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Hydraulik-Schlauchleitungen sicher verwenden

Maschinensicherheit
Hydraulik-Schlauchleitungen sicher verwenden

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Foto: Genie
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Hydraulik-Schlauch­leitun­gen find­et man in vie­len tech­nis­chen Anla­gen. Dort erfüllen sie wichtige Auf­gaben der Leis­tungsüber­tra­gung und dienen gle­ichzeit­ig der Maschi­nen­s­teuerung. Lei­der wird oft vergessen, dass Hydraulik-Schlauch­leitun­gen regelmäßig zu prüfen und auszu­tauschen sind. Durch den richti­gen Umgang mit Hydraulik-Schlauch­leitun­gen wer­den außer­dem Betrieb­saus­fälle und Arbeit­sun­fälle deut­lich reduziert.

Unter dem Begriff „Hydraulik“ wird die Lehre von den ruhen­den und strö­menden Flüs­sigkeit­en ver­standen. Im Maschi­nen- und Anla­gen­bau dient die Hydraulik der Leis­tungsüber­tra­gung und der Steuerungstechnik.

Industrie- und Mobilhydraulik

Unter­schieden wird zwis­chen der Indus­triehy­draulik und der Mobil­hy­draulik. Zur Indus­triehy­draulik gehören orts­feste Anwen­dun­gen wie Werkzeug­maschi­nen, Spritzgieß­maschi­nen und hydraulis­che Pressen. Die Mobil­hy­draulik wird im Fahrzeug­bau, bei leicht­en und schw­eren Bau­maschi­nen sowie bei fördertech­nis­chen Ein­rich­tun­gen genutzt. Die einzel­nen Kom­po­nen­ten ein­er Hydraulikan­lage sind zur Öl-Auf­bere­itung (zum Beispiel Tank, Fil­ter), Energieumwand­lung (zum Beispiel Pumpe, Motor) und Energi­es­teuerung (zum Beispiel Sperr- und Regel­ven­tile) notwendig. Die Verteilung der Druck­flüs­sigkeit erfol­gt mith­il­fe star­rer Rohrleitun­gen und flex­i­bler Schlauchleitungen.

Hydraulik-Schlauch­leitun­gen wer­den dort ver­wen­det, wo es notwendi­ge Rel­a­tivbe­we­gun­gen einzel­ner Maschi­nen­teile erfordern. Sie kön­nen ohne großen Aufwand in fast jed­er Form beziehungsweise Geome­trie hergestellt wer­den, jedoch nur von fachkundi­gen Per­so­n­en. In der Regel wer­den zur Her­stel­lung von Schlauch­leitun­gen spezial­isierte Fach­fir­men beauftragt.

Schwere Verletzungen möglich

Durch fehler­haften Ein­bau, äußere Ein­flüsse und natür­liche Alterung kön­nen Hydraulik-Schlauch­leitun­gen beschädigt wer­den. Leck­a­gen, wie sie beispiel­sweise bei ein­er beschädigten Umman­telung auftreten, kön­nen Hydrauliköl unter hohem Druck aus­treten lassen. Schwere Ver­let­zun­gen sind meist die Folge. Injek­tio­nen von Druck­flüs­sigkeit­en in die Haut sind optisch kaum erkennbar, müssen aber unbe­d­ingt ärztlich behan­delt wer­den: In den Kör­p­er einge­drun­ge­nes Min­er­alöl kann im schlimm­sten Fall zum Tod führen.

Arbeiten an hydraulischen Anlagen

Beim Arbeit­en an hydraulis­chen Anla­gen beste­ht darüber hin­aus die Gefahr, dass Per­so­n­en durch unbe­ab­sichtigte Maschi­nen­be­we­gun­gen wie zum Beispiel Scheren, Stoßen oder Quetschen ver­let­zt wer­den. Ange­hobene Las­ten sind bei Instand­hal­tungsar­beit­en an Hydraulikan­la­gen daher zu ver­riegeln – siehe Bedi­enungsan­leitung des Her­stellers – oder auf andere Art und Weise gegen gefährliche Lagev­erän­derun­gen zu sichern.

