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Wenn der Träger nicht zur Norm passt

Spezialfälle der PSA-Nutzung
Wenn der Träger nicht zur Norm passt

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Menschen sind verschieden, aber jeder hat den gleichen Anspruch auf Schutz vor möglichen Gefahren am Arbeitsplatz. Seien es individuelle Besonderheiten oder persönliche Wünsche – viele PSA-Hersteller haben passende Antworten parat. Foto: © 1STunningART – stock.adobe.com
Der Nutzen von Per­sön­lich­er Schutzaus­rüs­tung (PSA) zur Präven­tion von Arbeit­sun­fällen und Beruf­skrankheit­en ist unbe­strit­ten. Von ihrer Her­stel­lung und Prü­fung nach stren­gen Stan­dards über verbindliche Vor­gaben zur Kennze­ich­nung bis zur Kostenüber­nahme durch den Arbeit­ge­ber sind viele Aspek­te klar geregelt. Doch trotz ein­er bre­it­en und immer vielfältigeren Palette hochw­er­tiger PSA-Kom­po­nen­ten kann es bei der Zuteilung zu unklaren oder kon­flik­t­trächti­gen Sit­u­a­tio­nen kommen.

Es geht in diesem Beitrag nicht um die klas­sis­chen und jedem Arbeitss­chützer bekan­nten Kon­flik­te, dass Mitar­beit­er das Tra­gen von PSA ablehnen oder „vergessen“. Stattdessen sollen Sit­u­a­tio­nen beleuchtet wer­den, in denen jemand bere­it ist, sich an seinem Arbeit­splatz durch PSA zu schützen, dies aber mit indi­vidu­ellen Beson­der­heit­en oder per­sön­lichen Wün­schen kollidiert.

Genormte Schutzausrüstung trifft auf ungenormte Menschen

PSA muss nicht nur schützen, sie soll ihrem Träger auch passen. Ähn­lich wie bei den meis­ten Klei­dungsstück­en basiert die Gestal­tung von PSA auf anthro­pometrischen Durch­schnitts­maßen. Das heißt, dass die Größen, Weit­en, Bein­län­gen usw. sich nach den Durch­schnittswerten erwach­sen­er Per­so­n­en richt­en. Doch für Men­schen an den Rän­dern dieser Größen­verteilun­gen kann das Ange­bot knapp wer­den. Denn der Men­sch ist nicht genormt, es gibt eine Vielzahl von Abwe­ichun­gen und Besonderheiten.

Das nahe­liegend­ste Beispiel sind die Maße, ob Kör­p­er- oder Schuh­größe. Beson­ders klein- oder großwüch­sige Men­schen find­en – zumin­d­est in spezial­isierten Läden – passende Freizeitschuhe und ‑bek­lei­dung in Über- und Son­der­größen, doch für Schutzk­lei­dung ist das keineswegs selbstverständlich.

Dazu kom­men Mitar­beit­er mit anderen indi­vidu­ellen Beson­der­heit­en, Vor­erkrankun­gen oder kör­per­lichen Ein­schränkun­gen, die „aus der Norm fall­en“. Das kann eine Fußfehlstel­lung sein, ein verkürztes Bein, eine Hörschwäche oder eine Prothese. Dies bet­rifft zwar stets indi­vidu­elle Fälle, in ihrer Gesamtheit kann man jedoch kaum von Einzelfällen sprechen. Schon allein deshalb, weil viele der rund zehn Mil­lio­nen Men­schen in Deutsch­land, die mit ein­er Behin­derung leben, aktiv im Beruf ste­hen. Oft haben diese Beson­der­heit­en oder Ein­schränkun­gen keine oder nur geringe Auswirkun­gen auf das Tra­gen und Benutzen von Schutzaus­rüs­tung. In bes­timmten Fällen kann eine indi­vidu­elle Beson­der­heit jedoch zu Kon­flik­ten mit einem PSA-Tragege­bot am Arbeit­splatz führen.

