Startseite » Fachbeiträge » Archiv SI »

Die Tech­ni­sche Regel für Arbeits­stät­ten „Maßnah­men gegen Brände“ (ASR A2.2)

Brandschutz im Betrieb
Die Tech­ni­sche Regel für Arbeits­stät­ten „Maßnah­men gegen Brände“ (ASR A2.2)

Anzeige
Die ASR A2.2 sieht für alle Arbeits­stät­ten eine Grund­aus­stat­tung mit trag­ba­ren Feuer­lö­schern vor. Und auch für die ASR A2.2. gilt: Auf Basis der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung sind flexi­ble und indi­vi­du­elle Lösun­gen möglich. Doch schon vor der Veröf­fent­li­chung der ASR A2.2 wurde diese zum Teil heftig kriti­siert. Doch warum ist die ASR A2.2 so wie sie ist? Die Autoren geben hier Antwor­ten.



Der Ausschuss für Arbeits­stät­ten (ASTA) berät das Bundes­mi­nis­te­rium für Arbeit und Sozia­les (BMAS) in Fragen des Arbeits­schut­zes beim Einrich­ten und Betrei­ben von Arbeits­stät­ten. Die gesetz­li­che Grund­lage des ASTA ist § 7 der Arbeits­stät­ten­ver­ord­nung (ArbStättV). Seine wich­tigste Aufgabe ist die Konkre­ti­sie­rung der in der ArbStättV gestell­ten Anfor­de­run­gen. Dazu werden die alten Arbeitsstätten-Richtlinien in ein einheit­li­ches, schlan­kes Tech­ni­sches Regel­werk für Arbeits­stät­ten über­führt. Der Ausschuss bildet Arbeits­kreise unter Leitung eines Mitglie­des des ASTA und beauf­tragt sie mit der Erar­bei­tung von Tech­ni­schen Regeln für Arbeits­stät­ten (ASR) entspre­chend den von ihm fest­ge­leg­ten Prio­ri­tä­ten.
Diese ASR sollen ermit­telt werden, soweit in der betrieb­li­chen Praxis ein Konkre­ti­sie­rungs­be­darf hinsicht­lich der Anfor­de­run­gen der ArbStättV besteht. Dabei sind insbe­son­dere die alten Arbeitsstätten-Richtlinien zu prüfen, gege­be­nen­falls zu über­ar­bei­ten und in Arbeits­stät­ten­re­geln zu über­füh­ren. Bei der Ermitt­lung der ASR soll der Ausschuss für Arbeits­stät­ten die allge­mei­nen Grund­sätze des Arbeits­schut­zes nach § 4 des Arbeits­schutz­ge­set­zes berück­sich­ti­gen. Dazu gehö­ren insbe­son­dere der Stand der Tech­nik, Arbeits­me­di­zin und Hygiene sowie sons­tige gesi­cherte arbeits­wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nisse. [1]
Mit Beschluss 4 bei der 5. ASTA Sitzung am 18.01.2007 wurde die Deut­sche gesetz­li­che Unfall­ver­si­che­rung e.V. (DGUV) beauf­tragt, eine Tech­ni­sche Regel für Arbeits­stät­ten (ASR A2.2) zur Konkre­ti­sie­rung des § 4 Abs. 3 (in Bezug auf Feuer­lösch­ein­rich­tun­gen) sowie der Anhänge Nr. 2.2 und Nr. 5.2 Abs. 1 g der ArbStättV zu erar­bei­ten. Diese sollte die bestehende Arbeits­stät­ten­richt­li­nie „Feuer­lösch­ein­rich­tun­gen“ (ASR 13/1,2) vom 5. Juni 1997 und in weite­rer Folge auch die DGUV Regel „Ausstat­tung von Arbeits­stät­ten mit Feuer­lö­schern“ (BGR/GUV‑R 133) ablö­sen.
