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Kann Eisen­oxid­staub Lungen­krebs erzeu­gen?

MAK-Werte-Liste 2010
Kann Eisen­oxid­staub Lungen­krebs erzeu­gen?

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Die Senats­kom­mis­sion zur Prüfung gesund­heits­schäd­li­cher Arbeits­stoffe der Deut­schen Forschungs­ge­mein­schaft (DFG-Arbeitsstoffkommission) hat die „MAK- und BAT-Werte-Liste 2010“ als Mittei­lung 46 der Kommis­sion veröf­fent­licht. Wie schon im vergan­ge­nen Jahr ist die Anzahl der MAK-Werte gewach­sen, womit die Grenz­wert­liste, was die Zahl der Einträge angeht, erneut an Umfang gewon­nen hat.

Die Liste enthält in diesem Jahr insge­samt 48 neue oder geän­derte Einträge, davon 39 Posi­tio­nen bei den Luft­grenz­wer­ten (MAK-Werte-Liste) und neun bei den biolo­gi­schen Werten. Bei den Luft­grenz­wer­ten wurden drei Stoffe (Bisphe­nol A [CAS-Nr. 80–05–7], Methyl-1H-benzotriazol [CAS-Nr. 29385–43–1] und p‑Phenylendiamin [CAS-Nr. 106–50–3]) hinsicht­lich ihrer Bewer­tung über­prüft, ohne dass Ände­run­gen erfor­der­lich wurden.
Schwer­punkt: Metalle und Metall­ver­bin­dun­gen
Einen Schwer­punkt bilden in diesem Jahr neue Einträge und Ände­run­gen bei Metal­len und Metall­ver­bin­dun­gen.
Rein zahlen­mä­ßig kommt in diesem Jahr Mangan [CAS-Nr. 7439–96–5] und seine anor­ga­ni­schen Verbin­dun­gen am häufigs­ten vor:
  • der MAK-Wert für die einatem­bare Frak­tion (E) wurde von 0,5 mg/m³ auf 0,2 mg/m³ abge­senkt, als Kurz­zeit­ka­te­go­rie wurde II(8) fest­ge­legt;
  • für die alveo­len­gän­gige Frak­tion (A) wurde ein neuer MAK-Wert von 0,02 mg/m³ mit der glei­chen Kurz­zeit­ka­te­go­rie fest­ge­legt.
Die Fußnote „Perman­ga­nate: Kurz­zeit­ka­te­go­rie II(1)“ gilt jetzt für beide Einträge, ebenso die Schwan­ger­schafts­gruppe C (Stoffe, bei denen eine frucht­schä­di­gende Wirkung bei Einhal­tung des MAK- und BAT-Wertes nicht befürch­tet zu werden braucht).
Bei den biolo­gi­schen Werten wurde der bishe­rige BAT-Wert von 20 µg/l für Mangan und Mangan­ver­bin­dun­gen aufge­ho­ben und durch einen Biolo­gi­schen Arbeitsstoff-Referenz-Wert (BAR-Wert) von 15 µg/l ersetzt.
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Die schwer­wie­gendste Ände­rung in diesem Jahr dürfte aber wohl die Einstu­fung von Eisen­oxi­den [FeO: CAS-Nr. 1345–25–1; Fe2O3: CAS-Nr. 1309–37–1] in die Kate­go­rie 3B der krebs­er­zeu­gen­den Stoffe sein. Diese Kate­go­rie enthält Stoffe, für die „Anhalts­punkte für eine krebs­er­zeu­gende Wirkung [vorlie­gen], die jedoch zur Einord­nung in eine andere Kate­go­rie nicht ausrei­chen“ (so genannte „echte“ Krebs­ver­dachts­stoffe).
Die Einstu­fung gilt jedoch nur für biover­füg­bare Eisen­oxide. Dabei gibt es aller­dings bisher keine allge­mein aner­kannte quan­ti­ta­tive Defi­ni­tion für den Begriff „biover­füg­bar“.
