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Radeln am Arbeitsplatz

Mehr Dyna­mik bei der Deut­schen Tele­kom

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Beim Wett­be­werb „Deut­scher Unter­neh­mens­preis Gesund­heit 2017“ des Dach­ver­bands der Betriebs­kran­ken­kas­sen erhielt das Deskbike‐Konzept der Deut­schen Tele­kom im Mai den Sonder­preis für inno­va­tive betrieb­li­che Gesund­heits­för­de­rung. Warum setzt die Tele­kom auf das „Stand‐Radeln“ am Arbeits­platz, um durch Dauer­sit­zen verur­sachte gesund­heit­li­che Probleme ihrer Mitar­bei­ter zu verhin­dern? Das liegt vor allem an einer DGUV‐Studie über dyna­mi­sche Arbeits­plätze und an Fotos aus dem Sili­con Valley.

Das folgende Szena­rio ist auch in Deutsch­lands Unter­neh­men keine Zukunfts­vi­sion mehr: Im Büro sitzen Ange­stellte auf einem Stand­fahr­rad, treten dabei wie beim sonn­täg­li­chen Ausflug ins Grüne in die Pedale und erle­di­gen gleich­zei­tig die tägli­che Arbeit am Compu­ter. Wirk­lich­keit gewor­den ist dieses „dyna­mi­sche Büro“, in dem die Mitar­bei­ter während der Arbeit auf dem Sitz­er­go­me­ter ihre Fitness verbes­sern und die Musku­la­tur stär­ken können, zum Beispiel bei der Deut­schen Tele­kom. Seit Novem­ber 2016 stellt das Unter­neh­men seinen Mitar­bei­tern im neu gebau­ten Konzern­haus in Hamburg, in der Bonner Service‐Zentrale sowie in der Deut­schen Tele­kom Tech­nik insge­samt 500 soge­nannte Desk­bikes, die an einen Fahr­rad­heim­trai­ner erin­nern, für das Stram­peln am Arbeits­platz zur Verfü­gung. „Klar, am Anfang wurde etwas geguckt, aber für meine Kolle­gen ist das mitt­ler­weile völlig normal“, berich­tet Birgit Hein­richs aus Bonn. Ihr Kollege ergänzt: „Ich habe am Ende des Tages das Gefühl, mich etwas mehr als früher bewegt zu haben und nutze das Desk­bike gerne bei Tele­fon­kon­fe­ren­zen mit Head­set am Ohr.“

In der Abtei­lung Health & Safety Manage­ment der Tele­kom wurde schon seit länge­rem über­legt, wie Alter­na­ti­ven zu den klas­si­schen Bewe­gungs­an­ge­bo­ten ausse­hen könn­ten. Dr. Anne‐Katrin Krem­pien, Leite­rin Health & Safety Manage­ment und Leitende Betriebs­ärz­tin der Tele­kom, berich­tet: „Als unser Vorstands­vor­sit­zen­der, Timo­theus Hött­ges, vor drei Jahren Fotos von Lauf­band­ar­beits­plät­zen im Sili­con Valley im Intra­net gepos­tet hat und kurze Zeit später das Insti­tut für Arbeits­schutz der Deut­sche Gesetz­li­che Unfall­ver­un­si­che­rung (DGUV) Ergeb­nisse erster Labor­stu­dien zu akti­ven Arbeits­plät­zen veröf­fent­lichte, entstand die Idee, auch bei der Tele­kom Akti­vi­tät direkt am Büro­ar­beits­platz während der Arbeit zu ermög­li­chen.“

Die Studie

In der erwähn­ten DGUV‐Studie wurden zwei Formen von „dyna­mi­schen Arbeits­plät­zen“ getes­tet: auf dem Lauf­band und auf dem Sitz­er­go­me­ter, also dem Stand­fahr­rad. Hier­bei führ­ten zwölf Proban­den, jeweils sechs Frauen und Männer,
je fünf stan­dar­di­sierte Büro­tä­tig­kei­ten
in verschie­de­nen Körper­hal­tun­gen aus, wobei die Arbeits­leis­tung bei konven­tio­nel­ler und bei sport­li­cher Erle­di­gung vergli­chen wurde. Die Muskel­ak­ti­vi­tät, Herz­fre­quenz und der Ener­gie­um­satz wurden dabei genauso gemes­sen wie die jewei­lige Arbeits­leis­tung.

Die Ergeb­nisse zeig­ten, dass die Körper­hal­tung an den dyna­mi­schen Arbeits­sta­tio­nen vergleich­bar mit denen an den jewei­li­gen konven­tio­nel­len Gegen­stü­cken war. Im Vergleich zum konven­tio­nel­len Sitz­ar­beits­platz waren die Werte der Muskel­ak­ti­vi­tät nur für wenige Tätig­kei­ten an den ande­ren Arbeits­sta­tio­nen signi­fi­kant höher, die der physi­schen Akti­vi­tät, Herz­fre­quenz und des Ener­gie­um­sat­zes hinge­gen in den meis­ten Fällen an den dyna­mi­schen Arbeits­sta­tio­nen deut­lich höher. Die objek­tiv ermit­telte Arbeits­leis­tung war bei dyna­mi­schen Arbeits­sta­tio­nen ledig­lich für Tätig­kei­ten mit der PC‐Maus mess­bar schlech­ter, ansons­ten gab es keine Unter­schiede.