Mit der Leitung der Arbeits­gruppe wurde die Unfall­kasse Nordrhein-Westfalen beauf­tragt. Als Mitglie­der der Arbeits­gruppe wurden Exper­ten der DGUV, der Unfall­ver­si­che­rungs­trä­ger der öffent­li­chen Hand, der gewerb­li­chen Berufs­ge­nos­sen­schaf­ten, fach­kun­dige Vertre­ter von Arbeitgeber- und Arbeit­neh­mer­seite, je ein Bundes- und Länder­ver­tre­ter sowie die Bundes­an­stalt für Arbeits­schutz und Arbeits­me­di­zin (BAuA) als Inha­be­rin der Geschäfts­stelle des ASTA beru­fen. Auf eine feste Mitwir­kung von weite­ren Inter­es­sens­ver­tre­tern (z.B. Berufs­ver­bände, Herstel­ler von Feuer­lösch­ge­rä­ten etc.) wurde bewusst verzich­tet.
Ausgangs­lage
Bei der Erar­bei­tung der Tech­ni­schen Regeln für Arbeits­stät­ten ASR A 2.2 „Maßnah­men gegen Brände“ wurden von Seiten der Arbeits­gruppe folgende Rand­be­din­gun­gen zugrunde gelegt:
  • Aufgrund der im Vergleich zur frühe­ren ArbStättV deut­lich umfang­rei­che­ren Anfor­de­run­gen zum Schutz vor Entste­hungs­brän­den der neuen ArbStättV soll­ten zusätz­lich zur Konkre­ti­sie­rung der Ausstat­tung von Arbeits­stät­ten mit Feuer­lösch­ein­rich­tun­gen auch Hinweise zu Brand­mel­dern und Alar­mie­rungs­an­la­gen gege­ben werden.
  • Das bishe­rige, bewährte Verfah­ren, nämlich das Ermit­teln der Lösch­mit­tel­ein­hei­ten (LE) in Abhän­gig­keit von der Grund­flä­che für die in allen Arbeits­stät­ten notwen­dige Ausstat­tung mit Feuer­lösch­ein­rich­tun­gen sowie die Auswahl der dann notwen­di­gen Feuer­lösch­ein­rich­tun­gen entspre­chend der LE (in Abhän­gig­keit der Brand­klas­sen), sollte beibe­hal­ten werden. Die dazu notwen­di­gen Tabel­len 2 und 3 finden sich daher unver­än­dert in der ASR A2.2 wieder.
  • Viel­fach wurde von einer über­pro­por­tio­na­len Ausstat­tung von Arbeits­stät­ten mit trag­ba­ren Feuer­lö­schern beim Anwen­den der BGR /GUV‑R 133 bzw. ASR 13/1,2 berich­tet, da z.B. sehr viele Verwal­tungs­be­rei­che als „Büro­be­rei­che mit Akten­la­ge­rung“ in die Stufe „Mitt­lere Brand­ge­fähr­dung“ einge­stuft wurden, welches sie hinsicht­lich der Anzahl der bereit­zu­stel­len­den Feuer­lö­scher auf eine Stufe mit „Verkaufs­räu­men mit brenn­ba­ren Arti­keln“, „Brot­fa­bri­ken“ und „Schlos­se­reien“ stellte.
  • Die bloße Verdopp­lung bzw. Verdrei­fa­chung der erfor­der­li­chen Lösch­mit­tel­ein­hei­ten bei mitt­le­rer bzw. hoher Brand­ge­fähr­dung im Vergleich zur gerin­gen Brand­ge­fähr­dung bietet nicht zwin­gend einen größe­ren Schutz bei Entste­hungs­brän­den, da dies nur Erfolg verspricht, wenn auch Perso­nen vor Ort sind, die diese einset­zen können. Hier sind sicher­lich Maßnah­men zur frühen Brand­ent­de­ckung und gege­be­nen­falls zur auto­ma­ti­schen Brand­be­kämp­fung die bessere Alter­na­tive.
