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Hand-Arm-Belastung bei Computerarbeit

Hand-Arm-Belastung bei Computerarbeit
Auf die Haltung kommt es an

Hand-Arm-Belastung
Die Maus sollte nicht zu groß und möglichst flach sein. Foto: © chagin - stock.adobe.com
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Tätigkeit­en am Com­put­er bes­tim­men unser Arbeit­sleben und helfen uns, unsere Auf­gaben effek­tiv und effizient zu erledi­gen. Damit die Arbeit am PC-Arbeit­splatz nicht zu kör­per­lichen Verspan­nun­gen und Fehlbe­las­tun­gen im Hand-Arm-Bere­ich (Hand-Arm-Belas­tung) führt, gibt es ein­fache Maß­nah­men, die hier kurz erläutert werden.

Der klas­sis­che PC-Arbeit­splatz oder auch Bild­schir­mar­beit­splatz beste­ht meist aus einem Rech­n­er ein­schließlich Soft­ware, Bild­schirm (Mon­i­tor), Tas­tatur und Com­put­er-Maus, Arbeit­stisch und Arbeitsstuhl. Bleibt der Kör­p­er unun­ter­brochen sta­tisch, kann es zu Zwang­shal­tun­gen kom­men, die möglicher­weise ergonomisch ungün­stig sind. Zusät­zliche gle­ich­för­mige, wiederkehrende Bewe­gun­gen kön­nen zu ein­seit­iger kör­per­lich­er Fehlbe­las­tung führen. Generell belas­ten extreme Gelenkwinkel ins­beson­dere im Handge­lenk und Fin­ger­bere­ich, lange sta­tis­che Kör­per­hal­tun­gen und Armhal­tear­beit­en die Kör­p­er der Beschäftigten.

Grundeinstellungen, die den Körper entlasten

Eine sta­tis­che Kör­per­hal­tung ver­mei­den lässt sich mit einem höhen­ver­stell­baren Tisch. An ihm kann der Benutzer wahlweise sitzend und ste­hend arbeit­en, was zu ein­er pos­i­tiv­en Sitz-Steh-Dynamik führt. Arbeit­stisch und Arbeitsstuhl soll­ten auf die indi­vidu­ellen Kör­per­maße eingestellt wer­den kön­nen. Die Tis­chfläche sollte hin­re­ichend Platz für eine indi­vidu­elle beziehungsweise flex­i­ble Anord­nung von Maus und Tas­tatur sowie zur Hand-Arm-Auflage bieten.

Zur ergonomis­chen Höhene­in­stel­lung von Arbeits­flächen wird ein Winkel von 90 Grad oder mehr für die Arm-Hal­tung (Ellen­bo­gen) emp­fohlen (siehe DGUV Infor­ma­tion 215–410). Höhen­ver­stell­bare Armau­fla­gen am Büros­tuhl bieten zusät­zliche Ent­las­tung des Schulter-Armbereiches.

Hand-Arm-Belastung: Tastatur und Maus

Damit der oder die Beschäftigte bei der Arbeit am Com­put­er eine ergonomisch gün­stige Kör­per­hal­tung ein­nehmen kann, fordert die Arbeitsstät­ten­verord­nung eine Tren­nung zwis­chen Tas­tatur und Mon­i­tor (Bild­schirm) für feste Bild­schir­mar­beit­splätze wie zum Beispiel im Büro. Damit zur Tex­teingabe geringe Winkel im Handge­lenk ein­genom­men wer­den, soll der Nei­gungswinkel der Tas­tatur max­i­mal 15 Grad betra­gen. Entsprechend wirken sich flache Mäuse, die gut auf die Hand­größe und ‑form angepasst sind und eine Bedi­enung mit ein­er gerin­gen Hand­drehung von cir­ca 30 Grad von der Ver­tikalen zur Hand­fläche zulassen, pos­i­tiv auf eine entspan­nte Hal­tung des Unter­arms und der Hand aus. Bei der Wahl zwis­chen Voll- und Kom­pak­t­tas­taturen ist entschei­dend, wie viel der numerische Bere­ich der Voll­tas­tatur während der Arbeit am Com­put­er genutzt wird und inwieweit die Bedi­enung der Maus im Vorder­grund ste­ht. Fehlt der numerische Bere­ich bei der Tas­tatur, wird diese schmaler und der Beschäftigte kann eine entspan­ntere Kör­per­hal­tung ohne Arm­drehung zur Bedi­enung der Maus mit der recht­en Hand einnehmen.

Ergonomische Mäuse

Für Beschäftigte mit akuten oder chro­nis­chen Erkrankun­gen, die nicht mit der Stan­dard­maus zurechtkom­men, kön­nen spezielle ergonomis­che Com­put­er­mäuse wie Ver­tikalmäuse gegebe­nen­falls hil­fre­ich sein. Bevor anstelle der Stan­dard­maus eine solche Spezial­maus im Einzelfall einge­set­zt wird, sollte vom Beschäftigten geprüft wer­den, inwieweit diese bei ihm zu ein­er entspan­nteren Armhal­tung führt und ob er mit deren Bedi­enung gut zurechtkommt. In ein­er Studie fühlten sich Ver­suchsper­so­n­en bei der Ver­wen­dung ergonomisch (angeschrägter) Com­put­er­mäuse im Ver­gle­ich zu Stan­dard­mäusen kör­per­lich unwohl1.

Alternative Eingaben

Track­balls anstelle von Mäusen kön­nen eine Ent­las­tung des Handge­lenkes bewirken, aber erfordern mehr Bewe­gung mit den Fingern2. Auch hier gilt wie für die Ver­tikalmaus, dass der Beschäftigte im Einzelfall prüfen sollte, ob ein Track­ball ihm die gewün­schte Ent­las­tung bringt (siehe auch BGIA-Report 3/2008).

