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Viel Neues in der neuen TRGS 500 Schutzmaßnahmen

Umgang mit Gefahrtstoffen
Viel Neues in der neuen TRGS 500 Schutzmaßnahmen

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Foto: © Sergey Nivens – stock.adobe.com
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Die let­zte TRGS 500 stammt aus dem Jahre 2008. Seit­dem hat sich zum sicheren Umgang mit Gefahrstof­fen viel getan. Nun ist nach vier Jahren inten­siv­er Gremien­ar­beit eine neue, kom­plett über­ar­beit­ete Tech­nis­che Regel zu Schutz­maß­nah­men erschienen. Gle­ichzeit­ig wurde die TRGS 504 „Staub“ außer Kraft geset­zt und diese in die TRGS 500 eingear­beit­et. Die Erwartun­gen sind hoch. Was ist geblieben, was hat sich verän­dert und welche Anforderun­gen sind neu? Der vor­liegende Artikel gibt hierzu einen kurzen Überblick.

Eine TRGS konkretisiert im Rah­men ihres Anwen­dungs­bere­ich­es Anforderun­gen der Gefahrstof­fverord­nung (Gef­Stof­fV). „Bei Ein­hal­tung der Tech­nis­chen Regeln kann der Arbeit­ge­ber insoweit davon aus­ge­hen, dass die entsprechen­den Anforderun­gen der Verord­nung erfüllt sind.“ Diese Sätze ste­hen in der Präam­bel jed­er Tech­nis­chen Regel und beschreiben die soge­nan­nte Ver­mu­tungswirkung. An eine Tech­nis­che Regel wer­den somit hohe Anforderun­gen gestellt.

Hoch sind daher auch die Erwartun­gen an sie: Eine Tech­nis­che Regel soll die Schutzziele und Anforderung der Gef­Stof­fV wiedergeben und diese the­men­be­zo­gen aus­führen, ohne selb­st grund­sät­zlich neue Pflicht­en zu definieren. Sie muss fach­lich und juris­tisch richtig sein. Sie soll ambi­tion­iert einen möglichst hohen Schutz der Beschäftigten erre­ichen, für den Vol­lzug durch­führbar wer­den und gle­ichzeit­ig für die Betriebe real­is­tisch, prak­tik­a­bel und bezahlbar bleiben. Darüber hin­aus soll sie kurz, ver­ständlich und flex­i­bel für den Anwen­der sein aber gle­ichzeit­ig voll­ständig und unmissver­ständlich. Mit dieser schw­er zu lösenden Auf­gabe hat­te sich der Arbeit­skreis zur Über­ar­beitung der TRGS 500 bis zulet­zt zu beschäfti­gen, um am Ende eine kon­sens­fähige Tech­nis­che Regel zu erhal­ten.

Der Weg zur neuen TRGS 500

Die TRGS 500 ist eine soge­nan­nte Grund­la­gen-TRGS. Sie stellt mit ihren Aus­führun­gen zu den all­ge­meinen Grundzü­gen und den Anforderun­gen an Schutz­maß­nah­men die Basis für andere TRGSn dar. Seit der let­zten Über­ar­beitung der TRGS 500 im Jahr 2008 wurde die Gef­Stof­fV über­ar­beit­et. REACH und die CLP-Verord­nung sind in vollem Umfang gültig. Es sind zu eini­gen speziellen Fragestel­lun­gen neue TRGSn ent­standen, wie zum Beispiel die TRGS 910 „Risikobasiertes Maß­nah­menkonzept für Tätigkeit­en mit kreb­serzeu­gen­den Gefahrstof­fen“, die TRGS 504 „Tätigkeit­en mit Expo­si­tion gegenüber A- und E‑Staub“ oder die TRGS 561 „Tätigkeit­en mit kreb­serzeu­gen­den Met­allen und ihren Verbindun­gen“. Andere vorhan­dene TRGSn wur­den über­ar­beit­et und aktu­al­isiert. Dadurch wer­den dort Schutz­maß­nah­men beschrieben, die in der ursprünglichen TRGS 500 noch nicht enthal­ten sein kon­nten.