  • Es ist nur in der Anfangs­phase eines Bran­des sicher­ge­stellt, dass sich die Beschäf­tig­ten bei Einsatz eines Feuer­lö­schers keinem eige­nen Risiko ausset­zen. Schon bei gesam­mel­ter Anbrin­gung von mehre­ren Feuer­lö­schern an einer Stelle kann diese Viel­zahl Fehl­ver­hal­ten sugge­rie­ren und zur Gefähr­dung der Beschäf­tig­ten führen, da diese sich beim Einsatz aller Feuer­lö­scher zu lange im Gefah­ren­be­reich aufhal­ten könn­ten.
  • Ein nicht weiter verfolg­ter Entwurf zur Über­ar­bei­tung der ASR 13/1,2 im Jahr 2003 sah als Grund­an­for­de­rung vor, dass von jeder Stelle in Gebäu­den und vergleich­ba­ren Nutzungs­ein­hei­ten, zu denen Beschäf­tigte im Rahmen ihrer Arbeit Zugang haben, ein Feuer­lö­scher spätes­tens in halber zuläs­si­ger Flucht­weg­länge erreicht werden kann, wobei bei zuläs­si­gen Flucht­weg­län­gen über 50 m dieser Wert höchs­tens 25 m betra­gen darf.
  • Ein trag­ba­rer Feuer­lö­scher kann zum Schutz bei Entste­hungs­brän­den nur nütz­lich sein, wenn er auch verwen­det wird. Deshalb sollte die regel­mä­ßige Unter­wei­sung und Übung im Umgang mit Feuer­lösch­ein­rich­tun­gen näher konkre­ti­siert werden.
Umset­zung
Die ASR A2.2 sieht für alle Arbeits­stät­ten eine Grund­aus­stat­tung mit trag­ba­ren Feuer­lö­schern vor. Diese ist für Arbeits­stät­ten mit norma­ler Brand­ge­fähr­dung ausrei­chend. Als Arbeits­stätte mit norma­ler Brand­ge­fähr­dung wurde exem­pla­risch ein Büro­ar­beits­platz mit Akten und den übli­cher­weise anzu­tref­fen­den Elek­tro­ge­rä­ten defi­niert.
Für Arbeits­stät­ten mit erhöh­ter Brand­ge­fähr­dung (für konkrete Beispiele siehe Tabelle 4 der ASR A2.2) sind zusätz­lich zur Grund­aus­stat­tung weitere Maßnah­men zum Schutz bei Entste­hungs­brän­den zu tref­fen. Erhöhte Brand­ge­fähr­dung kann sich z.B. erge­ben aus
  • dem Vorhan­den­sein von Stof­fen mit hoher Entzünd­bar­keit oder brand­för­dern­den Eigen­schaf­ten, z.B. größe­ren Mengen an Verpa­ckungs­ma­te­rial, Wert­stof­fen,
  • örtli­chen und betrieb­li­chen Verhält­nis­sen, die für die Brand­ent­ste­hung güns­tig sind und wo mit einer schnel­len Brand­aus­brei­tung zu rech­nen ist,
  • der Anwen­dung von feuer­ge­fähr­li­chen Arbei­ten bezie­hungs­weise Verfah­ren, z.B. Schwei­ßen, Löten, Brenn­schnei­den, Farb­sprit­zen,
  • dem Vorlie­gen von Gefähr­dun­gen, z.B. durch selbst­ent­zünd­li­che Stoffe, Stoffe der Brand­klas­sen D und F, brenn­bare Stäube, leicht- oder hoch­ent­zünd­li­che Flüs­sig­kei­ten oder brenn­bare Gase.
