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Gesund und wirtschaftlich

A+A-Schwerpunkt: Ergonomie am Arbeitsplatz
Gesund und wirtschaftlich

Ergonomische Arbeitsmittel fördern die Gesundheit. Foto: Messe Düsseldorf / ctillmann
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Men­schen, die sich an ihren Arbeit­splätzen wohlfühlen, gehen eher mit ein­er pos­i­tiv­en Ein­stel­lung und motiviert an ihre Auf­gaben. Ergonomisch gestal­tete Arbeitsmit­tel und opti­mierte Arbeit­sprozesse tra­gen wesentlich zu Wohlbefind­en im Beruf­sall­t­ag bei. Außer­dem helfen sie Muskel-Skelett-Erkrankun­gen zu reduzieren – ein weit­eres Plus auch für Unternehmen. Neueste Trends, inno­v­a­tive Pro­duk­te und Meth­o­d­en rund um Ergonomie präsen­tiert die A+A.

Der Men­sch in der mod­er­nen Gesellschaft ist zu einem meist sitzen­den Men­schen gewor­den. Unser Kör­p­er ist für dieses Dauer­sitzen aber nicht gemacht. Bei ein­er pas­siv­en Sitzhal­tung erschlafft die Hal­te­musku­latur des Kör­pers, die Band­scheiben wer­den ein­seit­ig belastet. Verspan­nun­gen, Schmerzen, Entzün­dun­gen und Bewe­gung­sein­schränkun­gen sind die Folge. Weit­er­hin hat belas­ten­der Druck auf die Ner­ven neg­a­tiv­en Ein­fluss auf die Ver­dau­ung, Atmung sowie Konzen­tra­tion. Die Folge – das Wohlbefind­en des Men­schen nimmt ab, seine Leis­tungs­fähigkeit sinkt.

Eine Unter­suchung der Bun­de­sanstalt für Arbeitss­chutz und Arbeitsmedizin1 bestätigt dies. Dem­nach zählen Rück­en­lei­den nach wie vor zu den häu­fig­sten Beschw­er­den bei Arbeit­ern. Dabei gaben in der Erwerb­stäti­genum­frage deut­lich mehr Frauen (63,5 Prozent) als Män­ner (39,7 Prozent) an, Schmerzen im Nack­en- und Schul­ter­bere­ich zu ken­nen. Beschw­er­den im unteren Rück­en melde­ten 51,4 Prozent der Frauen und 44 Prozent der Män­ner. Krankheit­en des Muskel-Skelett-Sys­tems sor­gen laut Unter­suchung für 17,2 Mil­liar­den Euro Pro­duk­tion­saus­fall in Unternehmen.

Gesunde Sitz- und Arbeitsmöbel

„Wir brauchen deshalb Möbel, die den Kör­p­er in sein­er gesun­den Aus­rich­tung und mit einem Höch­st­maß an Beweglichkeit unter­stützen.“ sagt Malte Lenkeit, Ergonomieber­ater beim deutschen Bürositzmö­bel­her­steller Dauphin. „Bürostüh­le soll­ten die Wirbel­säule in ihrer natür­lichen Dop­pel-S-Form hal­ten und die aufrechte Hal­tung stützen – zum Beispiel durch eine automa­tis­che Nei­gung des Stuhloberteils und einem gle­ich­bleiben­den Gegen­druck der Rück­en­lehne im Bewegungsablauf.“

Dabei kann die AGR, Aktion Gesun­der Rück­en, behil­flich sein. Sie ist zum ersten Mal auf der A+ A dabei und stellt ihr eigenes Güte­siegel „Geprüft & emp­fohlen“ vor. „Es ist unab­hängig und wird nur beson­ders rück­en­fre­undlichen Pro­duk­ten ver­liehen“, meint Detlef Det­jen, Geschäfts­führer der AGR. Auf der Messe in Düs­sel­dorf ste­ht das zer­ti­fizierte AGR-Konzept „Indus­triear­beit­splatz“ im Fokus, mit dem indus­trielle Arbeit­splätze an ergo­dy­namis­che Anforderun­gen angepasst wer­den können.

