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Gesundheitsförderung für Auszubildende bei Audi

Augen­höhe statt Zeige­fin­ger

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Kurz vor dem Start ins neue Ausbil­dungs­jahr verrät Anke Mant­hey, Refe­ren­tin für Gesund­heits­för­de­rung im Audi Gesund­heits­we­sen, wie der Auto­bauer Jugend­li­che mit ihren spezi­fi­schen Gesund­heits­the­men erreicht. Ein wich­ti­ger Ansatz ist dabei die Parti­zi­pa­tion, denn „ein erho­be­ner Zeige­fin­ger bringt nichts“, verrät Diplom‐Pädagogin Mant­hey.

Wir soll­ten beim Thema Demo­gra­fie nicht erst an unsere 50‐jährigen denken – sondern auch schon an unsere 15‐jährigen“, sagt die Gesund­heits­ex­per­tin Anke Mant­hey. Zusam­men mit der Betriebs­ärz­tin Dr. Theresa Schwei­zer kümmert sie sich um die Gesund­heit der rund 800 jungen Menschen, die jedes Jahr ihre Ausbil­dung bei der Audi AG star­ten. Viele haben einen quali­fi­zier­ten Mittel­schul­ab­schluss – sind also erst 15 oder 16 Jahre alt. An ihrem ersten Arbeits­tag werden sie „für die nächs­ten 50 Jahre“ will­kom­men gehei­ßen. Damit macht der Konzern nicht nur seine Wert­schät­zung deut­lich. Er zeigt auch, dass alterns­ge­rech­tes Arbei­ten ab dem ersten Tag ein wich­ti­ges Thema ist.

Eige­nes Einfüh­rungs­pro­gramm

Alle neuen Audi‐Azubis erhal­ten ein Einfüh­rungs­pro­gramm zu Beginn des jeweils neuen Kalen­der­jah­res nach Ausbil­dungs­start. Dabei lernen sie das Unter­neh­men kennen – wobei ein Teil das Thema „Gesund­heit“ umfasst. „Wir haben den Schwer­punkt unse­rer Akti­vi­tä­ten ins erste Lehr­jahr gelegt, da in dieser Zeit die Gruppe am stabils­ten zusam­men­bleibt“, berich­tet Anke Mant­hey. Die Arbeit in einem inter­dis­zi­pli­nä­ren Team etwa mit Betriebs­ärz­ten und Kolle­gen aus der Perso­nal­ab­tei­lung oder der unter­neh­mens­ei­ge­nen Audi Akade­mie ist die Basis für inno­va­tive Ansätze in der Betrieb­li­chen Gesund­heits­för­de­rung. Entschei­dend für den Erfolg ist, dass das Team der Abtei­lung Audi Berufs­aus­bil­dung voll hinter den Projek­ten steht und diese in die Arbeits­zeit der Auszu­bil­den­den inte­griert.

Von Ernäh­rung bis Bewe­gung

Im Rahmen des Programms „Fit & gesund“ beleuch­ten Exper­tin­nen und Exper­ten unter­schied­li­che Aspekte zum Gesund­heits­schutz. Es star­tet mit einem allge­mei­nen Part zum Thema Präven­tion. Ein Betriebs­arzt klärt dabei über Themen wie Erste Hilfe, Lärm­schutz oder Impfun­gen auf. Seit vielen Jahren bietet der Audi Gesund­heits­för­de­rung den Azubis einen Impf‐Check an. Hier werden die Impf­aus­weise der Azubis auf fehlende Impfun­gen geprüft und ausste­hende Impfun­gen können direkt vor Ort nach­ge­holt werden. Es folgt ein prak­ti­scher Teil zum Thema Ernäh­rung. Dabei besu­chen die Jugend­li­chen etwa mit einer Ernäh­rungs­be­ra­te­rin einen Kiosk auf dem Gelände, um gemein­sam zu erar­bei­ten, wie sie rich­tig einkau­fen, um sich gesund zu ernäh­ren. Anschlie­ßend zeigt ein Sport­wis­sen­schaft­ler auf, wie sich ausrei­chend Bewe­gung in den neuen Tages­ab­lauf inte­grie­ren lässt.