Nach­fol­gend sind die wesent­li­chen Inhalte bzw. Neue­run­gen der ASR A2.2 darge­stellt:
Brand­er­ken­nung und Alar­mie­rung
Zur Konkre­ti­sie­rung von Ziffer 2.2 Anhang ArbStättV werden erst­mals Hinweise zur Brand­er­ken­nung und Alar­mie­rung gege­ben und beispiel­haft Möglich­kei­ten der Umset­zung aufge­zählt. Zukünf­tig soll die Ausstat­tung von Arbeits­stät­ten mit Brand­mel­de­an­la­gen nicht nur aufgrund baubehördlicher/baurechtlicher Anord­nun­gen erfol­gen, wie es heute die Regel ist, sondern bereits bei der Erstel­lung der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung durch den Unter­neh­mer Berück­sich­ti­gung finden. Je früher ein Brand detek­tiert und die Beschäf­tig­ten gewarnt werden, desto gerin­ger ist das Risiko von Körper­schä­den. Als posi­ti­ver Neben­ef­fekt wird durch eine frühe Detek­tion auch die Brand­be­kämp­fung, sei es durch interne Kräfte oder die öffent­li­che Feuer­wehr, früher wirk­sam. Das trägt dazu bei Sach­schä­den und Betriebs­un­ter­bre­chun­gen zu verrin­gern. Aus diesen Grün­den soll­ten bei der Auswahl von Brand­mel­de­sys­tem tech­ni­schen Lösun­gen mit auto­ma­ti­sier­ter Alarm­wei­ter­gabe stets bevor­zugt werden.
Grund­aus­stat­tung mit Feuer­lö­schern für alle Arbeits­stät­ten
Für die Grund­aus­stat­tung von Arbeits­stät­ten mit norma­ler Brand­ge­fähr­dung wurde die Ermitt­lung der notwen­di­gen Lösch­mit­tel­ein­hei­ten in Abhän­gig­keit von der Grund­flä­che und damit die Ermitt­lung der Anzahl der Feuer­lö­scher aus der ASR 13/1,2 bzw. BGR/GUV‑R 133 für Betriebs­be­rei­che mit gerin­ger Brand­ge­fähr­dung unver­än­dert über­nom­men. Demnach ist in Arbeits­stät­ten mit bis zu 50 m² Grund­flä­che ein Feuer­lö­scher mit mindes­tens sechs Lösch­mit­tel­ein­hei­ten (LE) ausrei­chend, der für die Brand­klas­sen A und gege­be­nen­falls B geeig­net ist. Für größere Arbeits­stät­ten findet die Tabelle 3 der ASR A2.2 Anwen­dung. Um einen schnel­len Zugriff zu gewähr­leis­ten wurde zusätz­lich die Forde­rung aufge­nom­men, dass die Entfer­nung von jeder Stelle zum nächst­ge­le­ge­nen Feuer­lö­scher möglichst nicht mehr als 20 m tatsäch­li­che Weglänge betra­gen soll.
Wand­hy­dran­ten mit form­be­stän­di­gem Schlauch werden aufgrund der guten Lösch­wir­kung nun 27 LE statt bisher 18 LE zuge­ord­net. Als ergän­zende Forde­rung für die Anre­chen­bar­keit von Wand­hy­dran­ten in Arbeits­stät­ten bzw. deren Geschosse mit einer Grund­flä­che größer 400 m² wurde aufge­nom­men, dass beim Einsatz der Wand­hy­dran­ten sicher­ge­stellt sein muss, dass eine Verrau­chung von Flucht­we­gen, z.B. Trep­pen­räu­men, verhin­dert wird. Dies ist z.B. der Fall, wenn die Funk­tion von Rauch­schutz­tü­ren nicht durch den Schlauch beein­träch­tigt wird.
Arbeits­stät­ten mit erhöh­ter
Brand­ge­fähr­dung
Bei erhöh­ter Brand­ge­fähr­dung sind neben der Grund­aus­stat­tung mit Feuer­lö­schern zusätz­li­che betriebs- und tätig­keits­spe­zi­fi­sche Maßnah­men erfor­der­lich. Die bishe­rige pauschale Verdopp­lung bzw. Verdrei­fa­chung der Feuer­lö­scheran­zahl, wie sie in der ASR 13/1,2 für Betriebs­be­rei­che mit mitt­le­rer bzw. großer Brand­ge­fähr­dung gefor­dert wurde, ist in vielen Fällen nicht sinn­voll.
