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Vor Ort beim Hessischen Rundfunk in Kassel

Vor Ort beim Hessischen Rundfunk in Kassel
Action statt Langeweile

Mehr als zwei Jahrzehnte Tätigkeit in der Fernseh-Pro­duk­tion bedeuten eine Menge Erfahrung. Das war auch das auss­chlaggebende Argu­ment für Jür­gen Liebert, als vor zwei Jahren neue Sicher­heits­beauf­tragte gesucht wur­den. Liebert war sofort dabei und macht sei­ther Fil­mauf­nah­men für „Tatort“, „Hes­sen­schau“ und das Reportage­for­mat „Erleb­nis Hes­sen“ noch sicherer.

Kirsten Rein

„Eigentlich ist unser Job wie ein Aben­teuer­spielplatz“, sagt Jür­gen Liebert. „Für einen Film über Klet­ter­parks steigen wir den Pro­tag­o­nis­ten hin­ter­her in die Bäume. Mit dem Unter­wasser­schweißer tauchen wir tief ab und mit der Feuer­wehr ste­hen wir oben auf der Drehleit­er.“ Kein Auf­trag ist wie der andere. Wobei Liebert und seine Kol­le­gen auch nicht jeden Tag einen Kun­st­flieger begleit­en oder bei Auf­nah­men der Höhen­ret­tung dabei sind.

Als Ober­beleuchter und Ton­tech­niker ist Jür­gen Liebert ein Teil des Kam­er­ateams. Er sorgt für die opti­male Ausleuch­tung und den guten Ton. Das gilt für Stu­dioauf­nah­men und Filme im Innen­bere­ich eben­so wie für Auße­nauf­nah­men bei Sturm auf der Wasserkuppe, beim Karneval in Bau­na­tal, Sportver­anstal­tun­gen oder dem Porträt ein­er Blu­men­binderin. Die meis­ten sein­er 25 Licht‑, Ton- und Kam­er­akol­le­gen sind wie Liebert auch als Drohnen-Piloten ausgebildet.

Lust auf Veränderung

Liebert ist seit 1998 beim Hes­sis­chen Rund­funk in Kas­sel. Dabei sah es zunächst gar nicht so aus, als würde er seinem Vater nach­fol­gen, der in der hr-Ver­wal­tung tätig war. Nach der Lehre zum Elek­trotech­niker startete der gebür­tige Kas­se­lan­er bei ein­er Fir­ma, die für die elek­trische Ausstat­tung in Kranken­häusern und Pri­vathaushal­ten sorgte. Nach zwölf Jahren war ihm fad, er suchte nach Verän­derung und bewarb sich als Beleuchter beim hr. Damals ging es um Stu­dio­pro­duk­tio­nen wie die Unter­hal­tungssendun­gen „Traumtänz­er“ oder „Her­rchen gesucht“. „Es war ein Lern­beruf und kein Lehrberuf“, so Liebert. „Die Kol­le­gen haben mir gezeigt, was man als Beleuchter und Ton­tech­niker machen muss, und mich so eingear­beit­et.“ Heute gibt es im hr-Stu­dio Kas­sel, wo der Hes­sis­che Rund­funk mit rund 200 fes­ten und freien Mitar­beit­ern unter anderem das Radio­pro­gramm hr4 und Beiträge fürs hr-Fernse­hen pro­duziert, keine Fernseh-Stu­dio­pro­duk­tio­nen mehr. Diese sind zum größten hr-Stan­dort nach Frankfurt
abgewandert.

Neben Beiträ­gen für die tage­sak­tuell pro­duzierte „hes­sen­schau“ und das
Reportage­for­mat „Erleb­nis Hes­sen“ begleit­et Liebert hier nun Drehs für Mag­a­zine und Spielfilme. Im Rah­men des Lübcke-Prozess­es fuhr er sog­ar mit zu Auf­nah­men nach Frankre­ich. Dort hat­te eine Mitar­bei­t­erin den Kon­takt zu Opfern eines Moscheean­schlags auf­bauen kön­nen. Und wenn der hes­sis­che „Tatort“ in Kas­sel und Umge­bung spielt, ist der 54-Jährige auch dabei.