Entscheidend ist die individuelle Gefährdungsbeurteilung

Es gibt für solche Fälle kein pauschales Lösungskonzept. Je nach Sit­u­a­tion kann es nötig wer­den, zum Beispiel beim Liefer­an­ten eine Son­der­größe zu erfra­gen oder mit dem Her­steller zu klären, inwiefern indi­vidu­elle Anpas­sun­gen möglich sind. Wenn für einen Kol­le­gen die ihm passende und für ihn geeignete Schutzaus­rüs­tung ger­ade nicht zur Hand ist, darf dies wed­er dazu führen, dass er ohne erforder­liche Schutzaus­rüs­tung arbeit­et noch sollte es zum Grund wer­den, dass jemand seinen Arbeit­splatz oder gar seine Arbeitsstelle aufgibt. Ober­stes Ziel muss stets sein, die Arbeits- und Ein­satzfähigkeit zu erhal­ten. Maßge­blich ist die auf die konkrete Per­son und seine Tätigkeit bezo­gene Gefährdungs­beurteilung. Diese muss klären, welche Arten von Schutzk­lei­dung und ‑aus­rüs­tung der Mitar­beit­er trotz kör­per­lich­er Ein­schränkun­gen oder ander­er Beson­der­heit­en tra­gen und benutzen kann.

Rechts­grund­lage für das Bere­it­stellen von PSA durch den Arbeit­ge­ber sowie die Benutzung durch die Beschäftigten bei der Arbeit ist die PSA-Benutzungsverord­nung (PSA-BV). Laut § 2 muss die Per­sön­liche Schutzausrüstung

  • den ergonomis­chen Anforderun­gen und den gesund­heitlichen Erfordernissen der Beschäftigten entsprechen und
  • dem Beschäftigten indi­vidu­ell passen.

Jed­er Arbeit­ge­ber und jed­er Arbeitss­chützer sollte sich bewusst sein, dass diese bei­den ele­mentaren Grund­sätze für jeden Mitar­beit­er gel­ten. Es sind keine Aus­nah­men vorge­se­hen für Kol­le­gen, die – in welch­er Hin­sicht auch immer – nicht einem Nor­mal­maß oder einem Gesund­heits­stan­dard entsprechen. Auch diese Mitar­beit­er haben Anspruch auf eine PSA, die ihren ergonomis­chen und gesund­heitlichen Anforderun­gen entspricht.

Das Arbeitss­chutzrecht trifft hin­sichtlich PSA keine Unter­schei­dung zwis­chen Groß und Klein, Dick und Dünn, Jung oder Alt, Mann und Frau usw. Jed­er Mitar­beit­er hat Anspruch auf den Schutz, der für seine Tätigkeit erforder­lich ist. Umgekehrt gibt es auch keine „Freiga­be“ von PSA-Tragege­boten angesichts indi­vidu­eller Umstände. Jed­er hat laut § 15 Arb­SchG die ihm „zur Ver­fü­gung gestellte per­sön­liche Schutzaus­rüs­tung bes­tim­mungs­gemäß zu ver­wen­den“. Ist das Tra­gen ein­er für eine Tätigkeit erforder­lichen PSA allerd­ings nicht zumut­bar, darf der­jenige diese Tätigkeit nicht ausüben. Der Geset­zge­ber macht dies zum Beispiel im MuSchG § 11(5) deut­lich. Danach darf ein Arbeit­ge­ber eine schwan­gere Frau keine Arbeit­en aus­führen lassen, „bei denen sie eine Schutzaus­rüs­tung tra­gen muss und das Tra­gen eine Belas­tung darstellt“. Dies kann im Übri­gen schon für das Tra­gen von FFP2-Masken zutreffen.