Sicherheitsrisiken vermeiden

Während an Büroar­beit­splätzen viel gesessen wird, muss so manch­er Arbeit­er in der Mon­tage oder im Ver­sand oft­mals mehr als sieben Stun­den ste­hen. Das sum­miert sich auf über 1.800 Stun­den im Jahr. Harte Böden ver­stärken dabei die kör­per­liche Belas­tung durch ein­seit­ige Tätigkeit­en, das erhöht die Belas­tung auf Gelenke und Men­schen wer­den auf Dauer krank. Diskus­sio­nen um die Zukun­ft der Beschäf­ti­gung und den Arbeit­splatz 4.0 bedeuten, für jeden Men­schen die opti­malen Bedin­gun­gen zu schaf­fen. Eine davon ist das mobile Ste­hen. Dabei kön­nen zum Beispiel spezielle Boden­mat­ten unter­stützend wirken. „Mat­ten mit hoher Dämp­fung­seigen­schaft scho­nen die Gelenke und senken gle­ichzeit­ig den Geräuschpegel.

Hoher Bedarf beste­ht dafür beispiel­sweise in Logis­tikzen­tren oder in indus­triellen Trock­en­bere­ichen“, erläutert Mar­ti­na Baumgärt­ner, Lei­t­erin des Ser­vice­büros Deutsch­land der Fir­ma Ergo­mat, die Pro­duk­te für unter­schiedliche Arbeits­bere­iche und mit ver­schiede­nen Funk­tio­nen pro­duzieren. Manche Mat­ten sind auf ihrer Ober­fläche so beschaf­fen, dass auf Indus­triear­beit­splätzen Öl, Chemikalien, Späne oder andere Schmutz­par­tikel aufge­fan­gen wer­den und Mitar­beit­er nicht aus­rutschen. Andere Pro­duk­te ruhen auf kleinen Ste­gen oder Saugnäpfen. Selb­st wenn Flüs­sigkeit­en aus­laufen ist für sicheren Stand gesorgt, da diese durch die Erhöhun­gen abfließen kön­nen. Mat­ten mit Farbbeschich­tun­gen kennze­ich­nen Lauf- oder auch Gefahren­zo­nen in Pro­duk­tions­bere­ichen oder Hallen. Auch das The­ma max­i­male Hel­ligkeit kann in fen­ster­losen Pro­duk­tions­bere­ichen und Hallen mit sil­berbeschichteten Pro­duk­ten ange­gan­gen wer­den, die drei Mal mehr Licht reflek­tieren als dun­kle Matten.

Kollaborierende Roboter

Indus­triear­beit­splätze set­zen mehr und mehr auf den Kol­le­gen Robot­er, um dem Men­schen belas­tende Arbeitss­chritte wie das Heben schw­er­er Las­ten oder Überkopf-Arbeit abzunehmen. Die Zukun­ft der Automa­tisierungs­branche gehört den kol­la­bori­eren­den Robot­ern als Bindeglied zwis­chen einem reinen Arbeit­splatz eines Men­schen und ein­er Vol­lau­toma­tion. „Speziell der Leis­tungs- und Kraftüberwachung kommt eine große Bedeu­tung zu“, erk­lärt Dr. Matthias Umbre­it, Leit­er der Abteilung Maschi­nen, Robotik und Holzver­ar­beitung bei der Beruf­sgenossen­schaft Holz und Met­all. „Eigens für die Men­sch-Robot­er-Kol­lab­o­ra­tion (MRK) konzip­ierte Robot­er erken­nen einen Kon­takt des Robot­ers oder des Werkzeugs mit ein­er Per­son und kön­nen so den Robot­er abschal­ten, bevor es zu ein­er Ver­let­zung kommt“. Bis­lang haben MRK-Anla­gen beispiel­sweise in der Auto­mo­bil- und Zulieferindus­trie, der Fein­mechanik und elek­trotech­nis­chen Pro­duk­tion oder in der chemis­chen und Kun­st­stoffind­us­trie Einzug gehal­ten. Möglichkeit­en des indus­triellen Ein­satzes von Robot­er­sys­te­men präsen­tiert auf der A+A erst­mals die Fir­ma Uni­ver­sal Robots.

