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Dirk Auer

Nachgefragt bei
Dirk Auer

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Es geht um Aus­dauer, um Geschwindigkeit, let­ztlich aber immer um Spaß: Als Extrem-Sportler und Tüftler mit irrwitzi­gen Ideen hat es Dirk Auer bere­its zu mehreren Ein­trä­gen ins Guin­ness Buch der Reko­rde gebracht. Auf Inline-Skates sauste er Achter­bah­nen und einen Wolkenkratzer hin­unter, hängte sich an Bob­schlit­ten, Ren­nwa­gen, Motor­räder oder einen Helikopter. Seit 1999 exper­i­men­tiert er mit Düsenantrieben, die ihm zu neuen Geschwindigkeit­ser­fahrun­gen ver­helfen – auf Inlin­ern, Skiern, im Wok, als Kart-Fahrer oder auf einem getun­ten Bob­by-Car mit ein­er (bish­eri­gen) Spitzengeschwindigkeit von 131 km/h.

Herr Auer, Ihre Aktio­nen à la Daniel Düsen­trieb und Mis­sion: Impos­si­ble wirken lustig, sind aber defin­i­tiv nicht ohne. Wie lange bere­it­en Sie sich auf Ihre spek­takulären Fahrten vor?

Das ist sehr unter­schiedlich. Es gibt ja zum Beispiel Reko­rde, die ich auf Inlin­ern hin­ter einem Auto oder einem Motor­rad auf­stelle. Dafür baue ich mit­tler­weile nichts mehr an die Fahrzeuge dran, son­dern nehme zum Fes­thal­ten ein­fach das, was da ist – die Kof­fer­raumkante oder Hal­terung fürs Num­mern­schild. Das kostet natür­lich Kraft. Generell trainiere ich das ganze Jahr über, um meine Grund­fit­ness zu erhal­ten. Wenn dann so ein Reko­rd anste­ht, brauche ich unge­fähr ein Dreiviertel­jahr an spezieller Vor­bere­itung. Wenn ich mir wieder eine Achter­bahn vornehmen würde, wäre es lock­er über ein Jahr. Dafür muss ich ja nicht nur top­fit sein, son­dern auch noch die Kon­struk­tion anpassen.

Sie pla­nen und kon­stru­ieren Ihre Gerätschaften im eige­nen Heizungskeller. Auf sowas wie einen Düsenantrieb muss man erst­mal kommen…

Ich habe 1999 schon mit ganz kleinen Tur­binen exper­i­men­tiert und war weltweit der erste, der Trieb­w­erke im Sport­bere­ich einge­set­zt hat. Ich hat­te zunächst eine Art Ruck­sacksys­tem, wo rechts und links eine Düse dran war. Damit habe ich mich auf Inline Skates beschle­u­nigt, auf Skiern beschle­u­nigt und anderes mehr damit angestellt. Früher wur­den die Tur­binen dabei ganz langsam hochge­fahren, da passierte erst­mal nichts und dann kam ganz plöt­zlich der Schub. Vor ein­er Kurve hast du dann das Gas weggenom­men, aber der Schub ist geblieben. Mit dieser Verzögerung musste man erst­mal klarkommen.

Bei den neuen Tur­binen ist das anders, die lassen sich sehr gut und sehr schnell steuern. Aber man braucht immer noch so einen Grund­schub, denn das funk­tion­iert ja nach dem Rück­stoß-Prinzip. Ich mache das mit­tler­weile so, dass ich mit dem Tur­binen-Her­steller, zu dem ich ein sehr fre­und­schaftlich­es Ver­hält­nis habe, alles bespreche, damit nichts schiefläuft. Ein­mal habe ich zum Tur­binen­start den Drück­er zu schnell gedrückt und damit immer wieder die Zün­dung gelöscht. So ist die Tur­bine mit Sprit voll­ge­laufen und als sie dann endlich ansprang, hat das ganze Ding Feuer gefan­gen. Da hat­te ich dann eine Stich­flamme von drei, vier Metern hin­ter mir. Also sowas passiert mir nicht mehr. Generell wer­den alle neu gebaut­en Sachen, besprochen, durchgeguckt und durchgemessen, um Fehler zu vermeiden.

