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Winzerin Maren Pargen im Interview

Nachgefragt
Maren Pargen

Winzerin im Weinberg
© privat
Petra Stemmler-Richter, SVLFG
Winz­erin­nen und Winz­er sind die aus­gewiese­nen Fach­leute in Sachen Wein­bau. Ihr Arbeits­ge­bi­et reicht von der Arbeit im Wein­berg inklu­sive der Koor­di­na­tion der Ern­te­helfer bis hin zur Kel­terei. Ein weites Auf­gabenge­bi­et also, das viel Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein und die Fähigkeit zum selb­st­ständi­gen Arbeit­en erfordert. Maren Par­gen schätzt das große Auf­gaben­spek­trum in ihrem Beruf, bei dem auch der Arbeits- und Gesund­heitss­chutz eine wichtige Rolle spielt. Nur der Kampf mit der Bürokratie set­zt ihr bisweilen zu, aber das fer­tige Pro­dukt ist pures Glück und alle Mühen wert.

Frau Par­gen, Sie sind Winz­erin. Welche Beruf­saus­bil­dung haben Sie durch­laufen und wie ist Ihre kor­rek­te Berufsbezeichnung?

Studiert habe ich Inter­na­tionale Wein­wirtschaft in Geisen­heim, was mich zum Bach­e­lor of Sci­ence macht. Ich sehe mich aber in erster Lin­ie als Winz­erin. In unserem Fam­i­lien­be­trieb ist das ein All­round-Job. An manchen Tagen bin ich ganz klas­sisch im Weinkeller oder in den Wein­ber­gen, an anderen werde ich zur Grafik­erin. Ich ver­suche mich am Pro­gram­mieren und manch­mal verzwei­fle ich fast an bes­timmten bürokratis­chen Hürden.

Ihre Beruf­stätigkeit spielt sich zu einem wesentlichen Teil in den Wein­ber­gen ab. Arbeit in der Natur klingt ver­lock­end. Dabei wird allerd­ings häu­fig vergessen, dass Sie auch dann zu den Reb­stöck­en müssen, wenn nicht ein­mal der sprich­wörtliche Hund vor die Tür gejagt wird. Welche Wet­ter­lage fürcht­en Sie am meisten?

Das Kli­ma hat in jedem land­wirtschaftlichen Beruf einen hohen Stel­len­wert. Vor allem im Som­mer zur Laubar­beit gibt es immer wieder Regen­t­age, an denen wir eben trotz­dem raus müssen. Dann tra­gen wir selb­stver­ständlich warme und wasser­feste Arbeit­sklei­dung. Wet­ter­la­gen, die ich wirk­lich fürchte, sind Gewit­ter, Hagel oder Starkre­gen. Dann ist das Arbeit­en draußen zu gefährlich. Glück­licher­weise haben wir immer alter­na­tive Beschäf­ti­gungsmöglichkeit­en, zum Beispiel im Weinkeller.

Auch bei strahlen­dem Son­nen­schein sind lange Aufen­thalte in der Natur nicht ganz unge­fährlich: Was den Reben gut­tut, kann Ihrer Haut schaden. Welchen Stel­len­wert hat für Sie der UV-Schutz?

UV-Schutz hat inzwis­chen einen sehr hohen Stel­len­wert für mich. Er gehört zur mor­gendlichen Rou­tine, sobald die Tage son­niger wer­den. Ich trage dann leichte, langärm­lige Blusen und eine Kopf­be­deck­ung und benutze Son­nen­creme mit einem sehr hohen Lichtschutz­fak­tor. Wenn es sehr heiß draußen ist, haben wir auch immer genug Wass­er zum Trinken dabei.

Viele Arbeit­en im Wein­berg wer­den von Hand aus­ge­führt, ins­beson­dere in steilen Hanglagen, wie sie bei Ihnen vorkom­men. Bei der Lese oder in der Zeit, in der die Reb­stöcke her­anwach­sen, wird oft in gebück­ter Hal­tung gear­beit­et. Was tun Sie gegen diese kör­per­liche Belas­tung beziehungsweise wie hal­ten Sie sich fit?

