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EMF-Gefährdungsbeurteilung

Was Fachkräfte für Arbeitssicherheit wissen müssen
EMF-Gefährdungsbeurteilung

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Arbeitsplätze auf Antennenträgern: Sendeanlagen für Rundfunk und TV verursachen elektromagnetische Felder im hochfrequenten Bereich. Foto: © RioPatuca Images – stock.adobe.com
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Mit Inkraft­treten der Arbeitss­chutzverord­nung zu elek­tro­mag­netis­chen Feldern wur­den Vorschriften zum Schutz der Sicher­heit und Gesund­heit von Beschäftigten für alle Tätigkeits­bere­iche mit elek­tro­mag­netis­chen Feldern bis 300 GHz geset­zlich fest­gelegt. Zu diesen Vorschriften zählen auch die Anforderun­gen an die Beurteilung der Arbeits­be­din­gun­gen sowie die Fes­tle­gung, Durch­führung und Wirk­samkeit­skon­trolle von Maß­nah­men zur Ver­mei­dung und Ver­ringerung der Gefährdun­gen von Beschäftigten durch elek­tro­mag­netis­che Felder.

Die Expo­si­tion gegenüber elek­tro­mag­netis­chen Feldern (EMF) kann direk­te Wirkun­gen aus­lösen, zum Beispiel in Abhängigkeit der Fre­quenz nicht­ther­mis­che oder ther­mis­che Wirkun­gen, sowie indi­rek­te Wirkun­gen, zum Beispiel Kon­tak­t­ströme (siehe Kas­ten „Auftreten und Wirkun­gen elek­tro­mag­netis­ch­er Felder“).

Schutzkonzept der EMFV – Expositionsgrenzwerte und Auslöseschwellen

Zum Schutz der Beschäftigten vor EMF wird in der Inkraft­treten der Arbeitss­chutzverord­nung zu elek­tro­mag­netis­chen Feldern (EMFV) [1] ein mehrstu­figes Schutzkonzept entsprechend der Arbeitss­chutzrichtlin­ie 2013/35/EU zu EMF (EMF-RL, [2]) ver­wen­det. Das mehrstu­fige Schutzkonzept umfasst Expo­si­tion­s­gren­zw­erte (EGW) und Aus­lös­eschwellen (ALS). Dies wird am Beispiel nieder­fre­quente EMF in Abbil­dung 1 dargestellt.

 

 

 

Abb. 1: Zusam­men­hang zwis­chen Expo­si­tion­s­gren­zw­ert und Aus­lös­eschwelle am Beispiel nieder­fre­quenter elek­tro­mag­netis­ch­er Felder

 

EGW sind max­i­mal zuläs­sige Werte und beziehen sich auf die Wirkun­gen im Kör­pergewebe. Im All­ge­meinen sind EGW am Arbeit­splatz messtech­nisch nicht erfass­bar. Um den­noch die Ein­hal­tung der EGW am Arbeit­splatz über­prüfen zu kön­nen, wer­den extern mess­bare physikalis­che Größen als ALS abgeleit­et.

In Abhängigkeit von der Fre­quenz wer­den für nieder­fre­quente EMF untere und obere ALS unter­schieden. Bei nieder­fre­quenten elek­trischen Feldern müssen bei Über­schre­itung der ALS spez­i­fis­che Schutz­maß­nah­men zur Ver­mei­dung direk­ter Wirkun­gen und indi­rek­ter Wirkun­gen durch Ent­ladun­gen oder Kon­tak­t­ströme ergrif­f­en wer­den. Bei nieder­fre­quenten mag­netis­chen Feldern ist die untere ALS vom EGW für sen­sorische Wirkun­gen abgeleit­et, die obere ALS vom EGW für gesund­heitliche Wirkun­gen. Für hochfre­quente EMF gibt es nur eine ALS zum Schutz vor Gefährdun­gen durch ther­mis­che Wirkun­gen. Die Ableitung der ALS von den jew­eili­gen EGW unter Berück­sich­ti­gung von Sicher­heits­fak­toren bedeutet, dass bei Ein­hal­tung der ALS die entsprechen­den EGW nicht über­schrit­ten wer­den. Bei ein­er Expo­si­tion ober­halb der ALS sind Schutz­maß­nah­men durchzuführen, es sei denn, der Nach­weis wird erbracht (zum Beispiel durch Berech­nung oder Sim­u­la­tion), dass die entsprechen­den EGW nicht über­schrit­ten wer­den.

