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Pandemie, Extremwetterereignisse und dann ein Blackout

Meinung: Pandemie, Extremwetterereignisse und dann ein Blackout?
Krisenvorsorge oder Ignoranz?

Foto: © Luftbildfotograf - stock.adobe.com
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Die fol­gen­schw­eren Extremwet­ter­ereignisse machen fas­sungs­los. Nicht nur wegen der vie­len Toten und der unfass­baren Schä­den, son­dern auch, weil ignori­erte War­nun­gen dazu beige­tra­gen haben. Wie lange wollen wir diesen unheil­vollen Weg noch aufrechterhalten?

Wie bere­its bei der Pan­demie gab es seit vie­len Jahren konkrete Aufar­beitun­gen zum Gefahren­poten­zial durch Extremwet­ter­ereignisse. Das deutsche Bun­de­samt für Bevölkerungss­chutz und Katas­tro­phen­hil­fe (BBK) warnte ein­dringlich vor den Fol­gen. Entsprechende Vor­sorge­maß­nah­men wur­den eingemah­nt. Doch wie so oft blieben die Mah­n­er unge­hört. Die Warn­sys­teme funk­tion­ierten nicht bzw. unzureichend.

Denn es reicht bei Weit­em nicht, nur eine Warn­mel­dung abzuset­zen. Es muss auch sichergestellt wer­den, dass die Infor­ma­tion bei den Empfängern auch ankommt und vor allem das richtige und notwendi­ge Ver­hal­ten aus­löst. Was offen­sichtlich nicht funk­tion­iert hat, weil das auch nicht vor­bere­it­et war und geübt wurde. Auch die Zeit von den ersten konkreten Warn­hin­weisen bis zum Ein­tritt des Ereigniss­es wurde nicht genutzt, um zumin­d­est ein­fache Maß­nah­men zu tre­f­fen. Wie kann es son­st sein, dass eine Unzahl von Fahrzeu­gen mit­ten auf der Auto­bahn absaufen? Oder dass viele Men­schen im Schlaf über­rascht wur­den, obwohl es bere­its seit Tagen sehr konkrete War­nun­gen auf europäis­ch­er Ebene gab? Hier ist ein Ver­sagen auf vie­len Ebe­nen zu erken­nen. Vor allem das fehlende ver­net­zte Denken und Han­deln. Nie­mand fühlte sich offen­sichtlich für die Gesamtkette verantwortlich.

Vorbereitung verbessern

Die Poli­tik und Ver­wal­tung reden sich nun darauf aus, dass die tech­nis­chen Sys­teme ohne­hin funk­tion­iert hät­ten oder man nur für einen Teil­bere­ich zuständig wäre und man nichts dafür könne, dass das let­zte Glied nicht funk­tion­iert hat. Nach dem Mot­to „Hal­tet den Dieb“ und den Ver­weis auf den Kli­mawan­del wird ver­sucht, von den eige­nen Ver­säum­nis­sen abzu­lenken. Das soll­ten wir nicht durchge­hen lassen.

Eine Katas­tro­phe entste­ht erst dann, wenn Natur­ereignisse auf eine unvor­bere­it­ete Gesellschaft tre­f­fen. Und dass das nicht nur bei Extremwet­ter­ereignis­sen der Fall ist, sollte mit­tler­weile bekan­nt sein. Auch die Pan­demie ist nicht völ­lig über­raschend gekom­men. Auch das näch­ste mögliche Szenario wird hart­näck­ig ignori­ert oder durch aktion­is­tis­che Maß­nah­men abge­tan: ein europaweit­er Strom‑, Infra­struk­tur- sowie Ver­sorgungsaus­fall („Black­out“)[1]. Es war wohl einiges an Glück dabei, dass die zahlre­ichen Kraftwerk­saus­fälle im Katas­tro­phenge­bi­et nicht eine schlim­mere Ket­ten­reak­tion aus­gelöst haben. Doch wer garantiert uns, dass das beim näch­sten Ereig­nis auch wieder gut gehen wird?