Immer mehr angepasste oder anpassbare PSA

Die gute Nachricht ist, dass PSA-Her­steller sich zunehmend auf die Unter­schiede und Beson­der­heit­en der PSA-Träger ein­stellen. Das Ange­bot wird immer vielfältiger und indi­vidu­eller und es lohnt sich, auf Messen oder beim Blät­tern durch Kat­a­loge die Augen offen­zuhal­ten. Hand­schuhe, Fußschutz, Hosen, Jack­en usw. sind meist in den anson­sten üblichen Größen­sys­te­men (Kon­fek­tion­s­größen, Schuh­größen usw.) erhältlich. Wo dies – etwa bei einem Schutzhelm – nicht der Fall ist, sollte bei der Beschaf­fung auf das Kri­teri­um der indi­vidu­ellen Ein­stellmöglichkeit geachtet wer­den, beim Helm etwa durch eine reg­ulier­bare Kopfweite. Bleiben Fra­gen zu Größen, For­men, Mate­ri­alien usw. offen, sollte man bei Anbi­etern, Her­stellern oder Liefer­an­ten konkret nach­hak­en. Es wird nicht alles auf Messen oder in Kat­a­lo­gen gezeigt, was möglich und liefer­bar ist.

Unab­hängig von der richti­gen Größe gibt es für einige PSA-Kom­po­nen­ten diverse Indi­vid­u­al­isierungsmöglichkeit­en. Am häu­fig­sten find­et man eine per­sön­lich angepasste PSA beim Schutz von Augen, Ohren oder Füßen, zum Beispiel als:

  • Sicher­heitss­chuhe mit besser­er Pass­form durch ein Mehrweit­en­sys­tem, das auch extra­bre­ite Füße umfasst
  • Sicher­heitss­chuhe für Dia­betik­er oder andere Beschäftigte, die wegen Fußprob­le­men keine Stan­dard­sicher­heitss­chuhe tra­gen können
  • indi­vidu­ell orthopädisch angepasste Sicher­heitss­chuhe, zum Beispiel mit ein­seit­ig erhöhtem Absatz bei unter­schiedlichen Beinlängen
  • Schutzbrillen mit gle­ichzeit­iger Kor­rek­tur ein­er Fehlsichtigkeit in der gewün­scht­en Sehstärke
  • indi­vidu­ell dem Gehör­gang angepasster Gehörschutzstöpsel, soge­nan­nte Otoplastiken
  • Oto­plas­tiken, die auch gle­ichzeit­ig mit einem Hörg­erät getra­gen wer­den können

Dazu kom­men weit­ere Kom­po­nen­ten, die zwar eine spezielle Schutza­uf­gabe haben, aber nicht der PSA im engeren Sinne zuge­ord­net wer­den. Ein Beispiel wären polar­isierende Brillen zur Präven­tion epilep­tis­ch­er Anfälle bei Fotosensibilität.

Mögliche Konfliktfälle

Die Notwendigkeit, am Arbeit­splatz eine PSA-Kom­po­nente zu tra­gen, kann zu Kon­flik­ten mit dem Aus­bil­dungswun­sch führen. Wem zum Beispiel die physis­che Fit­ness zum Tra­gen von schw­er­er Atem­schutzaus­rüs­tung fehlt, der ist für den Feuer­wehr­di­enst kaum geeignet. Wer befürchtet, dass seine Föh­n­welle unter einem Helm Schaden nimmt, sollte seine Wahl für einen Bauberuf über­denken. Andere Kon­flik­t­fälle sind weniger offen­sichtlich, nach­fol­gend einige Beispiele.

Atem­schutz für Bartträger?

Wo Dichtheit entschei­dend für die Schutzwirkung ist, sind Bärte und Kotelet­ten heikel. Bart­träger kön­nen daher von Tätigkeit­en aus­geschlossen sein, für die das Tra­gen von Atem­schutz Voraus­set­zung ist: Näheres regelt die DGUV Infor­ma­tion 112–190.

Unpassende Schutzbrille?