Viel­mehr werden nun über die Grund­aus­stat­tung hinaus­ge­hende, zusätz­li­che Maßnah­men (indi­vi­du­elle Schutz­maß­nah­men) wie z.B.
  • die Bereit­stel­lung von zusätz­li­chen hand­be­trie­be­nen Gerä­ten zur Bekämp­fung von Entste­hungs­brän­den, z.B. der Brand­klas­sen C, D und F an beson­ders gefähr­de­ten Arbeits­plät­zen,
  • die Vorhal­tung fahr­ba­rer Pulver‑, Schaum oder CO2-Löschgeräte,
  • der Einbau von Lösch- bzw. Brand­ver­mei­dungs­an­la­gen und Wand­hy­dran­ten oder
  • die Ausrüs­tung von Berei­chen mit Brand­mel­de­an­la­gen
gefor­dert.
Unter­wei­sung und Brand­schutz­hel­fer
Der bishe­rige Hinweis in der ASR 13/1,2, dass eine ausrei­chende Anzahl von Perso­nen in der Hand­ha­bung von Feuer­lö­schern zu unter­wei­sen ist, wurde konkre­ter gefasst und der umgangs­sprach­lich im Arbeits­schutz schon geläu­fige Begriff des Brand­schutz­hel­fers einge­führt. In der Regel sollen 5 % der Beschäf­tig­ten als Brand­schutz­hel­fer benannt sein, wobei die indi­vi­du­elle Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung zu berück­sich­ti­gen ist. Eine größere Anzahl von Brand­schutz­hel­fern kann z.B. bei erhöh­ter Brand­ge­fähr­dung, der Anwe­sen­heit vieler Perso­nen, Perso­nen mit einge­schränk­ter Mobi­li­tät sowie großer räum­li­cher Ausdeh­nung der Arbeits­stätte erfor­der­lich sein. Den Brand­schutz­hel­fern sollen im Rahmen ihrer Unter­wei­sung Grund­kennt­nisse des vorbeu­gen­den Brand­schut­zes, Kennt­nisse über die betrieb­li­che Brandschutz-und Notfall­orga­ni­sa­tion, das Verhal­ten im Brand­fall, die Funk­tion und Wirkungs­weise von Feuer­lösch­ein­rich­tun­gen sowie die Gefah­ren durch Brände vermit­telt werden. Die fach­kun­dige Unter­wei­sung beinhal­tet eben­falls prak­ti­sche Lösch­übun­gen.
Wartung und Prüfung
Die Prüf­fris­ten zur Sicher­stel­lung der Funk­ti­ons­fä­hig­keit von Feuer­lö­schern von maxi­mal zwei Jahren wurden beibe­hal­ten. Hier zeigt sich euro­pa­weit ein unein­heit­li­ches Bild bei den Prüf­fris­ten von ein bis drei Jahren. Da nach Recher­chen der Arbeits­gruppe keine verläss­li­chen Zahlen über Ausfälle und Funk­tion der Feuer­lö­scher bei der Bekämp­fung von Entste­hungs­brän­den exis­tie­ren, wurde von einer Verkür­zung oder Verlän­ge­rung der Prüf­fris­ten abge­se­hen. Die Prüf­pflich­ten gemäß Betriebs­si­cher­heits­ver­ord­nung blei­ben hier­von jedoch unbe­rührt.
