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Schutzmaßnahmen bei Arbeiten im Freien

Tipps für die Praxis
Schutzmaßnahmen bei Arbeiten im Freien

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Der Früh­ling bringt uns Licht, Sonne, Wärme und damit auch gute Laune, Energie und Wohlbefind­en. Natur und Men­sch brauchen die Sonne, um leben zu kön­nen. Sie fördert die Pho­to­syn­these bei Pflanzen, steigert die kör­per­liche Leis­tungs­fähigkeit und unter­stützt die Bil­dung von lebenswichtigem Vit­a­min D3, das für den Auf­bau und Erhalt der Knochen notwendig ist. Ein Zuviel an Son­nen­strahlung kann jedoch der Gesund­heit schaden – sofort, aber auch langfristig.

Je nach Dosis aktiviert UV-Strahlung sowohl leben­snotwendi­ge, als auch schädi­gende Prozesse im men­schlichen Kör­p­er. Zu hohe UV-Belas­tung kann zu Haut- und Augen­schä­den führen und das Immun­sys­tem schwächen. Dadurch kön­nen Infek­tio­nen der Haut, wie zum Beispiel Her­pes Sim­plex Viren, aktiviert werden.

UV-A- und UV-B-Strahlung

UV-A-Strahlung ist ver­ant­wortlich für die vorzeit­ige Hau­tal­terung, Hautkrebs und grauen Star (Lin­sen­trübung, Katarakt). Weit­er­hin ist UV-A-Strahlung in hohen Dosen mitver­ant­wortlich für die Entste­hung eines Son­nen­bran­des. Hauptverur­sach­er des Son­nen­bran­des ist jedoch die UV-B-Strahlung. Sie fördert darüber hin­aus Hautkrebs und dessen Vorstufe (aktinis­che Ker­atosen) sowie Horn- und Binde­hau­t­entzün­dung der Augen.

Weit­er­hin kön­nen ver­schiedene Arzneimit­tel in Verbindung mit UV-Strahlung Hautreak­tio­nen her­vor­rufen, zum Beispiel Hautrö­tun­gen, braune Fleck­en oder Bläschen. Dabei han­delt es sich um pho­toal­ler­gis­che beziehungsweise pho­to­tox­is­che Reak­tio­nen. Dazu gehören Antibi­oti­ka aus der Gruppe der Tetra­cy­cline zum Beispiel Doxy­cy­clin, Gyrase­hem­mer oder Arzneimit­tel zur Behand­lung von Dia­betes, Herz- Kreis­laufer­krankun­gen, Hor­mon­prä­parate und bes­timmte Psy­chophar­ma­ka. Auch pflan­zliche Prä­parate kön­nen der­ar­tige Reak­tio­nen her­vor­rufen, zum Beispiel Johan­niskraut. Hin­weise dazu sind jew­eils im Beipackzettel aufgeführt.

Je inten­siv­er und länger die Sonne auf den Organ­is­mus ein­wirkt, desto größer ist die Gesund­heits­ge­fahr. Dabei wird die Erb­sub­stanz schon geschädigt, bevor ein Son­nen­brand entsteht.

Die Empfind­lichkeit gegenüber UV-Strahlung hängt vom Haut­typ ab. Haut­typen mit heller Haut, rot­blon­dem, blon­dem bis hell­braunem Haar sind beson­ders empfind­lich. Beson­ders anfäl­lig für UV-Schädi­gun­gen sind die soge­nan­nten „Son­nen­ter­rassen“ wie Stirn, Glatze, Nasen­rück­en, Ohren, Lip­pen, Kinn, Schul­tern und Rücken.