Stan­dard-Schutzbrillen in Ein­heits­größe passen nicht zu jed­er Gesichts­form. Bei bre­it­er Schutzbrille auf schmalem Gesicht beste­ht das Risiko, dass Split­ter oder Flüs­sigkeitsspritzer trotz Brille ans Auge gelan­gen. Zu bevorzu­gen sind Mod­elle mit indi­vidu­eller Größenwahl.

Pierc­ings unter Schutzbrille?

Pierc­ings im Bere­ich von Augen und Nase dür­fen nicht dazu führen, dass eine notwendi­ge Schutzbrille nicht getra­gen wird. Hier sind gegebe­nen­falls betrieb­sin­terne Vor­gaben notwendig, so wie sie auch für Ringe, Ket­ten, Arm­ban­duhren oder langes Haar beim Arbeit­en an bes­timmten Maschi­nen gelten.

Schutzbrille für Brillenträger?

Die bisweilen gehörte Frage, ob ein Bril­len­träger über­haupt eine Schutzbrille benötigt, ist ein­deutig mit Ja zu beant­worten. Denn eine als Sehhil­fe konzip­ierte Brille bietet so gut wie keine Schutz­funk­tion und kann zudem je nach Tätigkeit leicht beschädigt wer­den. Bril­len­trägern eine Kor­rek­tion­ss­chutzbrille zu ver­weigern mit dem Vorschlag, stattdessen über der eigentlichen Brille eine Korb­brille zu tra­gen, ist nicht zielführend. Laut Regel 112–192 sind Korb­brillen nur für „kurzfristige Arbeit­en über wenige Minuten“ geeignet. Zudem neigen solche Kom­bi­na­tio­nen von Brille und Über­brille zum Beschla­gen und kön­nen Spiegelun­gen und Dop­pel­bilder verur­sachen, und dies geht ein­deutig zulas­ten des Schutzes wie des Tragekomforts.

Gehörschutz für Mitar­beit­er mit Hörminderung?

Schalldäm­mender Gehörschutz kann bei beste­hen­der Hör­min­derung das Kom­mu­nizieren erschw­eren und die Trageakzep­tanz senken. Hier sind tech­nis­che Lösun­gen zu prüfen. Das kön­nen zum einen speziell für Lärm­bere­iche zuge­lassene Hörg­eräte mit Gehörschutz­funk­tion sein, zum andern pas­sive Gehörschützer mit ein­er beson­ders flachen Dämmkurve.

PSA mit Hörgerät?

Hin­term Ohr getra­gene Hörg­eräte, ins­beson­dere ältere Mod­elle oder Cochlea-Implan­tate (Hör­prothe­sen), kön­nen das Tra­gen von Schutzbrille oder Schutzhelm beein­trächti­gen. Dafür gibt es Lösun­gen wie Kom­bi­na­tio­nen von Brille und Oto­plas­tik oder Inte­gra­tion der Hörg­erät­tech­nik in den Bril­len­bügel („Hör­brille“). Bei Prob­le­men mit dem Helm sollte der Her­steller kon­tak­tiert wer­den, inwiefern eine spezielle Helm­form oder Pol­sterung Abhil­fe schaf­fen könnte.

Gehörschutz für Gehörlose?

Was tun, wenn ein gehör­los­er Mitar­beit­er auf das Tra­gen von Gehörschutz verzicht­en will? Dem Argu­ment, dass die ver­meintlich lästi­gen Kapsel­ge­hörschützer oder Ohrstöpsel in diesem Fall „eh nix brin­gen“, ist zunächst kaum etwas ent­ge­gen­zuset­zen. Doch die Frage, wie Vorge­set­zte und Sicher­heitsver­ant­wortliche hier rechtssich­er agieren, ist alles andere als triv­ial. Denn das Arbeitss­chutzrecht sieht solche Aus­nah­men nicht vor. Die DGUV for­muliert in einem „Leit­faden für Betrieb­särzte zur Beschäf­ti­gung von Schw­er­höri­gen und Gehör­losen in Lärm­bere­ichen“, dass die Vorschriften zum Tra­gen von Gehörschutz „prinzip­iell auch für den hier behan­del­ten Per­so­n­enkreis“ gel­ten. Weit­er heißt es: „Hier­von kann bei Gehör­losen und Gehör­losen mit nicht ver­w­ert­baren Hör­resten abgewichen wer­den“. Dies ist keine ein­deutige Vor­gabe. Let­ztlich kommt es stets auf den Einzelfall an, der mit der Beruf­sgenossen­schaft gek­lärt wer­den sollte.