Als Folge dieser Einstu­fung wurde der bishe­rige MAK-Wert für Eisen­oxide (1,5 mg/m³, alveo­len­gän­gige Frak­tion) aufge­ho­ben. Dieser Wert fiel unter den Geltungs­be­reich des Allge­mei­nen Staub­grenz­wer­tes, weil Eisen­oxi­den bisher ledig­lich unspe­zi­fi­sche Wirkun­gen auf die Atem­wege unter­stellt wurden.
Weitere Metalle und Metall­ver­bin­dun­gen
Des Weite­ren wurde der MAK-Wert für Queck­sil­ber [CAS-Nr. 7439–97–6] und seine anor­ga­ni­schen Verbin­dun­gen von bisher 0,1 mg/m³ auf 0,02 mg/m³ abge­senkt und die Schwan­ger­schafts­gruppe D fest­ge­legt; die übri­gen Einstu­fun­gen wie Kurz­zeit­ka­te­go­rie, krebs­er­zeu­gende Eigen­schaf­ten und Haut­sen­si­bi­li­sie­rung blei­ben unver­än­dert.
Bei den Zinn­or­ga­ni­schen Verbin­dun­gen wurden die Schwan­ger­schafts­grup­pen in diesem Jahr diffe­ren­ziert:
Bei der Neuauf­nahme von n‑Octylzinnverbindungen vor zwei Jahren wurde diesen die Schwan­ger­schafts­gruppe C (keine frucht­schä­di­gende Wirkung bei Einhal­tung des MAK- und BAT-Wertes) zuge­ord­net. Aufgrund neuer Infor­ma­tio­nen wurde im vergan­ge­nen Jahr die Schwan­ger­schafts­gruppe B verge­ben, der Stoffe zuge­ord­net werden, bei denen mit einer frucht­schä­di­gen­den Wirkung nach den vorlie­gen­den Infor­ma­tio­nen auch bei Einhal­tung des MAK- und BAT-Wertes gerech­net werden muss. Nunmehr gelten folgende (diffe­ren­zierte) Bewer­tun­gen:
  • Mono-n-octylzinnverbindungen werden wieder „zurück­ge­stuft“ zur Schwan­ger­schafts­gruppe C (bei Einhal­tung des (unver­än­der­ten) MAK-Wertes braucht eine frucht­schä­di­gende Wirkung nicht befürch­tet zu werden);
  • für Di- und Tri-n-octylzinnverbindungen bleibt die bishe­rige Schwan­ger­schafts­gruppe B unver­än­dert erhal­ten;
  • Tetra-n-octylzinnverbindungen erhal­ten die Schwan­ger­schafts­gruppe D, bei denen die vorlie­gen­den Daten für eine Einstu­fung in eine der Grup­pen A, B oder C nicht ausrei­chen.
Bei Cadmium [CAS-Nr. 7440–43–9] und seinen anor­ga­ni­schen Verbin­dun­gen wird der bishe­rige Biolo­gi­sche Leit­wert (BLW – biolo­gi­scher Wert, der als Anhalt für die zu tref­fen­den Maßnah­men heran­zu­zie­hen ist) von 7 µg/l aufge­ho­ben; dafür werden auch hier BAR-Werte fest­ge­legt, die zwischen dem Unter­su­chungs­ma­te­rial (Voll­blut oder Urin) diffe­ren­zie­ren (Voll­blut: 1 µg/l, Urin: 0,8 µg/l).
