Retter in der Nacht. Hubschrauber-Einsätze -
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Hubschrauber-Einsätze

Retter in der Nacht

Hubschrauber der DRF Luftrettung beim Anflug auf den Landeplatz in der Dämmerung. Fotos: DRF Luftrettung.
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Auto­un­fälle und Inten­siv­trans­porte kennen keine Nacht­ruhe. Aus diesem Grund betreibt die DRF Luft­ret­tung acht Statio­nen in Deutsch­land, die 24 Stun­den im Einsatz sind. Die Zahl der Nacht­ein­sätze steigt konti­nu­ier­lich: Im Jahr 2011 etwa fand an den 24‐Stunden‐Stationen der DRF Luft­ret­tung bereits jeder fünfte Einsatz nachts statt.

Regens­burg, 8. Okto­ber 2011, 01:23 Uhr. Es hat gereg­net, drau­ßen tost ein kalter Wind und Nebel­schwa­den wabern über den Boden. In der Station Regens­burg der DRF Luft­ret­tung geht ein Notruf ein: ein Verkehrs­un­fall auf der Bundes­straße 20, etwa 60 Kilo­me­ter von der Station entfernt. Ein 24‐jähriger LKW‐Fahrer ist in seinem Führer­haus einge­klemmt. Die Besat­zung checkt die Wetter­da­ten, lässt sich eine Flug­ge­neh­mi­gung ertei­len und fliegt los. 20 Minu­ten später landet „Chris­toph Regens­burg“ am Einsatz­ort.

