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Schutzkonzepte für Palettierer

Lücken schlie­ßen

Um festzustellen, ob an einer Anlage Handlungsbedarf besteht, ist eine systematische Betrachtung des Arbeitssystems „Palettierer“ nötig. Fotos: BGN
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Inner­halb von 24 Mona­ten ereig­ne­ten sich in Mitglieds­be­trie­ben der Berufs­ge­nos­sen­schaft Nahrungs­mit­tel und Gast­ge­werbe (BGN) drei tödli­che Arbeits­un­fälle in und an Palet­tie­rern (s. Kasten rechts). Exper­ten der Berufs­ge­nos­sen­schaft unter­such­ten die Unfälle und stell­ten bei den Unfall­ur­sa­chen eine Gemein­sam­keit fest: Das Schutz­kon­zept für die Palet­tie­rer war unzu­rei­chend. Die Lücken im Schutz­sys­tem sind jedoch ganz unter­schied­lich. Wir zeigen Ihnen typi­sche Schwach­stel­len, die die Aufsichts­per­so­nen der BGN immer wieder in Betrie­ben vorfin­den.

Das Palet­tie­ren von Produk­ten gehört in nahezu jedem Produk­ti­ons­be­trieb zu den notwen­di­gen Prozess­schrit­ten. In den meis­ten Betrie­ben läuft dieser Schritt heute auto­ma­ti­siert ab – eine Entwick­lung, die bereits in den 1960er Jahren begann. So sind in den BGN‐Mitgliedsbetrieben heute Palet­tie­rer unter­schied­li­chen Alters und unter­schied­li­cher Bauart in Betrieb. Folg­lich sind die Schutz­kon­zepte zur Absi­che­rung der Gefahr­be­rei­che unter­schied­lich und leider oft nicht ausrei­chend.
Nicht allen betrieb­li­chen Akteu­ren ist bewusst, dass bei ihrer Anlage unter Umstän­den Hand­lungs­be­darf besteht, das Schutz­sys­tem auf Schwach­stel­len zu über­prü­fen. Gewiss­heit bringt eine syste­ma­ti­sche Betrach­tung des Arbeits­sys­tems „Palet­tie­rer“. Werden Lücken im System fest­ge­stellt, müssen sie umge­hend besei­tigt werden.
Störungs­be­sei­ti­gung ist Anlass
Bei den drei tödli­chen Unfäl­len in BGN‐Mitgliedsbetrieben und auch bei der Unter­su­chung weite­rer Unfälle in und an Palet­tie­rern hat sich gezeigt: Es gab jeweils einen konkre­ten Anlass, den Gefahr­be­reich des Palet­tie­rers zu betre­ten. In der Regel geht es darum, eine Störung zu besei­ti­gen, und zwar
  • beim Einlauf der Einzel­pa­ckun­gen,
  • bei der Bildung der Lagen,
  • bei der Über­gabe der Einzel­la­gen auf die Palette sowie
  • beim Trans­port von Palet­ten im Palet­tie­rer.
Ein weite­rer Anlass, regel­mä­ßig den Gefahr­be­reich des Palet­tie­rers zu betre­ten, ist die Kenn­zeich­nung und Deko­ra­tion der Palette. Dies gilt immer dann, wenn Kunden Sonder­an­for­de­run­gen stel­len. Häufige Unter­bre­chun­gen des norma­len Ablaufs führen zur Vermin­de­rung der Leis­tung der gesam­ten Verpa­ckungs­li­nie, eine Situa­tion, die die Beschäf­tig­ten als echten oder vermeint­li­chen Stress erle­ben. Und dann besteht die Gefahr, dass Schutz­maß­nah­men umgan­gen oder mani­pu­liert werden. Schwach­stel­len im Schutz­kon­zept werden genutzt, um die Schutz­maß­nah­men und Schutz­ein­rich­tun­gen zu über­win­den.
Schwach­stel­len im Schutz­sys­tem
Typi­sche Schwach­stel­len im Schutz­sys­tem (siehe Kasten „Check­liste „Sicher­heit von Palet­tier­an­la­gen“) sind:
  • Lücke im Zaun: Es gibt eine Lücke im Zaun, die größer als 180 mm ist: z.B. zwischen Zaun und einem Pfei­ler, zwischen Zaun und der Licht­schranke, unter Förde­rern. Der Zugang einer Person zum Gefahr­be­reich ist sicher verhin­dert, wenn der 180‐Millimeter‐Abstand an keiner Stelle über­schrit­ten wird.
  • Mehr Abstand als eine Hand­spanne: Der Abstand zwischen der Sicher­heits­licht­schranke und dem Förder­gut ist größer als 230 mm. In diesem Fall ist genug Platz, dass eine Person die Palette beglei­ten und uner­kannt in den Gefahr­be­reich gelan­gen kann. Das ist verhin­dert, wenn der Abstand von 230 mm zwischen Licht­schranke und Palette nicht über­schrit­ten wird. Die Palette über­nimmt während des Hindurch­fah­rens durch die Sicher­heits­licht­schranke die Schutz­funk­tion. Der 230‐Millimeter‐Abstand entspricht unge­fähr der Länge einer Hand­spanne.
  • Parken im Muting: Das Förder­gut steht im Bereich der über­brück­ten Sicher­heits­licht­schranke (Muting) und wartet auf den nächs­ten Prozess­schritt. Der Zugang zum Gefahr­be­reich ist durch die stehende Palette allein nicht sicher verhin­dert.
  • Unsi­chere Schnitt­stelle: Sicher­heits­licht­schran­ken an der Grenze zu ande­ren Maschi­nen mit Schutz­be­rei­chen wirken nicht auf beide Schutz­be­rei­che. Dadurch wird das Betre­ten des Palet­tie­rers über den Schutz­be­reich einer ande­ren Maschine z.B. eines Foli­en­wick­lers möglich.
  • Posi­ti­ons­schal­ter unwirk­sam gemacht: Häufige Störun­gen in der Palet­tier­an­lage ziehen ein häufi­ges Betre­ten des Schutz­be­reichs nach sich. Vor allem bei älte­ren Anla­gen führt das zu umfang­rei­chen Folge­ar­bei­ten wie händi­schem Abräu­men von Lagen oder Ähnli­chem. Um solch (zeit)aufwändige Folge­ar­bei­ten zu vermei­den, werden die Posi­ti­ons­schal­ter oder Senso­ren an den Türen häufig über­brückt, demon­tiert oder auf andere Art unwirk­sam gemacht.
Autoren
Dipl.-Chem. Karin Carl‐Mattarocci, Leite­rin des BGN‐ Sach­ge­biets Betriebs­be­treu­ung
Dipl.-Ing. Markus Huse­mann, Mitar­bei­ter der Abtei­lung Sicher­heit
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