Borsäure und Tetra­bo­rate
Bemer­kens­wert ist auch die Zuord­nung von Borsäure [CAS-Nr. 10043–35–3] und Dinatriumtetraborat-Pentahydrat [CAS-Nr. 12179–04–3] zur Schwan­ger­schafts­gruppe B (mit einer frucht­schä­di­gen­den Wirkung muss auch bei Einhal­tung des MAK- und BAT-Wertes gerech­net werden):
Diese Einstu­fung ist insbe­son­dere vor dem Hinter­grund inter­es­sant, dass im Zusam­men­hang mit den Richt­li­nien zur Anpas­sung von Anhang I (Stoff­liste) der EG-Richtlinie 67/548/EWG viele Jahre über die fort­pflan­zungs­ge­fähr­den­den Eigen­schaf­ten von Borsäure und Bora­ten gestrit­ten wurde. Entspre­chende Einstu­fungs­vor­schläge wurden aufgrund erbit­ter­ten Wider­stands aus der Indus­trie aus einem Entwurf zur 29. Anpas­sungs­richt­li­nie wieder gestri­chen und erst mit der 30. ATP (Richt­li­nie 2008/58/EG/erste ATP zur EG-CLP-Verordnung – Verord­nung (EG) Nr. 790/2009) reali­siert.
Während die DFG nur die beiden genann­ten Borver­bin­dun­gen entspre­chend einstuft und ande­ren Tetra­bo­ra­ten die Schwan­ger­schafts­gruppe C zuweist, enthält die EG-Richtlinie bzw. die CLP-Verordnung weitere Tetra­bo­rate (Dina­tri­um­te­tra­bo­rat wasser­frei [CAS-Nr. 1330–43–4], Dina­tri­um­te­tra­bo­rat­de­ca­hy­drat [CAS-Nr. 1303–96–4]), die als repro­duk­ti­ons­to­xisch Kate­go­rie 2 (R60R61) bzw. Repro­duk­ti­ons­to­xisch Kat. 1B (nach CLP) einge­stuft sind.
Neue MAK-Werte
In der Liste der MAK-Werte wurden in diesem Jahr insge­samt 16 Stoffe neu aufge­nom­men; für elf Stoffe wurden erst­mals MAK-Werte fest­ge­legt; darun­ter sind auch drei Werte für Borsäure (10 mg/m³ = 1,8 mg Bor/m³) bzw. die vorste­hend bereits erwähn­ten Tetra­bo­rate (5 mg/m³ = 0,75 mg Bor/m³). Weiter­hin gibt es MAK-Werte für die neu aufge­nom­me­nen Stoffe
  • Mangan und seine anor­ga­ni­schen Verbin­dun­gen (A‑Fraktion, s.o.),
  • Perfluo­roc­t­an­sul­fon­säure (PFOS) [CAS-Nr. 1763–23–1] und ihre Salze,
  • Poly­al­phaole­fine [CAS-Nr. 68649–12–7] und
  • Triethy­len­gly­kol­mo­no­me­thyl­ether [CAS-Nr. 112–35–6].
Für die bereits bestehen­den Einträge
  • Brom­me­than [CAS-Nr. 74–83–9],
  • Carben­da­zim [CAS-Nr. 10605–21–7],
  • Glycerin­tri­ni­trat (Nitro­gly­ce­rin) [CAS-Nr. 55–63–0] und
  • 3‑Iod-2-propinylbutylcarbamat [CAS-Nr. 55406–53–6]
wurden erst­mals MAK fest­ge­legt. Die bishe­ri­gen MAK für die folgen­den Stoffe wurden abge­senkt, und zwar (bis auf Queck­sil­ber, s.o.) um den Faktor 2,5:
  • Mangan und seine anor­ga­ni­schen Verbin­dun­gen (E‑Fraktion, s.o.),
  • Queck­sil­ber und seine anor­ga­ni­schen Verbin­dun­gen (s.o.),
  • Selen [CAS-Nr. 7782–49–2] und seine anor­ga­ni­schen Verbin­dun­gen,
  • Selen­was­ser­stoff [CAS-Nr. 7783–07–5],
  • Warfa­rin [CAS-Nr. 81–81–2] und Natri­um­war­fa­rin [CAS-Nr. 129–06–6].