Ein grund­sät­zlich­es Ver­ständ­nis des Schutzkonzepts der EMFV ist Voraus­set­zung für die Durch­führung der Gefährdungs­beurteilung (GB) bei auftre­tenden EMF-Expo­si­tio­nen an Arbeit­splätzen.

Schritte der Gefährdungsbeurteilung

Das Arbeitss­chutzge­setz (Arb­SchG, [3]) regelt die all­ge­meinen Pflicht­en des Arbeit­ge­bers zur Beurteilung der Arbeits­be­din­gun­gen (§ 5 Arb­SchG) sowie zur Durch­führung erforder­lich­er Maß­nah­men des Arbeitss­chutzes (§ 3 Arb­SchG). Eine GB erfol­gt grund­sät­zlich vor der erst­ma­li­gen Auf­nahme der Tätigkeit (§ 3 Absatz 5 EMFV). Gefährdun­gen kön­nen sich unter anderem durch physikalis­che Ein­wirkun­gen ergeben (§ 5 Absatz 3 Num­mer 2 Arb­SchG). Hierzu zählt neben Lärm, Vibra­tion und optis­ch­er Strahlung auch der Gefährdungs­fak­tor EMF. In § 3 EMFV wird die Pflicht des Arbeit­ge­bers zur Durch­führung der GB konkretisiert. Der Arbeit­ge­ber hat dabei sicherzustellen (§ 4 Absatz 1 EMFV), dass die GB, die Mes­sun­gen, die Berech­nun­gen oder die Bew­er­tun­gen nach dem Stand der Tech­nik fachkundig geplant und durchge­führt wer­den. Ist der Arbeit­ge­ber nicht fachkundig, so hat er sich von fachkundi­gen Per­so­n­en berat­en zu lassen.

Der Arbeit­ge­ber stellt zunächst fest, ob EMF am Arbeit­splatz von Beschäftigten auftreten oder auftreten kön­nen. Ist dies der Fall, wer­den die in Abbil­dung 2 aufgezeigten Schritte durch­laufen.

 

 

 

 

Abb. 2: Schema zur Durch­führung ein­er Gefährdungs­beurteilung

 

Schritt 1 – Infor­ma­tion­ser­mit­tlung

Um Infor­ma­tio­nen über die Expo­si­tion gegenüber EMF zu ermit­teln, kön­nen zum Beispiel Her­stellerangaben, öffentlich ver­füg­bare Infor­ma­tio­nen (zum Beispiel Stan­dortbescheini­gung der Bun­desnet­za­gen­tur) oder ver­gle­ich­bare GB herange­zo­gen wer­den. Beispiel­sweise ist es zielführend, bere­its beim Kauf von Anla­gen, Maschi­nen oder Geräten auf die Voll­ständigkeit und Plau­si­bil­ität der Her­stellerangaben zu acht­en beziehungsweise solche vom Her­steller zu fordern. Bei der Infor­ma­tion­ser­mit­tlung ist es wichtig zu beacht­en, dass die GB nicht anlagen‑, maschinen‑, oder geräte­spez­i­fisch erfol­gt, son­dern alle in einem Arbeits­bere­ich oder im Rah­men ein­er Tätigkeit rel­e­van­ten EMF-Quellen im Fre­quenzbere­ich von 0 Hz bis 300 GHz umfasst.

Schritt 2 – Ermit­teln der Gefährdung

Je nach Qual­ität der in Schritt 1 zusam­mengestell­ten Infor­ma­tio­nen kön­nte die Ermit­tlung der Gefährdung durch EMF bere­its auf dieser Basis erfol­gen. Sind die Infor­ma­tio­nen nur eingeschränkt für die Ermit­tlung der Gefährdung nutzbar, muss die Expo­si­tion messtech­nisch oder rech­ner­isch bes­timmt wer­den.