Für jede Tech­nis­che Regel wird im Vor­feld eine Pro­jek­t­skizze erstellt. Dem­nach sollte die neue TRGS 500 Kohärenz mit der aktuellen Gef­Stof­fV her­stellen. Sie musste dazu die in der Gef­Stof­fV beschriebe­nen Grundpflicht­en sowie die all­ge­meinen und zusät­zlichen Schutz­maß­nah­men aus­führen. Zudem sollte sie die all­ge­me­ingülti­gen Maß­nah­men ander­er Tech­nis­ch­er Regeln auf­greifen, die dort zwis­chen­zeitlich einge­führt wur­den, und diese gewis­ser­maßen aus den speziellen TRGSn her­ausziehen. Auch beson­dere The­men soll­ten eingear­beit­et und dabei auf Schnittstellen zu anderen TRGSn hingewiesen wer­den.

Was ist geblieben, was weggefallen, was wurde nicht behandelt?

Um es vor­weg zu nehmen: Anforderun­gen, die sich aus der Gef­Stof­fV oder anderen TRGSn ergeben, haben sich mit der neuen TRGS 500 (www.baua.de/DE/Angebote/Rechtstexte-und-Technische-Regeln/Regelwerk/TRGS/TRGS.html) nicht verän­dert.

Auf­grund der in der Pro­jek­t­skizze beschriebe­nen Auf­gaben­stel­lung greift die TRGS 500 an eini­gen Stellen, ins­beson­dere bei speziellen The­men, lediglich einzelne, zen­trale Ker­naus­sagen auf und ver­weist anson­sten auf die ein­schlägi­gen anderen TRGSn. Hier kann die TRGS 500 nicht umfassend sein, und der zusät­zliche Blick in spezielle TRGSn bleibt uner­lässlich. Ander­er­seits ließ sich aber auch eine Dopplung von Tex­ten nicht ver­mei­den, um ein möglichst voll­ständi­ges Bild zu zeich­nen.

Aus der alten TRGS erhal­ten geblieben sind die für den Umgang mit Zwis­chen­pro­duk­ten und zur Bew­er­tung und Fest­stel­lung ein­er geschlosse­nen Anlage sehr wichti­gen Anhänge 2 und 3. Obwohl diese bei­den Anhänge nicht für alle Branchen gle­icher­maßen von Bedeu­tung sind, ist der Erhalt ger­ade für die chemis­che Indus­trie sowie deren indus­trielle Down­strea­muser essen­tiell, da dies eine der weni­gen Lit­er­aturstellen ist, in der eine prag­ma­tis­che und sys­tem­a­tis­che Bew­er­tung von Anla­gen beschrieben wird.

Wegge­fall­en ist das im alten Anhang 1 enthal­tene „Muster ein­er Check­liste zu den Grund­sätzen bei Tätigkeit­en mit Gefahrstof­fen“. Die Kom­plex­ität der Anforderun­gen hat in den let­zten Jahren in einem Maße zugenom­men, dass selb­st eine über­ar­beit­ete kurze Check­liste schlichtweg unvoll­ständig gewor­den und eine voll­ständi­ge Darstel­lung nicht mehr als Check­liste prak­tik­a­bel hand­hab­bar gewe­sen wäre.

Aus der TRGS 500 her­ausgenom­men wurde zudem der alte Anhang 4 „Tech­nis­che und organ­isatorische Maß­nah­men beim Umfüllen von Natri­umhypochlo­rid“. Die Inhalte wer­den jedoch nicht ver­loren gehen, son­dern in die TRGS 509 „Lagern von flüs­si­gen und fes­ten Gefahrstof­fen in orts­festen Behäl­tern sowie Füll- und Entleer­stellen für orts­be­wegliche Behäl­ter“ über­nom­men.

