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Fensterreinigung mit PSAgA

In zwölf Metern Höhe sicher aufge­fan­gen!

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Wer trägt schon gerne PSA gegen Absturz? Zumal beim Fens­ter­put­zen? Was im priva­ten Bereich voll­kom­men unüb­lich ist, ist im gewerb­li­chen Bereich vorge­schrie­ben. Warum dieses zu Recht gefor­dert ist, zeigte eine schwe­rer Unfall, der glimpf­lich ausging.

Die Fens­ter­rei­ni­gung ist ein Berufs­bild mit nicht zu unter­schät­zen­den Unfall­ri­si­ken. Zu den gefähr­lichs­ten gehö­ren Stürze von der Leiter oder aus dem geöff­ne­ten Fens­ter. Voll­kom­men berech­tigt schrei­ben die Berufs­ge­nos­sen­schaf­ten daher bei Reini­gungs­ar­bei­ten im Fens­ter­be­reich schon ab der ersten Etage Maßnah­men zur Absturz­si­che­rung vor, wenn kein Gelän­der vorhan­den ist.

Werden die Fens­ter von innen und nicht mithilfe von Gondeln oder Arbeits­büh­nen von außen geputzt, bieten sich verschie­dene Lösun­gen an. Neben mobi­len Gelän­dern, die tempo­rär in die Fens­ter­rah­men geklemmt werden, oder Traver­sen zur vorüber­ge­hen­den Befes­ti­gung am Türrah­men hat sich der Einbau von Perso­nen­an­schlag­punk­ten in der Praxis bewährt. Im St.-Josef-Stift in Senden­horst rettete ein solcher Anschlag­punkt im Sommer des vergan­ge­nen Jahres einer Fens­ter­put­ze­rin das Leben.

Der Unfall

Eigent­lich war es ein typi­scher Arbeits­ein­satz: Die Mitar­bei­ter der Gebäu­de­rei­ni­gungs­firma Tepe sind schon seit Jahren für die Fens­ter­rei­ni­gung im St.-Josef-Stift verant­wort­lich. Das Perso­nal ist routi­niert und unter­wie­sen, bei der Arbeit ebenso wie beim Einsatz der vorge­schrie­be­nen persön­li­chen Schutz­aus­rüs­tung gegen Absturz (PSAgA).

Auch an diesem Tag verlief zunächst alles wie gewohnt. Die Reini­gungs­kräfte des Dienst­leis­ters berei­te­ten die Reini­gungs­mit­tel und die weitere Ausrüs­tung vor, zogen die Gummi­hand­schuhe zum Schutz vor den reizen­den Flüs­sig­kei­ten an – und wie immer auch ihre Auffang­gurte für die Arbeit an den höher gele­ge­nen Fens­tern.

Ein fester, verbind­li­cher Ablauf, wie Peter Kerk­mann berich­tet. Als tech­ni­scher Leiter des St.-Josef-Stifts verant­wor­tet er unter ande­rem die Sicher­heit der inter­nen und exter­nen Arbeits­kräfte. „Die Arbeits­si­cher­heit steht bei uns immer ganz vorne und das Thema Absturz­si­che­rung hat dabei einen beson­de­ren Stel­len­wert. Allein schon wegen der zahl­rei­chen Fens­ter, die regel­mä­ßig gerei­nigt werden“, so Kerk­mann. Genau 222 Anschlag­punkte sind an den Fens­tern des Stifts verbaut.

Hinzu kommen umfang­rei­che Absturz­si­che­rungs­lö­sun­gen auf den über­wie­gend grün bepflanz­ten Flach­dä­chern. „Unsere Gärt­ner müssen regel­mä­ßig aufs Dach, da ist eine dauer­haft instal­lierte Anschlag­ein­rich­tung unum­gäng­lich“, erklärt der tech­ni­sche Leiter.

An den Fens­tern des Stifts kommt das Steck­sys­tem ABS‐Lock I+II zum Einsatz. Kerk­mann begrün­det die Wahl: „Für uns war dies eine gute Lösung, da der Anschlag­punkt sehr flexi­bel in der Montage ist und außer­dem auch ziem­lich dezent.“ Das zwei­tei­lige System besteht aus einer fest im Unter­grund veran­ker­ten Stahl­hülse und einem Anschlag­punkt mit Steck­bol­zen, der für den Arbeits­ein­satz in die Hülse gesetzt und hinter­her mit einem einfa­chen Knopf­druck wieder entnom­men wird.