Brandge­fahren treten auf, wenn Hydrauliköle mit heißen Gegen­stän­den in Berührung kom­men. Eine aus­re­ichende Anzahl von Feuer­lösch­ern der Brand­klasse B (geeignet für flüs­sige, brennbare Stoffe) sind deshalb vor Ort bere­itzuhal­ten. Beim Aus­bau von Hydraulik­bauteilen ist das Sys­tem zuvor druck­los zu machen. Restöl­men­gen sind mith­il­fe von Auf­fang­wan­nen oder der­gle­ichen aufz­u­fan­gen. Unkon­trol­liert aus­ge­laufene Druck­flüs­sigkeit­en müssen unverzüglich mit einem saugfähi­gen Bindemit­tel abgestreut wer­den und sind danach sachgerecht zu entsorgen.

Hautgefährdung für Instandhalter

Beson­ders Instand­hal­ter haben oft Hautkon­takt zu Druck­flüs­sigkeit­en. Die im Hydrauliköl enthal­te­nen Addi­tive sind sen­si­bil­isierend und kön­nen Allergien aus­lösen. Ist die Haut erst ein­mal geschädigt, sind die per­sön­lichen Ein­schränkun­gen oft weitre­ichend. Auch die Auf­gabe der beru­flichen Tätigkeit ist möglich. Um die eigene Haut zu schützen, sind bei der Arbeit geeignete Schutzhand­schuhe zu tra­gen. Außer­dem sind durch den Arbeit­ge­ber Hautschutzmit­tel sowie Reini­gungs- und Pflege­pro­duk­te bereitzustellen.

Ver­schmutzte Arbeit­sklei­dung ist unverzüglich zu wech­seln. Die Bere­i­thal­tung von Wech­selk­lei­dung am betr­e­f­fend­en Arbeit­splatz ist rat­sam. Selb­stver­ständlich gehören ver­schmutzte Put­zlap­pen usw. nicht in die Taschen des Arbeit­sanzugs. Sie sind stattdessen in einem ver­schließbaren, feuer­festen Behäl­ter zu sam­meln und regelmäßig sachgerecht zu entsorgen.

Aufbau von Hydraulik-Schlauchleitungen

Hydraulik-Schlauch­leitun­gen beste­hen aus einem Schlauch und den zuge­höri­gen Arma­turen. Das Schlauch­ma­te­r­i­al selb­st ist fort­laufend mit den nor­mgerecht­en Angaben wie Schlauchtyp, Nen­nweite, Her­stell­da­tum usw. gekennze­ich­net. Die ein­baufer­tige Schlauch­leitung (Neuware) besitzt außer­dem eine Kennze­ich­nung, die Auskun­ft gibt über

  • Name oder Kurzze­ichen des Herstellers,
  • max­i­maler Arbeits­druck mit Angabe der Maßein­heit (zum Beispiel in bar)
  • Her­stell­da­tum (Jahr/Monat).

Es wird emp­fohlen, Hydraulik-Schlauch­leitun­gen fer­tig zu beziehen. Dabei ist darauf zu acht­en, dass die tech­nis­chen Eigen­schaften der Neuware der herkömm­lichen Schlauch­leitung entsprechen.

Einbaufehler vermeiden

Beim Aus­tausch von Schlauch­leitun­gen wer­den selb­st von erfahre­nen Instand­hal­tern oft Ein­baufehler began­gen. Schlauch­leitun­gen sind prinzip­iell so zu ver­legen, dass ihre natür­liche Lage und Bewe­gung nicht behin­dert wird.

Da sich Hydraulik-Schlauch­leitun­gen durch Druck­beauf­schla­gung verkürzen, sind sie immer mit einem gerin­gen Durch­hang einzubauen. Neben der Ver­mei­dung von Zug­be­las­tun­gen müssen Tor­sion, Stauchung und über­mäßige Biegung – let­ztere ins­beson­dere direkt hin­ter der Armatur – ver­mieden werden.

