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Tödlicher Unfall durch Missachtung der Regeln

Anschlagen von Lasten am Kran
Tödlicher Unfall durch Missachtung der Regeln

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Schwebende Last am Kran: Hier darf nichts verrutschen. Foto: © Björn Wylezich - Stock.adobe.com
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Das Anschla­gen von Las­ten am Kran erscheint ein­fach, aber wenn die Grun­dregeln der Physik sowie alle bekan­nten Sicher­heits­bes­tim­mungen mis­sachtet wer­den, kann das nur mit schw­er­wiegen­den Fol­gen enden.

Auf ein­er Baustelle soll­ten nicht mehr benötigte Schalungse­le­mente zum Rück­trans­port auf den Bauhof auf einen Lkw ver­laden wer­den. Der damit beauf­tragte Beschäftigte (Anschläger) ver­wen­dete für das Anschla­gen der Schalungstafel­pakete ein nor­males Vier­strang-Ket­tenge­hänge und zwei Hebe­bän­der, die er im Hänge­gang um die unter­ste Schaltafel im Paket führte. Ein Schalungstafel­paket umfasste fünf Tafeln. Es waren jew­eils vier Pakete mit einem Zwis­chen­holz übere­inan­dergestapelt, die auch so ver­laden wer­den soll­ten. Eine Sicherung der Pakete mit­tels Spannbän­dern oder Zur­rgurten war nicht erfol­gt. Auf dem zum Trans­port ver­wen­de­ten Lkw mit Lade­pritsche kon­nten zwei Schalungstafel­pakete hin­tere­inan­der geladen werden.

Verschiebung des Lastschwerpunkts

Die Ver­ladung des ersten Dop­pel-Pakets erfol­gte prob­lem­los. Beim Ver­laden des zweit­en Dop­pel­pakets stellte sich der Anschläger auf die Pritsche des Lkw an die nicht abgeklappte hin­tere Bor­d­wand – wahrschein­lich, um nach dem Abset­zen der Last das Anschlag­mit­tel zu ent­fer­nen. Durch die Ver­wen­dung ein­er nicht geeigneten Anschla­gart, hier des Hänge­gangs, kam es aus unbekan­nten Grün­den beim Ablassen der Last zum Ver­rutschen der Hebe­gurte auf der glat­ten Ober­fläche der Schalungstafel und damit zu ein­er Ver­schiebung des Lastschw­er­punk­tes. Diese Ver­schiebung führte dazu, dass sich der Lastschw­er­punkt voll­ständig aus der Hublin­ie bewegte und sich zuerst die einzel­nen Tafeln des oberen Pakets sowie danach auch die des unteren Pakets lösten und einzeln her­ab­fie­len. Die Fall­rich­tung war auf die hin­tere Bor­d­wand gerichtet, vor der sich der Anschläger befand. Der Beschäftigte wurde durch die herabrutschen­den Schaltafeln eingek­lemmt und erlitt tödliche Ver­let­zun­gen im Rumpfbereich.

Die Unfallursachen

Ursache des Unfalls war die nicht sachgerechte Vor­bere­itung und Ver­ladung der Schalungstafel­pakete sowie der Aufen­thalt des Anschlägers im Gefahrbere­ich. Let­zteres war der größte Man­gel; denn noch dazu fehlte dem Beschäftigten die Möglichkeit, den Bere­ich schnell ver­lassen zu kön­nen. Der Stand­platz auf der Lade­pritsche bei geschlossen­er Bor­d­wand wurde für ihn zur Falle.

Der zweite, den Unfall her­beiführende Man­gel war das Anschla­gen der Last im Hänge­gang. Die DGUV Regel 100–500 Kapi­tel 2.8 sagt in Nr. 3.6.2 unter Punkt 2: „Im Hänge­gang darf nicht angeschla­gen wer­den. Ausgenom­men ist der Anschlag a) großstück­iger Las­ten, sofern ein Zusam­men­rutschen der Anschlag­mit­tel und eine Ver­lagerung der Last ver­hin­dert sind.“ Genau let­zteres war aber hier nicht gegeben. So kon­nte eine Lastver­lagerung stat­tfind­en und die Schalungstafel­pakete rutscht­en aus dem Anschlagmittel.

Spezielle Verladehaken

Für Großschalungstafeln gibt es von den Her­stellern spezielle Ver­lade­hak­en, die in die seitlichen Auss­parun­gen einge­set­zt und ver­riegelt wer­den und in die das Anschlag­mit­tel, hier in der Regel vier­strängige Ket­tenge­hänge, einge­hängt wer­den. Diese waren auf der Baustelle vorhan­den, wur­den aber nicht benutzt.

Ein weit­er­er Man­gel war, dass die Schalungstafel­pakete nicht mit Stahl- oder Kun­st­stoff­bän­dern verzur­rt und damit frei beweglich waren. Das für das Umreifen (Verzur­ren) der Schalungstafeln zum Paket erforder­liche Stahlband mit Span­ngerät war zwar vorhan­den, wurde aber eben­falls nicht verwendet.

Mängel in der Organisation

Es kann somit fest­gestellt wer­den, das eine Vielzahl ver­schieden­er Ver­hal­tens­män­gel diesen Unfall begün­stigt haben. Und es gab offen­sichtlich keine Kon­trollen der Vorge­set­zten, um diese Män­gel zu erken­nen und zu unterbinden. Durch die im Unfall ermit­tel­nde Gewer­beauf­sichts­be­hörde wur­den Fes­tle­gun­gen zu Verän­derun­gen im organ­isatorischen Arbeitss­chutz bei dem Unternehmen angemah­nt, ins­beson­dere in der Schu­lung und Unter­weisung der als Anschläger täti­gen Beschäftigten sowie in der Durch­set­zung der notwendi­gen Schutzmaßnahmen.


Foto: © Foto­stu­dio City Col­or Mun­schke, Weimar

Autor: Dipl.-Ing. Ulf‑J. Schappmann

Sicher­heitsin­ge­nieur VDSI

SIMEBU Thürin­gen GmbH


Weitere Informationen

  • Betrieb­ssicher­heitsverord­nung, Anhang 1 Nr. 2.5
  • DGUV Regel 100–500 Betreiben von Arbeitsmit­teln, Kapi­tel 2.8
  • DGUV Infor­ma­tion 209–013 Anschläger
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