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Isolde Holderied

Nach-gefragt
Isolde Holderied

Foto: privat
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Ral­lye-Fahrerin Isol­de Holderied hat ein Faible für schnelle Fahrzeuge. Zu den Höhep­unk­ten in ihrer Kar­riere zählen zwei Welt­meis­ter­ti­tel, vier Europameis­ter­ti­tel und sechs Siege in Monte Car­lo. Heute nutzt sie ihre Erfahrun­gen unter anderem dazu, einen sicheren Fahrstil zu ver­mit­teln. Ihr Mot­to im Straßen­verkehr: Nicht schneller, son­dern bess­er durchkom­men.

Frau Holderied, schon als 15-Jährige woll­ten Sie alle auf dem Mofa hin­ter sich lassen. Ist dieser Siegeswille ein entschei­den­der Fak­tor für ihre Erfolge im Ral­lye-Sport – oder wie gewin­nt man Autoren­nen?

Das wichtig­ste ist natür­lich Tal­ent, also ein gutes Gespür für das Auto. Bewegt es sich schon im Grenzbere­ich? Fängt es an zu rutschen oder kann ich es noch schneller durch die Kurve zirkeln? Dies richtig ein­schätzen zu kön­nen ist eine Gabe – der Popome­ter, wie man so schön sagt. Das Auto ist in diesem Fall ja ein Sport­gerät. Das muss einem liegen, damit muss man umge­hen kön­nen. Aber hinzu kommt ganz klar der Wille. Bei mir war es immer so: Egal welchen Sport ich gemacht habe, ich wollte immer gewin­nen. Das ist mir in die Wiege gelegt. Sobald ich den Helm aufhabe, am Start ste­he, den ersten Gang ein­lege, macht es Klick in meinem Kopf und dann ist dieser Wille da. Um Ral­lyes zu gewin­nen, muss man natür­lich auch kon­di­tionell fit sein, das darf man nicht vergessen. Je fit­ter, desto bess­er ist die Konzen­tra­tion. Man bewegt sich ja ständig im Grenzbere­ich. Das ist anstren­gend, aber es macht auch unheim­lich Spaß, alles aus sich und dem Fahrzeug her­auszu­holen.

Gab es Momente in Ihrer Sportkar­riere, in denen Sie Ihre Sicher­heit für einen Sieg riskiert haben?

Man geht für einen Sieg schon an seine Gren­zen, an die Gren­zen des Fahrzeugs und an die per­sön­lichen Gren­zen. Aber man bleibt nicht mutwillig auf dem Gas ste­hen – höch­stens, wenn eine Wiese oder viel Aus­lauf­zone vorhan­den ist. Dann kann man ein­mal testen, wo die Gren­ze ist. Aber umso länger man fährt, desto bess­er kann man das ein­schätzen. Es gehört ein­fach viel Erfahrung dazu. Natür­lich habe ich mich auch schon mal ver­schätzt und bin abge­flo­gen. Da aber die Autos so sich­er sind, ist nie etwas passiert – Ren­nau­tos sind ja noch sicher­er als Straße­nau­tos. In meinem Toy­ota Corol­la waren sehr starke Rohre zu einem Über­rol­lkä­fig ver­baut. Zudem ist man in der Fahrgastzelle mit dem Sechs-Punkt-Gurt so fest an den Sitz geschnallt, dass man nur noch Arme und Beine bewe­gen kann. Da ist kein Zen­time­ter Luft dazwis­chen.

Heute geben Sie Fahrsicher­heit­strain­ings. Im Straßen­verkehr ist eher ein defen­siv­er Fahrstil gefragt. Sind Sie die Richtige, um dies zu ver­mit­teln?

Ich denke, ger­ade wegen mein­er enor­men Fahrerfahrung kann ich den Men­schen sehr gut ver­mit­teln, wie gefährlich es draußen auf den Straßen ist und wie man sich als Fahrer ver­hal­ten sollte. Ich bin ja in meinem Leben bes­timmt schon zwei Mil­lio­nen Kilo­me­ter gefahren – nicht nur auf Rennstreck­en, son­dern auch im Straßen­verkehr. Am heuti­gen Verkehr stört mich, dass zu wenig Rück­sicht aufeinan­der genom­men wird. Ich bin eher ein Fahrer, der ver­sucht, die Fehler ander­er auszu­gle­ichen. Wenn jemand zu weit rüberkommt, kann ich auswe­ichen – wenn es die Sit­u­a­tion zulässt. Heute behar­rt aber jed­er nur noch auf seinem Recht. Das finde ich im Straßen­verkehr nicht richtig. Zu den Teil­nehmern in meinen Fahrtrain­ings sage ich deshalb immer, wenn ein­er etwas falsch macht, kön­nt ihr ihm als gute Fahrer helfen, aus­gle­ichend reagieren und gelassen bleiben. Meine Erfahrung hil­ft mir aber auch in ander­er Hin­sicht: Wir üben ja auf ein­er Schleud­er­plat­te, wie man ein Auto abfängt, das sich weg­dreht. Hier kann ich mich sehr gut in die Fahrer hinein­ver­set­zen. Ich habe das ja selb­st gel­ernt und ein gutes Auge dafür, was falsch läuft: Warum schafft der das nicht, wie lenkt er, muss er anders lenken? Das kann ich dann auch sehr gut ver­mit­teln.

Juckt es Sie nie, auch mal im Straßen­verkehr Gas zu geben?

Nein, über­haupt nicht. Ich habe ja das Glück, dass ich öfter schöne Sport­wa­gen auf abges­per­rten Streck­en fahren darf. Ich nehme zwar nicht mehr aktiv an Meis­ter­schaften teil, kann meine Lei­den­schaft aber beispiel­sweise bei Auto­präsen­ta­tio­nen weit­er ausleben. Darum bin ich auf öffentlichen Straßen ver­mut­lich der entspan­nteste Fahrer, der sich denken lässt.


Steckbrief

  • geboren 1966 in Ober­am­mer­gau
  • Erlern­ter Beruf: Anwalts­ge­hil­fin, Fahrsicher­heitsin­struk­torin
  • seit 1993 Ral­lye-Profi. Größte Erfolge: Damen-Welt­meis­terin (1994, 1995), Damen-Europameis­terin (1992, 1993, 1996, 1997), sechs Siege beim „Coupe des Dames“ bei der Ral­lye Monte Car­lo, Europameis­terin FIA-Cup Gruppe N (1992), Vize-Welt­meis­terin FIA-Cup Gruppe N (1994).
  • ADAC Motor­sportler des Jahres 1995
  • Toy­ota Marken­botschaf­terin
  • Kolum­nistin für die ADAC Motor­welt
  • Jurymit­glied des Gold­e­nen Lenkrads
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