Für die Mes­sung oder Berech­nung der Expo­si­tion gegenüber EMF müssen zum Beispiel die poten­ziell gefährden­den Betrieb­szustände und Anla­gen­pa­ra­me­ter der Gefahren­quellen, aber auch Arbeitsweisen und die involvierten Beschäftigten bes­timmt wer­den. Das Ziel hier­bei ist es, Szenar­ien max­i­mal möglich­er Expo­si­tio­nen zu bew­erten. Ver­fügt die mit der Durch­führung der GB betraute fachkundi­ge Per­son nicht über die für eine Mes­sung oder Berech­nung erforder­lichen zusät­zlichen Fachken­nt­nisse, müssen weit­ere Per­so­n­en mit entsprechen­der Fachkunde hinzuge­zo­gen wer­den, zum Beispiel von der zuständi­gen Beruf­sgenossen­schaft.

Schritt 3 – Bew­erten der Gefährdung

Die ermit­tel­ten Expo­si­tion­swerte der zu beurteilen­den Arbeits­be­din­gung sind nun in Beziehung zu den aktuell gülti­gen ALS und gegebe­nen­falls EGW zu set­zen. Für die Beurteilung der Expo­si­tion gegenüber EMF an Arbeit­splätzen gilt in Deutsch­land seit 19. Novem­ber 2016 die EMFV.

Ver­schiedene Mess­geräte­hersteller bieten zur Unter­stützung der Bew­er­tung Expo­si­tion­sin­dizes an. Wichtig: Der fachkundi­gen Per­son muss die im Mess­gerät hin­ter­legte fre­quen­z­ab­hängige Bew­er­tungs­funk­tion bekan­nt sein, um etwaige Über­schätzun­gen, vor allem aber Unter­schätzun­gen, der Expo­si­tion, ein­deutig iden­ti­fizieren zu kön­nen.

Wenn Art und Umfang der Expo­si­tion eine Gefährdung wed­er von Beschäftigten noch von beson­ders schutzbedürfti­gen Beschäftigten auss­chließen, beispiel­sweise bei Stan­dard­büroar­beit­splätzen mit Geräten der Bürokom­mu­nika­tion, ist eine vere­in­fachte Gefährdungs­beurteilung (siehe „Doku­men­ta­tion“) durch­führbar.

Schritt 4 – Fes­tle­gen von Maß­nah­men

Auf Basis der erfol­gten Bew­er­tung der Gefährdun­gen wer­den, wenn notwendig, Maß­nah­men zur Ver­mei­dung und Ver­ringerung der Gefährdun­gen von Beschäftigten durch EMF fest­gelegt (siehe Abschnitt „Maß­nah­men …“). Zu beacht­en ist hier­bei, dass in diesem Schritt die Ver­mei­dung und Ver­ringerung der Gefährdun­gen von Beschäftigten durch Über­schre­itung der ALS oder EGW gefordert wird, und nicht die generelle Ver­mei­dung von EMF. Nach § 3 Absatz 3 EMFV beste­ht unter bes­timmten Voraus­set­zun­gen eine Kennze­ich­nungspflicht für solche Arbeits­bere­iche.

Schritt 5 – Durch­führen von Maß­nah­men

Die GB inklu­sive der erforder­lichen Schutz­maß­nah­men nach dem Stand der Tech­nik sind vor Auf­nahme der Tätigkeit durchzuführen (§ 3 Absatz 5 EMFV).

Schritt 6 – Wirk­samkeit der Maß­nah­men prüfen

Die Wirk­samkeit der aus der GB abgeleit­eten Maß­nah­men ist regelmäßig zu über­prüfen. Hier­bei wird über­prüft, ob die durchge­führten Maß­nah­men tat­säch­lich zu ein­er Ver­mei­dung und Ver­ringerung der Gefährdun­gen von Beschäftigten durch EMF beitra­gen.

