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Arbeits­sucht als Karrie­restop­per

Wenn man den Überblick verliert
Arbeits­sucht als Karrie­restop­per

Wenn die Zeit zum Abschalten und Entspannen fehlt, kommt irgendwann das Leistungstief. Foto: © Lorelyn Medina - Fotolia.com
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Arbeit hat für die meis­ten Menschen einen hohen Stel­len­wert. Für manche so hoch, dass sie sich regel­recht darin „verbei­ßen“. Und das tut weder ihnen gut, noch macht es die Arbeits­er­geb­nisse unbe­dingt besser – eher im Gegen­teil.

Dr. Stefan Poppel­reu­ter

Wenn Sie auf einer Party jeman­den kennen­ler­nen, fragen Sie fast immer zuerst nach seinem Namen und viel­leicht in welcher Bezie­hung der Gela­dene zum Gast­ge­ber steht. Doch im Verlauf eines anre­gen­den Gesprächs erkun­di­gen Sie sich schon bald auch nach seinem Beruf. Denn das, was wir tun, unsere Arbeit, trägt maßgeb­lich zu unse­rer Iden­ti­tät bei.
 
Der Job vermit­telt uns Erfolgs­er­leb­nisse und stärkt das Selbst­wert­ge­fühl. Dort zeigen wir unser Können und verdie­nen das Geld, das wir zum Leben brau­chen. Aller­dings birgt die Arbeit nicht nur zahl­rei­che Tugen­den: Wer sein Leben eindi­men­sio­nal darauf hin ausrich­tet, läuft nämlich Gefahr, Gefan­ge­ner seines Tuns und damit zum Work­aho­lic, zum Arbeits­süch­ti­gen zu werden.

Kontroll­ver­lust

Die Grenze zwischen Arbeits­sucht und nicht­süch­ti­gem Arbeits­ver­hal­ten läuft genau dort, wo der Betrof­fene die Kontrolle über sein Arbeits­ver­hal­ten verliert. Die Sucht misst sich also nicht daran, was und wie viel jemand arbei­tet, sondern daran, was er nicht mehr tut. Selbst in seiner Frei­zeit krei­sen beim stark Gefähr­de­ten die Gedan­ken unab­läs­sig um den Job. Sein Lebens­stil wird hekti­scher und er beginnt zwischen­mensch­li­che Bezie­hun­gen zu vernach­läs­si­gen. Hält der Work­aho­lic spätes­tens an diesem Punkt nicht inne, kann sein miss­bräuch­li­cher Umgang mit der Arbeit zur Sucht werden und es stel­len sich körper­li­che und psychi­sche Beschwer­den ein.
 
Dann schuf­tet er auch zu Zeiten, die eigent­lich der Entspan­nung und dem Abschal­ten dienen soll­ten, nämlich abends und an den Wochen­en­den. Im Urlaubs­ge­päck eines Betrof­fe­nen findet sich Fach­li­te­ra­tur. Manch­mal liest er sie sogar heim­lich, weil ihn Schuld­ge­fühle beschlei­chen. Dem Süch­ti­gen wird es leicht gemacht, sein Problem zu verharm­lo­sen, denn in unse­rer Gesell­schaft sind Arbeits­tiere sehr ange­se­hen.
 
Wie hoch die Zahl der Erkrank­ten in Deutsch­land ist, weiß niemand genau. Weil es noch keine verbind­li­che Defi­ni­tion der Arbeits­sucht gibt, gibt es bislang nur Schätz­werte. Aufgrund empi­ri­scher Studien kann man von etwa 300.000 bis 400.000 Menschen ausge­hen, die das Voll­bild der Erkran­kung entwi­ckelt haben und physi­sche wie psychi­sche Beein­träch­ti­gun­gen erlei­den.

Private Bezie­hun­gen zerbre­chen

Weil dieses Verhal­ten das Mitein­an­der in Part­ner­schaft, Fami­lie und auch Beruf zuse­hends belas­tet, zerbre­chen wich­tige private Bezie­hun­gen, Ehen und Freund­schaf­ten an dieser Störung. Dem anfäng­li­chen Höhen­flug im Job folgt oft das Leis­tungs­tief, da klares und stra­te­gi­sches Denken immer stär­ker verlo­ren geht. Die Arbeits­er­geb­nisse stehen in keinem Verhält­nis mehr zum Aufwand.
 
Meist machen Freunde und Part­ner den Betrof­fe­nen auf das krank­hafte Verhal­ten zum Job aufmerk­sam. Norma­ler­weise blockt der Arbeits­süch­tige Vermu­tun­gen in diese Rich­tung jedoch ab und leug­net die Störung.
 
Doch jeder kann mit klei­nen Expe­ri­men­ten selbst testen, ob er bereits süch­tig ist: Gönnen Sie sich einmal eine Mittags­pause von zwei Stun­den, ohne Akten, Handy oder Laptop. Genie­ßen Sie das Essen und einen anschlie­ßen­den Spazier­gang. Fällt Ihnen das schwer?
 
Oder nehmen Sie sich am Wochen­ende einen ganzen Tag frei für die Fami­lie. Spie­len Sie mit Ihren Kindern, ohne sie schon bald nach den Schul­leis­tun­gen zu fragen. Schie­ben sich bei den gemein­sa­men Akti­vi­tä­ten bereits nach kurzer Zeit erste Gedan­ken an die Arbeit dazwi­schen? Dann soll­ten Sie drin­gend etwas an Ihrem Lebens­stil ändern. (Siehe dazu auch Sicher­heits­be­auf­trag­ter 9/2015, Seite 26, mit einer Check­liste, anhand derer Sie Ihr Verhält­nis zur Arbeit über­prü­fen können).
 
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