Schutz­maß­nah­men zu fol­gen­den Fragestel­lun­gen wur­den, obwohl ursprünglich in der Pro­jek­t­skizze vorge­se­hen, nicht konkretisiert, um den laufend­en Diskus­sio­nen zu einzel­nen The­men und der Nov­el­le der Gef­Stof­fV nicht vorzu­greifen. Hier ver­weist die TRGS 500 weit­ge­hend auf die bekan­nten the­men­be­zo­ge­nen TRGSn:

  • Bei den kreb­serzeu­gen­den Gefahrstof­fen stellen die Absenkung der Akzep­tanzkonzen­tra­tion, die Bedeu­tung und Umset­zung der europäis­chen BOELVs1 sowie die Ein­bindung des risikobasierten Maß­nah­menkonzepts in die Gef­Stof­fV wichtige Diskus­sion­ss­chw­er­punk­te dar.
  • Bei der Frage zum Umgang mit Asbest ist der „Asbest­di­a­log“ noch nicht abgeschlossen und der Umfang und die Umset­zung von Schutz- und Qual­i­fizierungs­maß­nah­men beson­ders für Tätigkeit­en mit asbesthalti­gen Putzen, Spachtel­massen und Fliesen­kle­bern (PSF-Arbeit­en) sind noch in vollem Gange.

Was ist neu?

Viel disku­tiert wurde und wird über Tätigkeit­en mit geringer Gefährdung. Was darunter zu ver­ste­hen ist, wird in der TRGS 400 „Gefährdungs­beurteilung für Tätigkeit­en mit Gefahrstof­fen“ beschrieben. Oft­mals geht diese Diskus­sion ein­her mit der irri­gen Auf­fas­sung, man müsse dann keine Schutz­maß­nah­men tre­f­fen. In Kapi­tel 4 der neuen TRGS 500 wird hier­auf einge­gan­gen. Die wichtig­ste Maß­nahme bei Tätigkeit­en mit nur geringer Gefährdung ist, Vorkehrun­gen zu tre­f­fen, die sich­er­stellen, dass die Gefährdung ger­ing bleibt und Verän­derun­gen, die zu ein­er Erhöhung der Gefährdung führen kön­nen, erkan­nt und bew­ertet wer­den.

Die STOP-Rang­folge ist inhaltlich nicht neu und schon lange selb­stver­ständliche Grundpflicht im gesamten Arbeitss­chutzregel­w­erk, nicht nur beim Umgang mit Gefahrstof­fen. In Geset­zes­tex­ten und im tech­nis­chen Regel­w­erk wer­den Schutz­maß­nah­men nach dieser Rang­folge an vie­len Stellen beschrieben. Eine all­ge­meine Beschrei­bung der Inten­sion und Umset­zung der STOP-Rang­folge fehlte jedoch bis­lang in ein­er TRGS. Dies wurde nun nachge­holt. In Kapi­tel 5 der TRGS 500 wer­den Schutz­maß­nah­men nach der STOP-Rang­folge beschrieben.

Zu beto­nen ist in diesem Zusam­men­hang, dass oft­mals keine Schutz­maß­nahme alleine das All­heilmit­tel darstellt, son­dern eine Abwä­gung viel­er Fak­toren zu ein­er Kom­bi­na­tion von Schutz­maß­nah­men führt, die geeignet und aus­re­ichend ist, die Beschäftigten und die Umwelt vor Schädi­gun­gen zu schützen.

Nach der Darstel­lung von Schutz­maß­nah­men nach der STOP-Rang­folge wer­den in den Kapiteln 6 bis 11 die Schutz­maß­nah­men nach der Gef­Stof­fV-üblichen Gliederung „all­ge­mein“, „zusät­zlich“ und „beson­ders“ dargestellt. Dadurch kommt es an eini­gen Stellen zu Mehrfach­nen­nun­gen von Maß­nah­men, die aber zugun­sten ein­er besseren Les­barkeit der TRGS 500 bewusst in Kauf genom­men wur­den. Bei ver­schiede­nen The­men, zum Beispiel zu den Anforderun­gen des Lagerns von Gefahrstof­fen, greift die TRGS 500 lediglich wenige Aspek­te auf und ver­weist anson­sten auf die speziellen TRGSn, deren Anforderun­gen unbe­d­ingt mit zu beacht­en sind.