Pflichten der Arbeitgeber

Arbeit­ge­ber mit Beschäftigten, die im Freien arbeit­en, sind verpflichtet, Son­nen­strahlung in der Gefährdungs­beurteilung zu berück­sichti­gen, geeignete Schutz­maß­nah­men nach dem T‑O-P-Prinzip abzuleit­en und die Beschäftigten zu unter­weisen. Eine wichtige Ori­en­tierung­shil­fe bei der Fes­tle­gung der Schutz­maß­nah­men ist der UV-Index (UVI). Der UVI ist ein Maß für den gemesse­nen beziehungsweise prog­nos­tizierten Tagesspitzen­wert der son­nen­brand­wirk­samen UV-Bestrahlungsstärke, der von der Sonne während des Tages auf ein­er hor­i­zon­tal­en Fläche an der Erdober­fläche her­vorgerufen beziehungsweise erwartet wird. Er wird unter anderem vom Bun­de­samt für Strahlen­schutz, dem Deutschen Wet­ter­di­enst und anderen Wet­ter­di­en­sten veröffentlicht.

Er wird in ganzen Zahlen von 1 bis 12+ angegeben. Je höher der UV-Index ist, desto höher ist die Strahlungsstärke. Tabelle 1 zeigt die durch­schnit­tlichen UVI ver­schieden­er Städte im Ver­lauf eines Jahres. Tabelle 2 gibt Hin­weise auf Schutz­maß­nah­men in Abhängigkeit vom UVI.

UV-Belastung minimieren

Die Min­imierung der UV-Belas­tung an Arbeit­splätzen im Freien durch den Ein­satz tech­nis­ch­er Hil­f­s­mit­tel hat Vor­rang vor organ­isatorischen Maß­nah­men. Es soll­ten möglichst Ein­hausun­gen oder Über­dachun­gen geschaf­fen wer­den, zum Beispiel durch Ein­satz von Son­nen­schir­men oder Son­nensegeln aus UV-absorbieren­den Stof­fen entsprechend UV-Stan­dard 801. Dabei ist zu beacht­en, dass durch Reflex­io­nen und Umge­bungsstrahlung auch mit Son­nen­schirm oder Son­nensegel zu ein­er rel­e­van­ten UV-Belas­tung kom­men kann. Die Kom­bi­na­tion mit organ­isatorischen und per­sön­lichen Schutz­maß­nah­men ist daher optimal.

Organ­isatorische Schutz­maß­nah­men zur Ver­ringerung der UV-Belas­tung sind beispielsweise:

  • Arbeit­en im Freien beson­ders in den Monat­en April bis Sep­tem­ber und in der Zeit von 10 bis 15 Uhr (entspricht 11 Uhr bis 16 Uhr Som­merzeit) ver­mei­den, Arbeit­en möglichst im Schat­ten ver­richt­en. Auch in Pausen soll­ten schat­tige Plätze aufge­sucht wer­den kön­nen. Achtung: im Schat­ten ist die UV-Belas­tung zwar geringer, wird aber nicht ganz aufge­hoben. Gle­ich­es gilt bei Bewölkung.
  • Daran denken, dass helle Flächen, heller Sand und Wass­er die UV-Strahlung reflek­tieren und dessen Wirkung ver­stärken können.
  • Arbeits­be­ginn auf die frühen Mor­gen­stun­den ver­legen, Pausen­zeit­en anpassen
  • Schwere Arbeit­en in die Mor­gen- und Vor­mit­tagsstun­den, leichte Arbeit­en auf den Nach­mit­tag legen.
  • Tätigkeit­en mit UV-Belas­tung auf mehrere Beschäftigte verteilen
  • Aus­re­ichend Flüs­sigkeit im direk­ten Arbeit­sum­feld bere­it­stellen. Emp­fohlen wer­den pro Per­son min­destens 2 bis 3 Liter alko­hol­freie, kalo­rien­arme Getränke pro Tag
  • UV-Schutzmit­tel am Arbeit­splatz zur Ver­fü­gung stellen.

Per­sön­liche Schutz­maß­nah­men sind oft die einzige Möglichkeit, die UV-Belas­tung zu begren­zen. Dazu gehören kör­perbe­deck­ende Klei­dung, eine geeignete Kopf­be­deck­ung, eine UV-Son­nen­brille und UV-Schutzmittel.