Schritt 7 – Über­prüfen und Aktu­al­isieren der Gefährdungs­beurteilung

Eine regelmäßig über­prüfte, aktu­al­isierte GB ist die Grund­lage für ein sicheres, gesun­des und wet­tbe­werb­s­fähiges Arbeit­en. Die in regelmäßi­gen Abstän­den, min­destens jedoch jährlich, durchzuführende Unter­weisung der Beschäftigten beruht auf den Ergeb­nis­sen der GB. Nach § 3 Absatz 5 EMFV sind die GB und die Maß­nah­men zu aktu­al­isieren, wenn

  • neue sicher­heits- oder gesund­heit­srel­e­vante Erken­nt­nisse, ins­beson­dere aus der arbeitsmedi­zinis­chen Vor­sorge, vor­liegen,
  • maßge­bliche Verän­derun­gen der Arbeits­be­din­gun­gen dies erfordern oder
  • die Prü­fung der Wirk­samkeit der Maß­nah­men ergeben hat, dass die Maß­nah­men nicht wirk­sam oder nicht aus­re­ichend sind.

Zu maßge­blichen Verän­derun­gen zählen zum Beispiel fel­drel­e­vante Änderun­gen an oder der Ein­satz von zusät­zlichen Maschi­nen, Anla­gen oder Geräten. Das regelmäßige Über­prüfen und Aktu­al­isieren der GB wird auch als Fortschreiben beze­ich­net.

Doku­men­ta­tion

Der Doku­men­ta­tion der GB wird eine große Bedeu­tung beigemessen. Dies schließt die Begrün­dung des Arbeit­ge­bers für die Durch­führung ein­er vere­in­facht­en GB ein (siehe § 3 Absatz 6 EMFV). Nur auf Basis ein­er plau­si­blen, voll­ständi­gen und in allen Schrit­ten nachvol­lziehbaren GB kön­nen auch von Drit­ten, wie zum Beispiel Auf­sichtsper­so­n­en, Staat­san­wäl­ten oder Richtern, die getrof­fe­nen Entschei­dun­gen über die Durch­führung und Wirk­samkeit von Schutz­maß­nah­men nachvol­l­zo­gen wer­den.

Maßnahmen zur Vermeidung und Verringerung von EMF-Gefährdungen

Nach­dem die Durch­führung der GB beschrieben wurde, wer­den in diesem Abschnitt Schutz­maß­nah­men und damit ein­herge­hende Fes­tle­gun­gen zur Maß­nah­men­hier­ar­chie, dem Stand der Tech­nik und beson­ders schutzbedürfti­gen Beschäftigten zusam­menge­fasst.

Über­schre­it­et die ermit­telte Expo­si­tion ALS oder EGW, kön­nen je nach Art des EMF (elek­trisch, mag­netisch oder elek­tro­mag­netisch) und in Abhängigkeit der Fre­quenz „Beson­dere Fes­tle­gun­gen“ gel­ten, siehe §§ 7 – 18 EMFV. Sind auf­grund der Bew­er­tung (Schritt 3) Maß­nah­men festzule­gen, erfol­gt dies nach dem STOP-Prinzip. Vor­rangige Maß­nahme: 1. Sub­sti­tu­tion, 2. Tech­nis­che, 3. Organ­isatorische und 4. Per­sön­liche Maß­nah­men. Eine umfan­gre­iche beispiel­hafte Aufzäh­lung von Maß­nah­men kann § 6 Absatz 2 EMFV ent­nom­men wer­den. Ver­schiede­nen Schutz­maß­nah­men liegt eine Abstand­ser­höhung zur EMF-Quelle zugrunde. Vor allem für nieder­fre­quente mag­netis­che Felder, die sich im Gegen­satz zu nieder­fre­quenten elek­trischen Feldern wed­er effek­tiv noch effizient abschir­men lassen, kann Abstand eine prak­tik­able Schutz­maß­nahme darstellen. Je nach Leit­erkon­fig­u­ra­tion nimmt die mag­netis­che Feld­stärke mit 1/r (bei ein­fachen ger­aden lan­gen Leit­ern, zum Beispiel Bah­n­trasse) bis zu 1/r³ (bei Zylin­der­spulen, zum Beispiel in Elek­tro­mo­toren) ab.