Spracheingaben über Head­set mit langem Kabel oder kabel­los führen zu mehr Bewe­gungs­frei­heit bei der Eingabe. Ob diese alter­na­tive Eingabe in Frage kommt, hängt stark von der Qual­ität der Spracherken­nung und dem Umfeld ab. Spracheingaben kön­nen Kol­le­gen im Raum stören. Eine laute Umge­bung kann gegebe­nen­falls die Spracherken­nung beein­trächti­gen. Stu­di­en jedoch zeigten, dass für bes­timmte Tätigkeit­en, wie zum Beispiel Noti­zen machen, beson­ders Beschäftigte mit kör­per­lichen Beschw­er­den Spracheingaben befürworteten3.

Wird zusät­zlich zu Tas­tatur und Maus für die Eingabe ein Touch­screen zur Ver­fü­gung gestellt, dann sollte dieser nur für kurze Eingaben wie Wisch-Bewe­gun­gen oder das Anklick­en von Feldern auf dem Bild­schirm dienen, weil meist während der Eingabe eine ergonomisch ungün­stige Hal­tung vom Beschäftigten ein­genom­men wird. Eine Unter­suchung zeigte zudem, dass fest instal­lierte Touch­screens wie der PC-Bild­schirm zu sig­nifikant stärk­erem Unwohl­sein im Nack­en- und Schul­ter­bere­ich sowie in den Fin­gern führen kann4.

Einfluss der Software auf die Hand-Arm-Belastung 

Das häu­fige Anklick­en von Feldern und Scrollen über die Maus kann zu ein­er sich stark wieder­holen­den Bewe­gung unter ein­seit­iger kör­per­lich­er Belas­tung im Hand-Arm-Bere­ich und der Fin­ger führen. Viele Soft­ware-Pro­gramme ermöglichen dem Benutzer, solche Bedi­en­schritte alter­na­tiv dazu über die Tas­tatur auszuführen.

Bewegung tut gut

Ergonomisch gün­stige Kör­per­hal­tun­gen und Hal­tungswech­sel ent­las­ten generell den Kör­p­er. Deshalb kön­nen Beschäftigte selb­st zu ihrer Entspan­nung beitra­gen, indem sie eine gün­stige Kör­per­hal­tung ein­nehmen und sich bewe­gen. Das heißt, aufrecht hin­set­zen, Hal­tung vor dem Com­put­er wech­seln, Armwech­sel zur Maus­be­di­enung von rechts nach links, vom Arbeit­splatz auf­ste­hen und zum Druck­er laufen, im Ste­hen tele­fonieren, bewegte Pausen ein­le­gen – um nur einige Beispiele zu nen­nen. Die geset­zlichen Unfal­lver­sicherungsträger bieten auf ihrer Inter­net­seite www.dguv.de unter dem Stich­wort „Denk an mich – Dein Rück­en“ einige Anre­gun­gen für eine bewegte Pause an.

1, 2, 3, 4 Höhn et al. 2016


Foto: privat

Autorin: Dipl.-Ing. Bet­ti­na Lafrenz

Mitar­bei­t­erin in der Gruppe „Human Fac­tors, Ergonomie“ der Bun­de­sanstalt für Arbeitss­chutz und Arbeitsmedi­zin (BAuA)


Weitere Informationen

  • Anforderun­gen und Maß­nah­men zum Bild­schir­mar­beit­splatz befind­en sich in Anhang Nr. 6 der Arbeitsstättenverordnung
  • DGUV Infor­ma­tion 215–410 Bild­schirm- und Büroarbeitsplätze
  • DGUV Infor­ma­tion 215–450 Softwareergonomie
  • BGIA-Report 3/2008 Ergonomis­che Anforderun­gen an Eingabe­mit­tel für Geräte der Informationstechnik
  • DIN EN ISO 924–410 Ergonomie der Men­sch-Sys­tem-Inter­ak­tion − Teil 410: Gestal­tungskri­te­rien für physikalis­che Eingabegeräte
  • K. Höhn, A. Jan­dová, S. Par­itschkow, M. Schmaud­er: Psy­chis­che Gesund­heit in der Arbeitswelt – Men­sch-Rech­n­er-Inter­ak­tion. Dort­mund: Bun­de­sanstalt für Arbeitss­chutz und Arbeitsmedi­zin 2016

Tipps zur Entlastung

Arbeit­splatz:

  • Tis­chhöhe der Kör­per­größe anpassen
  • Aus­re­ichend Arbeits­fläche für Han­dau­fla­gen und aus­re­ichend Bewe­gungs­fläche zur Maus­be­di­enung zu Ver­fü­gung stellen
  • Bewe­gungs­fläche am Arbeit­splatz für Haltungswechsel

Eingabe­mit­tel:

  • flache Tas­taturen und Mäuse einsetzen
  • Kom­pak­t­tas­taturen bei starkem Ein­satz von Maus­be­di­enung und gerin­gen numerischen Eingaben über Tas­tatur bevorzugen
  • alter­na­tive Eingabe­mit­tel in Einzelfällen: Ent­las­tung und auf­gabenadäquat­en Ein­satz prüfen

Soft­ware:

  • Eingabe über Tas­tatur anstelle der Maus zulassen

Hal­tung und Bewegung:

  • Hal­tungswech­sel einnehmen
  • abwech­sel­nd im Sitzen und Ste­hen arbeiten
  • Arbeit unter­brechen, auf­ste­hen und gehen
  • bewegte Pausen machen
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