Sichere Instandhaltung

Die Instand­hal­tung bein­hal­tet nach DIN 31051 „Grund­la­gen der Instand­hal­tung“ Maß­nah­men der Wartung, Inspek­tion, Instand­set­zung und Verbesserung eines Arbeitsmit­tels. Gemein­sames Ziel aller Maß­nah­men ist der Erhalt beziehungsweise die Wieder­her­stel­lung des funk­tions­fähi­gen Zus­tands während des gesamten Leben­szyk­lus des Arbeitsmit­tels. Bei der Instand­hal­tung treten häu­fig schwere Arbeit­sun­fälle auf: Etwa 25 Prozent aller tödlichen Arbeit­sun­fälle ereignen sich nach Aus­sage der Bun­de­sanstalt für Arbeitss­chutz und Arbeitsmedi­zin (BAuA) bei der Wartung, Inspek­tion, Störungs­be­sei­t­i­gung, Demon­tage oder Instand­set­zung von Produkten!

Durch eine gute Arbeitsvor­bere­itung lassen sich dabei nicht nur Unfälle, son­dern auch Mate­ri­alschä­den und Kosten durch Aus­fal­lzeit­en der Maschi­nen ver­mei­den. Kurzfristig notwendi­ge Repara­turen find­en aber nicht sel­ten unter Zeit- und Leis­tungs­druck statt, wodurch das Schaden­srisiko steigt.

Prüfen von Schlauchleitungen

Auf­grund von Ver­schleiß sind Hydraulik-Schlauch­leitun­gen min­destens ein­mal im Jahr durch eine „zur Prü­fung befähigte Per­son“ nach Betrieb­ssicher­heitsverord­nung (Betr­SichV) auf äußere Män­gel hin zu über­prüfen. Die Prü­fung ist in einem Prüf­pro­tokoll, zum Beispiel bei der Prü­fung der Mas­chine, mit Datum und Unter­schrift des Prüfers zu doku­men­tieren. Ein­schlägige Prüfkri­te­rien für Hydraulik-Schlauch­leitun­gen sind:

  • Leck­a­gen an Schlauch, Schlauch­leitung oder Armatur
  • Her­auswan­dern des Schlauch­es aus der Armatur
  • Beschädi­gun­gen der Außen­schicht bis zur Ein­lage (zum Beispiel Sch­er­stellen, Schnitte)
  • Riss­bil­dung der Außenschicht.

Hände weg!

Keines­falls soll­ten Schlauch­leitun­gen bei der Fehler­suche nach Leck­a­gen mit den Hän­den abge­tastet wer­den. Sie dür­fen außer­dem nicht repari­ert oder aus beste­hen­den (alten) Teilen neu zusam­menge­set­zt wer­den. Trotz sachgemäßer Lagerung und zuläs­siger Beanspruchung unter­liegen Hydraulik-Schlauch­leitun­gen ein­er natür­lichen Alterung. Bei der Her­stel­lung der Schlauch­leitung sollte die Schlauch­ware deshalb nicht mehr als vier Jahre alt sein.

Bei Schä­den sind Schlauch­leitun­gen sofort durch fachkundi­ges Per­son­al auszu­tauschen. Die erforder­liche Fachkunde im Bere­ich der Ölhy­draulik besitzen unter anderem geschulte Schloss­er, Mechaniker und Mecha­tron­iker. Auch die Ver­wen­dungs­dauer der Schlauch­leitun­gen ist begren­zt. Vor­rangig sind die Aus­tauschin­ter­valle des Maschi­nen­her­stellers zu beacht­en. Liegen keine Her­stellerangaben (mehr) vor, müssen Hydraulik-Schlauch­leitun­gen spätestens nach sechs Jahren erneuert wer­den. Das gilt übri­gens auch für Schlauchleitungen
ohne äußer­liche, sicht­bare Schäden.