Ergän­zende Anfor­de­run­gen für
Baustel­len
Auf Baustel­len sind Arbei­ten mit einer Brand­ge­fähr­dung, z.B. Schwei­ßen, Brenn­schnei­den, Trenn­schlei­fen und Löten als häufige Ursa­che für die Brand­ent­ste­hung hervor­zu­he­ben. Deshalb wird für jedes gleich­zei­tig einge­setzte Arbeits­mit­tel, von welchem eine Brand­ge­fahr ausge­hen kann, die unmit­tel­bare Bereit­hal­tung eines geeig­ne­ten trag­ba­ren Feuer­lö­schers mit mindes­tens sechs LE gefor­dert. Zusätz­lich müssen alle Perso­nen die derar­ti­gen Arbeits­ver­fah­ren anwen­den sowie theo­re­tisch und prak­tisch im Umgang mit Feuer­lö­schern unter­wie­sen werden.
Reak­tio­nen zur ASR A2.2
Bereits vor einer geplan­ten Veröf­fent­li­chung sah sich die Arbeits­gruppe, aber auch das Bundes­mi­nis­te­rium für Arbeit und Sozia­les (BMAS) als Träger des ASTA, mit zum Teil hefti­gen Kriti­ken am Entwurf der ASR A2.2 konfron­tiert. Insbe­son­dere die Vorwürfe eines Herstel­lers von Feuer-löschgeräten, vorge­tra­gen durch eine Anwalts­kanz­lei, verzö­ger­ten die geplante Verab­schie­dung und Veröf­fent­li­chung der ASR A2.2 erheb­lich.
Haupt­te­nor der Vorwürfe war, dass insbe­son­dere Feuer­lösch­sprays nicht expli­zit Eingang in die ASR A2.2 gefun­den haben, ja deren Nutzung sogar „verbo­ten“ werde. Fakt ist, dass die Arbeits­gruppe einhel­lig der Meinung ist, dass hand­be­trie­bene Geräte zur Bekämp­fung von Entste­hungs­brän­den mit weni­ger als 6 LE alleine in der Regel nicht für eine Grund­aus­stat­tung von Arbeits­stät­ten geeig­net sind. Um einen Lösch­erfolg auch durch Laien erzie­len zu können, sehen wir es als erfor­der­lich an, dass das einge­setzte Feuer­lösch­ge­rät genü­gend Lösch­mit­tel beinhal­tet, um evtl. Fehler bei der Brand­be­kämp­fung korri­gie­ren zu können (z.B. zunächst zu großer Abstand zum Brand­ob­jekt, nicht opti­ma­les Zielen aber auch Selbst­über­schät­zung des Anwen­ders). Des Weite­ren ist gerade bei klei­nen Arbeits­stät­ten die Vorhal­tung eines Feuer­lö­schers mit 6 LE oft die wirt­schaft­lichste Lösung, da bei nach DIN EN 3 zerti­fi­zier­ten Feuer­lö­schern die Lebens­dauer und die Folge­kos­ten der regel­mä­ßi­gen Prüfun­gen genau kalku­lier­bar sind.
Ein weite­rer Vorwurf, Feuer­lö­scher nach DIN EN 3 werden im Brand­fall gar nicht erst einge­setzt, da deren Bedie­nung zu kompli­ziert ist, ist, zumin­dest im Bereich von Arbeits­stät­ten, nicht zutref­fend, da der Unter­neh­mer gemäß § 10 Arbeits­schutz­ge­setz eine ausrei­chende Anzahl von Beschäf­tig­ten für Aufga­ben der Brand­be­kämp­fung zu benen­nen und auszu­bil­den hat. Dass dies im priva­ten bzw. öffent­li­chen Umfeld ein Problem ist, kann von der Arbeits­gruppe nicht ausge­schlos­sen werden, ist aber nicht Rege­lungs­in­halt einer Tech­ni­schen Regel für Arbeits­stät­ten.
