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Ramadan: Mehr als tagsüber nichts essen und trinken

Am 13. April beginnt der Ramadan
Mehr als tagsüber nichts essen und trinken

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In Deutsch­land leben rund vier Mil­lio­nen Mus­lime. Am 13. April 2021 begin­nt für sie in diesem Jahr der Ramadan, die Fas­ten­zeit. Wie wirkt sich das Fas­ten auf die Arbeit aus? Und was sollte man beim Arbeits- und Gesund­heitss­chutz in dieser Zeit beachten?

Flo­ri­an K., 37 Jahre, ist seit ein paar Monat­en Sicher­heits­beauf­tragter. Er hat wie jedes Jahr zwis­chen Karneval und Ostern gefastet. In den sechs Wochen hat er auf Alko­hol und Süßigkeit­en verzichtet. Nicht zu rauchen hat er vor Jahren auch ein­mal ver­sucht, aber nach vier Tagen hat er wieder zur Zigarette gegrif­f­en. Verzicht­en kann ganz schön hart sein … Nun möchte er von seinem türkischen Arbeit­skol­le­gen wis­sen, wie und warum Mus­lime fas­ten. Hier die wichtig­sten Antworten:

  • Der Ramadan hängt vom islamis­chen Mond­kalen­der ab und ver­schiebt sich deshalb jedes Jahr.
  • Die Fas­ten­zeit dauert 29 bis 30 Tage und endet 2021 am 12. Mai.
  • Rund 50 Prozent der erwach­se­nen mus­lim­is­chen Män­ner und Frauen hal­ten in Deutsch­land das Fas­ten ein. Essen und Trinken sind von der Mor­gendäm­merung an, die etwa 1 bis 2 Stun­den vor dem Son­nenauf­gang ist, bis zum Son­nenun­ter­gang unter­sagt. Mitte Juni sind das rund 17 Stunden.
  • Auch auf das Rauchen wird tagsüber verzichtet.
  • Gegessen wird auss­chließlich in den Nacht­stun­den, oft aus­giebig mit Fre­un­den und der Familie.
  • Da sich Son­nenauf­gang und ‑unter­gang von Tag zu Tag ändern, ori­en­tieren sich die Fas­ten­den an ein­er Zeit­ta­belle. So wis­sen sie, wann sie noch im Dunkeln früh­stück­en kön­nen und wann sie abends mit ein­er Dat­tel und einem Glas Wass­er sowie einem Gebet das Fas­ten brechen dürfen.
  • Außer­dem spenden Mus­lime in dieser Zeit großzügig und in den Moscheen gibt es für Bedürftige kosten­lose Mahlzeit­en zum Früh­stück und zum Fastenbrechen.

Fasten ist eine Herausforderung für Körper und Geist

Der Verzicht auf Essen und Trinken ist für die Gesund­heit grund­sät­zlich nicht schädlich. Allerd­ings kann es bei den Fas­ten­den zu Kreis­lauf­prob­le­men, Erschöp­fungszustän­den und Konzen­tra­tionss­chwierigkeit­en kom­men – vor allem bis sich der Stof­fwech­sel auf die eingeschränk­te Nahrungszu­fuhr umgestellt hat. Das dauert ein paar Tage. Flo­ri­an K. kann sich gut vorstellen, dass es zudem ganz schön ner­ven kann, wenn die anderen Kol­le­gen essen und trinken. Ihm fällt zum Beispiel das Alko­hol­fas­ten auch beson­ders schw­er, wenn er in der Fas­ten­zeit zu einem Geburt­stag ein­ge­laden ist und die anderen Gäste fröh­lich mit einem kühlen Bier anstoßen.

Wenn katholis­che Chris­ten, wie Flo­ri­an K., von Ascher­mittwoch bis Grün­don­ner­stag 40 Tage fas­ten, geht es darum, sich auf Ostern vorzu­bere­it­en, sich zu besin­nen und Buße zu tun. Die Fas­ten­den sollen als äußeres Zeichen auf Dinge verzicht­en, die ihnen angenehm und lieb sind, wie zum Beispiel Schoko­lade, Kaf­fee, Alko­hol oder das Handy. Fas­ten bei den Mus­li­men ist eine im Koran ver­ankerte Pflicht und dauert 29 beziehungsweise 30 Tage. Sie gilt neben dem Glaubens­beken­nt­nis, täglichen Gebeten, dem Geben von Almosen und der Wall­fahrt nach Mek­ka als ein­er der fünf Grundpfeil­er des Islam.

Das Fas­ten bedeutet für Mus­lime, sich in der Zeit inten­siv mit dem Glauben auseinan­derzuset­zen. Das Ende des Ramadans, ein dre­itägiges Fest, ist ver­gle­ich­bar mit dem Osterfest.

So lassen sich Fasten und Arbeiten miteinander vereinbaren

Der ganztägige Verzicht auf Essen und Trinken ist kräftezehrend. So kann es passieren, dass bei einem fas­ten­den Mus­lim während des Ramadans die Leis­tung vorüberge­hend nach­lässt. Der Arbeit­ge­ber darf ihn aber wed­er abmah­nen noch darf er ihm deshalb per­so­n­enbe­d­ingt kündi­gen. Das Bun­de­sar­beits­gericht (BAG) hat 2011 das Recht auf Reli­gions­frei­heit beziehungsweise die Ausübung der religiösen Pflicht­en als gerecht­fer­tigt eingestuft.

Allerd­ings haben wed­er der Arbeit­ge­ber noch der Arbeit­nehmer etwas davon, wenn aus Arbeit­spflicht und Fas­tenpflicht ein Kon­flikt entste­ht. Deshalb ist es sin­nvoll, sich vor der Fas­ten­zeit zusam­men­zuset­zen und über Lösun­gen zu sprechen. So lassen sich betriebliche Beein­träch­ti­gun­gen und schlechte Stim­mung vermeiden.

Damit alle Mitar­beit­er auch während des Ramadans gesund und sich­er arbeit­en kön­nen, kann es zum Beispiel hil­fre­ich sein,

  • die Arbeits­gestal­tung am Mor­gen und Abend flex­i­bel zu handhaben
  • Urlaub­san­fra­gen von Mus­li­men in dieser Zeit beson­ders zu berücksichtigen
  • den Schicht­plan auf die Bedürfnisse der Fas­ten­den abzustimmen

Flo­ri­an K. hat in seinem Betrieb angeregt, einen interkul­turellen Kalen­der aufzuhän­gen. Darin sind die Fest- und Feiertage unter­schiedlich­er Reli­gio­nen und Kul­turen ver­merkt. Und er hat sich vorgenom­men, zum Ende der Fas­ten­zeit, dem soge­nan­nten Zuck­er­fest, seinem türkischen Kol­le­gen ein „Schönes Fest“ zu wün­schen. Denn der wün­scht ihm auch jedes Jahr „Fröh­liche Wei­h­nacht­en“ und „Fro­he Ostern“.


Autorin: Bet­ti­na Brucker

Fachjour­nal­istin

Foto: privat

Praxis-Tipps

Weit­ere Infor­ma­tio­nen zum Ramadan gibt es unter anderem

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