Allergien gegen PSA-Materialien?

In (sel­te­nen) Fällen kann es sein, dass per­sön­liche Gesund­heit­saspek­te mit ein­er PSA-Nutzung kol­li­dieren, weil Unverträglichkeit­en gegenüber Mate­ri­alien oder deren Inhaltsstof­fen beste­hen. Als typ­is­ches Beispiel für durch PSA aus­gelöste Allergien gilt Latex als Grund­stoff von Ein­mal­hand­schuhen. Auch Weich­mach­er und weit­ere Sub­stanzen haben aller­genes Poten­zial, betrof­fen sind ins­beson­dere Hand­schuhe. Eine Liste solch­er Aller­gene kann bei der BG BAU einge­se­hen wer­den (www.bgbau.de Suche nach „Aller­gen­liste“).

Angesichts der Vielzahl an Sub­stanzen, bei denen es zu Kon­tak­tal­lergien kom­men kann, ist es laut BG BAU derzeit nicht möglich, einen 100 Prozent aller­gen­freien Schutzhand­schuh herzustellen. Ander­er­seits ist die Auswahl groß, und betrof­fene Mitar­beit­er kön­nen meist auf alter­na­tive Mod­elle zurück­greifen, die den indi­vidu­ell diag­nos­tizierten Aller­ge­naus­lös­er nicht enthal­ten. Indi­vidu­elle Haut­prob­leme dür­fen und müssen kein Grund sein, auf den Schutz von Haut und Hän­den zu verzichten.

Arbeits- oder Schutzk­lei­dung missfällt?

Vor 20 bis 30 Jahren mag es noch nachvol­lziehbar gewe­sen sein, dass sich Mitar­beit­er über hässliche oder unbe­queme Arbeits- oder Schutzk­lei­dung bekla­gen. Doch die Zeit­en von tris­tem Ein­heits­grau und klo­bi­gen Sicher­heitss­chuhen sind vor­bei. Längst wer­den auf Arbeitss­chutzmessen regel­rechte Mod­en­schauen ver­anstal­tet, und das Gezeigte kann sich sehen lassen. Schutzk­lei­dung wird modis­ch­er, far­biger und funk­tioneller, und durch neue, etwa leichtere und kli­maak­tive Mate­ri­alien steigt der Tragekom­fort. Statt Uni­sex-Look bieten immer mehr Her­steller auch speziell für Frauen konzip­ierte Schutzk­lei­dung an. Das reicht von Work­wear, Sicher­heitss­chuhen oder Warn­schutzbek­lei­dung bis zu eigens für Frauen design­ten Schweißer­schutz­masken. Arbeit­ge­ber, die das viel­seit­ige Ange­bot aktiv nutzen, befördern damit auch Moti­va­tion und Trageakzeptanz.

Jeder ist besonders und jeder benötigt Schutz

Ob Juck­reiz, Druck­stellen oder andere Beschw­er­den – wer Prob­leme mit sein­er PSA hat, sollte ihnen auf den Grund gehen. Schon in den Unter­weisun­gen zur PSA-Nutzung sollte deut­lich wer­den, dass es selb­stver­ständlich ist, bei solchen Prob­le­men den Betrieb­sarzt aufzusuchen und gegebe­nen­falls gemein­sam mit dem Her­steller, Der­ma­tolo­gen usw. Abhil­fe zu finden.

