Mehr als tagsüber nichts essen und trinken. Am 15. Mai beginnt der Ramadan -
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Am 15. Mai beginnt der Ramadan

Mehr als tags­über nichts essen und trin­ken

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In Deutsch­land leben rund vier Millio­nen Muslime. Am 15. Mai 2018 beginnt für sie in diesem Jahr der Rama­dan, die Fasten­zeit. Wie wirkt sich das Fasten auf die Arbeit aus? Und was sollte man beim Arbeits‐ und Gesund­heits­schutz in dieser Zeit beach­ten?

Florian K., 37 Jahre, ist seit ein paar Mona­ten Sicher­heits­be­auf­trag­ter. Er hat wie jedes Jahr zwischen Karne­val und Ostern gefas­tet. In den sechs Wochen hat er auf Alko­hol und Süßig­kei­ten verzich­tet. Nicht zu rauchen hat er vor Jahren auch einmal versucht, aber nach vier Tagen hat er wieder zur Ziga­rette gegrif­fen. Verzich­ten kann ganz schön hart sein … Nun möchte er von seinem türki­schen Arbeits­kol­le­gen wissen, wie und warum Muslime fasten. Hier die wich­tigs­ten Antwor­ten:

  • Der Rama­dan hängt vom isla­mi­schen Mond­ka­len­der ab und verschiebt sich deshalb jedes Jahr.
  • Die Fasten­zeit dauert 29 bis 30 Tage und endet 2018 am 14. Juni.
  • Rund 50 Prozent der erwach­se­nen musli­mi­schen Männer und Frauen halten in Deutsch­land das Fasten ein. Essen und Trin­ken sind von der Morgen­däm­me­rung an, die etwa 1 bis 2 Stun­den vor dem Sonnen­auf­gang ist, bis zum Sonnen­un­ter­gang unter­sagt. Mitte Juni sind das rund 17 Stun­den.
  • Auch auf das Rauchen wird tags­über verzich­tet.
  • Geges­sen wird ausschließ­lich in den Nacht­stun­den, oft ausgie­big mit Freun­den und der Fami­lie.
  • Da sich Sonnen­auf­gang und -unter­gang von Tag zu Tag ändern, orien­tie­ren sich die Fasten­den an einer Zeit­ta­belle. So wissen sie, wann sie noch im Dunkeln früh­stü­cken können und wann sie abends mit einer Dattel und einem Glas Wasser sowie einem Gebet das Fasten brechen dürfen.
  • Außer­dem spen­den Muslime in dieser Zeit groß­zü­gig und in den Moscheen gibt es für Bedürf­tige kosten­lose Mahl­zei­ten zum Früh­stück und zum Fasten­bre­chen.

Fasten ist eine Heraus­for­de­rung für Körper und Geist

Der Verzicht auf Essen und Trin­ken ist für die Gesund­heit grund­sätz­lich nicht schäd­lich. Aller­dings kann es bei den Fasten­den zu Kreis­lauf­pro­ble­men, Erschöp­fungs­zu­stän­den und Konzen­tra­ti­ons­schwie­rig­kei­ten kommen – vor allem bis sich der Stoff­wech­sel auf die einge­schränkte Nahrungs­zu­fuhr umge­stellt hat. Das dauert ein paar Tage. Florian K. kann sich gut vorstel­len, dass es zudem ganz schön nerven kann, wenn die ande­ren Kolle­gen essen und trin­ken. Ihm fällt zum Beispiel das Alko­holfas­ten auch beson­ders schwer, wenn er in der Fasten­zeit zu einem Geburts­tag einge­la­den ist und die ande­ren Gäste fröh­lich mit einem kühlen Bier ansto­ßen.

Wenn katho­li­sche Chris­ten, wie Florian K., von Ascher­mitt­woch bis Grün­don­ners­tag 40 Tage fasten, geht es darum, sich auf Ostern vorzu­be­rei­ten, sich zu besin­nen und Buße zu tun. Die Fasten­den sollen als äuße­res Zeichen auf Dinge verzich­ten, die ihnen ange­nehm und lieb sind, wie zum Beispiel Scho­ko­lade, Kaffee, Alko­hol oder das Handy. Fasten bei den Musli­men ist eine im Koran veran­kerte Pflicht und dauert 29 bezie­hungs­weise 30 Tage. Sie gilt neben dem Glau­bens­be­kennt­nis, tägli­chen Gebe­ten, dem Geben von Almo­sen und der Wall­fahrt nach Mekka als einer der fünf Grund­pfei­ler des Islam.

Das Fasten bedeu­tet für Muslime, sich in der Zeit inten­siv mit dem Glau­ben ausein­an­der­zu­set­zen. Das Ende des Rama­dans, ein drei­tä­gi­ges Fest, ist vergleich­bar mit dem Oster­fest.

So lassen sich Fasten und Arbei­ten mitein­an­der verein­ba­ren

Der ganz­tä­gige Verzicht auf Essen und Trin­ken ist kräf­te­zeh­rend. So kann es passie­ren, dass bei einem fasten­den Muslim während des Rama­dans die Leis­tung vorüber­ge­hend nach­lässt. Der Arbeit­ge­ber darf ihn aber weder abmah­nen noch darf er ihm deshalb perso­nen­be­dingt kündi­gen. Das Bundes­ar­beits­ge­richt (BAG) hat 2011 das Recht auf Reli­gi­ons­frei­heit bezie­hungs­weise die Ausübung der reli­giö­sen Pflich­ten als gerecht­fer­tigt einge­stuft.

Aller­dings haben weder der Arbeit­ge­ber noch der Arbeit­neh­mer etwas davon, wenn aus Arbeits­pflicht und Fasten­pflicht ein Konflikt entsteht. Deshalb ist es sinn­voll, sich vor der Fasten­zeit zusam­men­zu­set­zen und über Lösun­gen zu spre­chen. So lassen sich betrieb­li­che Beein­träch­ti­gun­gen und schlechte Stim­mung vermei­den.

Damit alle Mitar­bei­ter auch während des Rama­dans gesund und sicher arbei­ten können, kann es zum Beispiel hilf­reich sein,

  • die Arbeits­ge­stal­tung am Morgen und Abend flexi­bel zu hand­ha­ben
  • Urlaubs­an­fra­gen von Musli­men in dieser Zeit beson­ders zu berück­sich­ti­gen
  • den Schicht­plan auf die Bedürf­nisse der Fasten­den abzu­stim­men

Florian K. hat in seinem Betrieb ange­regt, einen inter­kul­tu­rel­len Kalen­der aufzu­hän­gen. Darin sind die Fest‐ und Feier­tage unter­schied­li­cher Reli­gio­nen und Kultu­ren vermerkt. Und er hat sich vorge­nom­men, zum Ende der Fasten­zeit, dem soge­nann­ten Zucker­fest, seinem türki­schen Kolle­gen ein „Schö­nes Fest“ zu wünschen. Denn der wünscht ihm auch jedes Jahr „Fröh­li­che Weih­nach­ten“ und „Frohe Ostern“.


Autorin:

Bettina Brucker

Fach­jour­na­lis­tin

Foto: privat

Praxis‐Tipps

Weitere Infor­ma­tio­nen zum
Rama­dan gibt es unter ande­rem

  • im Inter­net auf der Seite
    www.islam.de
  • in der Broschüre „Gesund arbei­ten während des Rama­dans – Empfeh­lun­gen für den Umgang im Betrieb“ der Initia­tive Gesund­heit und Arbeit (iga) unter www.iga-info.de Veröf­fent­li­chun­gen (Such­be­griff Rama­dan)

Fließ­text std

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