Die festzule­gen­den Maß­nah­men müssen dem Stand der Tech­nik entsprechen. Der Stand der Tech­nik ist nach § 2 Absatz 9 EMFV der Entwick­lungs­stand fortschrit­tlich­er Ver­fahren, Ein­rich­tun­gen oder Betrieb­sweisen, der die prak­tis­che Eig­nung ein­er Schutz­maß­nahme als gesichert erscheinen lässt.

Maßnahmen für besonders schutzbedürftige Beschäftigte

Nach § 3 Absatz 7 EMFV sind bei der Fes­tle­gung der Schutz­maß­nah­men die Erfordernisse von beson­ders schutzbedürfti­gen Beschäftigten (siehe indi­rek­te Wirkun­gen im Infokas­ten „Auftreten und Wirkun­gen …“) zu berück­sichti­gen und gegebe­nen­falls indi­vidu­elle Schutz­maß­nah­men vorzuse­hen. Zur Erfül­lung dieser Fes­tle­gung wer­den ALS oder EGW benötigt. In der EMFV wer­den jedoch außer der ALS für sta­tis­che Mag­net­felder keine EGW oder weit­ere ALS für die Bee­in­flus­sung von Kör­per­hil­f­s­mit­teln fest­gelegt. Für eine kon­ser­v­a­tive Abschätzung der all­ge­meinen Stör­fes­tigkeit von Kör­per­hil­f­s­mit­teln anhand von Schwellen­werten (siehe Abbil­dung 1) kann der Forschungs­bericht FB 451 [4] herange­zo­gen wer­den. Falls eine GB auf Basis der indi­vidu­ellen Charak­ter­is­ti­ka des Implan­tat­trägers und des spez­i­fis­chen Implan­tats notwendig ist, kann diese nach DGUVI 203–043 (ehe­mals BGI 5111, [5]) durchge­führt wer­den.

Doch woher wis­sen Arbeit­ge­ber, dass beson­ders schutzbedürftige Beschäftigte zu berück­sichti­gen sind? Die regelmäßige Unter­weisung nach § 19 EMFV enthält neben anderen Inhal­ten auch spez­i­fis­che Infor­ma­tio­nen für beson­ders schutzbedürftige Beschäftigte. Der Arbeit­ge­ber kann in diesem Rah­men auf die Mitwirkungspflicht der Beschäftigten nach §15 Arb­SchG hin­weisen. Im weit­eren Ver­lauf kön­nen sich die beson­ders schutzbedürfti­gen Beschäftigten an die Betrieb­särzte wen­den, die der ärztlichen Schweigepflicht unter­liegen. Zusam­men mit den fachkundi­gen betrieblichen Arbeitss­chutza­k­teuren kön­nen Maß­nah­men getrof­fen wer­den, die weit­er­hin ein sicheres und gesun­des Arbeit­en gewährleis­ten.

Fazit

Die Anpas­sung an den derzeit­i­gen Stand der Wis­senschaft [6, 7, 8] führte
in der EMF-RL und der EMFV zu ein­er Erhöhung von EGW und ALS für sta­tis­che und nieder­fre­quente EMF im Ver­gle­ich zur DGUV V15 (ehe­mals BGV B11, [9]). Deshalb bleibt bei ein­er höheren zuläs­si­gen berufs­be­d­ingten Expo­si­tion das Schutzniveau auf seinem hohen Stand erhal­ten. Die Bew­er­tung der Expo­si­tion erfol­gt anhand der seit 19. Novem­ber 2016 gülti­gen EMFV. Bis zur Veröf­fentlichung der Tech­nis­chen Regeln zur EMFV kann zur Ermit­tlung der Expo­si­tion noch die DGUV V15 herange­zo­gen wer­den.

Zusam­men­fassend heißt das, dass sich der Erfül­lungsaufwand für Betriebe zur Erre­ichung des Schutzziels der EMFV durch das mehrstu­fige Schutzkonzept ver­ringert.