Auch hier gibt es seit Jahren sehr konkrete War­nun­gen, wie etwa vom Öster­re­ichis­chen Bun­desheer, das bere­its Anfang 2020 vor einem Black­out bin­nen der näch­sten 5 Jahre gewarnt und dies auch 2021 bekräftigt hat.[2] Nun wer­den 12 „Sicher­heitsin­seln“ vor­bere­it­et. Doch weiß der Rest der Gesellschaft, was zu tun ist, wenn nichts mehr geht und auch keine Alarmierung mehr funk­tion­iert? In so gut wie allen Fällen nicht. Dann wer­den aber auch keine Helfer von woan­ders kom­men, wenn alle selb­st betrof­fen sind. Und die Ver­sorgungs­ket­ten wer­den nicht nach ein paar Tagen wieder funk­tion­ieren. Es wird Wochen und Monate dauern, diese wieder­herzustellen, wenn das über­haupt aus­re­ichen wird.

„Jet­zt haben wir ger­ade andere Sor­gen“, wie immer wieder zu hören ist. So wie jedes Mal nach und vor der näch­sten Katas­tro­phe. Nur nach einem Black­out wer­den betrof­fene Gesichter nicht mehr aus­re­ichen. Denn wenn der Magen knur­rt und nie­mand helfen kann, wird die Moral ziem­lich schnell beiseitegelegt.

Wie lange wollen wir noch zuschauen und die Ver­ant­wor­tung im Kreis schieben? Wobei die Ver­ant­wor­tung bei jedem und jed­er Einzel­nen von uns begin­nt, in dem wir dafür sor­gen, dass wir uns zumin­d­est 14 Tage mit dem Notwendig­sten selb­st ver­sor­gen kön­nen. Und dann geht es darum, jene Erwartun­gen, die wir an andere haben, kri­tisch zu hin­ter­fra­gen. Denn wie eine kür­zlich durchge­führte Unter­suchung wieder gezeigt hat[3], erwartet ein Großteil der Bevölkerung, dass sie der Staat im Krisen­fall ver­sor­gen wird. Wie und wom­it will man lieber nicht wis­sen. Der Staat bzw. dessen Organe wiederum ver­ab­säu­men seit Jahren, diese falschen Erwartun­gen abzustellen und klarzu­machen, was er leis­ten kann und was nicht. Aber so lange nichts passiert, gaukeln wir uns lieber etwas vor.

Zu hof­fen, dass es schon nicht passieren wird, ist in Ord­nung. Aber wenn das das Einzige ist, was man als Vor­sorge betreibt, dann wird es zu einem ziem­lich bru­tal­en Aufwachen kom­men. Wollen wir das wirk­lich? Oder begin­nen wir mit dem Ler­nen und Anpassen, damit wir zukün­ftige Krisen und Katas­tro­phen bess­er bewälti­gen können?

Autor

Her­bert Saurugg ist inter­na­tionaler Black­out- und Krisen­vor­sorge­ex­perte und Präsi­dent der Öster­re­ichis­chen Gesellschaft für Krisen­vor­sorge (GfKV). Er beschäftigt sich seit 10 Jahren als ehe­ma­liger Beruf­sof­fizier mit der steigen­den Kom­plex­ität und Fragilität lebenswichtiger Infra­struk­turen und betreibt dazu einen umfan­gre­ichen Fach­blog (www.saurugg.net).

[1]       https://www.energate-messenger.de/news/213820/hochwasserschaeden-an-netzen-kraftwerken-und-im-tagebau

[2]       https://www.saurugg.net/2020/blog/krisenvorsorge/blackout-gefahr-sehr-real-bundesheer-ruft-zur-vorsorge-auf

[3]       https://viecer.univie.ac.at/corona-blog/corona-blog-beitraege/blog114/ — Krisen­vor­sorge: Die öster­re­ichis­che Bevölkerung set­zt auf den Staat, weniger auf Eigenvorsorge

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