Der Hubschrau­ber­trans­port ermög­licht es, den schwer­ver­letz­ten und stark unter­kühl­ten Mann beson­ders rasch und scho­nend in die Univer­si­täts­kli­nik Regens­burg zu trans­por­tie­ren.
Dank des schnel­len Einsat­zes der DRF Luft­ret­tung geht es dem Mann heute gut – hätte es länger gedau­ert, hätte er wahr­schein­lich ein Bein verlo­ren.
Mehr Menschen nachts unter­wegs
Der Unfall in Regens­burg ist nur eines von vielen Beispie­len für die Bedeu­tung der Nacht­ein­sätze: An den acht 24‐Stunden‐Stationen der DRF Luft­ret­tung fand im Jahr 2011 jeder fünfte Einsatz nachts statt – Tendenz stei­gend. „Aufgrund der heuti­gen Öffnungs‐ und Arbeits­zei­ten sind nachts vermehrt Menschen auf den Stra­ßen unter­wegs“, sagt Johann Hasl­ber­ger, zustän­dig für die Pilo­ten­aus­bil­dung bei der zur DRF Luft­ret­tung gehö­ren­den HDM Luft­ret­tung. „Entspre­chend stei­gen die nächt­li­chen Einsatz­zah­len.“ Bei rund 35 Prozent der Nacht­ein­sätze handelt es sich um soge­nannte Notfall­ein­sätze, bei denen die Unfall‐ oder Einsatz­stelle direkt ange­flo­gen wird.
Flug­si­cher­heit steht an erster Stelle
Etwa 65 Prozent der Nacht­ein­sätze sind drin­gende Inten­siv­trans­porte von Klinik zu Klinik: Klini­ken spezia­li­sie­ren sich zuneh­mend auf Fach­ge­biete, so dass Behand­lun­gen oftmals nur in bestimm­ten Spezi­al­kli­ni­ken möglich sind. Daher brin­gen die rot‐weißen Hubschrau­ber Pati­en­ten von einem Kran­ken­haus in ein ande­res – auch nachts. So kann es sein, dass nur die Neuro­chir­ur­gen einer Spezi­al­kli­nik einen Pati­en­ten operie­ren können, der gerade eine schwere Hirn­blu­tung erlit­ten hat oder nur die Ärzte in einer 60 Kilo­me­ter entfern­ten Klinik das Früh­chen behan­deln können, das um drei Uhr nachts zur Welt gekom­men ist. „Der Trans­port mit dem Hubschrau­ber ist häufig scho­nen­der und vor allem schnel­ler als der mit dem Rettungs­wa­gen“, so Hasl­ber­ger. „Das gilt vor allem auch in länd­li­chen und bergi­gen Gebie­ten oder im Winter, wenn die Stra­ßen zum Teil unpas­sier­bar werden.“
Die HDM Luft­ret­tung gemein­nüt­zige GmbH betreibt fünf der acht 24‐Stunden‐Stationen der DRF Luft­ret­tung und führt bereits seit über zwan­zig Jahren regel­mä­ßig Nacht­flüge durch. Um maxi­male Sicher­heit zu gewähr­leis­ten, über­wacht die Flug­si­che­rung alle Nacht­flüge über Radar. Die Pilo­ten der Rettungs­hub­schrau­ber melden sich hierzu sofort nach dem Start bei der nächst­ge­le­ge­nen Kontroll­stelle. Der zustän­dige Radar­lotse kann dann über ein spezi­el­les „Trans­pon­der­si­gnal“ die Posi­tion sowie die Flug­höhe und -rich­tung fest­stel­len. Dadurch über­blickt er den gesam­ten Nacht­flug­ver­kehr.
Die Flug­si­cher­heit steht bei den Nacht­ein­sät­zen der DRF Luft­ret­tung an erster Stelle: So sind stets zwei Pilo­ten an Bord, die über eine Instru­men­ten­flug­be­rech­ti­gung verfü­gen. Dadurch können Rettungs­flüge auch bei schlech­te­ren Wetter­be­din­gun­gen statt­fin­den, wenn die Orien­tie­rung nach Sicht nicht mehr möglich ist. Um die Sicher­heit weiter zu erhö­hen, landen die Hubschrau­ber nachts zudem nur auf abge­si­cher­ten, hinder­nis­freien und ausge­leuch­te­ten Plät­zen. Hierzu sieht sich einer der Pilo­ten zunächst eine sehr detail­lierte Hinder­nis­karte an. Paral­lel unter­su­chen vor Ort Einsatz­kräfte der Feuer­wehr oder des Tech­ni­schen Hilfs­werks die Umge­bung nach bestimm­ten Krite­rien, etwa: Wie ist der Boden beschaf­fen? Gibt es Hinder­nisse wie Kirch­türme oder Wind­rä­der? Sind Hoch­span­nungs­lei­tun­gen in der Nähe? Ist ein passen­der Lande­platz gefun­den, leuch­ten die Einsatz­kräfte ihn aus.
Pilo­ten tragen Nacht­sicht­ge­räte
Zusätz­lich befin­den sich an den Hubschrau­bern meist spezi­elle Schein­wer­fer, mit denen die Pilo­ten selbst den Lande­platz beleuch­ten können. Die HDM Luft­ret­tung setzte sich zudem jahre­lang dafür ein, Nacht­sicht­ge­räte – soge­nannte NVGs (Night Vision Goggles) – verwen­den zu dürfen. 2008 war es dann soweit: Die HDM Luft­ret­tung erhielt als erstes zivi­les Luft­fahrt­un­ter­neh­men Deutsch­lands vom Luft­fahrt­bun­des­amt die Geneh­mi­gung, Pilo­ten für Rettungs­flüge mit NVGs auszu­bil­den. Die Spezi­al­bril­len verstär­ken das Rest­licht tausend­fach und erge­ben ein grünlich‐schwarzes, manch­mal leicht bläu­li­ches Bild. So können die Pilo­ten Hinder­nisse besser sehen, etwa Wolken­bänke, unbe­leuch­tete Türme und Wind­rä­der. Ein Sicher­heits­plus.
Bislang nutzen bereits drei Statio­nen der DRF Luft­ret­tung NVGs im Einsatz­be­trieb: München, Regens­burg und Berlin.

DRF Luft­ret­tung
Wenn ein Mensch in Not ist, kommt die schnellste Hilfe oft aus der Luft. Die DRF Luft­ret­tung setzt an 31 Statio­nen in Deutsch­land, Öster­reich und Däne­mark rund 50 Hubschrau­ber für die Notfall­ret­tung und den Trans­port von Inten­siv­pa­ti­en­ten zwischen Klini­ken ein, an acht Stand­or­ten sogar rund um die Uhr. Darüber hinaus werden welt­weite Pati­en­ten­trans­porte mit eige­nen Ambu­lanz­flug­zeu­gen durch­ge­führt. Zur Finan­zie­rung ihrer Arbeit ist die gemein­nüt­zig tätige Orga­ni­sa­tion auf die Unter­stüt­zung von Förde­rern ange­wie­sen, Info­te­le­fon: 0711–70072211. Mehr Infor­ma­tio­nen im Inter­net: www.drf-luftrettung.de
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