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Kleinstmögliches Unfallrisiko

Absturzsicherung für KMU
Kleinstmögliches Unfallrisiko

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99 Prozent aller Fir­men in Deutsch­land beschäfti­gen zwis­chen einem und 499 Mitar­beit­er. Sie bilden den Mit­tel­stand – das Herzstück der deutschen Wirtschaft. Wenn es um die Sicher­heit am Arbeit­splatz geht, spielt die Zahl der Beschäftigten indes keine Rolle. Egal, ob fünf oder 5.000 Mitar­beit­er: Lebenswichtige Vorschriften für Schutz­maß­nah­men ken­nen keine Unternehmensgröße. Und das aus gutem Grund, denn häu­fig enden Unfälle am Arbeit­splatz mit schw­eren Ver­let­zun­gen oder gar tödlich. Absturzun­fälle ste­hen in der Sta­tis­tik an erster Stelle. Vielfach ist eine unzure­ichende Sicherung von Per­so­n­en der Grund für den Unfall und die schw­eren gesund­heitlichen Fol­gen. Dabei gibt es flex­i­ble, ein­fach zu mon­tierende und kostengün­stige Lösun­gen zur Sicherung vor dem Absturz, die auch den Anforderun­gen von kleinen und mit­tleren Unternehmen (KMU) gerecht werden.

Lud­wig Beckers

Absturzun­fälle ereignen sich in nahezu allen Branchen und Bere­ichen: im Baube-reich, bei der Instand­hal­tung oder Reparatur von Indus­triemaschi­nen und tech­ni-schen Anla­gen, bei Arbeit­en auf Leit­ern und Gerüsten, bei Sanierungsar­beit­en an Däch­ern und Fas­saden oder auch bei der Befül­lung oder Beladung von großen Fahrzeu­gen. Über­all, wo es bei der Arbeit hoch hin­aus geht, dro­ht die Absturzge­fahr. Damit sie nicht zum tödlichen Schick­sal für die arbei­t­en­den Per­so­n­en wird, müssen Schutzvorkehrun­gen getrof­fen wer­den. Beg­ibt sich ein Mitar­beit­er in die Höhe und bewegt sich dort auf einem Verkehr­sweg, der näher als zwei Meter an eine Absturzkante her­an­führt, so muss er gegen den Absturz gesichert wer­den – wenn die Fall­höhe zur näch­sten tragfähi­gen Fläche mehr als einen Meter beträgt.
Ein Unfall kann teuer wer­den – für Arbeit­ge­ber und Arbeitnehmer
Klet­tert der Mitar­beit­er gar auf ein Dach mit ein­er Nei­gung von mehr als 20 Grad, so sind Sicherungs­maß­nah­men ganz grund­sät­zlich vorgeschrieben. Das trifft eben­so auf Arbeit­splätze zu, die sich über offe­nen Gewässern befind­en oder bei denen Per­so­n­en ertrinken oder versinken kön­nen. In Deutsch­land find­et man diese Vorschriften in der DIN 4426. Dort sind die „Sicher­heit­stech­nis­chen Anforderun­gen an Arbeit­splätze und Verkehr­swege“ im Einzel­nen aufgeführt.
In großen Unternehmen haben zumeist mehrere Sicher­heits­beauf­tragte alles im Blick, was mit dem The­ma Absturzsicherung zu tun hat. In kleineren Unternehmen jedoch gibt es diese Funk­tion häu­fig nicht. Den­noch müssen auch hier die Sicher­heitsvorschriften einge­hal­ten und über­prüft wer­den. Das bedeutet konkret: Auch der Inhab­er ein­er Schreinerei mit 18 Mitar­beit­ern etwa muss dafür Sorge tra­gen, dass auf sein­er Lager­halle oder auf seinen Maschi­nen Maß­nah­men zur Absturzsicherung vorhan­den sind. Tut er dies nicht, dann stellt sich bei einem Unfall rasch die Frage nach Haf­tung und Versicherungsschutz.