Der Einsatz von Feuer­lösch­sprays ist auch nicht verbo­ten, da es dem Arbeit­ge­ber unbe­nom­men ist, in seiner indi­vi­du­el­len Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung gemäß §5 Arbeits­schutz­ge­setz zu dem Schluss zu kommen, dass Feuer­lösch­sprays eine geeig­nete, zusätz­li­che Maßnahme des Brand­schut­zes sein können, z.B. um einer erhöh­ten Brand­ge­fahr durch den Betrieb einer Frit­teuse zu begeg­nen, oder um die Reak­ti­ons­zeit an einem gefähr­de­ten Arbeits­platz so gering wie möglich zu halten. Genauso kann er aber auch zu dem Schluss kommen, dass das griff­be­reite Vorhal­ten von stets gefüll­ten Wasser­ei­mern, zusätz­lich zur Grund­aus­stat­tung mit Feuer­lö­schern, an Arbeits­plät­zen mit erhöh­ter Brand­ge­fähr­dung, z.B. beim Umgang mit offe­nem Feuer, ein adäqua­tes Mittel ist.
Fazit
Die ASR A2.2 „Maßnahme gegen Brände“ spie­gelt den aktu­el­len Ansatz des Arbeits­schut­zes wider: weg von star­ren Vorga­ben, hin zu flexi­blen, indi­vi­du­el­len Lösun­gen auf der Basis der jewei­li­gen Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung. Das scheint even­tu­ell auf den ersten Blick „mühsam“, lässt aber deut­lich mehr Hand­lungs­spiel­raum für den Arbeit­ge­ber als bisher, wenn er das wünscht. Ein gänz­lich neuer Aspekt ist jener der Brand­er­ken­nung und Alar­mie­rung, dem zukünf­tig mehr Bedeu­tung zuge­mes­sen werden muss. Insbe­son­dere die Ausstat­tung von Arbeits­stät­ten, ab einer gewis­sen Ausdeh­nung bzw. Brand­ge­fähr­dung, mit Brand­mel­de­an­la­gen sollte zukünf­tig die Regel sein, auch wenn dies nicht von Seiten der Bauge­neh­mi­gungs­be­hör­den beauf­lagt wurde.
Auch die Fest­le­gung der Mindest­an­zahl von Brand­schutz­hel­fern im Betrieb sowie die Beschrei­bung von deren theo­re­ti­schen und prak­ti­schen Ausbil­dungs­in­hal­ten stellt eine wesent­li­che Verbes­se­rung der betrieb­li­chen Brand­schutz­or­ga­ni­sa­tion dar.
Dass nun auch tech­ni­sche Lösun­gen wie z.B. statio­näre Lösch‑, Brandvermeidungs- oder Funken­lösch­an­la­gen bei der Sicher­stel­lung des Brand­schut­zes in Arbeits­stät­ten in Anrech­nung gebracht werden können, ermög­licht dem Arbeit­ge­ber neue Möglich­kei­ten, die über das bloße Ausstat­ten von Arbeits­stät­ten mit Feuer­lö­schern hinaus­ge­hen.
Lite­ra­tur
Autoren
Dr. rer. nat. Monika Broy Regio­nal­di­rek­to­rin der Unfall­kasse NRW Leite­rin der ASTA Arbeits­gruppe „Maßnahme gegen Brände“ (ASR A2.2)
Dipl. Ing. Andreas Krie­ger Aufsichts­per­son der Unfall­kasse NRW Mitglied der ASTA Arbeits­gruppe „Maßnahme gegen Brände“ (ASR A2.2)
Dipl. Biol. Tim Pelzl Leiter des Refe­rats „Feuer­wehr, Hilfe­leis­tung, Brand­schutz“ der Deut­schen gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung – DGUV Mitglied der ASTA Arbeits­gruppe „Maßnahme gegen Brände“ (ASR A2.2)
Anzeige
News­let­ter

Jetzt unse­ren News­let­ter abon­nie­ren

Meistgelesen

Jobs
Sicher­heits­be­auf­trag­ter
Titelbild Sicherheitsbeauftragter 9
Ausgabe
9.2020
ABO
Sicher­heits­in­ge­nieur
Titelbild Sicherheitsingenieur 9
Ausgabe
9.2020
ABO
Anzeige
Anzeige

Industrie.de Infoservice
Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de