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Einige Anmerkungen zum Artikel „GBU Psyche – Welche Instrumente sind zulässig?“

Leserbrief zu Dr. Hartmut Frenzel, in: Sicherheitsingenieur 08/2020, S. 16ff
Einige Anmerkungen zum Artikel „GBU Psyche – Welche Instrumente sind zulässig?“

Gle­ich am Anfang stellt Herr Dr. Fren­zel einen Zusam­men­hang zwis­chen der Zunahme der AU-Tage Psy­chis­ch­er Störun­gen und der Unzulänglichkeit der Methodik zur Erfas­sung psy­chis­ch­er Belas­tun­gen her. Das trifft nicht zu, weil hier Grund­ver­schiedenes (Psy­chis­che Störun­gen und Psy­chis­che Belas­tun­gen) miteinan­der ver­mis­cht wird. Es gibt auch keine wis­senschaftliche Evi­denz zum (mono)kausalen Entste­hungszusam­men­hang zwis­chen psy­chis­chen Belas­tun­gen bei der Arbeit und der Entwick­lung psy­chis­ch­er Störun­gen. Meines Wis­sens behauptet das auch kein ser­iös­er Arbeitswissenschaftler.

Weit­er­hin schreibt Dr. Fren­zel: „Frage­bö­gen erfassen sum­marisch das indi­vidu­elle Beanspruchungser­leben der Beschäftigten.“ Das ist völ­lig richtig. Psy­chis­che Belas­tungs­fak­toren wirken sich auf den Men­schen als Beanspruchung interindi­vidu­ell unter­schiedlich aus. D.h. über das sum­marisch indi­vidu­elle psy­chis­che Beanspruchungser­leben wird ein Rückschluss auf die objek­tive Belas­tung geschlossen. Psy­chis­che Belas­tun­gen sind nur indi­rekt mess­bar (also über die Beanspruchun­gen der Beschäftigten) und nicht direkt mit einem Mess­gerät. (Indi­rek­te Mes­sun­gen sind qual­i­ta­tiv nicht min­der­w­er­tiger als direk­te Mes­sun­gen. Über 90% der Erken­nt­nisse der extrater­restrischen Physik über Sterne, Plan­eten und Monde sind indi­rekt gemessen.)

Er schreibt, dass die Antworten in einem Frage­bo­gen abhängig sind von Erwartung, Tages­form, Wet­ter, eige­nen Zie­len, Ereignis­sen vor dem Aus­füllen des Frage­bo­gens. Dies gilt allerd­ings genau­so für Beobach­tungsin­ter­views und ein Analy­seteam. Anzunehmen, dass man durch den Mul­ti­p­lika­tor­ef­fekt mehrerer Experten in einem Analy­seteam eine Qua­si­ob­jek­tiv­ität her­stellen kann, ist absurd (siehe Hawthorne-Exper­i­mente etc.).

Selb­stver­ständlich ver­langt die Frage­bo­genkon­struk­tion eine inhaltliche und method­is­che Kom­pe­tenz. Es muss eine bedin­gungs­be­zo­gene (und nicht eine per­so­n­en­be­zo­gene) Mes­sung der psy­chis­chen Beanspruchung erfol­gen. Bspw. ist die Frage „Fühlen Sie sich durch Ihre Arbeit gestresst?“ nicht bedin­gungs­be­zo­gen. Wie sich jemand fühlt, ist völ­lig uner­he­blich. Einen bedin­gungs­be­zo­ge­nen Frage­bo­gen zu kon­stru­ieren, ist gar nicht so ein­fach. Mehr als 50% der auf dem Markt kur­sieren­den Frage­bö­gen sind sub­op­ti­mal. Das ist eher das Prob­lem als generell die schriftliche Befra­gung als ungeeignet und unzuläs­sig darzustellen.

Prof. Dr. habil. Thomas Langhoff,
HS Nieder­rhein, Krefeld

Pro­fes­sor für Arbeitswis­senschaft und Human Resources

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