Ein­fach + flex­i­bel = sich­er – die Formel für Absturzsicherung
Den­noch ist es in der Prax­is lei­der häu­fig so, dass auf Absturzsicherung verzichtet wird. Vielfach wird die Absturzge­fahr schlichtweg unter­schätzt. Fragt man bei den Unternehmen und den Mitar­beit­ern nach weit­eren Grün­den, so hört man oft dieselbe Antwort: „Zu kom­pliziert in der Anwen­dung – behin­dert mich in mein­er Arbeit.“ Und diese Fak­toren sind ger­ade für mit­tel­ständis­che Unternehmen von großer Bedeu­tung, denn: Hier gibt es an vie­len Stellen beispiel­sweise Maschi­nen, die repari­ert oder gewartet wer­den müssen. Im Ide­al­fall passiert das bei laufen­d­em Betrieb, um Pro­duk­tion­sstopps und Aus­fälle zu ver­mei­den und so auch Zeit und Kosten zu sparen. Nur dann, wenn sich ein Mitar­beit­er für die Wartung hoch oben auf ein­er Mas­chine rel­a­tiv ungestört bewe­gen kann, ist dies ohne Prob­leme möglich. Daher muss die entsprechende Vor­rich­tung zur Absturzsicherung vor allem benutzer­fre­undlich sein und ein unge­hin­dertes Arbeit­en ermöglichen.
Am Markt gibt es bere­its viele flex­i­ble Lösun­gen, die diese Eigen­schaften vere­inen. Das A und O ein­er guten Absturzsicherung ist jedoch auch, dass das Sys­tem exakt an die Arbeits­be­din­gun­gen vor Ort angepasst wird. Eine genaue Pla­nung, die sich an den Gegeben­heit­en der Wartungswege und Arbeit­srou­ti­nen des jew­eili­gen Unternehmens ori­en­tiert, ist daher in der Prax­is uner­lässlich. Denn oft wird erst vor Ort klar, an welchen Stellen auf den Maschi­nen der Bewe­gungsspiel­raum durch Auf­baut­en oder weit­ere Beson­der­heit­en stark eingeschränkt ist und an welche Stellen die Mitar­beit­er nur schw­er gelan­gen können.
Seil­sicherun­gen sor­gen für best­möglichen Schutz
Um best­möglichen Schutz mit opti­maler Bewe­gungs­frei­heit zu kom­binieren, bieten sich an diesen Stellen so genan­nte über­fahrbare Seil­sicherungssys­teme an, die über Kopf an Wän­den oder Stahlträgern mon­tiert wer­den. Hier­bei wird ein Stahl­seil über Zwis­chen­stützen oder Kur­venele­mente ges­pan­nt. So kön­nen auch län­gere Wartungswege flex­i­bel gesichert wer­den. Der Vorteil dieser Sys­teme liegt in der sicheren Anschlag­möglichkeit bei zugle­ich uneingeschränk­ter Über­fahrbarkeit der Zwis­chen­stützen. Der Mitar­beit­er muss sich hier nur ein­mal mit Hil­fe des Seil­gleit­ers an dem Edel­stahl­seil anschla­gen und kann dann sich­er und zugle­ich unbe­hin­dert Wartungs- oder Reparat­u­rar­beit­en vornehmen – auch an schw­er zugänglichen Stellen.
Müssen nur kleinere Flächen mit einem Absturzsicherungssys­tem aus­ges­tat­tet wer­den – etwa auf einzel­nen Maschi­nen –, so bieten sich Einze­lan­schlag­punk­te mit um 360 Grad drehbaren Ringösen an. Diese wer­den unmit­tel­bar auf der Mas­chine befes­tigt. Dort angeschla­gen, bleiben die Mitar­beit­er auch bei ring­sherum nahen Absturzkan­ten flex­i­bel in ihrer Arbeit. Und da die Anschlagöse frei beweg­bar ist, bleibt sie im Fall der Fälle, also bei einem Absturz, opti­mal zur Belas­tungsrich­tung ausgerichtet.