Immer mehr Actiondrehs

Vor allem bei riskan­teren Auf­nah­men sieht Liebert ein wichtiges Betä­ti­gungs­feld als Sicher­heits­beauf­tragter. Ins­beson­dere Fahrauf­nah­men bergen Gefahren. Muss plöt­zlich abge­bremst wer­den, kann kein noch so kräftiger Men­sch eine zehn Kilo­gramm schwere Kam­era fes­thal­ten. Alter­na­tiv kön­nen kleinere Kam­eras mit Saugnäpfen an der Frontscheibe ange­bracht oder für einen „Tatort“ auch Straßen abges­per­rt wer­den. Ins­ge­samt wan­delt sich der Fernseh‑, Kino- und Serien­markt ras­ant. „Die Men­schen wollen immer mehr Action sehen. Unser Tatort mit Ulrich Tukur, in dem es nach Taran­ti­no-Manier 40 Tote gab, hat viele Preise bekommen.“

Sind wir richtig ausgerüstet?

Als vor zwei Jahren der bish­erige Sicher­heits­beauf­tragte sein Amt abgeben wollte, war Jür­gen Liebert sofort bere­it, zu übernehmen und den Auf­gaben­bere­ich noch weit­er zu fassen, als es zuvor prak­tiziert wurde. Sein Chef Jens Fis­ch­er und der damals neue Sicher­heitsin­ge­nieur Sven Schmidt in Frank­furt unter­stützen ihn dabei. In den zwei Sem­i­naren für Sicher­heits­beauf­tragte der Beruf­sgenossen­schaft wur­den den aktuellen Amtsin­hab­ern in Kas­sel –Jür­gen Liebert sowie sein Kol­lege Andreas Emde von der Ausstat­tung (für die Bühne) – Vorschläge und Maß­nah­men an die Hand gegeben, wie man zielführend agieren kann.


„Prak­tikan­ten mit Turn­schuhen lasse ich zum Dreh im Schnee nicht mitfahren.“


Liebert, als Ansprech­part­ner für Sicher­heits­be­lange rund um Film-Pro­duk­tio­nen, stellt sich sei­ther regelmäßig die Frage: „Sind wir genü­gend aus­gerüstet oder müssen andere Dinge angeschafft wer­den?“ Er ist erster Ansprech­part­ner, bevor die Teams zu Drehs in Ställen oder auf Däch­ern auf­brechen, aber auch, wenn Auf­nah­men im Dan­nen­röder Forst oder bei Demon­stra­tio­nen mit Radikalen und Ver­mummten anste­hen, die Kam­er­ateams und Jour­nal­is­ten mitunter anfein­den. Auch hier lautet die Frage: Sind die Kol­le­gen genü­gend gesichert mit Hel­men und Schutzaus­rüs­tung, ken­nen sie die Verhaltensregeln?

Separates Akku-Lager eingeführt

Außer­dem wer­den regelmäßig Sicher­heit­sun­ter­weisun­gen durchge­führt und doku­men­tiert. Sukzes­sive nehmen feste und freie Mitar­beit­er daran teil. Es wur­den Sicher­heitss­chuhe für alle angeschafft. Für Drehs bei Matsch und Regen gibt es Gum­mistiefel in den Ein­satz­fahrzeu­gen. Wer klet­tern oder in der Höhe arbeit­en muss, find­et in der Kam­er­aw­erk­statt Sicher­heit­shelme und Gurte. Außer­dem hat Liebert vorgeschla­gen, ein sep­a­rates Akku-Lager einzuricht­en. Das wurde sofort umge­set­zt. Sollte ein Akku Feuer fan­gen, wer­den die Kam­eras und Film-Uten­silien somit nicht in Mitleidenschaft
gezogen.