Die Schutz­maß­nah­men, die in den Kapiteln 6 „all­ge­meine Schutz­maß­nah­men“ und 7 „zusät­zliche Schutz­maß­nah­men“ beschrieben wer­den, haben den bekan­nten Umfang und beschreiben keine grund­sät­zlich neuen Anforderun­gen. In Kapi­tel 8 „beson­dere Schutz­maß­nah­men“ wer­den wichtige Maß­nah­men genan­nt, die über die all­ge­meinen und zusät­zlichen Schutz­maß­nah­men hin­aus­ge­hen. Ger­ade an dieser Stelle ist der Blick in weit­er­führende TRGSn uner­lässlich. Her­aus­ge­grif­f­en wur­den ins­beson­dere:

  • Tätigkeit­en mit Stof­fen und Gemis­chen mit KMR2-Eigen­schaften inklu­sive Asbest
  • physikalisch-chemis­che Gefährdun­gen, ins­beson­dere Brand- und Explo­sion­ss­chutz
  • Gefährdun­gen durch spezielle Stoffe oder Bedin­gun­gen wie zum Beispiel erstick­ende oder narko­tisierende Gase.

Da die bei stauben­den Tätigkeit­en zu tre­f­fend­en Schutz­maß­nah­men von grundle­gen­der Bedeu­tung und Basis für viele andere Schutz­maß­nah­men sind, wur­den diese aus der TRGS 504 „Tätigkeit­en mit Expo­si­tion gegenüber A- und E‑Staub“ nach redak­tioneller Anpas­sung unverän­dert in Kapi­tel 9 der TRGS 500 über­nom­men.

Mit der Veröf­fentlichung der neuen TRGS 500 wurde gle­ichzeit­ig die TRGS 504 außer Kraft geset­zt. Dies geschah auch vor dem Hin­ter­grund, dass Ende 2018 die Über­gangs­frist im Rah­men der Absenkung des A‑S­taub-Gren­zw­ertes aus­ge­laufen ist.

Kapi­tel 10 „Maß­nah­men bei Betrieb­sstörun­gen, Unfällen und Not­fällen“ sowie Kapi­tel 11 „Wirk­samkeit­skon­trolle“ enthal­ten die bere­its bekan­nten Maß­nah­men. Das Lit­er­aturverze­ich­nis zur TRGS 500 ist erwartungs­gemäß sehr umfan­gre­ich aus­ge­fall­en, um die vie­len Querver­weise und Ver­net­zun­gen zu anderen TRGSn darzustellen.

Fazit

Seit der let­zten Über­ar­beitung der TRGS 500 im Jahr 2008 sind wichtige Tech­nis­che Regeln für Gefahrstoffe, wie zum Beispiel die TRGSn 504, 561 und 910 ent­standen, mit der Notwendigkeit, dort Schutz­maß­nah­men zu beschreiben, die in der ursprünglichen TRGS 500 noch nicht enthal­ten sein kon­nten. Die Grund­la­gen-TRGS 500 nach so vie­len Jahren zu über­ar­beit­en und zu aktu­al­isieren, war daher eine Notwendigkeit. Dazu wur­den die in einzel­nen TRGSn beschriebe­nen all­ge­me­ingülti­gen Schutz­maß­nah­men mit den in der Gef­Stof­fV beschriebe­nen Anforderun­gen zusam­menge­führt und zu einem wirk­samen und prak­tik­ablen Maß­nah­men­paket kon­so­li­diert.

Ent­standen ist eine über­ar­beit­ete TRGS 500, deren Inhalte nicht grund­sät­zlich neu sind, die aber grundle­gende Maß­nah­men zum sicheren Umgang mit Gefahrstof­fen zusam­men­stellt. Damit gren­zt sich die Grund­la­gen-TRGS von den eben­falls zu beach­t­en­den speziellen TRGSn ab.

Es bietet sich nun die Möglichkeit, neue TRGSn schlanker zu hal­ten und auf die wirk­lich speziellen, the­men­be­zo­ge­nen Maß­nah­men zu konzen­tri­eren. Dies kön­nte eine all­ge­meine Erwartung an neue TRGSn sein.

1 BOELV: Bind­ing Occu­pa­tion­al Expo­sure Lim­it Val­ue

2 KMR: Abkürzung für Kreb­serzeu­gend, Muta­gen und Repro­duk­tion­stox­isch (englisch: CMR)


Foto: pri­vat

Autor: Dr. Andreas Königer

Experte für Gefahrstoff­schutz; Mit­glied im AK TRGS 500

andreas.koeniger@t‑online.de

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