Stress­be­wäl­ti­gung und Kommu­ni­ka­tion

Wich­ti­ger Baustein aber ist auch „Stress­be­wäl­ti­gung und Kommu­ni­ka­tion“, für die Audi für den Präven­ti­ons­preis der Landes­zen­trale für Gesund­heit nomi­niert wurde. Er wurde spezi­ell für die Audi‐Azubis entwi­ckelt und wird von einer Psycho­lo­gin gelei­tet. „Der Über­gang von der Schule zur Ausbil­dung ist ein wich­ti­ger Lebens­ab­schnitt für die Jugend­li­chen. Hier kann vieles in die gute – aber manches eben auch in die schlechte – Rich­tung laufen. Daher ist es uns so wich­tig, unsere Azubis in dieser Phase beson­ders gut zu beglei­ten“, betont Anke Mant­hey.

Den Work­shop können die Azubis weit­rei­chend mitge­stal­ten. Die jewei­lige Gruppe – bestehend aus 20 bis 40 Jugend­li­chen – verstän­digt sich zunächst auf ein Thema. „Das ist schon die erste Übung“, merkt Anke Mant­hey an. Zu den Themen zählen unter ande­rem der Umgang mit Stress, Gewalt­freie Kommu­ni­ka­tion, Nähe‐Distanz‐Erleben, aber auch das Kommu­ni­ka­ti­ons­mo­dell nach Schulz von Thun1.

Fokus Sucht­prä­ven­tion

Am zwei­ten Tag dieses so genann­ten „Fit & gesund“-Programms erwar­tet die Azubis der Work­shop „Sucht­prä­ven­tion“. Denn aus entwick­lungs­psy­cho­lo­gi­scher Sicht suchen gerade Jugend­li­che immer wieder Heraus­for­de­run­gen und neigen zu riskan­tem Verhal­ten – wie Alkohol‐ und Drogen­kon­sum. Im Work­shop arbei­ten sie ihre eige­nen Stra­te­gien heraus, um bewusste Entschei­dun­gen zu tref­fen. „Wir wollen die Jugend­li­chen bei der Entwick­lung und Stär­kung ihrer Persön­lich­keit unter­stüt­zen“, führt Anke Mant­hey aus.

Der Rahmen muss passen

Die Gesund­heits­ex­per­tin­nen und -exper­ten bei Audi sorgen auch dafür, dass bei diesen sensi­blen Themen die Rahmen­be­din­gun­gen stim­men. Entschei­dend für die Arbeits­at­mo­sphäre ist es, dass solche Work­shops

  • von exter­nen Semi­nar­lei­tun­gen ange­bo­ten werden,
  • dass es Diskre­ti­ons­ver­ein­ba­run­gen unter den Teil­neh­men­den gibt und
  • die Semi­nar­räume nicht einsich­tig

sind.

Fitness‐Tutoren‐Programm

Neben „Fit & gesund“ bietet der Konzern seinen Auszu­bil­den­den noch weitere Gesundheits‐Aktivitäten: Um die bewe­gungs­be­zo­gene Gesund­heits­kom­pe­tenz der Jugend­li­chen zu verbes­sern, wurde in Zusam­men­ar­beit mit dem Erlan­ge­ner Insti­tut für Sport­wis­sen­schaft und Sport um Profes­sor Klaus Pfei­fer ein Bewe­gungs­pro­gramm für die Audi‐Azubis entwi­ckelt.

Im Rahmen der Jugend­ver­samm­lung wurde das Konzept präsen­tiert. Um dann gemein­sam die Themen einzu­gren­zen, kam die Methode des „World Café“ zum Einsatz. Damit gelingt es, in Groß­grup­pen parti­zi­pa­ti­ver als im Plenum zu arbei­ten. Heraus kam ein gemein­sa­mes Konzept für ein Fitness‐Tutorenprogramm. Von mehr als 500 Auszu­bil­den­den des ersten Ausbil­dungs­jahrs ließen sich 46 in ihrer Arbeits­zeit als Fitness‐Tutoren schu­len. Im Kasten unten sind die Module aufge­führt, die die Tuto­ren für ihre Grup­pen­ge­sprä­che erar­bei­te­ten.