Ein solch­es ver­trauensvolles Kli­ma ist beson­ders wichtig für Auszu­bildende und Beruf­s­neulinge, für Mitar­beit­er mit kör­per­lichen Ein­schränkun­gen, aber auch für solche, die nach Kranken­haus und Reha zurück­kehren. Für Diskus­sio­nen um die Eig­nung für eine PSA und damit nicht sel­ten die Eig­nung für eine Tätigkeit sollte stets gelten:

  • Die indi­vidu­elle Sit­u­a­tion klären, dabei Betrieb­sarzt und gegebe­nen­falls auch Haus- und Facharzt einbinden.
  • Den Betrieb­srat oder die Per­son­alvertre­tung ein­beziehen, diese haben grund­sät­zlich ein Mitwirkungsrecht bei der Auswahl von PSA.
  • Ein­vernehm­liche Lösun­gen suchen – ohne Druck, aber auch ohne über­steigerte Fürsorglichkeit.
  • Alle För­der­möglichkeit­en eruieren, sehr nüt­zlich dazu ist die REHA­DAT-Daten­bank (www.rehadat.de).

Jed­er Mitar­beit­er ist in irgen­dein­er Weise beson­ders und jed­er benötigt eine für ihn geeignete und angemessene Schutzaus­rüs­tung. Sicher­heit muss ober­stes Gebot bleiben. Doch Arbeitss­chutzvor­gaben dür­fen die Teil­habe am Arbeit­sleben nicht stärk­er ein­schränken als unver­mei­d­bar. Bevor jemand wegen ein­er PSA-Prob­lematik seinen Arbeit­splatz aufgeben muss, soll­ten alle Optio­nen aus­geschöpft wer­den. Kun­de­nori­en­tierte und ser­iöse PSA-Her­steller sind auch daran zu erken­nen, dass sie solche Anfra­gen und Anre­gun­gen dankbar aufgreifen.


PSA individuell anpassen – Rechtsgrundlagen

Für PSA gilt grund­sät­zlich: Anpas­sun­gen soll­ten nur durch Fach­leute und nur nach Rück­sprache beziehungsweise gemäß den Vor­gaben des Her­stellers erfol­gen. Nach eigen­mächtigem Herum­basteln kön­nte das Pro­dukt nicht mehr sein­er Bau­muster­prü­fung entsprechen und dürfte gar nicht in Verkehr gebracht geschweige denn genutzt werden.

Auf keinen Fall darf durch eine Verän­derung die Schutz­funk­tion beein­trächtigt wer­den. Dies gilt auch für Anpas­sun­gen im Sinne eines Cor­po­rate Design, etwas durch andere Far­ben oder durch Aufnähen eines Fir­men­l­o­gos. Für die nicht sel­ten erforder­lichen orthopädis­chen Anpas­sun­gen an Sicher­heitss­chuhen – im Fach­jar­gon Zurich­tun­gen genan­nt – ist die DGUV Regel 112–191 zu beachten.

Nur wo die Schutz­funk­tion nicht betrof­fen ist, kann ein indi­vidu­elle Anpassen erlaubt sein. Sitzt etwa eine Schutzbrille schlecht, entspricht sie nicht den ergonomis­chen Anforderun­gen ihres Trägers und der Bügel darf im Regelfall angepasst werden.

Bei Anpas­sun­gen auf­grund kör­per­lich­er Beson­der­heit­en eines Mitar­beit­ers ist stets der Daten­schutz zu beacht­en, zum Beispiel für ärztliche Befunde und bio­metrische Dat­en. Viele Her­steller bieten dazu eine Ein­willi­gungserk­lärung an. Die anfal­l­en­den Kosten oder Zusatzkosten trägt in aller Regel der Arbeitgeber.


Foto: privat

Autor: Dr. Fried­helm Kring

Redak­tions­büro BIOnline

www.bionline.de

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