Weitere Para­me­ter bei Luft­grenz­wer­ten
Bei den Kurz­zeit­wer­ten wurde
  • 3 x die Kate­go­rie I(1) (Borsäure und Tetra­bo­rate),
  • 3 x die Kate­go­rie I(2),
  • 1 x die Kate­go­rie II(1) (Glycerin­tri­ni­trat)
  • 1 x die Kate­go­rie II(2) (Triethy­len­gly­kol­mo­no­me­thyl­ether),
  • 2 x die Kate­go­rie II(4) (Carben­da­zim und Poly­al­phaole­fine),
  • 6 x die Kate­go­rie II(8) (darun­ter neben Mangan (s.o.) Selen und Selen­was­ser­stoff
verge­ben. Dabei bezeich­net
  • Kate­go­rie I Stoffe, bei denen die lokale Reizwir­kung grenz­wert­be­stim­mend ist oder atem­wegs­sen­si­bi­li­sie­rende Stoffe und
  • Kate­go­rie II resorp­tiv wirk­same Stoffe.
Die Zahl in Klam­mern hinter der Kate­go­rie bezeich­net den zuläs­si­gen Über­schrei­tungs­fak­tor, wobei eine solche Über­schrei­tung höchs­tens vier­mal pro Arbeits­schicht (als Mittel­wert für jeweils 15 Minu­ten) zuläs­sig ist.
Zwei (Neu)Einträge (N‑Cyclohexyl‑N’-phenyl-p-phenylendiamin [CAS-Nr. 101–87–1] und N‑Isopropyl‑N’-phenyl-p-phenylendiamin [CAS-Nr. 101–72–4]) erhal­ten in der dies­jäh­ri­gen Liste die Anmer­kung Sh für Sensi­bi­li­sie­rung bei Haut­kon­takt. Pepsin [CAS-Nr. 9001–75–6] (eben­falls Neuein­trag) wird als sensi­bi­li­sie­rend beim Einat­men (Sa) einge­stuft. Alle diese Stoffe sind ausschließ­lich dem Abschnitt IV (sensi­bi­li­sie­rende Stoffe) zuge­ord­net (keine weitere Einstu­fung).
N‑Phenyl-2-naphthylamin [CAS-Nr. 135–88–6] behält seine bishe­rige Einstu­fung als krebs­er­zeu­gend Kate­go­rie 3B, erhält jedoch zusätz­lich eben­falls die Anmer­kung Sh.
Die Anmer­kung „H“ für Gefähr­dung durch Haut­kon­takt wurde in diesem Jahr für acht Posi­tio­nen verge­ben, weil in diesen Fällen die Aufnahme durch die Haut wesent­lich zum toxi­schen Gefähr­dungs­po­ten­zial beiträgt. Darun­ter sind vier Neuein­träge.
Für Brom­me­than [CAS-Nr. 74–83–9] ist die Anmer­kung „H“ entfal­len.
Krebs­er­zeu­gende, keim­zel­len­mu­ta­gene und frucht­schä­di­gende Stoffe
Bei den Krebs­er­zeu­gen­den Stof­fen ist in diesem Jahr wohl die vorste­hend bereits erwähnte Einstu­fung von Eisen­oxi­den als krebs­er­zeu­gend Kate­go­rie 3B (Krebs­ver­dachts­stoffe) die bedeu­tendste Ände­rung.
Darüber hinaus wurden fünf weitere Stoffe als Krebs­ver­dachts­stoffe (Kate­go­rie 3B) einge­stuft, darun­ter drei Neuein­träge. Der neu in die Liste aufge­nom­mene Stoff 1‑Brompropan [CAS-Nr. 106–94–5] gilt als krebs­er­zeu­gend Kate­go­rie 2 (krebs­er­zeu­gend im Tier­ver­such).