  • Ergibt die Gefährdungs­beurteilung, dass ein Indus­tri­eschutzhelm getra­gen wer­den muss, so ist dieser durch einen Nack­en­schutz zu ergänzen, der auch die Ohren bedeckt. Dazu gibt es spezielle Pro­duk­te, jedoch reicht auch ein leicht­es Tuch, das am Helm befes­tigt wird.
  • Muss kein Helm getra­gen wer­den, dann wer­den bre­itkrem­pige Hüte oder Base­caps mit Ohren- und Nack­en­schutz empfohlen.
  • Weit­er­hin soll­ten geschlossene Schuhe und langärm­lige, luft­durch­läs­sige, kör­perbe­deck­ende Klei­dung getra­gen wer­den. Dicht gewebte Tex­tilien, zum Beispiel Baum­wolle ist zu bevorzu­gen. Lock­er gewebte Klei­dung lässt mehr UV-Strahlung durch und sollte ver­mieden wer­den. Spezielle UV-Schutzk­lei­dung ist nicht erforder­lich. Funk­tion­sshirts sind bei Hitze angenehmer zu tra­gen, weil sie die Feuchtigkeit bess­er abtransportieren.
  • Bei Arbeit­en an oder in der Nähe von reflek­tieren­den Ober­flächen (zum Beispiel Wass­er, Met­alldäch­er) wer­den die Augen beson­ders belastet.
  • Son­nen­brillen müssen für den gewerblichen Bere­ich geeignet und nach DIN EN 166 beziehungsweise DIN EN 172 hergestellt wor­den sein. Emp­fohlen wird die Schutzstufe 5 – 2,5 mit seitlichen trans­par­enten Abschir­mungen und ein­er grauen Tönung, die die Farb­wieder­gabe nicht verfälscht.
  • UV-Schutzmit­tel sind zusät­zlich anzuwen­den, wenn der Schutz nicht anders möglich ist, zum Beispiel für Gesicht und Hände. Unbe­deck­te Haut­par­tien, beson­ders die Bere­iche um Augen, Haaransatz, Nack­en sowie die Lip­pen sind einzu­cre­men. Ein Lichtschutz­fak­tor (LSF) von min­destens 30 wird empfohlen.
  • Die Annahme, gebräunte Haut biete einen aus­re­ichen­den UV-Schutz, ist falsch. Bräu­nung ist ein Abwehrmech­a­nis­mus der Haut gegenüber UV-Strahlen. Gebräunte Haut hat ver­glichen mit UV-Schutzmit­teln einen max­i­malen Lichtschutz­fak­tor von 4.

UV-Schutzmittel …

… gel­ten bei Arbeit­en unter Son­nen­strahlung als ergänzende Maß­nahme, wenn Kör­per­re­gio­nen nicht mit Tex­tilien geschützt wer­den kön­nen, zum Beispiel die Hände oder das Gesicht. Sie sind nach § 2 Unfal­lver­hü­tungsvorschrift „Grund­sätze der Präven­tion“ (DGUV Vorschrift 1) in Verbindung mit § 3 Arbeitss­chutzge­setz vom Arbeit­ge­ber für die betrof­fe­nen Beschäftigten zur Ver­fü­gung zu stellen.

Der Betrieb­sarzt sollte bei der Auswahl von UV-Schutzmit­teln beteiligt wer­den. Es ist sin­nvoll, die Beschäftigten bei der Auswahl von UV-Schutzmit­teln einzu­binden. Das erhöht die Akzep­tanz in der Anwendung.

Als Anhalt­spunkt zur Auswahl eines UV-Schutzmit­tels dient der Lichtschutz­fak­tor (LSF). Der Lichtschutz­fak­tor (LSF) wird in einem Labor nach einem Stan­dard­prüfver­fahren ermit­telt. Er ist ein Maß für die Schutzwirkung gegenüber UVB-Strahlung, lässt aber keine Angaben über den Schutz gegenüber UVA-Strahlung zu. Der UVA-Schutz wird auf anderem Wege bes­timmt. Entspricht der UVA-Schutz 1/3 des deklar­i­erten UVB-Schutzes, darf das Pro­dukt die UVA-Kennze­ich­nung („UVA“ als Buch­staben im Kreis) tra­gen. Dieses Zeichen ste­ht für einen aus­ge­wo­ge­nen UVB-/UVA-Schutz.