Sie sind gel­ern­ter Werkzeug­mach­er und haben einen Bach­e­lor in Kun­st­stofftech­nik. Inwieweit helfen Ihnen diese Kenntnisse?

Das bringt mir sehr viel. Weil ich Werkzeug­mach­er bin, kann ich mit Met­all umge­hen und Maschi­nen bedi­enen. Und wenn man etwas umbaut, speziell für hohe Geschwindigkeit­en umbaut, muss man natür­lich wis­sen, was das Mate­r­i­al kann oder nicht kann. Also so ein Bob­by-Car-Kör­p­er beispiel­sweise ist ja nicht richtig sta­bil. Also habe ich ihn innen drin mit Faserver­bund mod­i­fiziert, sodass er die Tem­per­atur aushält. Und jet­zt noch einen kleinen Über­fal­lkä­fig einge­baut, damit die Tur­bine beim Über­schlag nichts abkriegt.

Welche Chal­lenge fan­den Sie am aufregendsten?

Die Achter­bahn, denn ich habe eigentlich Höhenangst. Beim Fallschirm­sprin­gen ist man so hoch und unten alles so klein, da ist es wieder egal. Aber wenn du von einem Balkon im zweit­en oder drit­ten Stock herun­ter­schaust, ist das eine ganz andere Num­mer. Bei der Achter­bahn stehst du 30, 33 Meter hoch, guckst runter und denkst nur „Oh mein Gott!“

Und dann hast du ja diese Kon­struk­tion und darf­st eigentlich nicht stürzen. Man guckt aber die Bahn vorher genau an, schiebt das ganze Ding da durch, und schaut, dass nichts her­ausste­ht. Bei der Holzachter­bahn bin ich aber wirk­lich nur ein­mal von oben gefahren, weil ich so viel Respekt davor hat­te und noch habe. Vier, fünf Mal bin ich oben ges­tanden und habe gedacht, nee, heute nicht. Ein­mal bin ich dann hoch und habe zum Betreuer der Achter­bahn gesagt „Du tust jet­zt dein Bein dahin. Und dann nicke ich ein­mal und du ziehst es weg.“ Da gab es dann kein Zurück mehr.

Ist jet­zt langsam Schluss mit lustig oder haben Sie schon ein neues Pro­jekt in der Pipeline?

Bei meinen Bob­by-Car-Ren­nen habe ich bish­er Armdüsen getra­gen und wurde am Lenker befes­tigt. Das heißt, bei einem Sturz kippe ich mit dem ganzen Sys­tem. Jet­zt habe ich drei Düsen direkt im Bob­by-Car ver­baut. Wegen der Coro­na-Pan­demie kon­nte ich dies aber noch nicht wirk­lich nutzen. Und mit den richtig großen Tur­binen von meinem Her­steller schwebt mir fol­gen­des vor: Ich skate, beschle­u­nige von null auf hun­dert in zwei Sekun­den, stelle dann die Tur­binen an und hebe vom Boden ab. Ich will nicht durch die Gegend fliegen, ich will nur abheben. Das war eigentlich für dieses Jahr geplant.


Steckbrief

  • geboren 1972 in Groß-Gerau
  • gel­ern­ter Werkzeug­mach­er und Kun­st­stofftech­nik Ingenieur
  • Extrem-Sportler, ins­beson­dere auf Inline Skates
  • Ver­schiedene Reko­rde und Welt­premieren, zum Beispiel auf Inlin­ern non­stop von Frank­furt nach München in 24 Stun­den, Achter­bah­n­fahrten in Tripsdrill
  • Gewinn der Außen­wette bei „Wet­ten, dass..?“ 2001: Abfahrt von der Achter­bahn „G’sengte Sau“ auf Inlin­ern mit einem gefüll­ten Bier­glas in der Hand
  • Beschle­u­ni­gungsreko­rde auf Inlinern:
    307 km/h hin­ter einem Porsche,
    291 km/h hin­ter einem Motorrad
  • Speedreko­rd mit Tur­binenantrieb auf Inlin­ern: 198 km/h 
  • Speedreko­rd auf düsen­be­trieben­em Bob­by-Car: 131,4 km/h
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