 

Lit­er­atur

  1. Arbeitss­chutzverord­nung zu elek­tro­mag­netis­chen Feldern, EMFV, in der Fas­sung vom 19.11.2016, BGBl. I S. 2531.
  2. Richtlin­ie über Min­destvorschriften zum Schutz von Sicher­heit und Gesund­heit der Arbeit­nehmer vor der Gefährdung durch physikalis­che Ein­wirkun­gen (elek­tro­mag­netis­che Felder), 2013/35/EU, Abl. EU Nr. L 179 vom 29.6.2013, p. 1–21.
  3. Gesetz über die Durch­führung von Maß­nah­men des Arbeitss­chutzes zur Verbesserung der Sicher­heit und des Gesund­heitss­chutzes der Beschäftigten bei der Arbeit, Arbeitss­chutzge­setz (Arb­SchG), in der Fas­sung vom 31.08.2015, BGBl. I S. 1474.
  4. Hein­rich, H.; Börn­er, F.: „Elek­tro­mag­netis­che Felder am Arbeit­splatz: Sicher­heit von Beschäftigten mit aktiv­en und pas­siv­en Kör­per­hil­f­s­mit­teln bei Expo­si­tion gegenüber elek­tro­mag­netis­chen Feldern“, Forschungs­bericht
  5. FB 451, veröf­fentlicht durch das Bun­desmin­is­teri­um für Arbeit und Soziales, ISSN 0174–4992, 46 Seit­en, Jan­u­ar 2015.
  6. Deutsche Geset­zliche Unfal­lver­sicherung: „Bee­in­flus­sung von Implan­tat­en durch elek­tro­mag­netis­che Felder – Eine Hand­lung­shil­fe für die betriebliche Prax­is“, DGUVI 203–043, 68 Seit­en, in der Fas­sung von März 2012.
  7. ICNIRP (2009). „Guide­lines on lim­its of expo­sure to sta­t­ic mag­net­ic fields.“ Health Physics 96(4): 504–514.
  8. ICNIRP (2010). „Guide­lines for lim­it­ing expo­sure to time-vary­ing elec­tric and mag­net­ic fields (1 Hz to 100 kHz).“ Health Physics 99(6): 818–836.
  9. ICNIRP (1998). „Guide­lines for lim­it­ing expo­sure to time-vary­ing elec­tric, mag­net­ic, and elec­tro­mag­net­ic fields (up to 300 GHz).“ Health Physics 74(4): 494–522.
  10. Spitzen­ver­band der Deutschen Geset­zlichen Unfal­lver­sicherung: Unfal­lver­hü­tungsvorschrift „Elek­tro­mag­netis­che Felder“, DGUV V15 (ehe­mals BGV B11), in der Fas­sung von Juni 2001.

Autoren:

Dr.-Ing. Peter Jeschke,
Bun­de­sanstalt für Arbeitss­chutz und Arbeitsmedi­zin, Gruppe „Physikalis­che Fak­toren“
physical.agents@baua.bund.de

Foto: pri­vat

Dr. rer. nat. Ljil­jana Udovi­cic,
Bun­de­sanstalt für Arbeitss­chutz und Arbeitsmedi­zin, Gruppe „Physikalis­che Fak­toren“

Foto: BAuA

Dr.-Ing. Erik Romanus,
Bun­de­sanstalt für Arbeitss­chutz und Arbeitsmedi­zin, Gruppe „Physikalis­che Fak­toren“

Foto: BAuA

Auftreten und Wirkungen elektromagnetischer Felder

Ver­schieden­ste Anla­gen, Maschi­nen, Geräte, Anten­nen usw. emit­tieren elek­tro­mag­netis­che Felder (EMF) im Fre­quenzbere­ich von 0 Hz bis 300 GHz (siehe Abbil­dung oben). Hin­sichtlich der Wirkun­gen wird zwis­chen direk­ten und indi­rek­ten Wirkun­gen unter­schieden. Für die Bew­er­tung der Expo­si­tion gegenüber EMF ist wichtig, dass:

  • wis­senschaftlich inter­na­tion­al anerkan­nte Wirkun­gen von EMF einen phys­i­ol­o­gis­chen Schwellen­wert besitzen,
  • Wirkun­gen nur bei Expo­si­tion, also in einem EMF, auftreten,
  • Wirkun­gen nicht kumu­la­tiv sind und
  • nicht jede wahrnehm­bare Wirkung gle­ichzeit­ig eine gesund­heitliche Gefährdung bedeutet.