Verkleidungen, Schutzschläuche und ‑wendeln

Hydraulik-Schlauch­leitun­gen in der Nähe von Stell­teilen zur Maschi­nen­s­teuerung sowie im Bere­ich von Verkehr­swe­gen müssen zusät­zlich abgesichert wer­den. Oft erfol­gt die Ver­legung der Leitun­gen bere­its inner­halb der Kon­struk­tion oder wird durch tren­nende Schutzein­rich­tun­gen (zum Beispiel Verklei­dun­gen) abgedeckt. Nach jed­er Wartung und Instand­set­zung sind gegebe­nen­falls demon­tierte Schutzein­rich­tun­gen wieder anzubrin­gen, so dass die Schutz­funk­tion voll­ständig gegeben ist. Bei ein­er fehlen­den Schutzein­rich­tung ist die Mas­chine sofort auszuschal­ten und der Vorge­set­zte zu informieren. Der Betrieb der Hydraulikan­lage ist erst wieder zuläs­sig, wenn alle Schutz­funk­tio­nen erfüllt sind. Schutz vor aus­tre­tenden Druck­flüs­sigkeit­en bieten außer­dem spezielle Schutzschläuche, die über die Schlauch­leitung geführt wer­den. Zur fachgerecht­en Mon­tage der Schutzschläuche gehören

  • eine aus­re­ichende Überdeck­ung der Arma­turen und
  • ein Durchmess­er, der min­destens 30 Prozent größer sein sollte als der Außen­durchmess­er der Schlauchleitung.

Zudem ist auf eine „lose Mon­tage“ der Schutzschläuche zu acht­en. Schutzwen­deln aus Kun­st­stoff oder Met­all­spi­ralen kön­nen eben­falls über die Schlauch­leitung gezo­gen wer­den. Sie ver­hin­dern bei richtiger Anwen­dung das Auftreten von Scheuer­stellen und tra­gen somit wesentlich zum Erhalt der Betrieb­ssicher­heit des Arbeitsmit­tels bei.


Foto: Dägling

Autor:
Markus Tischendorf
Auf­sichtsper­son der BG ETEM
Präven­tion­szen­trum Hamburg

Grafik: Markus Tischendorf

Weitere Informationen

  • Betrieb­ssicher­heitsverord­nung (Betr­SichV)
  • Tech­nis­che Regel für Betrieb­ssicher­heit – Instand­hal­tung (TRBS 1112)
  • DIN 31051 „Grund­la­gen der Instandhaltung“
  • Sicher­heit bei der Hydraulik-Instand­hal­tung (DGUV Infor­ma­tion 209–070)
  • Hydraulik-Schlauch­leitun­gen und Hydraulik-Flüs­sigkeit­en – Regeln für den sicheren Ein­satz (DGUV Regel 113–020)
  • I. Bentz, T. Bley­er, J. Blume, M. Pendzich, K. Kriegler-Schmidt: Gefährliche Pro­duk­te 2019 – Infor­ma­tio­nen zur Pro­duk­t­sicher­heit, 1. Auflage, Dort­mund, Bun­de­sanstalt für Arbeitss­chutz und Arbeitsmedi­zin, 2019

Das Wichtigste in Kürze

Sicher­heit­stipps für das Arbeit­en an hydraulis­chen Anlagen:

  • Energiezu­fuhr des Arbeitsmit­tels trennen
  • Arbeitsmit­tel gegen Wiederzu­fuhr der Energie sich­ern (zum Beispiel durch abschließbare Kugelhähne)
  • Hydrauliksys­tem ein­schließlich vorhan­den­er Druck­spe­ich­er druck­los machen, hochge­hal­tene Las­ten absenken oder unter­bauen und Resten­ergie abbauen
  • Druck­frei­heit des Arbeitsmit­tels prüfen
  • Gefährdun­gen durch benach­barte Anla­gen vermeiden

Richtige Verlegung von Hydraulik-Schlauchleitungen

Die Biegung der Schlauch­leitung darf erst nach ein­er aus­re­ichen­den Min­destlänge (= 1,5 x Schlauch-Außen­durchmess­er) ein­geleit­et wer­den. Die Abbil­dung zeigt Beispiele für einen falschen und richti­gen Biegeradius.

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