Bei den Keim­zel­lemu­ta­ge­nen gibt es in diesem Jahr zwei Ände­run­gen:
  • Aura­min [CAS-Nr. 492–80–8] und sein Hydro­chlo­rid [CAS-Nr. 2465–27–2] (bisher schon als krebs­er­zeu­gend im Tier­ver­such – Kate­go­rie 2 – einge­stuft) gilt nunmehr auch als Stoff, für den aufgrund seiner geno­to­xi­schen Wirkun­gen in soma­ti­schen Zellen von leben­den Säuge­tie­ren ein Verdacht auf eine muta­gene Wirkung in Keim­zel­len besteht (Kate­go­rie 3B);
  • Das Fungi­zid Carben­da­zim wurde hinsicht­lich der Keim­zell­mu­ta­ge­ni­tät von Kate­go­rie 3A (Stoffe mit nach­ge­wie­se­ner Schä­di­gung der Keim­zel­len im Tier­ver­such) umge­stuft nach Kate­go­rie 5 (Keim­zel­lemu­ta­gene mit gerin­ger Wirkungs­stärke). Entspre­chend der Defi­ni­tion dieser Kate­go­rie wurde für Carben­da­zim nunmehr ein MAK-Wert fest­ge­legt (s.o.), der das Risiko von Keim­zell­schä­di­gun­gen prak­tisch ausschließt.
Bei den Schwan­ger­schafts­grup­pen wurde sieben­mal die Kate­go­rie C für Stoffe verge­ben, bei denen eine frucht­schä­di­gende Wirkung bei Einhal­tung des MAK- und BAT-Wertes nicht befürch­tet zu werden braucht. Darun­ter waren vier Neuauf­nah­men sowie die bestehen­den Einträge
  • Glycerin­tri­ni­trat (erst­mals MAK fest­ge­legt),
  • 3‑Iod-2-propinylbutylcarbamat (erst­mals MAK fest­ge­legt) sowie
  • Mono-n-octylzinnverbindungen (s.o.).
Die Schwan­ger­schafts­gruppe B (Stoffe, bei denen mit einer frucht­schä­di­gen­den Wirkung auch bei Einhal­tung des MAK- und BAT-Wertes gerech­net werden muss) erhiel­ten erst­mals
  • Borsäure und Dinatriumtetraborat-Pentahydrat (s.o.),
  • Carben­da­zim,
  • Perfluo­roc­t­an­sul­fon­säure (PFOS) und ihre Salze sowie
  • Warfarin/Natriumwarfarin.
Biolo­gi­sche Werte
Bei den biolo­gi­schen Werten gibt es in diesem Jahr Einträge für insge­samt neun Stoffe oder Stoff­grup­pen, davon sechs neue Stoffe oder Stoff­grup­pen. Für drei bereits bestehende Stoffe oder Stoff­grup­pen werden neue BAR-Werte hinzu­ge­fügt.
Sieben neue BAR-Werte
Schwer­punkt der Neue­run­gen bei den biolo­gi­schen Werten ist wie im Vorjahr die Aufnahme von insge­samt zehn Aussa­gen zu Biolo­gi­schen Arbeitsstoff-Referenz-Werten (BAR-Werten) für sechs Stoffe. Bei zwei Stof­fen mit neuen BAR-Werten (4‑Aminobiphenyl [CAS-Nr. 92–67–1] und Cadmium [CAS-Nr. 7440–43–9], s.o.) ist die Fest­le­gung mit der Aufhe­bung der erst seit weni­gen Jahren bestehen­den Biolo­gi­schen Leit­werte (BLW) verbun­den.
Bei 4,4’-Diaminobiphenyl wird zwischen der direk­ten Messung des Stof­fes im Urin oder der Frei­set­zung aus Hämoglobin-Konjugat im Blut unter­schie­den. Auch der Probenah­me­zeit­punkt ist in beiden Fällen unter­schied­lich: Expo­si­ti­ons­ende bzw. Schich­tende bei der direk­ten Messung im Urin, ohne Beschrän­kung bei der Frei­set­zung aus Hämoglobin-Konjugat im Blut.