Arbeitsvorbereitung ist das A und O

Liebert ist ein Men­sch, der die Dinge wohlüber­legt ange­ht. „Ich habe mein Haus selb­st umge­baut und dabei immer wieder fest­gestellt, dass man aus rein­er Bequem­lichkeit seine Schutzbrille oder den Gehörschutz nicht nutzt. Ich habe mich dadurch auch schon in kri­tis­che Sit­u­a­tio­nen gebracht“, erzählt er. Das kann zu schlim­men Unfällen führen, wie ihm heute bewusst ist. Deshalb plädiert er immer für eine gute Arbeitsvor­bere­itung – auch mit der nöti­gen Kon­se­quenz: „Wenn ein Prak­tikant zu einem Dreh im Schnee in Turn­schuhen erscheint, lasse ich ihn nicht mit­fahren.“ Hand­schuhe, Mütze, Wärmeschutzk­lei­dung und entsprechen­des Schuh­w­erk gehören in der kalten Jahreszeit dazu. „Uner­fahrene Mitar­beit­er machen sich keine Vorstel­lung davon, wie lange man manch­mal bei unwirtlichem Wet­ter aushar­ren muss und wie kalt es einem dann wird.“ Liebert fühlt sich ver­ant­wortlich dafür, dass dies nie­mand mehr passiert. „Wenn ich per­sön­lich dabei bin, ist es ein­fach, darauf zu acht­en.“ Anson­sten müsse man gut argu­men­tieren beziehungsweise Ein­sätze und Maß­nah­men von län­ger­er Hand vor­bere­it­en. Ober­stes Ziel ist, dass die Teams, die draußen sind, gesund bleiben und es nicht zu Unfällen kommt.

Sportlich unterwegs

Aber, so stellt Liebert klar, etwas Schlimmes ist noch nie passiert. Die Kol­le­gen haben in der Regel alle ein hohes Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein. Der Betrieb­sarzt Dr. André Dupin schaut sich immer wieder die Arbeit­splätze an – auch unter hygien­is­chen Gesicht­spunk­ten, da diese beim hr häu­fig von mehreren Per­so­n­en genutzt wer­den. Weil die Filmteams viel unter­wegs sind, wurde ihnen erst kür­zlich ein Fahrtrain­ing ange­boten, das auf große Begeis­terung gestoßen ist. Der hr hat zudem eine Betrieb­ss­port­gruppe und bietet darüber hin­aus Kurse von Acht­samkeit­strain­ing bis hin zu Ten­nis, Laufen und Yoga an. Liebert selb­st ist ein sportlich­er Typ. „Der Job hält uns fit,“ sagt er. Pri­vat fährt er viel Fahrrad, mit dem Hund an sein­er Seite. Früher war er zudem lei­den­schaftlich­er DLRG Ret­tungss­chwim­mer. Doch das ließ sich immer weniger mit seinem Beruf und der Fam­i­lie vere­in­baren. Heute reicht die Zeit nur noch für gele­gentliche Schwimmausflüge.

Gut, dass du da bist!

Beim hr in Kas­sel herrscht eine famil­iäre Atmo­sphäre. Deshalb macht es Liebert solche Freude beziehungsweise ist es ihm per­sön­lich ein Bedürf­nis, daran mitzuwirken, dass seine Kol­le­gen ihre Jobs sich­er aus­führen kön­nen. Noch lohnen­der wird sein Ein­satz für die Sicher­heit dadurch, dass diese ihn zu schätzen wis­sen: „Gut, dass du vorher mit der Redak­tion gesprochen hast.“ „Gut, dass du dabei warst.“ Oder „Gut, dass du für eine zusät­zliche Per­son und andere Mit­tel gesorgt hast.“ Das sind Sätze, die Liebert immer wieder hört und die ihn in seinen Bemühun­gen bestärken.


Steckbrief

  • Jür­gen Liebert
  • 54 Jahre
  • Lehrberuf: Elek­trotech­niker
  • Aktuelle Posi­tion: Ober­beleuchter und Ton­tech­niker beim Hes­sis­chen Rund­funk in Kassel
  • Sicher­heits­beauf­tragter seit 2018
  • Branche: Medi­en

Hessischer Rundfunk

Der Hes­sis­che Rund­funk (hr) ist seit über 70 Jahren die öffentlich-rechtliche Lan­desrund­funkanstalt in und für Hes­sen. Der hr ist Grün­dungsmit­glied der ARD. Haupt­sitz des hr ist das Frank­furter „Funkhaus am Dornbusch“.

  • Mitar­beit­er: 1.725 fes­tangestellte sowie rund 850 freie Mitar­bei­t­erin­nen und Mitar­beit­er, 26 Reporter für die regionale Berichter­stat­tung plus 15 hr-Kor­re­spon­den­ten im Haupt­stadt­stu­dio Berlin und in den ARD-Stu­dios weltweit.
  • Stan­dorte: Neben dem Funkhaus in Frank­furt gibt es hr-Stu­dios in Kas­sel, Ful­da, Gießen, Wies­baden und Darm­stadt und zusät­zliche Kor­re­spon­den­ten­büros in allen Regio­nen Hessens.
  • www.hr.de
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