Die Pilot­phase

Die Ergeb­nisse der DGUV‐Studie über­zeug­ten die Gesund­heits­ex­per­ten bei
der Tele­kom. In einer ersten Mach­bar­keits­stu­die wurden sechs verschie­dene Geräte von 60 Mitar­bei­tern während einer vier­wö­chi­gen Pilot­phase getes­tet. Die Test­phase wurde vom Insti­tut für Arbeits­schutz der DGUV im Auftrag der
BG Verkehr sowie dem Psycho­lo­gi­schen
Insti­tut der Deut­schen Sport­hoch­schule Köln wissen­schaft­lich beglei­tet.

Krem­pien erklärt: „Konkret getes­tet haben wir, wie sich das Akti­vi­täts­le­vel der Mitar­bei­ter verän­dert hat. Dabei haben wir sowohl Senso­ren einge­setzt als auch die Mitar­bei­ter nach ihrer subjek­ti­ven Einschät­zung befragt. Zudem haben wir sie gefragt, wie sie sich vor, während und nach der Nutzung fühl­ten und welche Auswir­kun­gen auf die Arbeits­tä­tig­keit
sie beob­ach­tet haben. Auf allen Unter­su­chungs­fel­dern waren grund­sätz­lich posi­tive Wirkun­gen sicht­bar: So war die Akti­vi­tät leicht gestie­gen, und das persön­li­che Befin­den hatte sich verbes­sert.“

Ange­bot ausbau­fä­hig

Bei der Einfüh­rung der Desk­bikes erhiel­ten alle Mitar­bei­ter an den pilo­tier­ten Stand­or­ten eine Einwei­sung, wobei ihnen die opti­male gesund­heits­för­dernde Benut­zung genauso wie alle sicher­heits­re­le­van­ten Aspekte vermit­telt wurde. Seit­dem ist die Nach­frage der Beschäf­tig­ten sehr groß. Wird das Projekt nun auf andere Stand­orte ausge­dehnt? Dr. Anne‐Katrin Krem­pien urteilt: „Das Ergeb­nis hat uns über­zeugt, die Desk­bikes an den Test­stand­or­ten sind daher wohl erst der Anfang. Wir prüfen gerade, wie die Geräte ab Herbst 2017 auch an weite­ren Telekom‐Standorten zur Verfü­gung gestellt werden können.“


Autor: Dr. Joerg Hensiek

Frei­be­ruf­li­cher Jour­na­list, Redak­teur

und PR‐Berater

joerg.hensiek@googlemail.com


Gesund­heits­pa­ket der Deut­schen Tele­kom

Das Desk‐Bike‐Projekt ist nur ein klei­ner Baustein im betrieb­li­chen Gesund­heits­ma­nage­ment der Tele­kom. So gibt es unter ande­rem einen mobi­len Fitness‐Coach, der für sieben Wochen ins Büro kommt und den Beschäf­tig­ten Tipps gibt, wie sie opti­mal Bewe­gungs­übun­gen in ihren Büro­all­tag inte­grie­ren können. Oder das Workshop‐Konzept „Gesund im Büro“, bei dem die Betriebs­ärzte beispiels­weise zur Ergo­no­mie am Arbeits­platz bera­ten oder den Beschäf­tig­ten wirk­same Entspan­nungs­ver­fah­ren für den Arbeits­all­tag zeigen.


Was ist ein Desk­bike und wie benutzt man es?

Schon durch regel­mä­ßige, kurz­zei­tige Nutzung des Desk­bikes im Arbeits­all­tag können Nutzer den Kreis­lauf akti­vie­ren und den Stoff­wech­sel anre­gen. Das Desk­bike lässt sich mit Hilfe inte­grier­ter Rollen flexi­bel an jedem höhen­ver­stell­ba­ren Büro­tisch einset­zen. Die indi­vi­du­elle Einstel­lung an den jewei­li­gen Nutzer sollte so erfol­gen, dass flie­ßende Bein­be­we­gun­gen möglich sind. Stimmt die
Sitz­höhe, kann die Tisch­höhe an die gerade auszu­füh­rende Tätig­keit ange­passt werden.

Die Tisch­höhe sollte eine güns­tige Körper­hal­tung ermög­li­chen:

  • Sind die Schul­tern entspannt und liegen die Unter­arme locker auf dem Schreib­tisch auf?
  • Bilden Ober‐ und Unter­arme mindes­tens einen rech­ten Winkel?

Nutzer soll­ten darauf achten, dass die Beine gut die Pedale errei­chen und beim Treten nicht ganz durch­ge­streckt sind. Für den Einsatz der Desk­bikes am Arbeits­platz muss ausrei­chend Platz zur Verfü­gung stehen. Schließ­lich muss der eigene Büro­stuhl noch verstaut werden, ohne zur Stol­per­falle zu werden. Die Geräte lassen sich gut bei Routi­ne­ar­bei­ten einset­zen, wie zum Beispiel E‐Mails checken, recher­chie­ren, Berichte sich­ten, Infos vorbe­rei­ten oder auch Arbeits‐ oder Tele­fon­ge­sprä­che führen. Quelle: BG Verkehr

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