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Herzstillstand nach Streit mit dem Chef

Arbeitsunfall nicht ausgeschlossen
Herzstillstand nach Streit mit dem Chef

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Ein durch einen heftigen Streit ausgelöster Herzstillstand kann ein Arbeitsunfall sein. Foto: © Antonioguillem -stock.adobe.com
Voraus­set­zung für die Anerken­nung eines Arbeit­sun­falls ist nach dem Gesetz ein zeitlich begren­ztes („plöt­zlich­es“), von außen auf den Kör­p­er ein­wirk­endes Ereig­nis, das zu einem Gesund­heitss­chaden führt. Hier­für ist nach der Recht­sprechung nicht erforder­lich, dass ein beson­deres, ungewöhn­lich­es Geschehen vor­liegt. Vielmehr genügt als von außen auf den Kör­p­er ein­wirk­endes Ereig­nis auch ein alltäglich­er Vorgang.

Das Bun­dessozial­gericht (BSG) hat in einem aktuellen Urteil entsch­ieden, dass ein Unfall auch dann vor­liegen kann, wenn sich durch bloße Wahrnehmungen wie Sehen, Hören oder Riechen der phys­i­ol­o­gis­che Zus­tand eines Men­schen verän­dert. Dem­nach kann auch ein „inten­sives Gespräch“ mit dem Chef ein solch­es äußeres Ereig­nis sein.

Geklagt hat­te eine Bankkauf­frau, die im April 2010 in ihrem Büro auf ihrem Schreibtis­chstuhl sitzend kol­la­bierte. Der her­beigerufene Notarzt musste sie wieder­beleben, weil die Frau einen Herzstill­stand erlit­ten hat­te. Zuvor hat­te sie einen hefti­gen Stre­it mit dem Fil­ialleit­er wegen eines Kassen­fehlbe­trags. Der Chef wollte die Kassen­dif­ferenz melden. Die Mitar­bei­t­erin nahm den Kol­le­gen in Schutz, der den Fehlbe­trag verur­sacht hat­te, und wollte die Mel­dung ver­hin­dern. Nach der Auseinan­der­set­zung kehrte sie an ihren Schreibtisch zurück und kollabierte.

Differenzen keine Extremsituation

Die Ver­wal­tungs-Beruf­sgenossen­schaft (VBG) ver­weigerte die Anerken­nung als Arbeit­sun­fall, weil kein plöt­zlich­es äußeres Ereig­nis vorgele­gen habe. Dage­gen zog die Frau bis vor das BSG, nach­dem Klage und Beru­fung erfol­g­los blieben. Die Vorin­stanzen vernein­ten eben­falls das Vor­liegen eines von außen auf den Kör­p­er ein­wirk­enden Ereigniss­es. Es habe keine Extrem­si­t­u­a­tion vorgele­gen. Ver­bale Dif­feren­zen kön­nten über­all vorkom­men, nicht nur in ein­er Bank.

Dem wider­sprach das BSG und betonte nochmals, dass für den Unfall­be­griff kein beson­deres, ungewöhn­lich­es Geschehen erforder­lich sei. Vielmehr liege ein Unfall auch dann vor, wenn durch bloße Wahrnehmungen (Sehen, Hören, Schmeck­en, Ertas­ten, Riechen) sich der phys­i­ol­o­gis­che Zus­tand des Ver­let­zten ändere. Ein solch­es Ereig­nis habe hier mit dem inten­siv­en Gespräch der Klägerin mit ihrem Vorge­set­zten vorgele­gen, heißt es in der Begründung.

Noch Klärungsbedarf zum Kontext

Voraus­set­zung sei aber, dass das Stre­it­ge­spräch der beru­flichen Tätigkeit zuzurech­nen ist. Die Bankkauf­frau müsste also eine tat­säch­liche oder ver­meintliche Verpflich­tung aus ihrem Arbeitsver­hält­nis erfüllt haben. Das Lan­dessozial­gericht (LSG) muss nun also noch die konkreten Umstände des Gesprächs ermit­teln. Des Weit­eren muss noch geprüft wer­den, welch­er Gesund­heitss­chaden genau vor­lag und wodurch dieser wesentlich verur­sacht wurde. Die VBG hat­te vorge­bracht, dass die Klägerin an langjähri­gen Vor­erkrankun­gen leide.

(Urteil des Bun­dessozial­gerichts vom 06.05.2021, Az. B 2 U 15/19 R)

Autorin: Tan­ja Sautter

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