Arbeitsplätze gesund planen

Weil der Men­sch von Natur aus nicht über Stun­den kon­stant leis­tungs­fähig ist, lohnt es sich, ihn ergonomisch zu unter­stützen. Wer­den Arbeit­splätze entsprechend geplant und gestal­tet, kann die Arbeit­skraft gesteigert wer­den. Was das bedeutet, zeigt ein Rech­enex­em­pel: Schon ein Leis­tungsanstieg von fünf Prozent kann bei einem Mitar­beit­er mit einem Brut­tover­di­enst von 3.000 Euro bedeuten, dass sich eine Investi­tion von 1.500 Euro in einen ergonomisch gestal­teten Arbeit­splatz inner­halb von zehn Monat­en auszahlt. Wie notwendig ergonomis­che Verbesserun­gen sind, das lässt sich beispiel­sweise durch das Bew­er­tungsver­fahrens EAWS (Ergonom­ic Assess­ment Work­sheet) ermit­teln. Es wurde von der Deutschen MTM-Vere­ini­gung e.V. entwick­elt. Und so funk­tion­iert die Meth­ode: Bei der Orts­bege­hung analysieren Experten den Arbeitsablauf an einem Arbeit­splatz. Dabei wer­den zum Beispiel sta­tis­che Kör­per­hal­tun­gen, Kräfte, die auf den ganzen Kör­p­er, den Oberkör­p­er oder die Fin­ger wirken, erfasst. Ein Risikop­unk­twert kennze­ich­net die Notwendigkeit für ergonomis­che Verbesserungen.

„Bei der Beschrei­bung von Abläufen hil­ft uns das Baustein­sys­tem MTM-HWD. HWD ste­ht dabei für Human Work Design“, erk­lärt Dr. Thomas Fin­ster­busch, Leit­er der MTM-Akademie. Mit Hil­fe von Pik­togram­men wer­den beispiel­sweise Bewe­gun­gen der Hände und der Arme sowie der Augen beschrieben. Dadurch lassen sich Prozesse hin­sichtlich der ergonomis­chen Belas­tung bew­erten – zum Beispiel, wenn ein Arbeit­er seine Gelenke stark ver­drehen muss.“ Am Mess­e­s­tand der MTM-Akademie auf der A+A 2019 wird nicht nur diese Tech­nolo­gie präsen­tiert. Ein The­ma ist zudem die dig­i­tale Erfas­sung von Bewe­gun­gen (3D-Sim­u­la­tion und Motion Cap­ture). Bei der Motion Cap­ture liefern Sen­soren an den einzel­nen Extrem­itäten und im Bere­ich des Rumpfes eine Vielzahl von Dat­en. Mitar­beit­er sehen anhand der aus­gew­erteten Infor­ma­tio­nen, welche Bewe­gun­gen den Risikow­ert erhöhen oder senken. Auf diese Weise wer­den sie direkt in den Prozess der Gestal­tung gesün­der­er Arbeit einbezogen.

Offene Bürolandschaften

Das 08/15-Büro gibt es heute nicht mehr. Das Deutsche Net­zw­erk Büro, das als Vere­in einge­bun­den ist in die Ini­tia­tive Neue Qual­ität der Arbeit (INQA) des Bun­de­sar­beitsmin­is­teri­ums, wid­met sich auf dem A+A‑Kongress dem The­ma „Offene Büroland­schaften“. Diese sind zum Beispiel im Start­up-Bere­ich oder in der Kreativwirtschaft beliebt. „Die Beschäftigten haben eine Auswahl an Arbeit­sorten für unter­schiedliche Auf­gaben, die entwed­er hohe Konzen­tra­tion oder den per­sön­lichen Aus­tausch erfordern. Daher arbeit­en sie nur zeitweise am gle­ichen Arbeit­splatz. Das erfordert eine an die Bedürfnisse angepasste Gestal­tung“, sagt David Wiech­mann, Vor­sitzen­der des Deutschen Net­zw­erk Büro.

So soll­ten Tis­che, die sich beim soge­nan­nten Desk­shar­ing mehrere Mitar­beit­er teilen, möglichst elek­tro­n­isch höhen­ver­stell­bar sein und ein Dis­play zur genauen Höhene­in­stel­lung besitzen. Stüh­le haben im Opti­mal­fall eine automa­tis­che Gewicht­serken­nung. Alles sollte möglichst intu­itiv ein­stell­bar sein. Wichtige Hin­weise – von der ersten Idee für ein nach­haltiges Bürokonzept bis zur Gestal­tung der Arbeit­sumge­bung liefert die Pub­lika­tion „Büro­raum­pla­nung – Hil­fen für das sys­tem­a­tis­che Pla­nen und Gestal­ten von Büros“ der DGUV, Deutsche Geset­zliche Unfal­lver­sicherung. Sie ist mit einem Gemein­schafts­stand auf der A+A 2019 präsent, zu dem auch das Insti­tut für Arbeitss­chutz der DGUV (IFA) sowie die Beruf­sgenossen­schaften und Unfal­lka­ssen gehören.

Gabriele Bräh­ler, freie Fachjournalistin

1 Arbeitswelt im Wan­del: Zahlen – Dat­en – Fak­ten (2018), https://shop.baua.de/baua-praxis/ pub-baua-a99

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