BAT-Werte und Expo­si­ti­ons­äqui­va­lente für krebs­er­zeu­gende Arbeits­stoffe (EKA)
Neben der Aufhe­bung des BAT-Wertes für Mangan und seine anor­ga­ni­schen Verbin­dun­gen (s.o.) gibt es zwei neue BAT-Werte, und zwar für Perfluo­roc­t­an­sul­fon­säure und ihre Salze sowie für Selen und seine anor­ga­ni­schen Verbin­dun­gen, beide zu messen im Serum und ohne Beschrän­kung des Probenah­me­zeit­punk­tes.
Für 1‑Brompropan [CAS-Nr. 106–94–5] wurde eine neue Tabelle mit Expo­si­ti­ons­äqui­va­len­ten für krebs­er­zeu­gende Arbeits­stoffe (EKA) aufge­stellt. EKA-Tabellen beschrei­ben die Korre­la­tion zwischen Mess­wer­ten im biolo­gi­schen Mate­rial, die durch Biomo­ni­to­ring fest­ge­stellt werden können, und der reinen inha­la­ti­ven Belas­tung, die zu entspre­chen­den biolo­gi­schen Mess­wer­ten führen würde.
Weite­res Vorge­hen – Arbeits­weise der DFG-Senatskommission und des AGS
Der Ausschuss für Gefahr­stoffe (AGS) und die DFG-Senatskommission hatten 2005 eine engere Zusam­men­ar­beit als zuvor verein­bart. Danach hat auch die DFG-Kommission ihre Arbeits­weise und die Praxis der Veröf­fent­li­chung ihrer Ergeb­nisse modi­fi­ziert:
Nach der alljähr­li­chen Veröf­fent­li­chung der neuen MAK-Werte-Liste im Juli eines jeden Jahres haben alle betrof­fe­nen und inter­es­sier­ten Kreise bis zum Ende des Jahres Gele­gen­heit, zu den Neue­run­gen Stel­lung zu nehmen. Dabei geht es aller­dings ausschließ­lich um wissen­schaft­li­che Stel­lung­nah­men. Fragen der prak­ti­schen Umset­zung von neuen oder abge­senk­ten Grenz­wer­ten werden hier­bei nicht berück­sich­tigt. Solche Fragen werden viel­mehr im Ausschuss für Gefahr­stoffe (AGS) bera­ten, wenn er im nächs­ten Jahr über die Aufnahme neuer oder geän­der­ter Grenz­werte in die TRGS 900 „Luft­grenz­werte“ oder geän­der­ter Stoff­be­wer­tun­gen in die TRGS 905 „Verzeich­nis krebs­er­zeu­gen­der, erbgut­ver­än­dern­der oder fort­pflan­zungs­ge­fähr­den­der Stoffe“ beschließt.
Wenn die Über­nahme neuer oder geän­der­ter Grenz­werte in die TRGS 900 in der Praxis Probleme berei­tet, wird der AGS auch hier­über bera­ten und z.B. passende Präven­ti­ons­maß­nah­men vorschla­gen, erfor­der­li­chen­falls auch spezi­elle Präven­ti­ons­pro­gramme aufle­gen.
Aus alle­dem ergibt sich, dass es auch für die betrieb­li­chen Prak­ti­ker von Bedeu­tung ist, sich schon beizei­ten mit den neuen Vorschlä­gen der DFG ausein­an­der zu setzen und ggf. im eige­nen Betrieb zu über­prü­fen, ob die neuen Werte einge­hal­ten werden können. Sollte dies offen­sicht­lich nicht möglich sein, sollte früh­zei­tig mit den Tech­ni­schen Aufsichts­diens­ten, z.B. der Unfall­ver­si­che­rung Kontakt aufge­nom­men werden, um nach geeig­ne­ten Lösun­gen zu suchen. Dort wird man erfor­der­li­chen­falls dann auch den AGS einschal­ten.