Schnelle Mon­tage – durchdringungsfrei
Führende Anbi­eter von Absturzsicherun­gen haben überdies Anschlag­punk­te im Pro­gramm, die ohne Beein­träch­ti­gung des Träger­ma­te­ri­als mit­tels Trägerklem­men befes­tigt wer­den kön­nen. So wer­den etwa Bohrun­gen ver­mieden. Das ist nicht nur weniger zeit­in­ten­siv, son­dern auch kostengün­stiger und somit ger­ade für kleine Unternehmen inter­es­sant, die sich beispiel­sweise in ein­er Halle nur eingemietet haben und am Bestand keine dauer­haften Verän­derun­gen vornehmen wollen.
Egal, ob nur geschraubt oder gebohrt – hochw­er­tige Sicherungssys­teme sind zudem darauf aus­gelegt, mehrere Per­so­n­en gle­ichzeit­ig zu sich­ern. Auch soll­ten sie aus Edel­stahl gefer­tigt sein, um Wit­terung­se­in­flüssen zu trotzen. Das ist ins­beson­dere dann von Bedeu­tung, wenn die Absturz- sicherung außen an ein­er Halle oder einem Gebäude mon­tiert ist, etwa auf dem Dach.
Indi­vidu­elle Lösun­gen fürs Dach
Auch auf Däch­ern ist eine indi­vidu­elle, auf die örtlichen Gegeben­heit­en per­fekt zugeschnit­tene Lösung in Sachen Absturz- sicherung nötig. Dachform, Ober­flächenbeschaf­fen­heit und spezielle Auf­baut­en bes­tim­men dabei, welch­es Sys­tem am besten geeignet ist.
So gibt es etwa für Steildäch­er spezielle Dachhak­en. Im Ide­al­fall soll­ten diese als Anschlag­punkt in alle Rich­tun­gen belast­bar sein, um auf dem Dach größt­mögliche Bewe­gungs­frei­heit zu ermöglichen. Auch gilt es bei der Pla­nung zu berück­sichti­gen, auf welch­er Ober­fläche ein Sys­tem instal­liert wer­den soll. Auf Flachdäch­ern aus Beton kom­men beispiel­sweise andere Anschlag­punk­te zum Ein­satz als auf Falzdäch­ern. Met­all­falzdäch­er sind auf Hallen mit­tler­weile weit ver­bre­it­et. Wer bei der Mon­tage ein­er Absturzsicherung auf einem solchen Dach ver­hin­dern will, dass die Dachhaut durch Schrauben ver­let­zt wird, sollte sich nach Sys­te­men umse­hen, die über Falzk­lemmhal­ter befes­tigt werden.
Und noch ein Fak­tor spielt bei immer mehr kleinen und mit­tleren Betrieben eine große Rolle. Auf deren Däch­ern befind­en sich mit­tler­weile an vie­len Stellen Pho­to­voltaik (PV)-Anlagen, um Energiekosten zu senken. Bei aller Euphorie über den Nutzen wird allerd­ings häu­fig vergessen, dass die PV-Mod­ule auf den Däch­ern für ihre volle Funk­tion­stüchtigkeit regelmäßig gewartet und gere­inigt wer­den müssen. Dafür sind eben­falls Wartungswege freizuhal­ten, die mit entsprechen­den Absturzsicherun­gen aus­ges­tat­tet wer­den. Auch hier bieten sich zumeist Seil­sys­teme mit flex­i­blen Zwis­chen­hal­tern an, die dem Wartung­stech­niker Spiel­raum zum Arbeit­en lassen und die an die jew­eilige Anord­nung der PV-Mod­ule auf dem Dach angepasst wer­den können.
Ins­ge­samt gilt: Absturzsicherung ist auch für kleine und mit­tlere Unternehmen ein Muss. Mit der richti­gen Pla­nung und dem richti­gen Sys­tem jedoch lassen sich kos-tengün­stige, ein­fach zu mon­tierende und anwen­der­fre­undliche Lösun­gen find­en. „Zu kom­pliziert in der Anwen­dung – behin­dert mich in mein­er Arbeit“ geht vor diesem Hin­ter­grund als Ausrede dann nicht mehr durch.
Autor
Lud­wig Beckers
Inhab­er der ABS Safe­ty GmbH,
langjähriges Mit­glied im Nor­mauss­chuss für PSAgA (Per­sön­liche Schutzaus­rüs­tung gegen Absturz)
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