hin ist zu klären, ob die tech­nis­chen Voraus­set­zun­gen gegeben sind, so zum Beispiel die Not­beleuch­tung oder die Gebäudealarmierung. Es kommt nicht sel­ten vor, dass ein Teil der Alarmierung nicht oder nur schlecht funk­tion­iert. Auch während der Übung ist darauf zu acht­en, ob die Alarmierung über­all vernehm­bar ist. Ein wesentlich­er Aspekt im Vor­feld sind natür­lich auch die Mitar­beit­er: Jedem Beschäftigten sollte klar sein, wie sich das Räu­mungssig­nal anhört und was daraufhin zu tun ist. Sprich, eine Unter­weisung zu diesem The­ma, die grund­sät­zlich ein­mal jährlich durchzuführen ist, sollte jed­er Mitar­beit­er erhal­ten haben.

Übungsbeobachter positionieren

Ein weit­er­er Punkt bei der Pla­nung ein­er Evakuierungsübung sind die Übungs­beobachter. Diese soll­ten aus­gerüstet mit ein­er Check­liste und einem Stift an ver­schiede­nen Punk­ten im Gebäude und auf dem Gelände posi­tion­iert sein. Die auszufül­lende Check­liste sollte im Vor­feld an die Übung erar­beit­et wer­den. Mit diesen Übungs­beobachtern kann man sich ganz gezielt auf ver­schieden­ste Dinge während ein­er Übung konzentrieren.

Der Sam­melplatz beziehungsweise das Ver­hal­ten am Sam­melplatz ist auch immer wieder ein The­ma. Man muss die Mitar­beit­er dahinge­hend unter­weisen, dass die Übung dort noch nicht been­det ist. Am Sam­melplatz ist es ganz wichtig, dass die Vol­lzäh­ligkeit der Mitar­beit­er über­prüft wird. Auch hier muss man sich im Vor­feld Gedanken machen, welche Mitar­beit­er die Infor­ma­tio­nen beziehungsweise Leer­mel­dun­gen aus den Bere­ichen zum Sam­melplatz brin­gen und welche Mitar­beit­er diese Infor­ma­tio­nen ent­ge­gen­nehmen und verarbeiten.

Sind noch Menschen im Gebäude?

Am Ende ein­er Übung sollte man in der Lage sein, Infor­ma­tio­nen über die Anzahl der noch im Gebäude befind­lichen Per­so­n­en geben zu kön­nen. Diese Infor­ma­tion ist bei einem Ern­st­fall für die Feuer­wehr von großer Bedeu­tung. Denn für die Feuer­wehr macht es natür­lich einen Unter­schied, ob sie zur Men­schen­ret­tung und Löschar­beit­en oder „nur“ zu Löschar­beit­en in ein Gebäude muss.

Da diese Infor­ma­tio­nen für viele Mitar­beit­er gän­zlich neu sind oder es schon sehr lange her ist, dass sie zulet­zt etwas über das The­ma Evakuierung gehört haben, ist es umso wichtiger, mit dem Üben zu begin­nen. Denn nur ein gut geübter Evakuierungsablauf führt zu einem guten Evakuierungsablauf.


Foto: Rau Arbeitss­chutz GmbH & CO. KG

Autor: Christoph Ament

Fachkraft für Arbeitssicherheit

Fach­plan­er Brandschutz

Rau Arbeitss­chutz GmbH & Co. KG


Evakuierung
Beschilderung Sam­melplatz
Foto: © Alex T. — stock.adobe.com

Checkliste zur Evakuierungsübung

  • Sind Fluchtwege in aus­re­ichen­der Zahl und Größe vorhan­den (ASR A2.3)?
  • Sind die Fluchtwege gekennzeichnet
    (ASR A1.3)?
  • Sind Fluchtwege frei von Brandlasten?
  • Wie wird alarmiert / ken­nt jed­er den Alarmierungston (Laut­sprecher­durch­sage, Tele­fon, Sire­nen etc.)?
  • Wur­den die Mitar­beit­er unterwiesen?
  • Ist der Sam­melplatz fest­gelegt und den Mitar­beit­ern bekannt?

Einen umfassenden Ein­blick in die The­matik gibt die DGUV Infor­ma­tion 205–033 „Alarmierung und Evakuierung“, die über die Pub­lika­tions­daten­bank der DGUV unter https://publikationen.dguv.de bezo­gen wer­den kann.

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