Unter­schiede zwischen DFG-Kriterien und EG Recht
Darüber hinaus ist der Hinweis von Bedeu­tung, dass der Ausschuss für Gefahr­stoffe die Vorschläge der DFG-Kommission bezüg­lich der Einstu­fung als krebs­er­zeu­gend, erbgut­ver­än­dernd oder fort­pflan­zungs­ge­fähr­dend anhand der Krite­rien und Vorga­ben der einschlä­gi­gen EG-Regelungen – zukünf­tig der CLP-Verordnung (GHS) – über­prü­fen wird; dies bedeu­tet insbe­son­dere, dass z.B. krebs­er­zeu­gende Stoffe der (DFG)-Kategorien 4 und 5 sowie Keim­zell­mu­ta­gene der Kate­go­rien 4 und 5 mögli­cher­weise ande­ren Grup­pen zuge­ord­net oder gar nicht über­nom­men werden, solange es diese Kate­go­rien der DFG nach EG-Recht nicht gibt.
Aller­dings sind auch die DFG-Kriterien im Fluss. So teilt die Kommis­sion in ihrer Pres­se­mit­tei­lung zur Veröf­fent­li­chung der aktu­el­len Liste mit, dass sie für Grenz­werte, die aus Tier­ver­su­chen mit oraler Aufnahme von Stof­fen abge­lei­tet werden, nunmehr Umrech­nungs­fak­to­ren (Korre­la­ti­ons­ver­fah­ren) anwen­det, wie sie in ähnli­cher Form auch im euro­päi­schen Bereich, z.B. im Zusam­men­hang mit der REACH-Verordnung verwen­det werden (siehe hierzu z.B. die aktu­elle Fassung der Bekannt­ma­chung zu Gefahr­stof­fen (BekGS) 901 „Krite­rien zur Ablei­tung von Arbeits­platz­grenz­wer­ten“.
Außer­dem hat sie die Kate­go­rien klarer formu­liert, die beschrei­ben, ob Stoffe Krebs erzeu­gen:
  • Stoffe der Kate­go­rien 1 bis 4 bergen bei einge­hal­te­nem MAK-Wert kein erhöh­tes Risiko für Krebs; dies bedeu­tet aber wohl auch, dass die Kommis­sion nunmehr grund­sätz­lich auch MAK-Werte für nach­ge­wie­sene Kanze­ro­gene (Kate­go­rie 1 oder 2) für möglich hält.
  • in der Kate­go­rie 5 finden sich Stoffe, die beim Einhal­ten des MAK-Wertes zum Risiko für eine Krebs­er­kran­kung nur gering­fü­gig beitra­gen – dies wird vor allem im Vergleich zu ande­ren Einflüs­sen, wie der endo­ge­nen Konzen­tra­tion eines Stof­fes im Körper, abge­schätzt.
Wie für alle Stoffe hat die Kommis­sion für jede Zuord­nung eine ausführ­li­che wissen­schaft­li­che Begrün­dung erar­bei­tet, die in einer Ergän­zungs­lie­fe­rung zu den „Toxikologisch-arbeitsmedizinische Begrün­dun­gen von MAK-Werten und Einstu­fun­gen“ einige Monate nach der MAK-Liste veröf­fent­licht werden.
Weitere Infor­ma­tio­nen:
Die gedruckte Fassung der Liste (mit CD-ROM) kann beim Wiley-VCH-Verlag (www. wiley-vhc.de) oder im Buch­han­del käuf­lich erwor­ben werden.
Autor
Ulrich Welz­ba­cher, Sankt Augus­tin E‑Mail: Autor@Gefahrstoffinformation.de
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