1 Modell der Kommu­ni­ka­ti­ons­psy­cho­lo­gie, mit dem eine Nach­richt unter den Aspek­ten Sach­in­halt, Selb­stof­fen­ba­rung, Bezie­hung und Appell beschrie­ben wird. Quelle: Wiki­pe­dia, https://de.wikipedia.org/wiki/Vier-Seiten-Modell


Autorin: Dipl.-Ing. Andrea Stickel

Jour­na­lis­tin für Tech­nik und
Wissen­schaft (BJV)

andrea@stickel-online.net

Foto: © Rolf Schür­mann

Ausbil­dung bei Audi

Der Audi Konzern stellt mit seinen Marken Audi, Ducati und Lambor­ghini sowohl Auto­mo­bile als auch Motor­rä­der her. Zurzeit arbei­ten welt­weit rund 90.000 Menschen für das Unter­neh­men, davon mehr als 60.000 in Deutsch­land. Die Gesamt­zahl der Auszu­bil­den­den an den beiden deut­schen Stand­or­ten Ingol­stadt und Neckar­sulm lag zum Jahres­ende 2017 bei rund 2.700, die sich auf 20 verschie­dene Berufe verteil­ten. Die meis­ten Azubis werden Mecha­tro­ni­ker, Ferti­gungs­me­cha­ni­ker oder Kfz‐Mechatroniker. Der Anteil junger Frauen lag bei rund 30 Prozent.


Fitness‐Tutorenprogramm

Die Tuto­ren erar­bei­te­ten für ihre Grup­pen­ge­sprä­che folgende acht Module:

  1. Posi­tive Wirkun­gen von Bewe­gung auf den Körper
    Wissens­ver­mitt­lung zu Auswir­kun­gen von Sport auf Herz‐Kreislaufsystem, Stoff­wech­sel, Bewe­gungs­ap­pa­rat und Selbst­wahr­neh­mung. Die Jugend­li­chen üben im Rollen­spiel, wie sie die Inhalte in einem zehn­mi­nü­ti­gen Grup­pen­ge­spräch ihren Kolle­gin­nen und Kolle­gen vermit­teln können.
  2. Einfluss körper­li­cher Akti­vi­tät auf Stim­mung und Wohl­be­fin­den
    Kern­bot­schaf­ten: Ausdau­er­ori­en­tierte Akti­vi­tä­ten stär­ken posi­tive Stim­mun­gen wie Freude, Vita­li­tät, innere Ausge­gli­chen­heit, Ruhe und Entspannt­heit. Regel­mä­ßige körper­li­che Akti­vi­tät kann beim Umgang mit Stress helfen.
  3. Wirbel­säule als faszi­nie­ren­des System
    Übun­gen für eine Bewe­gungs­pause:
    zum Beispiel gehen auf Zehen­spit­zen oder Ferse, Schul­ter krei­sen, stre­cken und recken
  4. Rolle der Musku­la­tur und Bedeu­tung
    einsei­ti­ger Belas­tun­gen

    Übung „Armpen­del“: Ein Arm wird nach vorn ausge­streckt und dort gehal­ten, der andere wird auf und ab bewegt. Mit dieser Übung und Fragen zur eige­nen Wahr­neh­mung wird die Proble­ma­tik einsei­ti­ger Belas­tun­gen verdeut­licht.
  5. Bewe­gung als Genuss
  6. Vertie­fung von Infor­ma­tio­nen zur musku­lä­ren Stabi­li­sa­tion
  7. Empfeh­lun­gen zur körper­li­chen Akti­vi­tät in Frei­zeit und Beruf
  8. Umgang mit dem Selbst­be­ob­ach­tungs­bo­gen
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