Der LSF sollte nur als Anhalt­spunkt zur Auswahl eines UV-Schutzmit­tels herange­zo­gen wer­den. In der Prax­is erre­icht man häu­fig nur eine Schutzwirkung von ca. 20 – 30% des angegebe­nen LSF, da meist zu geringe Pro­duk­t­men­gen aufge­tra­gen wer­den. Es soll­ten daher UV-Schutzmit­tel aus der Schutzkat­e­gorie „hoch“ (LSF ≥ 30), bess­er „sehr hoch“ (LSF 50+) ver­wen­det werden..

UV-Schutzmit­tel soll­ten fol­gende Anforderun­gen erfüllen:

  • Hoher Lichtschutz­fak­tor (möglichst LSF 50+) und aus­re­ichen­der UV-A-Schutz („UVA“ als Buch­staben im Kreis)
  • Gute Wass­er- und Schweißfes­tigkeit, damit die Schutzwirkung bei Wasserkon­takt oder Schwitzen länger erhal­ten bleibt.
  • Gegebe­nen­falls sind bei der Auswahl des geeigneten UV-Schutzmit­tels weit­ere Kri­te­rien zu beacht­en, zum Beispiel gutes Einziehver­mö­gen, Abdruck­frei­heit, Griff­sicher­heit, Aller­gene etc.

Foto: privat
Foto: privat

Autor: Dr. Bir­git Pieper

Beruf­sgenossen­schaft Holz und Metall

Lei­t­erin SG Hautschutz

Deutsche Geset­zliche Unfal­lver­sicherung e.V.

Fach­bere­ich PSA


Das Plattenepithelkarzinom …

… und dessen Vorstufe, mul­ti­ple aktinis­che Ker­atosen der Haut, sind seit 2015 unter der Zif­fer BK 5103 in die Liste der Beruf­skrankheit­en aufgenom­men und ste­hen seit­dem mit an ein­er Spitzen­po­si­tion im Beruf­skrankheit­engeschehen, Ten­denz steigend. Rechtzeit­ig erkan­nt ist Hautkrebs gut behan­del­bar. Nicht abheilende raue, gerötete Fleck­en, Verkrus­tun­gen und Blu­tun­gen an betrof­fe­nen Haut­stellen, sich verän­dernde Mut­ter­male soll­ten ärztlich unter­sucht wer­den. Auch soll­ten die arbeitsmedi­zinis­chen Vor­sorge­un­ter­suchun­gen genutzt wer­den, die die Arbeit­ge­ber den Beschäftigten bei Tätigkeit­en im Freien mit inten­siv­er Belas­tung durch natür­liche UV-Strahlung von regelmäßig ein­er Stunde oder mehr je Tag anzu­bi­eten haben.


Tipps zur Anwendung von UV-Schutzmitteln

  • Einige UV-Schutzmit­tel müssen 30 Minuten vor der UV-Expo­si­tion angewen­det wer­den, andere sind sofort wirk­sam. Die Her­stellerangaben soll­ten beachtet werden.
  • UV-Schutzmit­tel müssen gle­ich­mäßig auf die trock­ene Haut aufge­tra­gen wer­den. Bei Anwen­dung auf nass­er und ver­schwitzter Haut kann das Son­nen­schutzmit­tel in der Regel nicht gut genug einziehen.
  • UV-Schutzmit­tel müssen großzügig aufge­tra­gen wer­den (2 mg/m²), um die max­i­male Schutzwirkung zu erhalten.
  • UV-Schutzmit­tel müssen mehrmals täglich aufge­tra­gen wer­den, um den Schutz aufrecht zu erhalten.
  • Stirn, Wan­gen, Nase und Ohren sind beson­ders sorgfältig einzucremen.
  • Für den Augen­bere­ich und die Lip­pen soll­ten speziell dafür geeignete UV-Schutzmit­tel, zum Beispiel in Form von Sticks ver­wen­det werden.
  • UV-Schutzmit­tel ziehen nicht in Haare ein. Wenn das UV-Schutzmit­tel in die Augen­brauen oder in das Kopfhaar gelangt, kann es beim Schwitzen in die Augen fließen und Bren­nen verursachen.
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