Das vom Deut­schen Insti­tut für Bautech­nik (DIBt) zuge­las­sene System wurde auch am Unfall­tag wie gewohnt genutzt – und fing eine Fens­ter­put­ze­rin auf, die verse­hent­lich aus einem Fens­ter des drit­ten Stock­werks stürzte. „Als ich von dem Absturz hörte, war ich zunächst geschockt. Zuerst war da die Sorge, wie es der Frau geht und wie schwer ihre Verlet­zun­gen sind“, berich­tet der tech­ni­sche Leiter des Stifts. Über den Hergang des Unfalls kann Kerk­mann wenig berich­ten. „Tatsäch­lich war ein Kollege der Abge­stürz­ten im Raum. Der sah im entschei­den­den Moment aber arbeits­be­dingt in eine andere Rich­tung.“ Die verun­fallte Reini­gungs­kraft selbst hat keine Erin­ne­rung mehr an ihren Sturz.

Drei ihrer Kolle­gen zogen die leicht verletzte Frau am Verbin­dungs­mit­tel der Schutz­aus­rüs­tung, also dem Halte­seil wieder hinauf, und hoben sie durch das in zwölf Metern Höhe gele­gene Fens­ter wieder ins Innere. Die Abge­stürzte ist so leicht, dass sich der Band­fall­dämp­fer ihrer Schutz­aus­rüs­tung nicht einmal öffnete, um die Sturz­kraft zu mindern. Ein selte­ner Glücks­fall, wie Kerk­mann weiß: „In der Regel zieht man einen an einer Anschlag­ein­rich­tung hängen­den Menschen wegen des Körper­ge­wichts nicht so einfach am Halte­seil wieder herauf. Diese Frau wiegt jedoch rela­tiv wenig, sodass eine sehr zeit­nahe Rettung ohne Einsatz der Feuer­wehr erfol­gen konnte.“

Tech­nik und Schu­lung entschei­dend

Peter Kerk­mann war erleich­tert, als er nach weni­gen Tagen von der raschen Gene­sung der Reini­gungs­kraft hörte. „Sie musste zunächst zur Beob­ach­tung auf die Inten­siv­sta­tion, mit einer Gehirn­er­schüt­te­rung und diver­sen Prel­lun­gen. Sechs Wochen später war sie aber wieder voll­kom­men gesund bei uns im Einsatz.“

Die Frage, ob der Unfall schlechte Erin­ne­run­gen bei ihm hinter­las­sen hat, kann Kerk­mann vernei­nen: „Ich sehe mich letzt­lich bestä­tigt in der Wahl der Absturz­si­che­rungs­lö­sung. Ohne diese wäre die Verun­fallte womög­lich nicht mehr am Leben.“ An den betrieb­li­chen Abläu­fen muss er nichts ändern, hier haben die tech­ni­sche Sicher­heits­aus­stat­tung und die regel­mä­ßi­gen Schu­lun­gen laut Kerk­mann vorbild­lich gegrif­fen. Dass der Unfall einen glück­li­chen Ausgang genom­men hat, liegt seiner Meinung nach auch an der Sorg­falt der Beschäf­tig­ten selbst: „Beim Thema persön­li­che Schutz­aus­rüs­tung musste man in der Vergan­gen­heit viel Aufklärungs‐ und leider auch Über­zeu­gungs­ar­beit leis­ten. In manchen Beru­fen war die Nutzung von Schutz­aus­rüs­tung ja sogar verpönt.“

Fazit

Dass Sicher­heit vorgeht, ist beim Reini­gungs­team von Tepe kein Zwang, sondern mitt­ler­weile eine Selbst­ver­ständ­lich­keit. Die grund­sätz­li­che Ände­rung der Einstel­lung im Unter­neh­men und der Beschäf­tig­ten zum Thema Arbeits­schutz ist aller­dings kein Glücks­fall, sondern der ange­nom­men und geleb­ten Über­nahme der Verant­wor­tung der Geschäfts­füh­rung sowie konti­nu­ier­li­cher Sensi­bli­sie­rung, Schu­lung und auch Kontrolle geschul­det.

Wie wich­tig und wirk­sam Maßnah­men zum Schutz vor Abstur­zun­fäl­len sind, haben die Mitar­bei­ter selbst erlebt – zum Glück anhand einer sehr eindrück­li­chen posi­ti­ven Erfah­rung, die als Beispiel ohne schwer­wie­gende Folgen in den Köpfen bleibt. Doch oft genug ist es leider so, dass erst nach einem (schwe­ren) Unfall Maßnah­men ergrif­fen werden.

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