Direk­te Wirkun­gen

Als direk­te Wirkun­gen wer­den die im men­schlichen Kör­p­er durch dessen Anwe­sen­heit in einem EMF unmit­tel­bar her­vorgerufe­nen Wirkun­gen beze­ich­net. Es wird zwis­chen nicht­ther­mis­chen Wirkun­gen bei nieder­fre­quenten EMF (bis
ca. f = 10 MHz) und ther­mis­chen Wirkun­gen bei hochfre­quenten EMF (ab ca. f = 100 kHz) unter­schieden. Nicht­ther­mis­che Wirkun­gen umfassen die Stim­u­la­tion von Muskeln, Ner­ven oder Sin­nesor­ga­nen, ther­mis­che Wirkun­gen die Erwär­mung des men­schlichen Gewebes auf­grund von Energieab­sorp­tion aus dem EMF oder durch induzierte Kör­per­ströme zum Beispiel in Extrem­itäten. Im Über­gangs­bere­ich (100 kHz ≤ f ≤ 10 MHz) nehmen die nicht­ther­mis­chen Wirkun­gen mit steigen­der Fre­quenz ab, bei gle­ichzeit­iger Zunahme der ther­mis­chen Wirkun­gen.

Indi­rek­te Wirkun­gen

Die von einem EMF aus­gelösten Wirkun­gen auf Beschäftigte oder auf Gegen­stände wer­den als indi­rek­te Wirkun­gen beze­ich­net. Es kommt also zu ein­er mit­tel­baren Gefährdung der Gesund­heit und Sicher­heit der Beschäftigten. Hierzu zählen neben Kon­tak­t­strö­men vor allem die Pro­jek­til­wirkung in starken sta­tis­chen Mag­net­feldern und die Ein­wirkun­gen auf aktive und pas­sive Kör­per­hil­f­s­mit­tel von beson­ders schutzbedürfti­gen Beschäftigten. Im Gegen­satz zu pas­siv­en Kör­per­hil­f­s­mit­teln, wie zum Beispiel Stents oder Endo­prothe­sen, besitzen aktive Kör­per­hil­f­s­mit­tel eine eigene Energiev­er­sorgung, wie zum Beispiel Herz­schrittmach­er.

Laut Anwen­dungs­bere­ich (§ 1 Absatz 2 EMFV) umfasst die EMFV alle bekan­nten durch EMF her­vorgerufe­nen direk­ten und indi­rek­ten Wirkun­gen. Die EMFV gilt nur für Kurzzeitwirkun­gen von EMF. Für ver­mutete Langzeitwirkun­gen gibt es wed­er wis­senschaftlich repro­duzier­bare Ergeb­nisse noch wis­senschaftlich fundierte und bestätigte Wirk­mech­a­nis­men. Somit gilt die EMFV sowie die EMF-RL expliz­it nicht für ver­mutete Langzeitwirkun­gen von EMF (§ 1 Absatz 3 Num­mer 2 EMFV).

Fre­quenzbere­ich und exem­plar­ische Quellen elek­tro­mag­netis­ch­er Felder

Übersicht über nationale Regelungen

  • Verord­nung zum Schutz der Beschäftigten vor Gefährdun­gen durch elek­tro­mag­netis­che Felder (EMFV)
  • in Kraft getreten am 19.11.2016
  • gilt für alle Beschäftigten in allen Tätigkeits­bere­ichen bei der Arbeit
  • nationale Umset­zung der europäis­chen Arbeitss­chutz-Richtlin­ie 2013/35/EU zu EMF, vom 26.06.2013
  • DGUV Vorschrift 15 (bish­er BGV B11) und DGUV‑R 103–013 (bish­er BGR B11)
  • in Kraft getreten im Juni 2001, aktu­al­isiert im Jan­u­ar 2006
  • für all­ge­meine Bevölkerung:
  • Sech­sundzwanzig­ste Verord­nung zur Durch­führung des Bun­des-Immis­sion­ss­chutzge­set­zes (Verord­nung über elek­tro­mag­netis­che Felder), 26. BIm­SchV, in der Fas­sung vom 14.08.2013
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