Aus­gle­ichss­port tut mir sehr gut. In anstren­gen­den Wochen übe ich zum Beispiel Yoga. In Arbeitspausen mache ich Dehnübun­gen, die für mich sehr ent­las­tend und entspan­nend sind. Bevor ich den Reb­schnitt beginne, dehne ich mich gerne auch direkt im Wein­berg, vor allem, um meine Handge­lenke zu schonen.

Als Winz­erin benöti­gen Sie Ken­nt­nisse über bio­chemis­che Prozesse, zum Beispiel für den Gärung­sprozess und die Lagerung im Weinkeller, aber auch für die Schädlings­bekämp­fung. Hantieren Sie hier­bei auch mit Chemikalien oder gifti­gen Substanzen?

Ja, wie alle lebens­mit­tel­her­stel­len­den Betriebe arbeit­en wir mit Lau­gen und Säuren. Wir führen vor solchen Tätigkeit­en eine sorgfältige Gefährdungs­beurteilung durch und schützen uns mit der für die jew­eilige Sit­u­a­tion passenden Per­sön­lichen Schutzaus­rüs­tung gemäß den Herstellerangaben.

Fahrzeuge und Maschi­nen, wie zum Beispiel Schlep­per mit Laub­schnei­dern, kön­nen die schwere kör­per­liche Arbeit erle­ichtern. Die sper­ri­gen Anbau­maschi­nen behin­dern jedoch die Sicht der fahrzeugführen­den Per­son, sodass sie andere Verkehrsteil­nehmende erst spät wahrnehmen kann. Wie ver­mei­den Sie unfall­trächtige Sit­u­a­tio­nen im Weinberg?

Mit Vor­sicht und Bedacht. Wichtig ist, jeden Wein­berg gut zu ken­nen und zu wis­sen, wie es um die jew­eilige Befahrbarkeit ste­ht. Außer­dem spielt das Wet­ter eine wichtige Rolle. Prinzip­iell fahren wir nicht direkt nach tage­lan­gen Regen­schauern und warten lieber ab, weil uns son­st das Risiko zu hoch ist, dass der Schlep­per abrutscht. Generell fahren wir nicht in Wein­ber­gen, in denen ger­ade von Hand gear­beit­et wird. So schließen wir aus, dass die Per­so­n­en dort durch Fahrzeuge zu Schaden kommen.

Wie gehen Sie in Ihrem Betrieb mit Gefährdun­gen im Weinkeller um, zum Beispiel wenn Sie Leit­ern einsetzen?

Mit Vor­sicht, würde ich sagen. Wir set­zen, wo es geht, Spezialleit­ern, soge­nan­nte Fassleit­ern, ein, die nicht wegrutschen kön­nen, weil sie am Fass befes­tigt wer­den. Wir hän­gen die Leit­ern sehr sorgfältig in die Befes­ti­gun­gen ein, bevor wir sie benutzen. Die Befes­ti­gun­gen wer­den tur­nus­gemäß geprüft. Die Erfahrung zeigt, dass es grund­sät­zlich bess­er ist, vor Beginn ein­er Tätigkeit noch mal sicherzuge­hen, dass alles passt.

Was schätzen Sie an Ihrem Beruf am meisten?

Wein bringt Herkun­ft und Handw­erk zum Aus­druck. Von uns fordert er Ruhe, Spon­taneität und Zeit. Es ist ein Priv­i­leg, täglich damit zu arbeit­en. Ich schätze das Ergeb­nis am meis­ten. Wein ist etwas sehr Per­sön­lich­es. Am Ende eines sehr anstren­gen­den Prozess­es hält man etwas in der Hand, das Men­schen zusam­men­bringt und gle­ichzeit­ig für all das ste­ht, was man geleis­tet hat. Das gibt mir eine große Freude. Das fer­tige Pro­dukt spiegelt das ganze ver­gan­gene Jahr wider. Inter­essierte Wein­ge­nießer kön­nen über das Pro­dukt selb­st viel über dessen Herkun­ft, über unseren Betrieb und über die Men­schen ler­nen, die den Geschmack formen.


  • geboren 1994 an der Mosel
  • ver­trat ihre Heimat­ge­meinde von
    2013 bis 2015 als Weinkönigin
  • arbeit­et seit 2021 als Winz­erin im elter­lichen Betrieb
  • betra­chtet selb­st gekel­terten Wein als etwas sehr Persönliches
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